Posted On 15. Dezember 2016 By In Musikmag With 1244 Views

Childish Gambino: Awaken My Love

childishgambino_awakenmyloveFunk-Soul-Brother

Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob sich Danny Glover mit seinem Moniker Childish Gambino einen Gefallen getan hat. Schließlich insinuiert dieses „Kindliche“ eine Unschuld, die er schon längst abgelegt hat, falls er sie je hatte. Dieser Tausendsassa ist Komponist, Schauspieler, Komödiant, und was er anfasst, scheint sich in Gold zu verwandeln.

Dazu ist er Sänger, und was für einer. Darüber gibt es nun „wirklich keine zwei Meinungen“ (Reverend Dabler, in anderem Zusammenhang). Und mit solcher Vehemenz wie auf dieser Platte, mit solch traumwandlerischen Wechseln zwischen Laut und Leise, Kopf- und Bassstimme hat man Childish Gambino selten gehört.

Man weiß gar nicht, welchen Song auf „Awaken, My Love“ man zuerst in den Himmel loben soll: Den Opener „Me And Your Mama“, der sich von einem schüchternen Geplänkel zu wahren Höllenritt aufschwingt. Oder „Have Some Love“, ein solides Stück Funk in bester schwarzer Tradition. Oder „Zombies“, in dem Glover von den allgemeinen Tendenzen der Menschen erzählt, wie Falschgeld durch die Welt zu laufen und den anderen den Verstand zu rauben („All I see is zombies walking all around us/ You can hear them coming/ Come to take your mind“) und der mit einem zuckersüßen Chor aufwartet. Wenn der säuselt „And you won’t survive“, ist das schön schräg. Oder die Single „Redbone“ die zurecht bereits millionenfach im Netz gestreamt wurde.

Na gut, ehrlich gesagt kommt man doch gerne immer wieder zurück zum grandiosen „Boogieman“, der von Anfang bis zum Ende auf die Tanzfläche zielt. All das ist in Ton und Text fein verwoben, und wer nach Jazz, Soul, Funk und Spacerock dürstet, dem wird hier adäquat geholfen.

Schade, dass die ausgeklügelte App namens „Pharos“ nach minutenlangen Laden auf meinem Android nicht funktioniert. Ich hätte wirklich gerne gesehen, welch intensive Livemusikerfahrung dort gezeigt wird. Bleib ich halt weiter bei der rein akustischen Variante eines Albums, das es noch auf den letzten Metern in meine Jahresbestenliste geschafft hat!

Also: Wacht auf, meine Häschen, und gönnt Euch zum Ende von 2016 mit dieser Platte noch was ganz Feines!

Tina Manske

Childish Gambino: Awaken My Love. https://pharos.earth/

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