Geschrieben am 3. Juni 2015 von für Musikmag

Blitzbeats

Neue Platten von und mit den Veteranen Róisín Murphy, Fatboy Slim und Matthew Herbert, gehört von Tina Manske.

roisinmurphy_hairlesstoysRóisín Murphy: Hairless Toys

Ganze acht Jahre hat sich Róisín Murphy für ihr neues Album Zeit gelassen – und das Warten hat sich gelohnt. Ich kann mich an Gelegenheiten erinnern, als die Musikerin, damals noch als Teil von Moloko, in meinem Bekanntenkreis hilfloses Schulterzucken hervorrief, weil das Gros ihrer Songs irgendwie gar nicht so eingängig klang wie das kommerziell erfolgreiche „Sing It Back“ (das dazu führte, dass alle die Platte kauften).

Nu, so ist es glücklicherweise auch heute noch. „Hairless Toys“ ist eine dunkle Platte, auf der Róisín Murphy dem Genre House einen neuen Kick verpasst und interessante Ausflüge in Richtung Jazz und Minimal Music bietet. Die Hamburger Termine ihrer Europa-Tournee sind leider schon ausverkauft, beim Berlin Festival Ende Mai hatte man gerade noch mal Gelegenheit, Róisín Murphy live zu erleben. „Ich arbeite nicht, um anderen Menschen eine Freude zu machen, sondern mir selbst“, sagte sie vor Kurzem in einem Interview, und wenn’s dann uns auch noch Spaß macht – umso besser.

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Róisín Murphy: Hairless Toys. PIAS (Rough Trade).

fatboyslim_halfwayFatboy Slim: Halfway Between The Gutter And The Stars Deluxe Edition

Es gab im Jahr 2000 wenige Platten, die ich öfter gehört habe als „Halfway Between The Gutter And The Stars“ von Fatboy Slim – ein Klassiker des Big Beat und einer meiner All-Time Favorites. 15 Jahre danach erscheint nun bei Skint Records die Jubiläumsedition der damals in UK mit Platin veredelten Platte. Darauf sind die Originale zu hören, ergänzt durch kongeniale Remixe von Josh Butler, Autograf, Lazy Rich und Spieltape, von X-Press 2, The Chemical Brothers und Stanton Warriors.

Allerdings fällt auf, dass wenige Remixe dem Original noch etwas hinzufügen können. „Song For Shelter“ zum Beispiel wird in der Version der Chemical Brothers zwar überhaupt erst tanzbar, verliert dafür aber auch seine ätherische Weite. Josh Butler entzieht „Love Life“ und der Stimme von Macy Gray bei seinem Versuch jegliche Sexyness und das schon des Öfteren für Werbezwecke verwendete „Ya Mama“ verflacht im Moguai Remix lediglich. „Demons“ von Stanton Warrior ist eine gelungene Ausnahme, vielleicht auch, weil er auf mehr abzielt als auf das ewige Ich-mach-dann-mal-einen-Housetrack-draus. Es gibt aber trotzdem überhaupt keinen Grund, diese wegweisende Platte nicht nochmal zu kaufen, am besten in der LP-Version, damit sie auch die nächsten Medienbrüche übersteht.

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Fatboy Slim: Halfway Between The Gutter And The Stars Deluxe Edition. Skint Records (Indigo).

matthewherbert_theshakesMatthew Herbert: The Shakes

Der Mann, der einen der letzten Erfolge von Róisín Murphy mitverantwortet hat, veröffentlicht ebenfalls sein neues Album. Matthew Herbert war mitentscheidend dafür, dass „Ruby Blue“ vor jetzt auch schon wieder zehn Jahren so eine megabombastische Platte wurde. Und Herbert hat die Mechanismen des Musikbiz noch immer voll drauf. In den letzten Wochen vor Albumveröffentlichung gab es jede Woche einen neuen Track von „The Shakes“ inklusive Video als Stream für die Fans – so was heizt die Erwartungen ja immer an (wenn man noch an iTunes glaubt).

Besonders gut gelungen sind ihm dieses Mal die Uptemponummern wie z. B. „Strong“, einer schönen Klassenkampfgeschichte, die es auch auf die Straße schaffen könnte – tanzbar bis zum Morgengrauen. Auch das anschließende „Smart“ haut in diese Kerbe, wenn auch mit lateinamerikanischeren Rhythmen. Der Oberhammer ist aber natürlich die Kirchenorgel der St. Jude-Kirche in Hampstead – wer da, insbesondere beim abschließenden „Peak“ nicht wieder technogläubig wird, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen.

Matthew Herbert: The Shakes. Caroline International (Rough Trade).

Tina Manske

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