Geschrieben am 24. April 2013 von für Musikmag

Blitzbeats

Neue Platten von und mit Junip, Motorpsycho, Anika und PTTRNS, gehört von Tina Manske (TM) und Christina Mohr (MO).

junip_ditoUnverwechselbar

(TM) Wenn eine Band ein Album nach sich selbst benennt, meint sie selbst dort zu sein, wo sie hingehört. Gleiches scheint für Junip zu gelten, die Band um Singer/Songwriter/Gitarrist José Gonzales, die nun den Nachfolger zum äußerst erfolgreichen „Fields“ präsentiert. Eines haben Gonzales und seine Mitstreiter Elias Araya (Schlagzeug) und Tobias Winterkorn (Tasteninstrumente) auf jeden Fall jetzt schon erreicht: ihr Sound ist unverwechselbar.

Wie schon beim Vorgängeralbum verbinden sie psychedelische Soundlandschaften mit höchst attraktivem Krautrock-Geflirre und souveränen Rhythmusgebäuden, insgesamt verpackt in ein Pop-Paket, das sowohl im Formatradio funktioniert wie auch als Aufwärmer im angesagten Club. Zur Wiedererkennbarkeit gehört natürlich auch die ebenso warme wie aus einer leichten Distanz herüberrufende Stimme von José Gonzales. Junip haben es dabei geschafft, ihr Soundgewand noch zwingender und kompakter zu gestalten. Anspieltipps sind die Singles „Line Of Fire“ und „Your Life Your Call“, deren zugehörige Videos eine schön düstere Geschichte erzählen.

Junip: dito. City Slang (Universal). Zur Homepage.

motorpsycho_stilllifewitheggplantGewohnt virtuos

(TM) Das neueste, mittlerweile 15. Album der schwedischen Rock-Urgesteine Motorpsycho ist eigentlich ein Ableger ihres side projects, der Prog-Rock-Oper „The Deaf Defying Unicorn“, welches ihnen in den letzten Monaten überschwängliche Reaktionen von Publikum und Kritik gleichermaßen einbrachte. Im Sommer 2012 nämlich fanden sich an die 20 Songs im Fundus der Band wieder, die zwar im Rahmen von „The Deaf Defying Unicorn“ entstanden waren, aber nicht zum Projekt passen wollten. Und so begaben sich Motorpsycho endlich wieder einmal gemeinsam ins Studio und ließen den Vibes freien Lauf; als Ergänzung stieß der Gitarrist Reine Fiske zu dem Trio.

Ja, „Still Life With Eggplant“ vereint zum ersten Mal zwei Gitarristen, und das Zusammenspiel zwischen Fiske und Hans Magnus Ryan funktioniert nicht nur, es sprüht Funken, wie man am Beispiel „Ratcatcher“ auf einer Länge von über 17 Minuten sehr gut hören kann. Seit langer Zeit liegt die Konzentration auch wieder einmal auf songorientierten Tracks, was das Album zugänglicher macht als die vorherigen Produktionen. Trotzdem muss man nicht auf die gewohnte Virtuosität verzichten.

Motorpsycho: Still Life With Eggplant. Stickman Records (Soulfood). Zur Facebook Seite.

anika_epUnfassbar intensiv

(MO) Anika und Geoff Barrow setzen ihre kongeniale Zusammenarbeit fort: vor drei Jahren produzierte Barrow (Portishead/Beak>) das Debütalbum der aus Bristol stammenden Wahlberlinerin, die eigentlich gar nicht vorhatte, Sängerin zu werden – sie arbeitete als Politikjournalistin, als sie Barrow kennen lernte, der sie zum Singen überredete. ‚Singen‘ ist auch gleich das Stichwort, denn Anika ist die hinreißendste Nichtsängerin neben Nico, Yoko Ono und Michaela Melián. Barrow bettet Anikas wie beiläufig dahingesungen wirkende und doch so eindringliche Vocals in schläfrig-wummernde Dub-Sounds – diese Kombination funktionierte auf dem Debüt fantastisch und auf der neuen EP noch besser.

Wieder haben sich Anika und Barrow für verstörend-faszinierende Coverversionen entschieden und man kann sich gar nicht entscheiden, welcher Track der Beste ist: Anikas Interpretation des Kinks-Klassikers „I Go To Sleep“ oder vom „sickest song in the world“ (Zitat Courtney Love): „He Hit Me (and it felt like a Kiss)“ von der 60´s-Girlgroup The Crystals, das synthetisch-kühle, aber zwingend tanzbare „In The City“ von den Chromatics oder „Love Buzz“ von Shocking Blue. Zwei neue Dub-Versionen von Anikas früheren Singles „Yang Yang“ (Hit!!) und „No One´s There“ runden die EP ab, die sich durch zwar kurze Spieldauer, dafür aber unfassbare Intensität auszeichnet.

Anika: Anika EP. Stones Throw Records. Zur Hoempage und zu  Anikas Labelseite.

pttrns_bodypressureFunky!

(TM) Soso, Sie wollen also zu Beginn des Frühlings mal so richtig tanzen. Die Sau rauslassen, ja? Und die Straßenmusiker in Ihrer Stadt spielen mal wieder nur „O sole mio“ und diese eine Arie aus dem „Zauberlehrling“? Nun, gut, dass es PTTRNS aus Köln gibt. Die machen nämlich mit „Body Pressure“ die Platte, die eine Lücke füllt zwischen sagen wir Simian Mobile Disco, !!!, Hans Nieswandt und Hot Chip. Ja, sie haben’s drauf, Disco, House, R’n’B und Afrobeats zu einer infizierenden Popmischung anzurichten. PTTRNS, das sind vier Multiintrumentalisten, die daher auch gerne beim Jammen mal die Instrumente wechseln, neue Sachen ausprobieren und bei Auftritten sogar das Publikum mitmachen lassen.

Dass sich das Trio vor kurzem zu einem Quartett erweiterte, tut ihrem Sound unheimlich gut, denn Percussionist Hendrik Frese kommt in diesem funky Musikkosmos ein wichtiger Part zu. Produzent Jan-Philipp Janzen (u. a. Von Spar) spendiert der Platte einen Höllensound. Also schlagen Sie zu und tanzen Sie mit! Und selbst wenn Sie den Mörder-Opener „Healing“ auf Repeat stellen und einfach immer wieder hören: schon dafür lohnt sich der Kauf dieses Albums.

PTTRNS: Body Pressure. Altin Village & Mine. Zur Homepage und zur Facebook Seite.

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