Posted On 10. April 2013 By In Musikmag With 604 Views

Black Rebel Motorcycle Club: Specter At The Feast

black_rebel_motorcycle_club_specter_at_the_feastNette Rocker

– Der Black Rebel Motorcycle Club ist seit über zehn Jahren ein Garant für dreckigen Gitarrenblues. 2010 lieferte das nach der Motorrad-Gang aus dem Marlon-Brando-Klassiker „The Wild One“ benannte Trio einen Meilenstein des diabolisch wabernden Rocks ab. Das sechste Studioalbum „Specter At The Feast“ wildert nach einem guten Einstieg drei Tracks hindurch überraschend in gefälligen Pop-/Rock-Gefilden.

Das lässt „Black“, „Rebel“ und „Motorcycle“ vermissen. Die bösen Jungs scheinen domestiziert. Der glatte Rock-Sound erinnert eher an Richard Ashcrofts (The Verve) Solopfade Anfang des neuen Jahrtausends. „Returning“ ist einfach kein BRMC-Song. Hinzu gesellt sich die wehleidige Intonation, die Muse perfektionierten. Die Stimme im Kopf flüstert etwas von Ungerechtigkeit gegenüber dem Künstler, nur weil man selbst nicht auf überdimensionierte Dicke-Eier-Mucke steht. Das muss das Material sein, das in Dave Grohls Studio in LA aufgenommen wurde. Zum Glück wurden andere Tracks im berühmten Ranco De La Luna Studio in Joshua Tree (stimmt, irgendwie erinnert der Anfang des Albums auch ein bisschen an U2 Anfang der 1990er) und in Santa Cruz, der Heimatstadt von Bassist Robert Levon Beens, eingespielt.

„Hate The Taste“ – der fünfte Song – erlöst den irritierten Hörer. Düsterer Blues und wummernde Gitarrenteppiche erobern ihr Terrain zurück. Mit „Rival“ heulen die Gitarren endlich richtig auf. Leah Shapiro steigert das Tempo zunehmend am Schlagzeug. „Teenage Disease“ ist einer Motorradgang würdig. Die darauf folgende Ballade „Some Kind Of Ghost“ ist eine wohltuende Ruhepause, die nun mal auf so ein Album gehört. Ob danach unbedingt noch ein ruhiges Stück folgen muss, ist streitbar. Zumindest heizt „Funny Games“ die Stimmung wieder an.

„Specter At The Feast“ ist ein solides Rockalbum, dem nach Geschmack der Rezensentin leider der Blues abhandengekommen ist. Klar ist „Specter At The Feast“ kein Feuerwerk der guten Laune. 2010 starb unerwartet Beens Vater Michael, der so eng mit der Band verknüpft war, dass er inoffiziell als viertes Bandmitglied galt. Diese Erfahrung schlägt sich auf dem aktuellen Album nieder. Aber es fehlt das erotische Moment des Blues, und „Specter At The Feast“ bleibt im schwelenden Rockpathos hängen. Genau genommen nerven „Returning“ und „Lullaby“, die so präsent am Anfang des Albums sind, dass sie den Rest unangenehm überschatten. Wer mehr Wert auf Rock als auf Blues legt, dem ist das Album absolut zu empfehlen.

Und live ist der Black Rebel Motorcycle Club ohnehin unschlagbar. Die Band spielt, bis sie nicht mehr kann, und das Publikum bringt sich unbekannter Weise gegenseitig Bier von der Theke mit. Die harten Jungs in Lederkluft machen den kleinen Mädchen Platz, damit sie auch etwas sehen. So nett sind nur richtige Rocker.

Janine Andert

Black Rebel Motorcycle Club: Specter At The Feast. Abstract Dragon Records/Cooperative Music. Zur Homepage von BRMC, zum Facebook Auftritt und zur Single „Let The Day Begin“ bei soundcloud.

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