Geschrieben am 10. Juli 2013 von für Musikmag

Austra: Olympia

austra_olympiaMusikalische Morgenröte

– Austra stellten ihr neues Album „Olympia“ vor ausverkauftem Haus im Lido vor. Record Release im kleinen Rahmen nannte sich das. Ganz klar, Katie Stelmanis und ihre fünf MitstreiterInnen haben den Durchbruch geschafft.

Was nach dem Debüt „Feel It Break“ noch als Geheimtipp gehandelt wurde, hat mittlerweile den Radiohörer erreicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Austra im letzten Jahr Gossip supporteten. Mit der Queerband aus Olympia, Washington verbindet das Sextett inzwischen nicht nur die Queerness, sondern auch der Hang zu massentauglichen Hits.

„Es werde Licht“ könnte auch programmatisch als Untertitel des neuen Albums durchgehen. „Feel It Break“ war noch ein Werk treibender Beats zwischen Nebelschwaden, einzuordnen im Genre des Electro-Goth und Witch House, eher verbunden mit Bands wie Zola Jesus als eben Gossip. Was nicht unwesentlich der Tatsache geschuldet ist, dass sowohl Nika Roza Danilova als auch Katie Stelmanis auf klassischen Operngesang mit düsterem Synthie-Sound und Dark-Wave-Anleihen setzten. Doch schon „Feel It Break“ bewies Austras eigene Handschrift. Neben Katies weitgehend von Verzerrungen freier Stimme, setzte die Band mehr auf tanzbare Rhythmen als auf sphärisch wabernde Klangteppiche.

Auf dem Zweitwerk „Olympia“ wird nicht mehr im Keller getanzt, sondern die ganz große Bühne in Ekstase versetzt. Ein Schritt in Richtung Mainstream, von dem so mancher Konzertbesucher nicht so recht wusste, was er davon halten soll. Vielleicht und gerade deshalb lag der Fokus des Lido-Konzerts auch auf den alten Hits. Die haben aufgrund ihrer puristischen Brachialität mehr Durchschlagskraft.

„Olympia“ schleicht sich diffiziler an den Hörer heran. Die ausgefeilte Instrumentierung reicht vom Piano bis zum Waldhorn, versetzt mit House- und Discobeats. Der neue Sound wird Schicht um Schicht aus der Düsternis geschält und stattdessen mit tirilierenden Backgroundstimmen der Zwillingsschwestern Romy und Sari Lightman versehen. Offensichtlich ist hier Nomen gleich Omen. Austra, der zweite Vorname der Sängerin Katie Stelmanis, bedeutet zudem in der lettischen Mythologie „Göttin des Lichts“. Da muss ja irgendwann die Sonne aufgehen: musikalische Morgenröte. Lyrisch ist Frontfrau Katie dem Liebeskummer treu geblieben. Womit Austra sich auf dem Weg zum perfekten Popsong befinden – tanzbarer Herzschmerz, der sich mitsingen lässt.

Janine Andert

Austra: Olympia. Domino/GoodToGo. Zur Homepage, zur Facebookseite, zu Soundcloud.

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