Geschrieben am 3. November 2019 von für Musikmag

Stagetime: Maren Kroymann & Band – In My Sixties

Berlin, Tipi am Kanzleramt, 2.11.2019

Maren Kroymann ist nicht mehr in ihren Sixties, sondern dieses Jahr 70 geworden, aber sie steht da auf der Bühne, als ob sie sich darum einen Teufel schert. Die erste Frau, die in den 80ern ihre eigene Satiresendung im deutschen Fernsehen hatte („Nachtschwester Kroymann“), ist prima gealtert. Gerade hat sie mit der „Rose d’Or“ einen der renommiertesten Fernsehpreise für ihr Lebenswerk erhalten und kann nun wieder durchstarten. Nach ihrem Armbruch in diesem Jahr, durch den sie eine Weile pausieren musste, ist sie nun für drei aufeinanderfolgende Abende im Tipi am Kanzleramt zu Gast. Sie beginnt den Abend in einem blauen Kleid mit flachen Absätzen und beendet ihn in einem schwarzen Glitzeroberteil und schwarzem Rock, ebenfalls mit flachen Absätzen. Und die Tatsache, dass diese Kleidung mir ein paar Zeilen wert ist, zeigt, dass dieser Abend auch politisch verstanden werden kann.

Man hat das Gefühl, Kroymann selbst ist diejenige, die an diesem Abend am meisten Spaß hat von allen. „In my Sixties“ hatte seine Premiere im Jahr 2011 in der Bar jeder Vernunft, und man merkt, dass ihr diese Songs noch immer sehr am Herzen liegen. Mit ihrer vierköpfigen Band, die sie bei der Vorstellung als „Co-Stars“ bezeichnet, unternimmt sie in ihrer zweistündigen Show eine Tour-de-Force durch die Musik der 60er- und beginnenden 70er-Jahre. Ihre (nicht nur musikalische) Heldin ist Dusty Springfield, mit deren Songs Kroymann die Pubertät und die beginnenden Liebesturbulenzen besser verarbeiten konnte. Zu Beginn hat sie etwas Schwierigkeiten, den richtigen Ton zu treffen, aber im zweiten Teil der Show läuft sich ihre Stimme warm und sitzen die Songs besser. „Toi jamais“ von Silvie Vartan aus dem Jahr 1976 ist der Höhepunkt – hier sind Sängerin und Song (und übrigens auch die französische Intonation, in der Interpretation von Catherine Deneuve) auf den Punkt.

Am unterhaltsamsten sind aber die eingestreuten Anekdoten und auch politisierenden Äußerungen zwischen den Songs. Kroymann schafft es, auch ihre eigene Sozialisation als homosexuelle Frau mal mehr, mal weniger offensiv aufs Tapet zu bringen (siehe das Thema „Lesben und Kurzsichtigkeit“). Man hat das Gefühl, einigen im Zelt ist das ein wenig zu viel, vielleicht wussten sie auch nicht, auf was sie sich an diesem Abend einließen.

Das Gros des für einen typischen Berliner Samstagabend sehr gemischten Publikums aber war’s zufrieden.

Tina Manske