Posted On 6. Dezember 2017 By In Klassiker Special 2017, Litmag, Specials With 157 Views

Stephen King – Top Ten

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Minka Breloer

Meine Stephen King – Top Ten

MISERY STEPHEN KING1) Sie (Misery). Heyne Verlag, München 2011. 528 Seiten, 9,99 €

Die Lektüre von Misery hat mir selbstverständlich Angst gemacht. Sie hat mir außerdem geholfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Misery erzählt die Geschichte des Autors Paul Sheldon, der von einem Fan gefangen gehalten und mit Folter gezwungen wird, Fortsetzungen seiner erfolgreichen Trash Romanserie zu schreiben. Neben dem Schreiben der Trash Geschichte, mit der Sheldon sich selber tröstet, erfindet er einen manischen Sportreporter, der abwechselnd seine Schmerzen, seine Sucht nach Schmerzmitteln und seine verzweifelten Versuche aus der Geiselhaft zu entkommen, kommentiert. Heute würde man dies die Technik des „Inneren Beobachters“ nennen. Bei meinem Nikotinentzug hörte ich Pauls verrückten Sportreporter ganz unvermittelt in meinem Kopf: „Nun Bob, sie sieht ziemlich angeschlagen aus, was meinst du, heult sie einfach nur oder wird sie in den Boden beißen?“ „Ich weiß nicht Joe, das erinnert mich an den missglückten Entzug von 89, sie zuckt so komisch im Hals vielleicht RAUCHT sie auch einfach eine?“ Das war bei allem Elend überraschend witzig.

2) Herzen in Atlantis, im Sammelbuch Atlantis (Hearts in Atlantis). Heyne Verlag, München, 2011. 800 Seiten, 10,99 €

Dies ist eine kurze Liebesgeschichte. Nebenbei erzählt King, wie ein körperbehinderter Student im Schnee ausrutscht und stürzt. Seine Mitstudenten beobachten ihn und einer kommentiert den Sturz, wieder im Stil des manischen Sportreporters. Diese Szene ist so komisch, dass ich allein beim Lesen gemeinsam mit den Studenten in der Geschichte nicht mit dem Lachen aufhören konnte. Obwohl wir alle wussten, das es böse war zu lachen.

3) Das Leben und das Schreiben (On Writing: a memoir of the craft). Heyne Verlag, München 2011. 384 Seiten, 10,99 €

Die zweite Hälfte dieses Buch ist eine bodenständige, handwerkliche Anleitung für Autoren. Die erste Hälfte ist eine Autobiographie von Stephen King, seiner Kindheit als Sohn einer alleinerziehenden Mutter, seinem Schreiben und seiner Alkoholsucht.

Das berührenste Kapitel ist Nr. 34, die Beerdigung seiner Mutter in 5 Zeilen.

4) Feuerkind (Firestarter). Heyne Verlag, München 2007. 560 Seiten, 9,99 €

Dieser Roman erzählt die Geschichte eines Vaters und seiner Tochter, die durch medizinische Experimente über Superkräfte verfügen. Der Vater kann, jedoch nur mühsam, die Gedanken anderer manipulieren, seine Tochter, wesentlich potenter, Feuer erzeugen. Dies ist einerseits die spannende Abenteuer Geschichte der Flucht der beiden vor den Behörden, die von dem für King typischen Realismus des was-wäre-wenn lebt. Es ist aber auch die Geschichte eines Vaters der über sich hinaus wächst, um seine Tochter zu beschützen. So werden sie gefangen und getrennt. Der verzweifelte Vater lässt sich zunächst in Fress- und Drogensucht fallen, bis er seine eigenen Gedanken manipuliert, um über Nacht wieder clean und stark zu werden und die Feinde seiner Tochter weitgehend zu erledigen.

5) Mrs. Todds Abkürzung (Kurzgeschichte in der Gesang der Toten/ Mrs. Todd`s Shortcut, in Skeleton Crew). Heyne Verlag, München 1986. 183 Seiten, 0,49 €

Das Motiv dieser Kurzgeschichte ist die Existenz von mehreren Varianten unserer Welt mit unterschiedlichen Gesetzen von Raum und Zeit und Monstern. Diese alternativen Welten kommen in vielen Geschichten von King vor und bringen die Helden oft in Schwierigkeiten.

Hier kann die sympatische Mrs. Todd beim Autofahren in andere Weltvarianten abbiegen. Das erlaubt ihr Strecken mit unglaublichen Abkürzungen zurück zu legen, fördert ihre Selbstverwirklichung und macht sie bei jedem Aufenthalt Jünger und gesünder.

6) Das letzte Gefecht (The Stand). Heyne Verlag, München 2016. 1712 Seiten, 17,99 €

Ich mag Science Fiction und Was-wäre-wenn Geschichten. Eines der ultimativen Szenarien ist natürlich: Was-wäre-wenn 99,99% der Weltbevölkerung stürben. Ganz konkret entwickelt King hier die Fragen wie man über verstopfte Straßen reisen kann, wie man mit all den Leichen umgeht, wie man sich ernährt, wie sich das Zusammenleben der Überlebenden gestalten könnte.

Das später alles auf den Kampf Gut gegen Böse hinausläuft und das die spannenden Protagonisten diejenigen sind, die nicht sofort wissen, auf welcher Seite sie enden werden, macht die Sache nur besser.

 

7) Shining (The Shining). Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1985. 624 Seiten, 10,99 €

Der King-Klassiker bekommt von mir den Platz in den Zehn Besten vor allem wegen der Beschreibung des Alkoholikers Jack, der versucht trocken zu werden, ein guter Vater und Ehemann zu werden, und scheitert. Hier fieserweise nicht an der Sucht sondern den Geistern, die ihn in der Art der Alkoholsucht manipulieren, obwohl er trocken wurde.

8) Brennen muß Salem (Salems Lot). Heyne Verlag, München 2010. 736 Seiten, 16,00 €

Dies ist eine klassische Vampirgeschichte. Ich mag sie vor allem, weil sie den epidemischen Charakter des Vampirisimus stringent zu Ende denkt. Wenn jeder vom Vampir gebissene Mensch auch ein Vampir wird und ein Vampir in einer Nacht auch nur einen Menschen beißt, dann hat man eine 2-4-8-16-32—- exponentielle Vermehrung von Vampiren. In kürzester Zeit ist die ganze Welt Vampir. Es sei denn…

9) Faire Verlängerung (Kurzgeschichte in zwischen Nacht und Dunkel). Heyne Verlag, München 2012. 544 Seiten, 9,99 €

Diese Geschichte hat, wie Mrs. Todds Abkürzungen, ein Happy End, das der Leser dem sympathischen Helden von Herzen gönnt. Zu Beginn der Geschichte ist er ein Verlierer, der grade seine Krebsdiagnose bekommt. Mit Hilfe des Teufels lädt er sein Pech auf den ewig glücklicheren „besten Freund“ ab, die Rollen tauschen sich. Bald hat der Held den besseren Job, die bessere Gesundheit, die bessere Ehe, die besseren Kinder. Nun bemitleidet er auf freundliche, möglicherweise herablassende Weise seinen unglücklichen besten Freund, dessen Kinder auf die schiefe Bahn gerieten und dessen Frau verstarb, und der sich selber irgendwie gehen ließ.

10) Todesmarsch (The Long Walk). Heyne Verlag, München, 2013. 400 Seiten, 9,99 €

Todesmarsch hat King als junger Mann geschrieben, offenbar noch vor Carrie. Ich las Todesmarsch gemeinsam mit Freundinnen im selben Alter der Helden während meiner Abitur-Klassenreise auf Bornholm. In einer dystopischen Welt treten 17-jährige Jungen gegeneinander in einem Wettgehen bis zum Tode an. Wer als letzter noch mit einer bestimmten Geschwindigkeit marschiert, bekommt einen Wunsch erfüllt, die anderen werden erschossen. Er war so spannend, dass wir uns nicht einigen konnten, wer zuerst lesen durfte, und uns am Ende gegenseitig vorgelesen haben. Außerdem war es eine Abiturreise, also betranken sich die Jung jeden Abend, bis sie dachten, es sei eine gute Idee, die Mädchen in den Swimmingpool zu werfen. Das ist meine Erinnerung an Todesmarsch: Von besoffenen Klassenkameraden in den Pool geworfen werden und denken: Mist, jetzt dauert es bestimmt eine halbe Stunde, bis wir zu Ray Garraty zurück kommen, und er wurde doch grade langsamer.

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Minka Breloer, Wissenschaftlerin am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, zwei Kinder (King-Fans), lebt in Hamburg.

 
 
 

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