Petits riens (I)


Zwangsverordnete Lampen & Fantasielose Programmplanung

Wolfram Schütte über den Irrsinn rund um die Einführung der Energiesparlampe und die ewige Wiederkehr des Gleichen in den Programmangeboten der öffentlich-rechtlichen Sender.

Folgenlose Havarie mit Lampe – Wie oft habe ich schon gelesen & auch im TV gesehen, dass es sich bei den von der EU verordneten neuen (Energie-)Sparlampen um einen gigantischen Betrug handelt!

Allein das Faktum, wonach die alten Lampen nicht mehr hergestellt werden dürfen, es also buchstäblich so verboten ist, sie noch in die Welt zu setzen wie es verboten ist, Quecksilber sorglos in der Kloschüssel zu „entsorgen“, verschafft den Herstellern einen konkurrenzlosen Vorteil, weil man ja über kurz oder lang gezwungen sein wird, die neuen Lampen zu kaufen, wenn es dann die alten nicht mehr gibt.

Dabei sind die neuen Lampen – ganz abgesehen von ihrem scheußlichen Licht – mitnichten energiesparender als die alten, weil zu ihrer Herstellung & Entsorgung wesentlich mehr Energie verbraucht wird als bei den nun Zug um Zug verbotenen.

Die herkömmlichen hatten wenigstens kein Entsorgungsproblem; die aber, zu denen wir Europäer nun zwangsverpflichtet wurden, sind durch das in ihnen enthaltene Quecksilber hochgiftig. (In einem TV-Feature wurde ein glatzköpfiger Junge präsentiert, der alle seine Haare verloren haben soll, weil er eine Nacht lang in einem Zimmer geschlafen habe, in dem sich die Quecksilberdämpfe einer kaputt gegangenen Lampe verbreitet hätten.)

Geht also eine der zwangsverordneten Lampen kaputt, so ruft man am besten gleich Feuerwehr & Polizei & macht vorsorglich alle Fenster des Raums auf, in dem die katastrophale „Havarie“ mit der Lampe sich zugetragen hat. Wäre es dann nicht „angesagt“, jede Familie, am besten gleich jeden Europäer (wegen der Vielzahl der heutigen Singles) zum vorsorglichen Kauf einer Atemschutzmaske zu verpflichten – wie man ja auch schon in manchen EU-Ländern als Autonutzer gezwungen ist, eine Warnweste bei sich zu führen?

Im Ernst: Hätte die alte Lampe das gesundheitsgefährdende Manko der neuen, dann hätten genau dies die Lobbyisten der Industrie in Brüssel so lange in Anschlag gebracht, bis sie sich für die neue durchgesetzt hätten. Da es aber nun umgekehrt ist: Wer von den europäischen Politikern oder Parteien vertritt nun die zum Zwangskonsum der neuen Lampen verpflichteten Europäer gegen eine Elektroindustrie, die sie & damit uns alle übers Ohr gehauen hatte? Wo sind die Grünen? Wo äußert sich dazu endlich die Verbraucherschutzministerin? Greift denn nichts & niemand mehr in das durchschaute Zusammenspiel von Industrie, Gesetzgebung & Bürokratie ein?

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Fehlender Widerspruch – Kürzlich bei Blick auf das Pfingstprogramm der ARD traute ich meinen Augen nicht mehr: an Pfingst-Sonntag & -Montag abends das gleiche Sendeschema: Tatort + Sherlock . 2 x 2 Serien, mehr noch: 2 x 2 Kriminalserien.

Ohnehin hat man beim Überblick der öffentlich-rechtlichen Sender & deren Programmangeboten den Eindruck, sie alle gehörten zu einem Spartenkanal für audiovisuelle Krimifiktion. Dieses Format ist dort omnipräsent. Einfallsloser, fantasieloser kann Programmgestaltung nicht sein.

Seit es so gut wie keine professionelle, kontinuierliche, aus-& umgreifende Fernsehkritik mehr gibt, die an die Öffentlich-Rechtlichen programmatische Qualitäts-Forderungen stellt, existiert dort offenbar weder eine kreative Programmpolitik noch ein (wechselnder) Minderheitenschutz, der dafür sorgt, dass nicht nur die ewige Wiederkehr des Gleichen für die Mehrheit der Konsumenten auf der Tagesordnung steht.

Nie (könnte man fast behaupten) war die Abwesenheit einer publizistischen Öffentlichkeit in unserer Demokratie folgenreicher bemerkbar als auf dem Feld des öffentlich-rechtlich verfassten Fernsehens. Ihm fehlt der es kontrollierende, notfalls strikt widersprechende Diskurs einer qualifizierten Öffentlichkeit (in der Presse).

Wahrscheinlich hat man bisher noch nicht (oder nicht hinreichend) wahrgenommen, dass es in einer repräsentative verfassten Demokratie noch mehr Bereiche als nur die Politik gibt oder geben sollte, die repräsentativ verfasst sein und dem Gesetz der „Balance of power“ entsprechen müssten, wie eben z. B. die öffentlich-rechtlichen Sender. Sonst funktioniert das ganze System mit seinen Schutzmechanismen gegen Machtmissbrauch nicht. Denn wenn Demokratie nur Volksherrschaft & diese nur Mehrheitsherrschaft bedeutete, wäre sie der rigide Terror für alle, die nicht auf der Seite der Mehrheit sind. Der demokratische Minderheitenschutz garantiert die jederzeitige Möglichkeit zur Mentalitäts- & Richtungsänderung in der Demokratie, er fördert die Rekreationsfähigkeit der Demokratie.

Wolfram Schütte

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