LitMag-Weltlyrik: Katerina Anghelaki-Rooke


Das sah man auch bei anderen Gedichten

von

Katerina Anghelaki-Rooke

Ich habe nie den Frühling verstanden
- das sah man auch bei anderen Gedichten -
deshalb auch all die Missverständnisse mit dem Fleisch
der Hoffnung, der Selbsterkenntnis in der Zeit.

Ich habe es nie geschafft
das alljährliche Wunder
mit dem ewigen Schweigen ins Gleichgewicht zu bringen;
die Wahrheit der immer wieder neuen Blüte
mit dem einen Tod.

Ich betrachte heute wieder das junge Grün
und wie der eisige Wind verwundert
vor dem Überschwang der Natur
einen Schritt zurückmacht.

Das Licht ziert sich in halbversteckten Gipfeln
und ich habe wieder
das Thema verfehlt.

Es gibt nur ein Thema:
der persönliche Körper
und sein unpersönliches Verderben.

(Aus dem Griechischen von Dadi Sederi, in „Griechische Lyrik des 20. Jahrhunderts, 2001)

 

Katerina Anghelaki-Rooke , geboren 1939 in Athen, gehört heute zu den großen zeitgenössischen Lyrikerinnen Griechenlands. Von ihr sind eine Reihe Lyrikbände erschienen, aus denen nur wenige Gedichte in deutscher Sprache vorliegen. Sie übersetzte auch aus dem Russischen und dem Englischen. Es wird Zeit, dass wir nicht nur auf die griechischen Banken und maroden Wirtschaftsunternehmen starren, sondern auch die griechische Gegenwartskunst, z.B. die Lyrik zur Kenntnis nehmen. Es gibt auch „kulturelle Schutzschirme“…

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