Geschrieben am 31. Dezember 2022 von für Highlights, Highlights 2022

Frank Schorneck, Wallace Stroby, Julia Wagenhals, Christopher Werth

Frank Schorneck: Jahr 2022 … die überleben wollen

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal den Spielfilm „Soylent Green“, der den deutschen Titel „…Jahr 2022 … die überleben wollen“ trägt, gesehen habe. Irgendwann in den 1980ern als Jugendlicher; in einer Zeit, als zwar die nukleare Bedrohung greifbar war zwischen Tschernobyl und Pershing II, das Jahr 2022 selbst aber in schier unglaublicher Ferne zu liegen schien (schon 2000 galt ja irgendwie als magische Jahreszahl). Nun befanden wir uns sich plötzlich in dem Jahr, in dem diese Dystopie spielt und nach Jahrzehnten gefühlten Friedens (irgendwo auf der Welt hat es ja durchgehend weiter gezündelt) und etlichen Klimagipfeln ist die düstere Grundstimmung des Films plötzlich greifbar – und auch die alten Ängste kommen dank machtgeiler Staatslenker wieder auf.

Aber abseits davon war 2022 auch das Jahr, in dem die Kultur sich sehr zaghaft aus den Krallen der Corona-Einschränkungen zu lösen versuchte – und nicht selten daran scheiterte, dass die Menschen in den vergangenen zwei Jahren festgestellt haben, wie bequem die heimische Couch ist. Denn auch wenn der Fernsehschirm (bei den meisten jedenfalls) kleiner ist als die Kinoleinwand, hat man da nicht diesen Sitzriesen im Blickfeld oder die leuchtenden Handydisplays aufmerksamkeitsdefizitärer Kinobesucher im Augenwinkel – von mitteilungsfreudigen Dauerplauderern ganz zu schweigen. Also kämpfen Theater, Kinos, Konzert- und Lesungsveranstalter nicht nur gegen Ängste, Energiekrise und Inflation, sondern auch Trägheit an. Immerhin geht es der Buchbranche vergleichsweise gut – man kann ja nicht nur streamen.

Also beginnen wir mal mit den Büchern, die mich in diesem Jahr am stärksten beeindruckt haben: Da ist vermutlich an erster Stelle „Lächeln“ von Roddy Doyle zu nennen. Der irische Autor zählt bereits seit seiner „Barrytown“-Trilogie (u.a. „The Commitments“) und „Henry der Held“ zu meinen literarischen Lieblingen und schon im letzten Jahresrückblick hatte er einen Platz. Doyles Tonfall, seine Begabung, Dialoge der Straße bzw. dem Pub zum Leben zu erwecken, ist begnadet. In „Lächeln“ arbeitet er sich subtil und gleichzeitig sehr deutlich am Thema des sexuellen Missbrauchs in katholischen Ordensschulen ab (siehe auch: Frank Schorneck über Paddy Doyles „Lächeln“ – CulturMag). Ich habe mir kurz darauf noch einmal seine Dialogsammlung „The Complete Two Pints“ aus dem Regal gezogen, die ich irgendwann in den letzten Jahren in einer Buchhandlung in Irland gekauft habe. Und tatsächlich blitzt auch in den Kneipendialogen, die so unprätentiös zwischen großer Politik und familiären Tragödien, zwischen Trauerbekundungen für verstorbene Promis und wiederholten Bierbestellungen mäandern, hin und wieder in einem Nebensatz die Brutalität vermeintlich christlicher „Brüder“ auf. Nach der Lektüre von „Lächeln“ stolpert man nun umso stärker über diese Stellen. Jedenfalls möchte ich neben „Lächeln“ das gesamte Werk von Roddy Doyle noch einmal wärmstens empfehlen.

Roddy Doyle scheint übrigens im GOYA-Verlag, einem noch jungen literarischen Ableger des auf Kinderbücher spezialisierten JUMBO-Verlags,  ein neues Zuhause im deutschsprachigen Raum gefunden zu haben. Hierdurch bin ich auf eine andere spannende Stimme aus Irland gestoßen: Paula McGrath entwirft in ihrem Roman „Dann rennen wir“ drei Frauenschicksale, die über Generationen und Kontinente hinweg miteinander verknüpft sind und die dennoch sehr individuelle Geschichten von Emanzipation und Identitätssuche erzählen.

Nur auf den ersten Blick viel kleiner sind die Kolumnen von Mariana Leky, die ursprünglich in „Psychologie heute“ abgedruckt wurden und nun gesammelt und überarbeitet unter dem Titel „Kummer alle Art“ vorliegen. Dass Leky mit feinem Gespür für leicht schräge Charaktere und für fast unmerkliche Schieflagen in Beziehungsgeflechten, aber vor allem mit großer Einfühlungsgabe schreiben kann, haben schon ihre kurzen, aber sehr berührenden Romane hinlänglich bewiesen. In den Kolumnen verwebt die Autorin, die einer Psychologenfamilie entstammt, ihr Wissen um Ängste, Unsicherheiten und Verklemmungen mit feinen Charakterzeichnungen einer Hausgemeinschaft und Nachbarschaft, in der die Ich-Erzählerin sich mit offenem Ohr und Herzen bewegt. Nacheinander lernen wir den verzagten Herrn Pohl und seinen Hund kennen, die erstmalig verliebte Patentochter Lisa, Vadim mit seinen zitternden Händen und so manchen mehr. Es geht in den kurzen Episoden um kleine und große Konflikte, um missverstandene Gefühle, sich aufbauschende Probleme – und das Ganze fügt sich so fein ineinander, dass man die Charaktere am Ende persönlich zu kennen glaubt und ähnlich ungern ziehen lässt wie Figuren in einem großen Roman. Ganz großes Kino, durch ein kleines Guckloch betrachtet.

Musikalisch ging es ja in 2022 endlich wieder mit Live-Musik los. Tickets, die zum Teil seit 2019 in Schubladen schlummerten, konnten endlich eingelöst werden. Zwischendurch hat man sich auf einem dieser Konzerte dann auch die längst überfällige Corona-Infektion geholt, aber letztlich dank Impfung gut weggesteckt. Der Neustart hatte allerdings auch etwas Zwiespältiges: Durch die mehrfach verschobenen Termine kam es zumindest in unserem Konzertkalender zu einer Anhäufung großer Events in relativ kurzen Zeiträumen. Das gab den einzelnen Abenden viel zu wenig Raum, ihre Wirkung zu entfalten. Während man sonst gerne wochenlange Vorfreude pflegt und noch Tage nach einem Konzert von den ausgeschütteten Endorphinen zehren kann, kam es in diesem Jahr bisweilen zu vier Konzertbesuchen innerhalb einer Woche.

Dennoch möchte ich ein paar Highlights hervorheben. Allen voran wieder (man findet den Namen auch in früheren meiner Jahresrückblicke) Glen Hansard. Eigentlich hätte der irische Singer-Songwriter im Frühjahr unter anderem  in Bochum in der Christuskirche spielen sollen, doch die Europa-Tour wurde abgesagt. Allerdings nicht aus dem mittlerweile üblichen traurigen Grund mangelnder Vorverkaufszahlen, sondern weil sich im Haus des Musikers Nachwuchs ankündigte. Gut, dass wir Tickets für „The Frames“ in Dublin hatten, die Band, deren Sänger Hansard ist. Sie genießt in Irland Kultstatus und feierte im Mai bei einem großen Open Air am Royal Hospital Kilmainham ihr 30-jähriges Bestehen (gut, es sind mittlerweile 32 Jahre, denn das Konzert war ursprünglich für 2020 geplant). Hansard stellte hier seine Frontmann-Qualitäten ohne Rockstar-Allüren unter Beweis.

Als irgendwann im Sommer für Anfang Dezember dann noch ein Solo-Konzert von Glen Hansard in der National Concert Hall angekündigt wurde, waren die Weichen für unseren zweiten Dublin-Trip innerhalb eines Jahres gestellt. Das Wechselspiel aus gefühlvoll-zarten Melodien und energiegeladenen ekstatischen Ausbrüchen reißt unfassbar mit und Hansard, der seine Anfänge als Busker in den Dubliner Einkaufsstraßen nicht vergessen hat, ist ein ebenso nachdenklicher und engagierter wie humorvoller Erzähler. Neue Songs, die im kommenden Jahr auf einem neuen Album erscheinen sollen, prägten die Dubliner Abende. Obwohl so gefühlt die Hälfte aller Lieblingssongs auf der Setlist fehlte, waren diese Abende ungeheuer intensive Konzerterlebnisse. 2023 wird sich auch das deutsche Publikum wieder von seinen Qualitäten überzeugen lassen können. Beim Schreiben dieser Zeilen sind bislang Auftritte beim Haldern Pop Festival und beim Stadtpark Open Air Hamburg bekannt.

Ein weiteres großartiges Live-Erlebnis war das von Frank Turner kuratierte „Lost-Evenings-Festival“ im Berliner Columbia-Dreieck. Der sowohl im Folk wie auch Punk verwurzelte Engländer bot an vier aufeinanderfolgenden Abenden Auftritte mit unterschiedlichen Besetzungen und Schwerpunkten und stellte ein exorbitantes Programm mit weiteren Bands, Lesungen und Talks zusammen. Das Areal war leider suboptimal für ein Festival, weil man nicht ohne weiteres von Halle zu Halle wandeln und auch kein Getränk von der einen Bühne zu anderen mitnehmen konnte, aber die familiäre Stimmung des gesamten Festivals konnte das Manko auffangen. Und Supports wie Thees Uhlmann oder die bestens aufgelegten Donots ließen auch das überwiegend internationale Publikum die deutsche Bands staunen.  

Für das Heimkino letztlich haben wir die Serie „This is us“ für uns wieder neu entdeckt. Wer mal keine Lust auf Serienmörder, Superhelden, Drachen, dystopische Zukunftsszenarien oder ähnliches hat, findet hier eine ebenso lebensnahe wie lebensbejahende Serie, die sich verdammt nah an die Kitschgrenze herantraut und dennoch dank großartiger und tiefgehender Charakterzeichnungen zum Besten gehört, was im Bereich Familiendrama zu finden ist. Nicht zuletzt die intelligente und gelungene Komposition von Zeitebenen macht fast jede Folge zu einem kleinen Meisterwerk. Es geht um Familie und Freundschaft, um Träume und Traumata, darum, welche Abzweigung man im Leben nimmt. Von der Grundstimmung her auf jeden Fall aufmunternder als „Soylent Green“…

  • Frank Schorneck ist Rezensent und Literaturveranstalter (u.a. „Macondo – Die Lust am Lesen“) sowie Vorleser. Mit seinen Kollegen von der www.whiskylesung.de widmet er sich dem Wechselspiel von Alkohol und Literatur. Seine Texte bei CulturMag.

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Wallace Stroby

THEY SHALL NOT GROW OLD (2018). Directed by Peter Jackson. A stunning documentary, assembled from actual footage shot in the trenches in the midst of the First World War. Jackson (LORD OF THE RINGS) and his crew took hours of the silent – and often damaged – film stored in the archives of Britain’s Imperial War Museum, and refashioned them into a one-of-a kind documentary. Taken with primitive movie cameras, the original footage has been painstakingly restored and colorized, with added sound. The effect is immersive and sometimes overwhelming, as you watch ashen-faced soldiers prepare to go “over the top” and launch an infantry attack into the teeth of enemy machine gun and artillery fire. Jackson reminds us in the accompanying making-of documentary that most of the men we’re watching in that sequence are in the last minutes of their lives. Fascinating on first viewing, deeply moving on the second.

EMILY THE CRIMINAL (2022). Starring Aubrey Plaza, written and directed by John Patton Ford. Plaza is mostly known for her quirky comedic work and TV roles (PARKS AND REC, THE WHITE LOTUS, etc.), but she catapults this indie drama into one of the best films of the year on the strength of her ferocious performance as a young woman saddled with thousands of dollars in debt who turns to credit card fraud. Part character study, part crime drama, there isn’t a false note throughout.

TELEVISION

GOMORRAH: Seasons One-Five. I’d been watching each new season of this Italian gangster drama on British DVD, but now all five are finally available in the U.S. as well. A complex, riveting – and often grim – saga of the Naples underworld, focusing on the rise of (fictional) gang boss Gennaro Savastano (Salvatore Esposito), and his friend/mentor and eventual bitter enemy Ciro Di Marzio (Marco D’Amore), known as the “The Immortal.” Italian neorealism meets THE SOPRANOS meets THE WIRE.

BOOKS

ROGUE HEROES by Ben Macintyre (2016). The first complete history of the WWII exploits of Britain’s Special Air Service, a small-scale but highly mobile commando unit based in the North African desert that was tasked with attacking Nazi airfields. Many WWII books give a wealth of Big Picture history without focusing much on the personalties involved. Macintyre does both, evoking both the unit’s daredevil (and occasionally foolhardy) missions, and the men who carried them out. The book was the source material of a 2017 BBC documentary, as well as a recent six-part dramatized miniseries.

  • Wallace Stroby is the author of HEAVEN’S A LIE, SOME DIE NAMELESS and the Crissa Stone series. CrimeMag editor Alf Mayer translated the four novels with this hardboiled female robber into German (Pendragon Verlag).

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Julia Wagenhals: Zu oft in der eigenen Bubble

Feministische Literatur, feministische Themen und von Frauen geschriebene Literatur haben mich in diesem Jahr besonders stark begleitet. Mein erstes literarisches Highlight war wieder einmal eine Graphic Novel von Liv Strömquist. In „Ich fühl’s nicht“ untersucht sie Mythen über romantische Paarbeziehungen, klärt über deren Ursprünge auf und eröffnet die generell viel zu wenig beachtete Dimension der Politik in romantischen Paarbeziehungen, vor allem hinsichtlich des Kapitalismus. Dabei gelingt es ihr mit unverblümten direkten Ansprachen und Witz komplexe Sachverhalte verständlich darzulegen, zu unterhalten und gleichzeitig die Leser*innen zum Nachdenken zu bringen.

Allzu oft bleiben wir in der eigenen Bubble, im westlich geprägten Kosmos, das geht mir auch beim Lesen so, meist unbewusst. Daher bin ich dazu übergegangen, hin und wieder das Augenmerk auf Autor*innen aus anderen Teilen der Welt zu legen. Chimamanda Ngozi Adichies „Die Hälfte der Sonne“ hat mich durch die Quarantäne gebracht. Besonders ans Herz legen möchte ich aber ihren als Buch veröffentlichten Brief „Liebe Ijeawele“, in dem sie an eine Freundin gerichtet fünfzehn Ratschläge formuliert, „wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden“ und ganz nebenbei Feminismus für alle greifbar macht.

Später im Jahr wurde mir „Miroloi“ von Karen Köhler geliehen: ein herausstechendes Buch durch und durch – auch die Optik der Hardcover-Ausgabe ein taktiles Erlebnis. Wir folgen der zu Beginn namenlosen Protagonistin, einer Analphabetin, wie sie die Welt der geschriebenen Sprache entdeckt. So auch in folgendem Zitat: „Ich leere das Säckchen aus. Alle Buchstaben, die es gibt, liegen auf meinem Bauch. Alle Worte, die es gibt, liegen auf meinem Bauch. Die ganze Welt liegt auf meinem Bauch.“ Ein poetisches Buch mit realen politischen Bezügen, das die gesellschaftliche Unterdrückung der Frau thematisiert und die Thematik trotz der geographischen Entfernung des Schauplatzes auf einer Insel inhaltlich ganz nah an die unsere rückt. 

Schon länger hatte ich mir vorgenommen, mich näher mit der Thematik Kurdistan, Türkei, PKK und Frauenrevolution in Rojava zu befassen – musste ich doch immer schuldbewusst unwissend an den Demonstrationen der kurdischen Mitmenschen in der Innenstadt vorbeihuschen. Ich wollte bei Gesprächen, in denen das Thema aufkommt, nicht länger herumeiern und endlich selbst Position beziehen können. So habe ich mir zu Herbstbeginn auf gut Glück diverse Literatur gekauft und mir mit der in diesem Jahre erschienen Sammlung „Die Entwicklung der kurdischen Freiheitsbewegung“ von Joost Jongerden und Ahmet Hamdi Akkaya grundlegende Kenntnisse angeeignet, die ich dann nach und nach vertiefen konnte, da die Texte viele Richtungen vereinen: die Entstehungsgeschichte der PKK vor dem Hintergrund der Ausgangslage der politischen Linken in der Türkei, Erdogans Autokratie-Bestrebungen und der anhaltende Demokratieabbau, die letztlich von der Türkei torpedierten Verhandlungsgespräche zwischen dem inhaftierten PKK-Gründungsmitglied Abdullah Öcalan und türkischen Regierungsvertreter*innen, Paradigmenwechsel innerhalb der PKK hinsichtlich Zielen sowie das Streben nach einer radikalen Demokratie. 

Davon ausgehend habe ich mich näher mit der Frauenrevolution in Rojava (Nordostsyrien) beschäftigt. Hier empfehle ich den Podcast „Ihr Wille als Waffe“ von Linda Peikert, Journalistin beim nd, die uns in sechs kurzweiligen Folgen mit nach Rojava nimmt. Auch für Einsteiger*innen geeignet. Enden möchte ich wieder mit einer Graphic Novel. Dank „Reise nach Rojava“ von Janet Biehl habe ich mich auch visuell mit dem Leben in Westkurdistan auseinandersetzen können.

  • Julia Wagenhals lebt in Freiburg i. Brsg. und engagiert sich in ihrer Freizeit unter anderem bei Zeugen der Flucht e.V., einer antirassistischen Bildungsinitiative.

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Christopher Werth: Filmischer Messi-Moment

Running Up That Streaming War

2022 haben sich die Streaming-Anbieter einen erbitterten Fight geliefert. Mehr Abonnent:innen gewinnen und halten – und damit erfolgreiche Börsenkurse ermöglichen. Netflix, die Jahrelange Nummer 1, wird von Diensten wie HBO Max, Disney Plus oder Amazon Prime herausgefordert. Das Ergebnis: noch nie hatten es Zuschauer:innen so gut. Noch nie gab es so spektakuläre Großproduktionen wie 2022. 

Amazon investierte 715 Millionen US-Dollar in die erste Staffel vom Herr der Ringe Spin-off Ringe der Macht. Zum Vergleich: Eine Game of Thrones Staffel kostet im Durchschnitt 100 Millionen Dollar. Dementsprechend bietet die Serie spektakuläre Bilder. Sie taucht tief in Tolkiens Hintergrundgeschichten ein, um ein differenzierteres Bild von Super-Schurke Sauron zu zeichnen. Leider wirkt manches im Vergleich zu Peter Jacksons Adaptionen durch die Altersfreigabe ab 12 etwas zu niedlich. 

HBO schickt in diesem Schwergewichtskampf ebenfalls ein Spin-off eines Giganten ins Rennen: House of the Dragon. Hier wird die Vorgeschichte des Hauses Targaryen von Game of Thrones erzählt. Und das auf dem gewohnt kompromisslosen Niveau mit Inzest, Brutalität, perfide gesponnenen politischen Intrigen und herausragenden Darsteller:innen. Ein Mann tut alles dafür, ein guter Mensch sein – wird dadurch aber zum schlechten König und stürzt sein Land in den Abgrund. 

Und Netflix? Bringt die vierte Staffel von Stranger Things und holt mit der 80er Jahre Stephen-King-meets-Steven-Spielberg Show ganz viele ab, die bei Staffel zwei ausgestiegen sind. Und ausgerechnet hier gelingt es, mit einem genialen Messi-Moment, den Streaming War inhaltlich für sich zu entscheiden: Damit Charakter Max sich vor der tödlichen Bedrohung retten kann, nutzt sie als Schutz-Totem den Kate Bush Song Running up that Hill. Und das ist nicht nur die bisher dramaturgisch raffinierteste Einbindung eines Pop-Songs in das Medium Film überhaupt. Es machte den Song von 1985 weltweit zu einem der meistgstreamten Songs des Jahres – und Kate Bush mit 63 Jahren zur ältesten Musikerin mit einer Nummer 1 Single in den UK-Charts.

  • Christopher Werth, der bei uns die Kolumne „Playing Video Games“ schreibt und auch sonst exzellenten Geschmack hat, mit seinen Texten hier.

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