Geschrieben am 1. März 2022 von für Crimemag, CrimeMag März 2022

Thomas Ots: Smart Phones und ‚asocial media‘

Das Wut-Paradox 

– oder die Rolle von smart phones bei der Transformnation des Ich

Vor zwei Jahren – zu Beginn des ersten Lockdowns – stellten sich Menschen auf den Balkon oder ans Fenster und sangen oder musizierten für die Nachbarn. Man rief und winkte sich zu. Das waren wunderbare Bilder sozialer Empathie. Aber irgendwie hatte ich das schon ganz vergessen. Denn ich habe heute ganz andere Bilder im Kopf. Bilder von Riesendemonstrationen von Wutbürgern mit Plakaten wie „Freiheit“, „Impfpflicht ist Terror“ „Nürnberg 2.0“ „Greifswald für alle!“ gar mit Judensternen und der Aufschrift „Impfgegner“ (!) – und die Hymne der Leipziger Friedensdemonstranten „Wir sind das Volk“ skandierend. Nicht nur das, manche Eltern verbieten ihren Kindern, mit „Geimpften“ zu spielen, die seien ansteckend, ja, da gibt es Demonstrationen vor Krankenhäusern, Behinderungen der Notfallaufnahmen, Drohungen gegen Ärzte, die Impfungen durchführen. Das mögen gesamtgesellschaftlich nicht viele sein, aber es gibt sie, und sie sind laut.

Woher plötzlich diese Wut?

Die moderne Kommunikationsgesellschaft

1984 ist längst vorbei. So schlimm kam es dann gar nicht. Wir atmeten auf. Hatte sich George Orwell geirrt? Ja, hat er, denn mit Ausnahme einiger totalitärer Systeme, allen voran die VR China, gefolgt von Russland, Weiß-Russland, Nord-Korea, rechtskonservativer Systeme wie Polen und Ungarn (bemerkenswerterweise alles sozialistische Nachfolgestaaten) haben nicht die Regierenden das Heft in der Hand, sondern neue Tech Firmen mit speziellen Informationstechniken. Hier boten sich für uns Individuen neue Möglichkeiten der Kommunikation, und wir sprangen begeistert auf den fahrenden Zug, auf den immer schneller fahrenden Zug. War es anfangs nur mobiles Telefonieren oder Ersatz der Schreibmaschine durch den „Rechner“, so war der erste Dammbruch die Möglichkeit, Fotos zu schießen und diese auch zu verschicken. 

Seitdem hat sich die menschliche Kommunikation enorm verändert, man spricht weniger miteinander, man chattet. Und man chattet ganz, ganz wichtige Belanglosigkeiten, was der österreichische Filmer Fabian Eder „Raum für kommunikative Inkontinenz“ nannte. [1]

Von „social media“… zu „asocial media“

Auch das wäre noch nicht schlimm. Der nächste Dammbruch kam dann mit den Angeboten von Kommunikationsplattformen wie Facebook, Twitter, Instagram etc. Allen voran verlor Facebook seine Unschuld und mutierte – von den Nutzern zunächst nicht bemerkt – zu einer auf Algorithmen aufgebaute Datensaugmaschinen zwecks Optimierung von Verkaufsstrategien. 

Doch auch damit nicht genug: Das Aussaugen von Daten kann ja noch als Sammlung interpretiert werden. Aber wie wäre es, sich diese Menschen so zu formen, wie man sie gerne hätte? So sprang der Algorithmus über auf Schaffung von neuen Foren, die immer mehr ausgesaugte Menschen aufforderten, diesen Foren beizutreten. Wir schreiben das Jahr 2011. Und dort fanden sie sich dann im Kreis Gleichgläubiger, wurden immer häufiger mit vorgefilterten Informationen und Angeboten (Newsfeeds) überschüttet, die ihnen in ihrer Filterblase entsprachen, und die sie in ihrer Echokammer bestärkten. [2] Nicht mehr der kontrollierte Mensch („Big Brother is watching you“), sondern der gläserne Mensch.

Da Gruppenbildung ein menschliches Grundbedürfnis darstellt, finden sich eben Personen mit ähnlich gelagerten Ansichten zusammen und entwickeln gruppenspezifische Standards und Normen für akzeptiertes Verhalten… Wer die Gruppenregeln einhält, wird von anderen bestätigt und geschätzt, was ein andauerndes und systematisches belohnendes Verstärken des Bestehenden um der sozialen Akzeptanz willen bewirkt und die Dummheit zementiert.“ [3]

Und dann begannen Individuen – und wie wir inzwischen wissen – auch Firmen mit der systematischen Herstellung von Fake News. Donald Trump wäre ohne diese ausgestreuten Fake News nicht Präsident geworden. Doch er war es, der die anderen gegen jedes bessere Wissen und entgegen der Faktenlage der Lüge und des Diebstahls bezichtigte. Für uns kaum zu glauben, aber 17% der US-Amerikaner glauben der Plattform QAnon, dass eine Elitegruppe von Satananbetern und Kinderschändern die amerikanische Politik erobern will. [4] Der englische Film „Brexit“, größtenteils auf Dokumentenbasis, zeigt auf, wie der Brexit von einer relativ kleinen Gruppe von IT-lern zusammengezimmert wurde. 

Parallel zur Inhaftierung in eine oder mehrere dieser vielfältigen Blasen entstand ein Unbehagen – das dumpfe Gefühl, dass man nicht mehr sein eigener Herr sei, dass man irgendwie mit dem Tempo des Wandels nicht mehr mithalten könne. Angst- und Panikstörungen nahmen zu: Vereinsamung, das Gefühl sozialer Isolation und Kälte trotz hunderter „friends“ oder „followers“. Aber was sind schon hunderte „followers“, wenn bekannte Persönlichkeiten hunderttausende oder gar Millionen „followers“ vorweisen können. Auch ging auf einmal die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf, man hörte von den neuen Superreichen, beneidete sie oder gönnte ihnen den Reichtum nicht, bestellte aber trotzdem weiter auf amazon. Und dennoch: das generelle Unbehagen wuchs:

„Die Phänomene des 21. Jahrhunderts knabbern an den kulturellen Grundbedürfnissen: Orientierung, Wertewelten, Gemeinschaftsgefühl, Wohlstand, Sicherheit… Es baut sich ein Potenzial von Ressentiments und Aggression auf. Nicht Wut auf das eine oder das andere Ereignis, – einfach eine undifferenzierte Wut auf alles. Die Wut heftet sich, quer durch Europa, an Themen, die gerade des Weges kommen… wegen Machtlosigkeit, wegen Überforderung wegen der eigenen Unwirksamkeits- und Defiziterfahrung.“ [5]

Von allgegenwärtiger Dummheit…

Die Tage wurden immer mehr mit Foto- und Videoaufnahmen verbracht, vorzugsweise im Selfie-Modus. Rockmusiker sahen sich genötigt, Aufnahmen mit Handys bei ihren Konzerten zu verbieten. Es ging nicht mehr um den Musikgenuss, sondern um die Dokumentation des Ich: Ich war dabei. Und schon fühlt man sich irgendwie geschmeichelt, seinem Idol näher, auch wenn das Idol nicht gleichzeitig mit mir selbst in die Linse schaut. Oder aber man filmte seine rasierte Scham, oder filmte sich gleich beim Sex und stellte auch das noch ins Netz. 

… zu gnadenloser Blödheit…

Aber ist es noch zu überbieten, wenn sich Blasisten bei verbotenen Aktivitäten gegenseitig oder eben im Selfie-Modus filmen? Zum Beispiel bei Impfgegner-Demos ohne Maske. Und das dann auch noch ins Netz stellen. Früher musste die Polizei (teils verdeckt) Demos filmen, heute bekommt sie es freiwillig ausgehändigt. So konnte ein Teil des Mob, der aufgrund der Hetze von Trump das Capitol stürmte, dingfest gemacht werden. Man stelle sich vor: Vor 50 Jahren hätten Bankräuber sich beim Bankraub gefilmt und anschließend diese Fotos auf der Straße verteilt? Aber das müsste doch jedem Vernünftigen vorher klar sein! Müsste, ja. Aber wenn es nicht so ist? Fakt ist, dass viele Menschen der Versuchung nicht widerstehen können. Wie klein muss das Selbstbewusstsein dieser Menschen sein, dass das filmische Ego das Vorderhirn so komplett auszuschalten vermag – auch in Erwartung möglicher polizeilicher Verfolgung!

…und Cyberkriminalität

QAnon was once a fringe phenomenon — the kind most people could safely ignore. But recently, it has gone mainstream. In 2020, QAnon supporters flooded social media with false information about Covid-19, the Black Lives Matter protests and the presidential election, and recruited legions of new believers to their ranks. A December poll by NPR and Ipsos found that 17 percent of Americans believed that the core falsehood of QAnon — that “a group of Satan-worshiping elites who run a child sex ring are trying to control our politics and media” — was true.“. [4]

Vom PC zum smart phone-Informations-Monopol

Der entscheidende Dammbruch kam letztlich innerhalb der Tech-Welt mit der fast ausschließlichen Nutzung des smart phones. Man sitzt nicht mehr zu Hause und schaut ins Netz. Man hat das Netz die ganze Zeit bei sich und schaut ab und zu, oder eben auch sehr oft, hinein. Wieviele Menschen tragen das smart phone faktisch vor sich her! Und der kleine Bildschirm bringt es mit, dass man nur noch kürzere Statements liest. Kurze Weisheiten sind griffig, aber eben nicht immer wahr: Schnell versus genau. 

Der eigentliche Risikofall ist das Informationsmonopol des smart phones für einen großen Teil der Bevölkerung – wenn man das nicht als Sucht betrachtet, dann ist dies ein Tunnelblick aus freien Stücken. Vor allem jüngere Menschen lesen kaum noch Zeitungen, schalten kaum mehr die öffentlich-rechtlichen Sender (Radio oder TV) ein, vor allem nicht die Nachrichten, die es ja nur zu bestimmten Zeiten gibt, allenfalls noch Musik. 

Und dann kam Corona und mit ihr die ersten die persönliche Freiheit einschränkenden Maßnahmen. Dies war die Geburtsstunde des Wut-Paradox, psychologisch zu definieren als Übersprungshandlung, diesem Konflikt zwischen zwei Instinkten: Die Wut als Ausdruck des Gefühls der Überforderung und des Zusammenbruchs der Wertewelten, der eigenen Machtlosigkeit und des Verlusts der Orientierung richtete sich nicht gegen das Virus selbst – und damit zu einer sozial und empathisch gerichteten Handlung, sondern erstaunlicherweise gegen die gegen das Virus ergriffenen Maßnahmen, die nun als Eingriff in die persönliche Freiheit empfunden wurden. Eine Freiheit, die schon zuvor nur noch in der Cyber-Phantasie existiert hatte. Es ging und geht auch heute noch nicht gegen die Angriffe und Ausbeutungsformen der modernen IT-Firmen und ihrer Granden. Gebannt verbleibt man in demselben Medium, das einen süchtig machte oder bei der Vermeidung half, das eigene kleine Ich in Frage zu stellen und findet sich bestätigt in all diesen Fake-News, die den Impfungen allerhand Grausliches andichten (weit über eine berechtigte Skepsis hinaus). Die schnell folgenden Dementis der Qualitätspresse, des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und Radios machten nur noch wütender. Hier sah man eine Weltverschwörung am Werk (deep state), die das freie Volk zu unterjochen bestrebt war. Das Makabre: In den wenigsten Fällen wissen die Gutgläubigen, wer hinter den News steht, lehnen aber – die nicht gelesenen und nicht gehörten – Aussagen und News von Redaktionskollektiven ab, also von einer Gruppe von Menschen, die miteinander diskutiert und dadurch eine höhere Wahrscheinlichkeit an true facts bietet. Und wenn TV, Radio und Zeitungen für – von Wutbürgern als wahr betrachtete Fakten – ein Totschweigegegebot hätten, wäre es nicht wahrscheinlich, dass irgendwann jemand ausgeschert wäre und selbiges ausgeplaudert hätte? 

Und wo früher Belangloses vom letzten WC-Besuch oder eben auch Intimes die Runde gemacht hatte, zirkulierten nun apokalyptische Visionen von Weltverschwörungen und folgerichtig Aufklärungs-, Widerstands- und Befreiungsszenarien. Wie kann man nur so blöd sein, um das alles zu glauben? Doch dies ist kein neues Phänomen. Schon 1951 hatte Hannah Arendt in ihrer Analyse des Nationalsozialismus geschrieben: 

Die Massenpropaganda erkannte, dass ihr Publikum jederzeit bereit war, das Schlimmste zu glauben, egal wie absurd es auch sein möge, und nicht besonders dagegen war, hintergangen zu werden, weil es sowieso jede Aussage für eine Lüge hielt.“ [6] 

Die alles andere verdrängende Wut

Und die Wut entlud sich im speziellen gegen Regierungen, gegen Gesundheitsminister, gegen Ärzte und ÄrztInnen, gegen Pflegpersonal, die die „Frechheit“ besaßen, Corona Erkrankte zu therapieren etc, etc. Dies geschah in Ermangelung eines haptisch fassbaren Gegners. Einzige Ausnahme waren die absurden Vorwürfe gegen Bill Gates,  er „wolle Menschen bei Massenimpfungen Mikrochips einsetzen lassen, um damit die Menschheit zu lenken und zu kontrollieren.“ [7]

So ging man massenhaft auf die Straße, gar mit Judenstern und KZ-Kleidung, in Innsbruck marschierte man am 31. Januar 2022 zum Justizgebäude und forderte „Freiheit für alle Gefangenen!“ Trucker blockieren eine Hauptverkehrsader zwischen Kanada und den USA. Wer von all denen hätte vor Jahren gedacht, dass sie mal „Revolutionäre“ würden? Und das wurde bei Vielen zu einem Vollzeitjob. Alles andere wurde verdrängt. Wer von ihnen spricht noch vom Klimawandel, von den Fluchtbewegungen, von den auf Lesbos seit Jahren Festsitzenden, von Abschiebungen inzwischen gut eingelebter Flüchtlingsfamilien, von Tausenden von Kindern, denen in ihren nassen Zelten nicht nur die schullose Gegenwart, sondern dadurch eine aussichtsreiche Zukunft gestohlen wird? Empathie? – ein Fremdwort.

In den Foren von Impfgegnern und Coronaleugnern ist der Ton seit dem vergangenen Herbst teilweise radikaler geworden, bis hin zu vermehrten Tötungsaufrufen. Bei einer Recherche in Telegram-Chaträumen seien seit Mitte November 250 Tötungsaufrufe gefunden worden, berichtete das Portal tagesschau.de. Diese richteten sich unter anderem gegen Politiker, Wissenschaftler, Ärzte und Journalisten.“[8]

Aber wer fühlt sich „ausgegrenzt“? Wer beklagt sich bitterlich über eine unterdrückerische Gesellschaft? Und viele Politiker zeigen sich „betroffen“ (ich kann das Wort nicht mehr ausstehen) und sagen, wir sollten „die Ängste der Leute ernst nehmen.“

NEIN, GANZ UND GAR NICHT! 

Die Blasisten sollen endlich aufhören diejenigen zweifelhaften Berichte zu lesen, die ihnen Angst machen und sich im Ventil der Wut entladen. Sie sollten sich klarmachen, dass der kleine Bildschirm des Handys dazu führt, dass man nur noch kurze Nachrichten zu lesen bereit ist, also nur noch eine Überschrift oder das Abstract von sog. Studien, die angeblich die Wirkung von Ivermectin nachweisen oder von höheren Sterblichkeiten bei Geimpften als bei Ungeimpften berichten. Ein Tipp: Schauen Sie bitte sofort nach dem Urheber einer Nachricht oder Studie, oder ob die Studie wirklich existiert (Pubmed oder Google scholar). Ein Freund schickte mir eine sehr lange Zusammenstellung über Grauslichkeiten bei der Impfung. Ganz unten, nach mehreren Seiten, kam die Quelle: „The COVID Shots Are Killing People.“

Raus aus der Blase, zurück ans Tageslicht! 

Vielleicht mal das Handy wegelegen und mit der freien Hand das Radio einschalten, und nicht nur irgendeinen Musiksender, sondern einen Sender irgendwie im öffentlich-rechtlichen Auftrag mit inhaltlichen Beiträgen! 

Digitale Demenz

Hatte uns nicht der Neurologe und Gehirnforscher Manfred Spitzer schon vor mehr als zehn Jahren aufgrund der in Korea gemachten Erfahrungen gewarnt, dass digitale Medien „dick, dumm, aggressiv, einsam, krank und unglücklich machen?“[9] Sicher war das etwas übertrieben, aber er vergaß nicht hinzuzufügen, dass jede neue technische Innovation zwei Seiten hat. Es kommt schon darauf an, wie man mit neuer Technologie umzugehen weiß. 

Und hatte uns Manfred Spitzer nicht davor gewarnt, dass die Gräben im Volk tiefer würden, dass sich hier eine „digitale Kluft“ auftut? Pointiert ausgedrückt: Die Schlauen werden schlauer. Die Dummen werden dümmer – und aggressiver.

Kurz: Was wir gerade erleben ist ein Wutbürgertum aus selbst verschuldeter Abhängigkeit – und dann auch noch gegen die Falschen gerichtet. Die zehn reichsten Menschen der Welt konnten übrigens während des letzten Jahres ihr Vermögen auf insgesamt 1,5 Billionen Dollar glatt verdoppeln. [10] Und sie kaufen den Wutbürgern keine Masken und keine Tests – einige schauen sich den ganzen Schlamassel von oben aus ihrem Weltraum-Tourismusflieger an.

Unser augenblickliches Problem ist nicht das Virus. Die gegenwärtige gedankliche Krise benötigt eine gesamtgesellschaftliche Umbesinnung. Auch mit Anstrengungen schon im Schulunterricht. „Medienkompetenz“ darf sich nicht auf das Wissen um die Nutzung der neuen Medien beschränken, sondern auch um die möglichen Fallen und um die Beschränkung derselben, im Sinne einer Wiedergewinnung von Pluralisierung des Wissens. Das ist alles nicht im Handumdrehen möglich.

Das große Problem der letzten Jahre ist, dass durch die Algorithmen von Facebook polarisierende, ja aufhetzende Beiträge im Newsfeed in besonderem Maße hochgespült worden sind. Diese Nachrichten sind sehr erfolgreich, denn ihnen gelingt es besonders, die Aufmerksamkeit der Nutzenden zu erregen und das von Facebook gewünschte Engagement zu erzeugen. Das liegt daran, dass polarisierende Botschaften Menschen schnell emotionalisieren, indem sie beispielsweise Empörung auslösen.“ [2]

Es scheint immer so zu sein, dass mindestens eine Generation überfordert ist, wenn ein neues Medium aufkommt. Der Buchdruck hat ja den Fanatismus im Dreißigjährigen Krieg mit angefeuert, das Radio war ein Schlüsselfaktor im Europäischen Faschismus… Mit Social Media sind wir wieder in einem medialen und kulturellen Lernprozess, der bei weitem noch nicht abgeschlossen ist und Erregung wahnsinnig begünstigt.“ [11]

Ich glaube, es ist Zeit für eine neue Aufklärung – Zeit über das Verhältnis von Geist und Technik nachzudenken.

Dr. med. Dr. phil. Thomas Ots ist Arzt und Ethnologe. Er war der erste deutsche Lehrstuhlinhaber für Gesundheitsförderung an der Universität Flensburg sowie über 20 Jahre Chefredakteur der „Deutsche Zeitschrift für Akupunktur“. Ots lebt seit 1997 in Graz, Österreich.

Im Mai 2021 veröffentlichte er seinen ersten Kriminalroman „Kommissar Mozart – Es muss nicht immer Mord sein“, eigentlich eher eine gewisse Aufarbeitung der  heute so viel gescholtenen 68er Zeit. Siehe dazu bei uns Sebastian Knauer.

Literatur:

1. Eder, Fabian. Sprich mit mir, Regisseur Fabian Eder über Erinnerungen. Ö1 am 30. 1. 2022, 9.44 Uhr
2. Montag, Christian. Du gehörst uns! Die psychologischen Strategien von Facebook, TikTok, Snapchat & Co – und wie wir uns vor der großen Manipulation schützen.
3. Kastner, Heidi (2021) Dummheit. Kremayr & Scherlau, Wien 
4. https://www.nytimes.com/article/what-is-qanon.html  (aufgerufen 05.09.2021)
5. Prischnig, Manfred. Kollaps des Weltverstehens. Kleine Zeitung  13. 02. 2021 https://www.kleinezeitung.at/politik/innenpolitik/5936688/Essay_Manfred-Prisching_Land-der-ueblen-Laune-viel-Wehleidigkeit  (aufgerufen 14.01.2022)
6. Ahrendt, Hannah (1951) Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Zitiert in Kastner, Heidi: Dummheit. S. 49
7. https://de.wikipedia.org/wiki/Falschinformationen_zur_COVID-19-Pandemie#Bill_Gates (aufgerufen 01.02.2022)
8. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/130598/Drohungen-und-Toetungsaufrufe-von-Coronaleugnern-nehmen-zu  (aufgerufen 05.01.2022)
9. Spitzer, Manfred (2021) Digitale Demenz – Wie wir uns und unsere Kindern um den Verstand bringen. Droemer, München
10. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/forbes-liste-2022-das-sind-die-zehn-reichsten-menschen-der-welt/25725996.html (aufgerufen 06.02.2022)
11. Maurer, Thomas, Interview von Baumhackl, Ute. In: Kleine Zeitung, 6.2. 2022, S. 66