Geschrieben am 24. November 2012 von für Crimemag, Kolumnen und Themen

Thierry Cazon & Julien Dupré: Der seltsame Fall des Dr. Greene und Mister Chase – Teil 5

James Hadley Chase

James Hadley Chase

– Wer steckt hinter James Hadley Chase? Kein Geringerer als Graham Greene. Das sagen zumindest Les Polarophiles Tranquilles, ein französischer Verein, der sich seit zehn Jahren ambitioniert des Kriminalromans annimmt. Des klassischen Kriminalromans wohlgemerkt, der als Schmuddelgenre früher von der Literaturkritik mit spitzen Fingern angefasst oder gleich hochnäsig übersehen wurde und der heute trotz der Krimi-Woge, die uns überschwemmt, im aufgeregten Geplapper der Krimi-Neuerscheinungen erneut vergessen wird.

Zu Unrecht, wie die Polarophiles Tranquilles meinen, und die daher Werke fast vergessener Autoren aus dem Bücherregal ziehen, abstauben und sie für einen Moment ins Scheinwerferlicht halten: Zweimal im Jahr erscheint ein kostenloses Bulletin, unabhängig und ohne kommerzielle Interessen, nur gewidmet den geliebten Klassikern wie etwa James Hadley Chase, Frédéric Dard, Georges Simenon, Stanislas-André Steeman oder Dolores Hitchens.

Manchmal stoßen Sie bei ihrer gründlichen Beschäftigung mit der Kriminalliteratur auf Überraschungen:

Decken Sie hier den größten literarischen Schwindel des 20. Jahrhunderts auf, der ungeachtet der Tatsachen, bislang von der literarischen Kritik negiert wird. Der stets Nobelpreisverdächtige Graham Greene soll die grausam-schmuddeligen Chases geschrieben haben? Das, was die friedlichen Polarophilen im Laufe der Jahre ausgegraben haben, stört langsam ganz gewaltig den Frieden der etablierten Literaturwelt. (Zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4)

Der seltsame Fall des Dr. Greene und Mister Chase

Von Thierry Cazon und Julien Dupré
Übersetzung: Christiane Dreher

Zusammenfassung der vorhergehenden Ausgaben: Nach Erscheinen verschiedener Texte (Essays, Zeitungsartikel), die das Geheimnis ihrer Zusammenarbeit enthüllen, besprechen James Hadley Chase und Graham Greene deren verschiedene Aspekte. Im Laufe ihrer Diskussion zeigt sich deutlich, dass das Gesamtwerk von James Hadley Chase, mit richtigem Namen René Brabazon Raymond, ganz offensichtlich aus der Feder von Graham Greene stammt. Der Ruf Chases, ein Plagiator zu sein, sowie das Geschick Graham Greene’s undurchsichtige Operationen vorzunehmen, um sämtliche Spuren zu verwischen, haben bis heute die Entdeckung dieser Tatsache verzögert. Die beiden Männer besprechen weiterhin die Entwicklung ihrer literarischen Zusammenarbeit sowie die Beweggründe für dieses Unternehmen: Graham Greene brauchte einen Strohmann, der die Vaterschaft der Texte auf sich nahm, die dem reinen Broterwerb dienten und die unter anderem recht sadistisch waren, eher ungewöhnlich für einen ehrenvollen Schriftsteller von Ruf, und schwierig offiziell dazu zu stehen.

Er war ein Mann, der auf großem Fuß lebte, und sich so eine gewisse finanzielle Sicherheit außerhalb der Kontrolle des Englischen Fiskus schaffte, bis zu dem Tag, wo … Aber hören wir besser unseren Autoren zu.

Zwischenspiel:
Vom Nachteil, den selben Finanzberater zu haben

Chase: Kommen wir endlich zu Tom Roe

Greene: Ich versichere Ihnen, dass aus dieser Geschichte nicht viel rauszuholen ist.

Chase: Sie machen schon wieder einen Bogen darum. Sie haben ein Geschick, alles zu verdunkeln, was Ihnen nicht zum Vorteil gereicht: Da Sie es vermeiden, diesen Teil Ihrer Existenz zu erörtern, lassen Sie mich Ihr Gedächtnis ein wenig auffrischen. Ich bin am Zug!

Greene: Sie kommen direkt zur Sache!

Chase: Gestern haben wir gesehen, dass unsere Zusammenarbeit seit 1950 gut aufgestellt war: Nachdem die ersten Fehler, wie die Kreation zu vieler Pseudonyme, behoben waren und nach einer Zeit des Einspielens, die den Umständen des Krieges geschuldet waren, besetzten die Bücher von James Hadley Chase die ersten Plätze auf dem Krimi-Markt. Wir mussten nur noch die gefundene Goldader ausbeuten. Das machten wir bis 1983. Wir hatten entschieden. zwei James Hadley Chase pro Jahr zu veröffentlichen, und das haben wir genauestens eingehalten. Jeder erschienene Titel war ein enormer finanzieller Erfolg.

Greene: Nicht ganz. Die USA weigerten sich, sich dieser Mode zu unterwerfen. Sie verstanden sie nicht mal, da die Chases zwar in den USA spielten, aber die USA nicht glaubwürdig wiedergab! Aus gutem Grund: Ich hatte die USA nicht nah genug gesehen, um „unsere“ Bücher nach richtigem Vorbild zu schreiben, denn meine eher turbulenten Beziehungen mit diesem Land, verhinderten, dass ich mich dorthin begab.

Chase: Sie entfernen sich schon wieder von dem Punkt, zu dem ich Sie führen will: der Erfolg von Chase hat in Amerika nicht gegriffen, das ist eine Tatsache, aber bleiben wir in England …

Greene: Und in Frankreich! Ach, Frankreich! Zwischen den „Chases“ und meinen offiziellen Romanen, die bei jedem Erscheinen selbstverständlich ein finanzieller Erfolg waren, haben wir in Frankreich den besten Ruf und den größten Profit genossen. Und selbst, wenn man sich besser damit rühmen konnte, Graham Greene zu lesen als „Sie“ in der Serie Noire, so hat das französische Publikum dennoch jede Neuerscheinung von Chase voller Sehnsucht erwartet, bis dahin, dass ab Pochette surprise bis hin zum allerletzten Roman Ca ira mieux demain – beinahe jeder zweite Titel zuerst in Frankreich erschien[1]. Die Sicherheit eines ausgezeichneten Einkommens für Sie – und ein sehr gutes Zubrot für mich, da ich, alles in allem der Motor unserer kleinen Unternehmung war …

Vor allem entwickelte sich unsere kleine Unternehmung völlig unbemerkt, und der englische Fiskus konnte seine Nase nicht reinstecken: Dank Frankreich (und Ihnen) schafften wir uns ein bequemes und finanzielles Polster, das vor neugierigen Blicken geschützt war.

Chase: Kurz gesagt, lieber Graham, nach schwierigen Jahren haben wir das große Los gezogen. Und durch diesen Erfolg, begannen Sie das Geld zu lieben und das große Spiel zu spielen.

Greene: Ich bin Geschäftsmann geworden – und wenn Sie meinen Roman Ein Sohn Englands / Les Naufragés gelesen haben, wissen Sie, dass dieser Aspekt meiner Persönlichkeit sich ausdrücken wollte.[2]

Chase: Sie waren doch nicht verpflichtet …

Greene: Aber sicher! Es ist teuer das mondäne Leben, mein lieber James … ich bewegte mich im Kielwasser von Lady Catherine Walston[3], und die oberen Zehntausend nehmen keine Rücksicht darauf, dass das Ende des Monats finanziell schwierig sein könnte. Außerdem hatte ich eine Villa auf Capri gekauft, ein Appartement in Paris, und nachdem ich die Tätigkeit für Eyre und Spottiswoode aufgegeben hatte, begann ich in der Welt herumzureisen, mal als Journalist, manchmal als Geheimagent, häufig jedoch aus reinem Vergnügen. Ich brauchte also regelmäßige Einkünfte, um diesen turbulenten aber kostspieligen Lebensstil zu erhalten. Der Erfolg meiner Bücher (meiner offiziellen aber auch der Chases), kam also gerade recht, ebenso wie der Verkauf der Filmrechte.

Chase: Und Geld kann man ja nie genug haben, nicht wahr? Was erklärt, dass Sie die Unterstützung des windigen Tom Roe in Anspruch genommen haben …

Greene: Ja … gut, nun da Sie damit anscheinend keine Ruhe geben wollen … Das war 1960, als ich mich mit diesem Finanzberater zusammentat, der im Off-Shore-Bereich spezialisiert war [internationale Bankgeschäfte, Anm. d. Übers.]. Ich suchte andere Möglichkeiten meine Einkünfte zu verschleiern: Die englischen Steuern waren zu hoch, als dass ich sie korrekt hätte bezahlen können, und gleichzeitig weiterhin meine vielfältigen Ausgaben zu finanzieren. Vergessen wir nicht, dass man im England von 1967, wenn man zur höheren Einkommensklasse zählte, mit 94% auf alles, was man deklarierte, besteuert wurde.[4] Die Einkünfte von Chase, die nach unserer Übereinkunft, ebenso meinen wie Ihren Reichtum ausmachten, glichen diesen Kapitalangriff aus – unter der Bedingung, dass keiner Verdacht schöpfte, dass ich sie schrieb, noch unter der Hand Geld damit verdiente. Außerdem, wäre dieses Geheimnis aufgedeckt worden, wäre mein Ruf zusammengebrochen: Stellen Sie sich den Skandal vor, wenn man entdeckt hätte, dass ein gut beleumundeter katholischer Schriftsteller heimlich Kriminalromane schrieb, ein Genre, das zu dieser Zeit noch öffentlich missachtet wurde!

Chase: Zwei Rufe ruiniert: Ihrer und meiner. Und zusätzlich: Gefängnis für Steuerhinterziehung.

Greene: Man musste sich also etwas einfallen lassen. In den 50er Jahren, habe ich einige Verschleierungsverfahren verfeinert, nicht nur, was mir die Chases einbrachten, sondern auch einen Teil meiner Einkünfte meiner eigenen Bücher. 1955 habe ich mich so mit dem Finanzamt arrangieren können, dass ich die Übersetzungsrechte für Ein stiller Amerikaner / Un americain bien tranquille einem nahen Verwandten zuschrieb.

Chase: Das gute alte Prinzip des Strohmanns, alles in allem. Ich war nicht der einzige, der von diesem System profitierte …

Greene: Es war weniger erfolgreich in diesem Fall: Der sogenannte Verwandte hatte die dumme Idee, bereits am Ende der 50er Jahre zu versterben, so dass das Finanzamt jetzt an meine Tür klopfte, da die Rechte wieder an mich übergegangen waren.[5]  Bis dahin hatte ich nur einen Aufschub erwirkt, es musste ein besserer Ausweg gefunden werden. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht mehr genau, wie ich von Tom Roe erfahren habe, und welchen Beschäftigungen er sich 1960 hingab, aber ich dachte sofort: „Das ist der Mann, den ich brauche!“

Chase: Oh! Seine Beschäftigungen, das war sehr einfach: Unter dem Deckmantel eines steuerlichen Rechtsgutachtens ließ er einfach die Einkünfte in die Schweiz fließen, und so entgingen sie dem englischen Finanzamt. Und wie ging er dabei vor, der charmante Kerl? Mit Hilfe seines Beratungsbüros Roturman, S.A. verschob er das Geld in Scheinfirmen in der Schweiz und reinvestierte danach in andere Geschäfte. Und da Sie in einigen dieser Gesellschaften im Verwaltungsrat saßen, haben Sie einen großen Teil der Reinvestitionen zurückbekommen.

Greene: Ein wundervolles System, wie eines präzise schnurrenden Schweizer Uhrwerk. Ich habe natürlich sofort meine Freunde – darunter Sie! – vertraulich mit einbezogen.[6] Nachdem wir die Einkünfte von Chase geteilt hatten, teilten wie von nun an den selben Finanzberater! Auf diese Art war ein großer Teil dessen, was wir in Zukunft schrieben, in der Schweiz im Schutz vor dem Finanzamt: während „unsere“ Chases die Genfer Bankkonten auf dem „Roe’schen Dienstweg“ füllten, erschienen meine folgenden Romane Ein ausgebrannter Fall / La saison des pluies und Die Stunde der Komödianten / Les comédiens. Sie folgten dieser Bewegung und erlaubten mir so eine Menge Geld in allen Bereichen zu sparen …

Chase: … und genauso viel zu verlieren! Wirklich, Graham, was hat Sie getrieben, sich blind auf dieses Geschäft einzulassen? Vor allem gab es doch schon Unsicherheiten mit Tom Roe … Erinnern  Sie sich an die Pleite der Royal Victorian Sausage Company, eine absurde Firma, von der man hätte glauben können, dass sie aus einer ihrer eigenen Geschichten stammt! Dieses voraussehbare Scheitern hätte uns Vorsicht walten lassen müssen …

Greene: Sie sehen wirklich immer nur die negative Seite! Wir hatten immerhin fünf ruhige und erfolgreiche Jahre! Und jeder kann sich mal irren …

Chase: Ich hätte niemals auf Sie hören sollen! Niemals!

Greene: Zugegeben, ich hätte mich bei Tom Roe mehr vorsehen müssen. Aber das Ding schien mir derart solide gebaut und der Mann so besonnen … Ich hatte einfach Vertrauen zu ihm.

Chase: Sie haben vor allem einen gewitzten Geschäftsmann spielen wollen! Pech für Sie. Pech aber auch für mich, der ich Ihnen glaubte, während Sie sich großspurig über die Sicherheit dieser finanziellen Flucht ausließen. Und Pech für Tom Roe, der aufgrund der Vervielfältigung seiner aberwitzigen Geschäfte das Interesse der Schweizerischen Autoritäten auf sich zog: am 25. Juli 1965 wurde er festgenommen, konnte gerade noch in letzter Sekunde das Signal des kommenden Ärgers geben. … Jetzt sagen Sie nichts mehr, nicht? Perfekt, dann fahre ich fort. Am Anfang fiel Tom Roe nur wegen des Verteilens von Falschgeld auf, wenn ich das sagen darf, die Polizei hatte 100.000 Dollar in falschen Scheinen in seinem Auto gefunden. Aber als sie seine Geschäfte durchkämmten, sind sie auf eine nicht unbeträchtliche Zahl von Scheinfirmen gestoßen, und diese galten als Schutz eher zwielichtiger Geschäfte. Tom Roe stolperte über Falschgeld, das auf das Konto des Hollywoodkinos ging aber auch auf das der Mafia. Und als die Autoritäten unsere Namen sahen, sowie die anderer Berühmtheiten, die im Aufsichtsrat einiger dieser dubiosen Firmen saßen … kurz und gut, alles schien verloren, und die Ehre gleich mit. Geben Sie wenigstens zu, dass ich uns beide gerettet habe …

Greene: Gebe ich zu, mein Lieber, das haben Sie.

Chase: Nach der Festnahme von Tom Roe hat mich dessen Frau angerufen: Sie wusste nicht, was sie machen sollte, und bat mich um Rat und Hilfe. Wir waren zu diesem Moment beide in Paris, so konnte ich Sie alarmieren …

Greene: Es war eine Katastrophe. Ich wusste nichts von all den Investitionen von Roe, vor allem nichts von seinen Verbindungen zur Mafia – hätte ich das gewusst, hätte ich meine Scheine zurückgezogen. Wie dem auch sei, als ich ihn in diesem Maße in zwielichtige Geschäfte verwickelt sah, fiel ich aus allen Wolken. Aber ich hatte Glück im Unglück, Sie haben mich rechtzeitig informiert, so dass ich einiges retten konnte. So blieb das Geheimnis unserer Zusammenarbeit gesichert und ich konnte weiterhin meine verborgenen Einkünfte, die mir die Chases verschafften, zugreifen. Aber alles andere …

Chase: Das englische Finanzamt hatte den Beweis, dass wir Steuerflucht begangen hatten; Man musste keine Nachsicht von dieser Seite erwarten. 1965 beschlagnahmten sie alle Ihre verlegerischen Einkünfte und wir waren gezwungen zu fliehen, um nicht ins Gefängnis zu kommen. Es blieb uns nur, unsere Koffer zu packen und Mutter England endgültig den Rücken zu kehren. Ich ging in die Schweiz, nach Corseaux-sur-Vevey …

Greene: Während ich mich in Frankreich, in Antibes, niederließ[7] und dort meinen schlimmen Ruf als Betrüger zerstreute, indem ich dies als mein immer wiederkehrendes Bedürfnis nach Luftveränderung ausgab. In Fluchtwege / Les chemins de l’evasion komme ich darauf zurück, aber in ebenso undurchsichtigen Worten.[8] Aber Sie werden erneut feststellen, wie geschickt ich Tatsachen verschleiern konnte, die eigentlich leicht aufzustöbern sind.

Chase: Ich sehe es. Aber ich bin auch zufrieden, dass ich bei dieser Gelegenheit gesehen habe dass Ihre Selbstverliebtheit ein bisschen gelitten hat.

Greene: Oh, das ist Sie auch teuer zu stehen gekommen.

Chase: Stimmt schon. Es hätte nicht viel gefehlt, und das Geheimnis unserer Zusammenarbeit wäre aufgedeckt worden …

Greene: Lassen sie uns über was anderes reden, ja?

III. Akt:

Bonjour la France, oder Rezepte zum Erfolg

Chase: Ich werde mich bemühen Ihre schlechte Laune zu vertreiben. Ich bin auf die Geschichte mit Tom Roe nicht nur zu sprechen gekommen, um Ihnen das Messer erneut in der Wunde zu stoßen …

Greene: Sondern?

Chase: Sie zeigt vor allem, dass unserer Zusammenarbeit nicht nur literarisch sondern auch finanziell war. Unserer Steuerflucht ist Tatsache, und wenn auch wenig schmeichelhaft, so doch nachprüfbar, ein nur etwas neugieriger Kenner könnte sich dessen bedienen, um langsam aber sicher die Konstruktion unserer Zusammenarbeit einstürzen zu lassen.

                                                                                                              … wird fortgesetzt …

Thierry Cazon, beheimatet in Cannes an der Côte d’Azur, ist nicht nur leidenschaftlicher Krimi-Leser und -Sammler, sondern auch der Vorsitzende des Vereins Les Polarophiles Tranquilles. Auf der Homepage finden Sie sämtliche Veröffentlichungen des Vereins inklusive mancher Übersetzung (englisch, deutsch, italienisch …).

 


[1] In der Serie Noire eine durchaus gängige Praxis. Amerikanische Autoren wie Day Keene, Harry Whittington, Horace McCoy oder Martin Brett begriffen den Wert der französischen Übersetzung ebenso und gaben alle ihre zensierten Texte an Marcel Duhamel, ebenso die, die bislang von ihren Verlegern abgelehnt worden waren oder auf Erscheinung warteten. Die Originalausgabe dieser Titel ist also die französische Version; es gab selbst einige Titel, die nur in Frankreich erschienen sind, T’as des visions! Von Harry Whittington, zum Beispiel, oder La Came à papa von Martin Brett.

[2] In Ein Sohn England / Naufragés (1935), beschreibt Greene, obwohl er selbst noch ein junger unbemittelter Autor war, sehr  präzise die Finanzgeschäfte des Großkapitalisten Krogh. Er zeigt vor allem eine erstaunliche Kenntnis im unerlaubten Fondstransfer (einer dieser Transfers, der dazu dienen sollte, die amerikanische Filiale der Krogh-Gruppe aufzubauen, führt die Handlung des Romans in eine andere Richtung). [Konnte eine deutsche Ausgabe der in diesem Text erwähnten Literatur ermittelt werden, so werden die Titel auf deutsch neben dem französischen Titel angegeben. Der Lesbarkeit halber werden beide Titel jedoch nur bei ihrer ersten Erwähnung erwähnt. Danach wird nur noch der deutsche Titel angegeben. Dort, wo nur der französische Titel angegeben ist, kann davon ausgegangen werden, dass es keine deutsche Ausgabe gibt. Anm. der Übers.]

[3] Deren Liebhaber Greene war; er bediente sich des Paars ebenso für seinen Roman Das Ende einer Affäre /La fin d’une liaison (1951)

[4] 1967 hatten ihre Einkünfte diese schicksalsschwere Hürde der Besteuerung von 94% erreicht. Zum Vergleich:  Die Beatles ließen sich als Angestellte der Firma Beatles & Co auszahlen. So wurden sie einem viel bescheideneren Steuersatz unterworfen. Zu diesem Trick siehe den Artikel „All You Need Is Business“, veröffentlicht in der Zeitschrift Capital [frz. Ausg. Anm. d. Übers.] vom November 2009 (S. 154 bis 156).

[5] Dieser Trick von Greene wurde auch von William J. West bewiesen: The Quest for Graham Greene, New York, St. Martins Press, S. 180.

[6] Andere Bekannte von Greene, darunter Charles Chaplin und Noel Coward wurden ebenso in die Roe’schen Geheimnisse der wunderbaren Steuerflucht auf  Schweizer Art eingeweiht …

[7] Der Verkauf der Bearbeitungsrechte für Die Stunde der Komödianten / Les Comédiens (mit Richard Burton und Elizabeth Taylor verfilmt) kam gerade zum rechten Zeitpunkt für Greene: er benutzte das Geld, um sein kleines Appartement, Boulevard Pasteur in Antibes zu kaufen.

[8] «Wie schaffte ich den Übergang von der Depression in eine Überaufgeregtheit, in der ich die meisten meiner Geschichten für Leihen Sie uns Ihren Mann /  Pouvez vous nous preter notre mari schrieb,  und ebenso begann an Reisen mit meiner Tante / Voyage avec ma tante zu arbeiten? Ich kann es nur mit dem Ergebnis einer schwierigen Entscheidung erklären, die mein Privatleben betraf, und ebenso mit meinen Weggang aus England 1966, von wo ab ich mich für immer in Frankreich niederließ. Ich hatte alle Brücken abgebrochen und begann im schwachen Licht der Hoffnung einen Roman zu schreiben. Graham Greene: Fluchtwege / Les chemins de l’evasion (1980), Presses de la Cité, Presses Pocket (Nr. 2697), 1987, S. 285-286. Die Affaire um Tom Roe erhellt dieses sibyllinischen Zeilen, da man heute weiß, welche Brücken Greene wiederum abbrach, als er Antibes verließ …

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