Geschrieben am 3. Oktober 2022 von für Crimemag, CrimeMag Oktober 2022

Schatzsuche Oktober 2022 – Spannende Neuerscheinungen

Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …

… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays. Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren. CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe von: Kaliber.38 und der befreundeten Buchhandlungen Chatwins (Berlin), Wendeltreppe (Frankfurt) und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin. 

Empfehlungen für DVDs, BluRays und Comics und auch Podcasts geben Katrin Doerksen und Thomas Groh

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Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokale Buchhandlung(en) besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. –

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Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg:

In diesem Monat ist nicht ganz so viel los bei den Neuerscheinungen, dafür habe ich letzten Monat Friedrich Ani vergessen: Ein Rezensionsexemplar von »Bullauge« (Suhrkamp) ist nicht bei mir eingetroffen, aber das besorge ich mir trotzdem noch. – Siehe die Besprechung von Alf Mayer in dieser Ausgabe, d. Red.

Die Auftragsmörderin aus Südkorea interessiert mich! Gu Byeong-mo»Frau mit Messer«(Ullstein, deutsch von Wibke Kuhn) und der neue Fall für Frau Warshawski: »Schiebung« von Sara Paretsky (Argument, deutsch von Else Laudan).

Bei Rowohlt erscheint ein zweibändiges Werk (hurra!) von Cormac McCarthy, auf das ich sehr gespannt bin: »Der Passagier« (deutsch von Nikolaus Stingl) kommt Ende Oktober, und für November schon vorgemerkt: »Stella Maris« (deutsch von Dirk van Gusteren).

Ein Hardcover von Silvia-Moreno Garcia»Der mexikanische Fluch« erscheint bei Limes (deutsch von Frauke Meier), das möchte ich lesen.

Und der dritte Fall von Kriminaldirektor a.D. Manz: »Die rote Jawa« (Kampa) macht mich wieder neugierig. Ich mag, wie Matthias Wittekind diese »alten Fälle« bearbeitet. Im selben Verlag erscheint übrigens auch diesen Monat von Elmore Leonard»Rum Punch« (bereits früher als »Jackie Brown« bei Goldmann erschienen).

Nicht zu vergessen: Nr. 22 der Ross-Thomas-Edition kommt: »Das Procane-Projekt«(Alexander Verlag, deutsch von Katja Karau und Gisbert Haefs).

Und schon mal für Weihnachten vormerken: Das kleine und feine »Schimpfwörter-Sammelsurium« (Omnino Verlag) von Falko Hennig, der es so beschreibt: »Dieses Buch ist weder klassisches Wörterbuch noch Belletristik, eher feuilletonistisch und, wie ich hoffe, ein Hybrid aus dem besten dieser drei Welten.« Es ist bereits erschienen und ich habe es sehr lieb.

Jutta Wilkesmann und Hildegard Gansmüller, Wendeltreppe, Frankfurt:

André Pilz: Morden und Lügen (Suhrkamp)

Pierre Martin: Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens (Knaur)

Nevala & Karlsson: Dämmerung.Falsch. (DuMont)

Ursula Neeb: Weihrauch (societäts/verlag)

Stephan Weichert: Adler – Verdunkelung 1940 (Edition Krimi)

Margarete von Schwarzkopf: Das Geheimnis des dunklen Hauses (Emons)

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Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg:

Ich habe in den letzten Wochen Italien in vollen Zügen (und Bussen) genossen. Ok, das Wahlergebnis am 25. September eher nicht. Im Wanderrucksack haben folgende Bücher noch Platz gefunden (nicht alles aus dem Krimi-Genre):

Christoffer Carlsson, Unter dem Sturm (Ü: Susanne Dahmann), Rowohlt Taschenbuch 2022, 463 S., 13 Euro: Der Vorgänger des aktuell hochgelobten Kriminalromans Was ans Licht kommt. Der Vergleich mit Sjöwall/Wahlöö ist aber doch ein wenig zu hoch gegriffen.

Rachel Cusk, Danach. Über Ehe und Trennung (Ü: Eva Bonné), Suhrkamp Taschenbuch 2022, 185 S., 12 Euro: Ein kluges Essay über kollabierende Beziehungen und die Folgen, angereichert mit viel antiker Mythologie.

Carlo Lucarelli, Léon (Ü: Karin Fleischanderl), Folio 2022, 213 S., 20 Euro: Das Buch habe ich mir in Bozen direkt beim Verleger „abgeholt“. Nun ist es auch ausgeliefert. Der Folio-Verleger Hermann Gummerer macht sich übrigens nicht nur um exquisite Kriminalliteratur aus Italien verdient ( Carlotto, De Cataldo, Lucarelli, Scerbanenco und andere mehr), er ist auch ein wunderbarer und kenntnisreicher Führer durch seine Heimatstadt Bozen. Lucarellis neues Buch spielt – im Gegensatz zu seinen letzten De Luca-Krimis – wieder in der Gegenwart Bolognas und bringt ein Wiedersehen mit der schon bekannten Ermittlerin Grazia Negro. Grazia hat gerade Zwillinge bekommen, doch zeitgleich bricht der Leguan, ein Serienkiller, aus der Psychiatrie aus und will Rache nehmen an Grazia Negro. Ein Buch, das sich seinen Untertitel Thriller wahrlich verdient!

Tim Parks, Italien in vollen Zügen (Ü. Ulrike Becker), Goldmann Taschenbuch 2018, 413 S., 10 Euro: Der Wahlitaliener Parks schreibt über das Verkehrsmittel seiner Wahl: Kenntnisreich, lustig, angereichert mit viel historischem Hintergrund und garniert mit Wirtschaftsverbrechen wie Korruption. 

Loraine Peck, Der zweite Sohn (Ü. Stefan Lux), Suhrkamp 2022, 424 S., 16,95 Euro: Das Debüt der australischen Autorin Loraine Peck ist eine Gangster-Clan-Geschichte, die in Sydney spielt, und die großen Fragen nach Ehre und Gewissen stellt.

Eric Pfeil, Azzurro. Mit 100 Songs durch Italien, Kiepenheuer & Witsch, 367 S., 14 Euro: Dieser kurzweilige Trip durch die italienische Musikgeschichte musste einfach mit in den Urlaub. Klug, witzig und überraschend tiefschürfend sind die Geschichten über Gianna Nannini, Fabrizio De André und – ja! – natürlich auch Adriano Celentano: „Azzurro, il pomeriggio è troppo azzurro e lungo per me …“

Andrej Kurkow, Samson und Nadjeschda (Ü: Susanna Marx und Sabine Grebing), Diogenes 2022, 368 S., 24 Euro: Einer der großen ukrainischen Schriftsteller nimmt sich des historischen Kriminalromans an. Kiew im Jahr 1919: Samson verliert erst ein Ohr (bereits auf der ersten Seite) und gelangt dann eher zufällig in den Polizeidienst. Umgeben von Rotarmisten und weißen Garden versucht er tapfer, Ordnung in das Chaos zu bringen. Kurkows Sprache passt sich exzellent dem Zeitrahmen seines Romans an. Da kommt schon Vorfreude auf die Fortsetzung auf!

Mariette Navarro, Über die See (Ü: Sophie Beese), Kunstmann 2022, 160 S., 20 Euro: Ein Containerschiff stoppt mitten im Ozean, der Radar wird abgeschaltet, die Besatzung geht baden, nur die Kapitänin bleibt an Bord. Dananch will das Schiff nicht so recht weiter. Das ist nichts für Freunde des Seerechts, sehr wohl aber für all jene, die eine lyrische Sprache und eine leicht märchenhaft-versponnene Geschichte zu schätzen wissen. Und das Nachdenken über den Sinn von Existenz bei kurzzeitig unterbrochenen Handelsketten.

So, das war es von mir. Bleibt gesund und verschenkt Bücher statt (energiefressender!) Elektrogeräte zu künftigen Festen!

Torsten Meinicke

Comic/Heimkino – von Katrin Doerksen und Thomas Groh

Coming of H von Hamed Eshrat
avant-Verlag, Klappenbroschur, farbig, 176 Seiten, bestellbar

Dorfpunks in Comicform: Hamed Eshrat (Venustransit) erzählt autobiografisch inspiriert von seiner Jugend in einer Kleinstadt im NRW der 1990er Jahre, von Skaten, erster Liebe, Drogenerfahrungen und dem Lösen von seinen iranischen Wurzeln und dem Fluchttrauma seiner Familie. 

Hort von Marijpol
Edition Moderne, Softcover, einfarbig, 368 Seiten, bestellbar

Eine Vision alternativer Körper- und Familienbilder in violett getünchten Bildern: Der Hort ist eine Wohngemeinschaft dreier unabhängiger Frauen Ende 30. Eine ist Bodybuilderin, die Zweite riesig und dick, die Dritte hat ihren Körper mit Schlangenarmen modifiziert.

Schichten von Pénélope Bagieu
Reprodukt, Flexcover, schwarzweiß, 144 Seiten, bestellbar

Der erste autobiografische Comic der Französin Pénélope Bagieu (Unerschrocken) erzählt anekdotisch vom Frauwerden um die Jahrtausendwende und erschafft eine Art Chronik der Millennial-Generation.