Geschrieben am 1. November 2022 von für Crimemag, CrimeMag November 2022

Schatzsuche November 2022 – Neuerscheinungen

Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …

… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays.

Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren. 

CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe von: Kaliber.38 und der befreundeten Buchhandlungen Chatwins (Berlin), Wendeltreppe (Frankfurt) und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin. 

Empfehlungen für DVDs, BluRays und Comics und auch Podcasts geben Katrin Doerksen und Thomas Groh

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Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokale Buchhandlung(en) besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. –

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Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg:

Endlich! Es wird jetzt wirklich Zeit, dass der neue Kriminalroman von Johannes Groschupf»Die Stunde der Hyänen« (Suhrkamp) erscheint, angekündigt war er ja erstmals für September. Ich freue mich auf einen bestimmt coolen Berlin-Roman, und zwar bitte pünktlich am 21.11.! 

Und der chinesische Gangster in den USA 1869 kommt auch noch bei Suhrkamp heraus: »Die tausend Verbrechen des Ming Tsu« von Tom Lin (deutsch von Volker Oldenburg) – klingt schön verrückt.

Beim ersten Durchsuchen der November-Neuerscheinungen habe ich so wenig gefunden, aber bei genauerem Hinsehen bin ich doch neugierig geworden, und zwar z.B. auf Michael Ostrowski»Der Onkel« (Rowohlt), ein Hardcover, ein Debüt, und ich könnte mir vorstellen, ein witziges …

Lachen musste ich auch, als ich sah, dass Dolly Parton und James Patterson einen Country-Thriller geschrieben haben: »Run, Rose, Run – Eine Nacht in Nashville« (Blanvalet, deutsch von Leena Flegler). Den muss ich mir einfach ansehen!

Genauso wie von Stefan B. Meyer»Eine Frau, ein Mord« (Edition Outbird), unter anderem, weil mir der Verlag so sympathisch ist, da gibt es ja auch die schönen Kurzgeschichten von Roland Spranger: »A Kind of Blue«.

Und wer es noch nicht gelesen hat: »Der Hochsitz« von Max Annas erscheint bei Rowohlt jetzt als Taschenbuch. 

Aus der Nicht-Krimi-Abteilung – gerade ganz frisch: »Ein Haus voller Wände« von Frédéric Valin (Verbrecher Verlag), zum Thema macht der Autor seine langjährige Pflegetätigkeit in einer Wohngruppe, gibt Einblicke in das Pflegesystem, aktueller denn je.

Außerdem empfehle ich einen Roman aus dem September – Paul Bokowski: »Schlesenburg«(btb). In den Rezensionen zu seinem ebenfalls autobiografisch gefärbten Romandebüt um Heimat, Flucht, Rassismus findet man meistens das Wort »warmherzig«. Das kann ich nur unterschreiben. Toll!

Jutta Wilkesmann und Hildegard Gansmüller, Wendeltreppe, Frankfurt:

Voosen/Danielsson: Die Spur der Luchse (Kiepenheuer & Witsch)

Michel Bergmann: Der Rabbi u.d. Kommissar: Du sollst nicht begehren (Heyne)

Constanze Scheib: Keine schöne Leich (Oktopus)

Oliver Hoffmann: Moriarty und der Schächter von London (Dryas)

Mathijs Deen: Der Holländer (Mareverlag, Ü.: Andreas Ecke)

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Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg:

Meine kriminalliterarische Trüffelsuche im spätsommerlichen Hamburger Oktober ergab Folgendes:

Simone Buchholz, Unsterblich sind nur die anderen, Suhrkamp Verlag 2022, 264 S., 18 Euro: Nun endlich gelesen. Da ist er wieder, dieser unvergleichliche Buchholz-Sound, angereichert mit Alkohol und Zigaretten. Nur Chastity Riley fehlt natürlich.

Sara Paretsky, Schiebung (Ü: Else Laudan), Argument Verlag 2022, 509 S., 25 Euro: V.I. Warshawski kämpft mal wieder an mehreren Fronten gleichzeitig: Windige Aktiengeschäfte, archäologische Schätze und eine verschwundene Nichte. Ein Pageturner mit Anspruch und Niveau! Ist soeben ausgeliefert.

Ross Thomas, Das Procane-Projekt (Ü: Katja Karau und Gisbert Haefs), Alexander Verlag 2022, 256 S., 16 Euro: Das lange Warten hat sich gelohnt: Der nunmehr 22. Band der genialen Werkausgabe ist ein Philip-St. Ives-Fall, spannend, cool und selbstironisch. Und auch 50 Jahre nach der deutschen Erstausgabe kein bisschen angestaubt. (Anm. d. Red.: siehe auch die übersetzungskritische Besprechung von Alf Mayer in dieser Ausgabe.)

Leicht abseits des Genres sind unbedingt erwähnenswert:
Emilio Lussu, Marsch auf Rom und Umgebung. Ein Bericht (Ü: Claus Gatterer), Folio Verlag 2022, 269 S., 25 Euro: Der Blick eines Zeitgenossen auf den Aufstieg Mussolinis, geschrieben 1932 im Pariser Exil. Der „Marsch auf Rom“ hatte gerade den 100. Jahrestag, die Neofaschistin Meloni wurde kürzlich als neue Regierungschefin Italiens vereidigt. Wiederholt sich Geschichte doch? Ein wichtiges, lehrreiches und mitunter auch überraschend komisches Buch des großen sardischen Politikers und Autors Emilio Lussu.

Jean Malaquais, Planet ohne Visum (Ü: Nadine Püschel), Edition Nautilus 2022, 661 S., 32  Euro: 75 Jahre hat es gedauert, bis dieser große und großartige Exilroman endlich ins Deutsche übersetzt wurde. „Last Exit Marseille“. Erste begeisterte Kritiken haben schon Vergleiche zu Anna Seghers Transit und Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz gezogen. Vielleicht das Buch des Jahres.(Siehe auch unsere „Bloody Chops“.)

Vorfreude kommt auf (wenn Suhrkamp und Herausgeber TW sie endlich rüberwachsen lassen) bei:
Johannes Groschupf, Die Stunde der Hyänen, Suhrkamp Verlag 2022, ca. 300 S., 16 Euro
Tom Lin, Die Tausend Verbrechen des Ming Tsu (Ü: Volker Oldenburg), Suhrkamp Verlag  2022, ca. 300 S. 16 Euro

Und nun auf ins Weihnachtsgeschäft. Schenkt Bücher!
Torsten Meinicke

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Comic/Heimkino – von Katrin Doerksen und Thomas Groh

Hundeblick Berlin von Nadia Budde
Reprodukt Verlag, Hardcover, 112 Seiten, farbig, bestellbar

Lange Spaziergänge mit ihrem Hund haben Nadia Budde zu diesem Porträt Berlins aus Sicht einer Schnauze inspiriert. Mit detailverliebtem und zugleich lakonischem Blick sucht sie nach den Spuren der Vergangenheit, die sich in den Oberflächen der Stadt eingeschrieben haben.

Madame Choi und die Monster von Sheree Domingo und Patrick Spät
Edition Moderne, Klappenbroschur, 176 Seiten, farbig, bestellbar

Ende der 1970er Jahre entführte Kim Jong-il den damals einflussreichsten südkoreanischen Regisseur und seine Frau, eine berühmte Schauspielerin, und zwang das Paar Filme in Nordkorea zu drehen. Der Comic verwebt die wahre, doch schier unglaubliche Geschichte mit dem Mythos um „Pulgasari“, dem wohl bekanntesten nordkoreanischen Film über ein Eisen fressendes Monster nach dem Vorbild von Godzilla.

Stockhausen – Der Mann, der vom Sirius kam von Thomas von Steinaecker und David von Bassewitz
Carlsen, Hardcover, 392 Seiten, farbig, bestellbar

Comicbiografie über Karlheinz Stockhausen, die sich dem Komponisten durch die Brille des jungen Autors nähert, dessen präpubertäre Provinzlangeweile jäh unterbrochen wird, als sein Vater ihm seine erste Stockhausen-Platte zeigt.

Kein Mucks, vierte Staffel – Podcast der ARD-Anstalten und Deutschlandfunk Kultur

Knarzende Türen, Reibeisen-Stimmen und manchmal auch etwas Bandrauschen im Hintergrund: Radio-Nostalgiker Bastian Pastewka greift auch für die vierte Staffel seines Podcast-Erfolgs „Kein Mucks“ tief in die Radioarchive und präsentiert handverlesene und liebevoll eingeführte Krimi-Hörspiele längst vergangener Jahrzehnte. War der Zubegriff dabei bislang im wesentlichen auf die Archive von Radio Bremen beschränkt, können Pastewka und sein Team für die neue vierte Staffel nun ARD-weit den Fundus plündern – und auch Dlf Kultur hat seine Tore weit geöffnet. Dass man bei solchen Hebungen keine Krimi-Kost modernen Standards erwarten darf, versteht sich von selbst. Aber für genre- und radio-historische Exkurs ist der Podcast wirklich Gold wert.

Die Experten – Hörspielbearbeitung nach dem Roman von Merle Kröger von Katrin Zipse, fünf Folgen, alle online

CrimeMag-Leser wissen: Sehr zurecht hat Merle Krögers Archivbohrung meets Polit-Thriller „Die Experten“ für Furore gesorgt. Nun wurde der Erfolgsroman als aufwändiges Hörspiel umgesetzt. Fünf Folgen Radiokunst sind dabei entstanden – dazu gibt es flankierende Werkstattgespräche. Alles hier auf einen Blick im Hörspiel-Portal von Deutschlandradio.

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