Geschrieben am 1. Mai 2022 von für Crimemag, CrimeMag Mai 2022

Schatzsuche Mai 2022 – Crime Neuerscheinungen

Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …

… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays. Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren. CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe von: Kaliber.38 und der befreundeten Buchhandlungen Chatwins (Berlin), Wendeltreppe (Frankfurt) und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin. 

Empfehlungen für DVDs, BluRays und Comics und auch Podcasts geben Katrin Doerksen und Thomas Groh

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Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokale Buchhandlung(en) besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. –

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Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg:

Die Sonne scheint – raus, lesen!

Der Mai bringt uns einen neuen Don Winslow: »City on Fire« (Harper Collins, deutsch von Conny Lösch). Ich bin gespannt auf den ersten Teil der »Dogtown – Trilogie«.

Eindeutig zu spät habe ich Richard Wright entdeckt. Sein Roman »Sohn dieses Landes«begeistert mich momentan. Als Hardcover bereits 2019 erschienen, gibt es jetzt das Taschenbuch (deutsch von Klaus Lambrecht). Sein Roman »Der Mann im Untergrund«(deutsch von Werner Löcher-Lawrence) kommt am 10. Mai in die Buchhandlungen (beide bei Kein & Aber).

Das Debut einer neuen deutschen Autorin durfte ich schon vorab lesen. Sybille Ruges »Davenport 160 x 190« (Suhrkamp) um die sehr besondere Betreiberin einer Inkassofirma ist ein großes Vergnügen. 

Gleicher Vorname, doch erst das »i«, dann das »y«, Sibylle Bergs neuer Roman »RCE – #RemoteCodeExecution« wird sich wohl eher weniger fröhlich anfühlen, ist trotzdem auf meiner Liste (Kiepenheuer & Witsch).

In die Weimarer Republik geht es mit Leonhard F. Seidl »Vom Untergang« (Edition Nautilus). Ein Krimi um Oswald Spengler? Warum nicht?

True Crime bei Piper: Jens Eisels Roman »Cooper« dreht sich um eine spektakuläre Erpressung 1971 in den USA. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Apropos »true«, auch wenn es keine Neuerscheinung ist – nach der Lektüre von »Yoga« des französischen Autors Emmanuel Carrère wurde ich neugierig auf mehr. Dabei bin ich auf sein Buch »Der Widersacher« (Matthes & Seitz) gestoßen, der in einer neuen Übersetzung von Claudia Hamm 2018 erschienen ist. 1993 ermordete der bisher unbescholtene und unauffällige sympathische »Arzt« Jean-Claude Romand seine ganze Familie. Carrère hat sich intensiv mit dem Fall befasst, Kontakt mit dem Täter aufgenommen, dem Prozess beigewohnt. Ein Leben, siebzehn Jahre aufgebaut auf Lügen und Betrug, zerbricht dann doch. Unwillkürlich musste ich während des Lesens ständig den Kopf schütteln.   

Kleiner Kinderbuchtipp: »Clarissa und ich« von Dota Kehr, illustriert von Lihie Jacob(Voland & Quist) – auch spannend – mit Spuk und Geistern.

Jutta Wilkesmann, Wendeltreppe, Frankfurt:

Hier meldet sich die Wendeltreppe:

Manfred Rebhandl: Erster Mai (Haymon)

Jerome Leroy / Max Annas: Terminus Leipzig (Edition Nautilus)

Seraina Kobler: Tiefes dunkles Blau (Diogenes)

Philipp Gurt: Bündner Abendrot (Kampa)

Jochen Frech: HUNT – Kein Weg zurück (Maximum)

Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg

Da ist doch schon wieder ein Monat rum und schwupps ist gleich Mai.
Hier kommen meine erlesenen oder heiß erwarteten Bücher:

– William Boyle, Brachland (Ü: Andrea Stumpf), Polar 2022, 360 S., 25 Euro: Schon das vierte Buch dieses großartigen Autors aus dem Hause Polar. Und wie schon die Vorgänger nur wärmstens zu empfehlen. Eine Zeitreise ins Brooklyn der 1990er-Jahre, gespickt mit Popkultur, Mafiaumtrieben und spannendem Personal. 

– Jens Eisel, Cooper, Piper 2022, 221 S., 22 Euro: True Crime ist normalerweise nicht so mein Ding. Aber Jens Eisel schafft es doch, einen zu fesseln. Am 24. November 1971 entführt D. B.Cooper ein Flugzeug auf dem Weg von Portland nach Seattle, erpresst Geld und springt anschließend mit einem Fallschirm ab. Gefunden wird er nie. Das meiste Geld auch nicht. Eisel füllt die Rätsel dieses Kriminalfalls mit Fiktion. Und das macht er stark!

– Claire Keegan, Kleine Dinge wie diese (Ü: Hans-Christian Oeser), Steidl 2022, 112 S., 18 Euro: Ein literarisches Kleinod über ein großes Verbrechen: das Ausbeuten und Quälen junger Frauen in den kirchlichen Magdalenen-Wäschereien, das erst 1996 in Irland ein Ende fand. Eine kriminelle Geschichte, die nach 19. Jahrhundert anmutet, jedoch noch gar nicht so lange her ist. Dazu die Ausstattung: Ganzleinen ohne Schutzumschlag, höchste Buchästhetik, Steidl eben.

– Leonhard F. Seidl, Vom Untergang, Edition Nautilus 2022, 243 S., 18 Euro: Seidl verbindet in seinen Büchern gerne historische Fakten mit Krimifiktion. Widmete er sich im Vorgängerroman Fronten noch der aktuellen Reichsbürgerszene, blickt er hier zurück auf Bayern in den 1920er-Jahren, als rechte Kreise die junge Weimarer Republik publizistisch unterwandern wollten. Dem zu Unrecht fast vergessenen Anarcho-Syndikalisten Fritz Oerter setzt Seidl nebenbei ein Denkmal.

– S. A. Cosby, Die Rache der Väter (Ü: Jürgen Bürger), Ars Vivendi 2022, 350 S., 24 Euro: Noch nicht gelesen, aber (nach Marcus Münteferings fulminanter Rezension im Freitag) sehnlichst erwartet. Zwei alternde Männer, der eine schwarz, der andere weiß, auf einem Rachefeldzug in den Südstaaten. Das klingt höchst vielversprechend, doch leider ist der Erscheinungstermin auf Ende Mai 2022 verschoben. Aber ich bin sicher: Das Warten lohnt sich!

Ansonsten? Bleibt gesund, auch wenn Corona ja scheinbar abgeschafft wurde. Bleibt antinationalistisch, auch wenn dieser Angriffskrieg natürlich ein Verbrechen ist. Und drückt dem magischen FC St. Pauli von 1910 die Daumen im derzeit laufenden Aufstiegskrimi.
Mit sonnigem Gruß
Torsten Meinicke

Comic/Heimkino – von Katrin Doerksen und Thomas Groh

Schlachthof 5 von Ryan North und Albert Monets
Cross Cult, Hardcover, vierfarbig, 192 Seiten, bestellbar

Comicadaption von Kurt Vonneguts 1969er Antikriegsklassiker Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug über seine Erfahrungen als amerikanischer Kriegsgefangener. Nutzt alle erzählerischen Kniffe aus, die die Comicform so drauf hat.

Starkes Ding von Lika Nüssli
Edition Moderne, Softcover, Schwarzweiß, 232 Seiten, bestellbar

Inspiriert von der Senntumsmalerei erzählt Lika Nüssli in schwarzweißen Illustrationen von ihrem Vater, der in seiner frühen Kindheit als sogenannter Verdingbub einem Bauern überlassen wird – de facto Kinderzwangsarbeit. Wilde Schraffuren, fantastische Elemente – Bilder als Manifestation eines kindlichen Seelenzustandes, der allein in Worten schwer zu beschreiben wäre.

Who’s the Scatman? von Jeff Chi
Zwerchfell Verlag, Softcover, farbig, 248 Seiten, bestellbar

In expressive Farben getauchte Comicbiografie des Jazzkünstlers John Paul Larkin, der sich mithilfe der Musik vom Stottern freimachen kann und in den 1990er Jahren als „Scatman John“ berühmt wird. Weniger One-Hit-Wonder-Story als klassische Außenseitergeschichte. 

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