Geschrieben am 1. März 2022 von für Crimemag, CrimeMag März 2022

Schatzsuche März `22 – Crime Neuerscheinungen

Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …

… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays. Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren. CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe von: Kaliber.38 und der befreundeten Buchhandlungen Chatwins (Berlin), Wendeltreppe (Frankfurt) und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin.

Empfehlungen für DVDs, BluRays und Comics und auch Podcasts geben Katrin Doerksen und Thomas Groh

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Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokale Buchhandlung(en) besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. –

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Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg:

Heute fehlen mir ein bisschen die Worte. Ich war gerade unter den 100.000 Menschen, die in Berlin gegen den Krieg auf die Straße gegangen sind. Das war ein kleines bisschen tröstlich, aber die Nachrichten werden immer beängstigender. 

Hier nur ein paar Tipps:

Bereits gelesen habe ich »Terminus Leipzig«, das Gemeinschaftsprojekt von Max Annas und Jérôme Leroy (Edition Nautilus). Zwei Länder, zwei Autoren. Eine schöne Idee, ein kurzer kleiner Knaller, der mir sehr gefallen hat (französische Kapitel deutsch von Cornelia Wend).

Im Suhrkamp Verlag erscheint der erste Roman von Loraine Peck: »Der zweite Sohn« (deutsch von Stefan Lux). Ich freu mich drauf.

Angelesen habe ich bereits »Die Eistaucher« von Kaśka Brylas (Residenz Verlag), das könnte interessant werden.

Den Lenos Verlag habe ich ja seit den beiden Romanen von Colin Niel besonders lieb gewonnen, deshalb bin ich sehr gespannt auf »Nur die Wahrheit« von Yves Gaudin (deutsch von Anne Thomas).

Wohl eher kein Krimi, trotzdem lese ich den neuen Titel von Leonardo Padura »Wie Staub im Wind« (Unionsverlag, deutsch von Peter Kultzen).

Am Ende zwei großartige Sachbücher, die unbedingt gekauft, gelesen und verschenkt werden müssen:

Eberhard Seidel: »Döner. Eine türkisch-deutsche Kulturgeschichte« (März Verlag) – besprochen von Thomas Wörtchen in dieser Ausgabe, d. Red. – und

Heiko Werning/Ulrike Sterblich: »Von Okapi, Scharnierschildkröte und Schnilch. Ein prekäres Bestiarium« (Galiani Berlin) – siehe in dieser Ausgabe besprochen von Thomas Wörtche.

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Jutta Wilkesmann, Wendeltreppe, Frankfurt:

Die Zeit eilt wahrhaftig im Sauseschritt – also hier die neuen Tipps.

Gutes Lesefutter für die Unersättlichen!:

Yanis Kostas: Tod am Aphroditefelsen (Droemer) 

Susanne Mischke: Fürchte dich vor morgen (Piper)

Katharina Peters: Ufermord (Aufbau)

Louise Penny: Totes Laub (Kampa, übersetzt von Nora Petroll)

Chang Kuo-Li: Der grillende Killer (Droemer, übersetzt von Alice Jakubeit)

Raphael Confiant: Unbescholtene Bürger (Litradukt, übersetzt von Peter Trier)

David Safier: Miss Merkel – Tod auf dem Friedhof (Kindler)

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Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg

Während ich diese Zeilen schreibe, sind Putins Garden gerade dabei, in die Ukraine einzumarschieren. Es gibt eindeutig größere Verbrechen, als die, die zwischen zwei Buchdeckeln stattfinden.Gelesen habe ich natürlich trotzdem, auch wenn die Ausbeute dieses Mal recht knapp ausfällt (kurzer Monat – kurzer Beitrag).

Mathijs Deen, Der Holländer (Ü: Andreas Ecke), mareverlag 2022, 263 S., 20 Euro: Weder Verlag noch Autor standen bisher im Verdacht, besonders krimiaffin zu sein. Herausgekommen ist so ein Buch, das sich nicht um enge Genre-Grenzen schert, sondern in aller Ruhe den Blick über das Wattenmeer schweifen lässt. Ein Wattwanderer wird tot vor Borkum aufgefunden, wahrscheinlich ertrunken, sicher. Aber war die Nipptide wirklich der Täter? Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet ermittelt der „Holländer“, der eigentlich ein Deutscher ist. Soeben erschienen.

Christian Klinger, Ein Giro in Triest. Gaetano Lamprecht ermittelt, Picus 2022, 295 S., 20 Euro: Es soll der Auftakt einer Reihe sein. Inspettor Gaetano Lamprecht lebt und arbeitet in Triest, als im Sommer 1914 das Thronfolgerpaar in Sarajevo ermordet wird und Nationalisten mit der Entführung der Leichen drohen Das gilt es zu verhindern! Per Fahrrad durchstreift Lamprecht seine Stadt, und macht kein Geheimnis daraus, dass er sie sehr gut kennt. Ab Anfang März im Handel.

Jérome Leroy/Max Annas, Terminus Leipzig (Ü: Cornelia Wend), Edition Nautilus 2022, 127 S., 16 Euro: Welch ein spannendes Projekt: Der Franzose Leroy und der Deutsche Annas – beide bekannte „Edelfedern“ des Genres – schreiben gemeinsam einen Noir, indem sie sich Kapitel für Kapitel abwechseln. Das Thema: Ein Rachefeldzug von Rechtsterroristen und Identitären gegen Linke in Frankreich und Deutschland, mit freundlicher Unterstützung rechter Polizeikreise. Der geniale Anfang dieses kleinen großen Romans erinnert an Leroys Der Block, die Belagerungsszene und der Body Count an Annas‘ Bücher Die Mauer und Die Farm. Zwei kleine Wermutstropfen gibt es jedoch: Das Ganze dürfte gerne 200 Seiten länger sein, und Torsten stirbt schon auf Seite 23. Erscheint in Kürze. – Siehe auch die Besprechung von Thomas Wörtchen in dieser Ausgabe – d. Red.


Szczepan Twardoch, Demut (Ü: Olaf Kühl), Rowohlt 2022, 463 S., 25 Euro: Twardoch wird gerne als „polnischer Tarantino“ bezeichnet und ganz verkehrt ist dieser Vergleich nicht. Seine Romane sind epische Geschichtswerke mit Krimihandlung, seine Themen strotzen vor Gewalt,  Blut, Tränen und anderen Körpersäften. Demut schildert das Leben des einfachen schlesischen Begarbeitersohns Alois Pokora, der, aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs kommend, beim Spartakusbund landet und sich schließlich in einem Freikorps wiederfindet. Twardochs neuer Roman hält locker mit seinen letzen Büchern (Der Boxer und Das schwarze Königkreich) mit. Und da lag die Latte schon ganz schön hoch. Bereits erschienen.

Es bleibt spannend. Soviel ist sicher. 

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Comic/Heimkino – von Katrin Doerksen und Thomas Groh

Asadora! 1 von Naoki Urasawa
Carlsen, Softcover, Schwarzweiß, 208 Seiten, bestellbar

Der unangefochtene Meister der Jahrzehnte und vielfache Dimensionen des Bösen umspannenden Mysteryerzählungen (bestes Beispiel: Monster) legt den Auftakt zu seinem vielleicht ambitioniertesten Projekt vor: Asadora! erzählt angelehnt an den Stil von Seifenopern das Leben seiner Protagonistin von frühester Kindheit bis ins hohe Alter nach und hangelt sich dabei an japanischen Mythen und der Geschichte des Landes bis hin zu Olympia 2020 entlang.

Kein Anderer von R. Kikuo Johnson
Reprodukt, Hardcover, zweifarbig, 112 Seiten, bestellbar

Zarte Alltagsgeschichte des hawaiianischen Comicautors und Illustrators R. Kikuo Johnson, dessen aufgeräumter Stil einem womöglich von einigen Covern des New Yorker bekannt vorkommen könnte.

MW von Osamu Tezuka
Carlsen, Hardcover, schwarzweiß, 584 Seiten, bestellbar

Düster fesselndes Spätwerk aus der Gekiga-Phase des Astro-Boy-Erfinders und Manga-Gottes Osamu Tezuka: Zur Zeit des Vietnamkriegs mordet sich ein psychopathischer Bankangestellter durch die japanische High Society. Nur ein erpressbarer katholischer Priester kennt seine Identität.

Toubab – Zwei Münzen von Núria Tamarit
Reprodukt, Hardcover, farbig, 128 Seiten, bestellbar

Mar ist eine Teenagerin, als ihre Mutter sie mit nach Senegal nimmt, um dort für eine NGO zu arbeiten. Núria Tamarits farbexplosives Debüt ist autobiografisch inspiriert und wurde 2019 in Valencia als Beste Graphic Novel des Jahres ausgezeichnetes.