Geschrieben am 1. Juni 2020 von für Crimemag, CrimeMag Juni 2020

Rolf Barkowski: Pfingstsonntag, USA

Rolf Barkowski ist vor Corona oft in den USA gewesen. Er besucht regelmäßig die Blues Festivals entlang des Mississippi – siehe dazu seine mit vielen Fotografien ausgestatteten Berichte bei uns auf CulturMag –, in der schwarzen Community hat er viele Freunde. Wir haben ihn am Pfingstsonntag, 31. Mai 2020, gebeten, die aktuellen Ereignisse in den USA zu kommentieren.

„Wir sind besser als das“ (Keisha Bottoms, Bürgermeisterin Atlanta, Georgia

In der fünften Nacht Unruhen in Folge in mehr als 35 Städten; in acht Bundesstaaten die Nationalgarde in Alarmbereitschaft; nächtliche Ausgangssperren; Polizeifahrzeuge, die in protestierende Menschengruppen fahren; bedrohte und verhaftete Journalisten – Dead End in den USA.

Ein Präsident, der dem demokratischen Bürgermeister von Minneapolis droht ‚…bring die Stadt unter Kontrolle oder ich schicke die Nationalgarde und erledige den Job richtig‘.

Ein Präsident, der ’seine‘ Anhänger auffordert, zum Weißen Haus zu kommen zum Schutz vor den ‚anarchistischen linksextremen Demonstranten‘.

Man fragt sich wirklich, von wem hier die Gewalt eigentlich ausgeht. Wer hat George Floyd auf offener Straße ermordet? Was sind Trump’s Tweets anderes als Anstiftung zur Gewalt? Wer fordert hier Amerikaner auf, gegen Amerikaner zu kämpfen?

Wird hier die von Trump systematisch vorangetriebene Spaltung der amerikanischen Gesellschaft Wirklichkeit?

Über 100.000 Corona -ote, mehr als 40 Millionen Arbeitslose als Folge eines totalen Führungsversagens – jeden Tag zerplatzt der amerikanische Traum aufs Neue. 

Haß und Gewalt statt Empathie und Solidarität bestimmen den Alltag. 

Dabei möchte ich gar nicht wissen, welche Randgruppen im Hintergrund die Gewalt schüren. Leider spielen die Gewaltexzesse genau den Trumps in die Hände, jeden auch noch so friedlichen Protest als gewaltsam zu deklarieren und aufs schärfste gegen ihn vorzugehen. Können doch Ursache und Wirkung munter vertauscht werden.

Bleibt die Hoffnung, dass sich bei den Protestierenden die Vernunft durchsetzt und sie nicht in diese Falle tappen. Die Bürgerrechtsbewegung der USA war noch nie in so großer Gefahr. Das Erbe von Martin Luther King droht im Chaos zu versinken.

Bleibt die Hoffnung, dass ein Appell wie der von Atlantas afroamerikanischen Bürgermeisterin Keisha Bottoms gehört wird: „Wenn euch diese Stadt am Herzen liegt, geht nach Hause. Ihr bringt Schande über diese Stadt. Ihr bringt Schande über das Leben von George Floyd und jeden anderen, der in diesem Land getötet wurde. Wir sind besser als das.“ 


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