Posted On 22. März 2014 By In Crimemag, Krimigedicht With 1312 Views

Krimigedicht: Wilhelm Busch – Das leichtsinnige Mietzel

Wilhelm_BuschDas leichtsinnige Mietzel

von Wilhelm Busch

Schau unser Mietzel, unser gutes!
Was hat das für ein lieb Gesicht. –
Und raufen, balgen – nein, das tut es,
Nein, nein! – das tut das Mietzel nicht.

Ist so ein herzensgutes Kätzchen;
Tut niemals einem was zuleid,
So daß sogar das Gimpelmätzchen
Ganz ohne alle Furchtsamkeit.

Ja, selbst der Schnauz, der doch ein grimmer
Griesgrämlichalter Knabe ist,
Erlaubt dem Mietzel, daß es immer
Mit ihm aus einer Schüssel frißt.

Es war auch wirklich so possierlich,
Wenn so für sich das kleine Ding
Ein Fadenknäuel rasch und zierlich
Bald von sich stieß, bald wiederfing. –

Einst, als in frohem Jugenddrange
Das Mietzel Schmetterlinge jug,
Da schlich herzu mit leisem Gange
Ein fremder Kater, schwarz und klug.

Der Kater hat das Mietzel gerne,
Das Mietzel hat ihn auch recht gern. –
So schloß sie einst beim Licht der Sterne
Herzfreundschaft mit dem fremden Herrn.

Sie fragte nicht, wie er sich nannte,
Sie wußte nur, er war ihr lieb. –
Ach Gott! – und er war der bekannte
Bruno; ein Mörder und ein Dieb. –

Nun war es Abends in der Regel,
Daß er mit ihr zum Walde ging,
Und er schenkt’ ihr schöne Krammetsvögel,
Die Förster Kolb in Fallen fing.

Das war nun wohl ein lustig Leben
Und ging auch eine Weile gut –
– Doch schau! – da kommt der Förster eben –
Paff!! – Bruno schwimmt in seinem Blut!!

Und Mietz entflieht voll Angst und Schrecken
Und kommt durchs enge Gittertor
Den Hunden, welche gierig lecken,
Noch mit genauer Not zuvor.

Gut! – denkst du nun. Die hat’s gesehen,
Wie man den bösen Dieb belohnt,
Und wird nicht mehr von Hause gehen.
Ach, nein! Sie war es schon gewohnt.

Auf hohen Bäumen, in Gebüschen,
Wo sie mit ihrer Beute sitzt,
Weiß sie dem Förster zu entwischen,
Dem seine Flinte wenig nützt.

Doch der ist, wie die Jäger alle,
In diesen Sachen auch nicht dumm.
Er stellt dem Mietzel eine Falle –
Schnapp! – Mietzel ist für ewig stumm! –

Der Förster nimmt sie aus der Klappe
Und trägt sie in des Kürschners Haus:
»Vom Schwarzen machen Sie die Kappe,
Hier schneiden Sie den Muff heraus!«

Ein weißer Muff nebst schwarzer Mütze
Sind fertig auf die Weihnachtszeit.
Die Mütze ist für Försters Fritze,
Der Muff für Försters Adelheid!

1870

Selbstporträt: wikimedia commons/Quelle

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