Posted On 16. Mai 2015 By In Crimemag, KickAss With 1752 Views

KickAss – Bloody Splinters aus dem täglichen Wahnsinn

kickassAu weia, Mimi

– Jüngst erschien im „Börsenblatt“ ein fast rührender Artikel, der sich mühte, den Unterschied zwischen Blogs und professioneller Kritik nachzuzeichnen. Wenn ich den Text richtig verstanden habe, möchten viele Blogger einfach ihrem Hobby nachgehen und sich mit anderen Menschen über ihre Lieblingsbücher austauschen. Weil es aber in der Öffentlichkeit – und sei sie die begrenzte Öffentlichkeit der Blogger – keine Unschuld gibt, ist diese Grenzlinie problematisch. Das sieht man schon daran, dass den Marketingabteilungen vieler Verlage die Blogger als Multiplikatoren noch ihrer schundigsten Produkte gerade recht kommen. So viel Herzigkeit und Tüddeldüüü der vielen Lesestübchen, Kistchen und Kästchen für umme, gerade mal gegen ein Rezensionsexemplar, war noch nie (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel), und eine Einschätzung, wie Bücher beim – reichlich fiktiven – Publikum ankommen mögen, bekommt man als Marktforschung auch noch gratis obendrauf. Zumal sehr viel profunde Kritik auch nicht zu befürchten ist. Ist schon okay, alle sind glücklich. Empfehlungsmarketing ist inzwischen allgegenwärtig, und dass naive Gemüter das Geschäft meistens der Industrieverlage auch noch in dem Bewusstsein betreiben, sie würden nicht etwa deren Profitraten hochtreiben, sondern auch wirklich was für ihre Lieblinge tun, gehört zu den Paradoxien des alltäglichen Wahnsinns.

41BW2WZJKRL._SY344_BO1,204,203,200_Das gilt für die meiste Genre-Literatur, also auch für den „Krimi“. Dort aber sind unter den Bloggern auch Profis wie Tobias Gohlis, Marcus Müntefering, Sonja Hartl oder Roland Oßwald unterwegs, die selbstverständlich ein Teil der ernst zu nehmenden publizistischen Öffentlichkeit zum Thema „Kriminalliteratur“ sind.

Es gibt aber auch „Krimi“-Blogger und -innen, die, egal was sie sagen, durchaus bei „den Großen“ mitspielen wollen, was angesichts der Qualität ihrer Texte, ihrer mangelnden Sach- und Fachkenntnis schlicht und einfach präpotent ist. Meistens reagieren sie auf die Nichtbeachtung beleidigt-pampig oder suhlen sich in Verschwörungstheorien, die im besten Fall kreuzkomisch sind, im schlechtesten Fall justiziabel, wenn sie nicht völlig unbedeutend wären. Das gehört zum Hintergrundrauschen der Welt und tritt sich meistens fest.

Hin und wieder können Blogs aber auch richtig Ärger machen. So geschehen neulich im Fall von „Krimimimi“ Miriam Semrau. Unter einer „Besprechung“ von James Lee Burkes Roman „Regengötter“ fand sich keine Angabe des Übersetzers. Kann vorkommen, shit happens. Darauf fragte Gabriele Haefs, eine der profiliertesten und renommiertesten Übersetzerinnen des Landes, ob Burke wohl auf Deutsch schreibe? Darauf antwortete die Mimi:

mimi-1… und unterschritt damit alle Grenzen des Tolerierbaren.

Bemerkenswert an dieser kaltschnäuzigen Dummheit ist vieles: Die Bevormundung eines anscheinend für blöde gehaltenen Publikums, dem ein entscheidendes Faktum absichtlich vorenthalten wird – nämlich der Name des Übersetzers. Dazu kommt eine unfassbare Ahnungslosigkeit von literarischen Gepflogenheiten: Selbstverständlich ist für viele bücherkaufende Menschen ganz entscheidend – im Guten wie im Schlechten – wer ein Buch übersetzt hat. Davon hängen in der Tat Kaufentscheidungen ab. Jeder, der in der Branche arbeitet, weiß das. Zudem macht es einen gewaltigen Unterschied aus, ob ich Shakespeare in der Übersetzung von Schlegel/Tieck oder Erich Fried lese. Wie gering denkt also Mimi von einem Giganten wie Burke, dass sie insinuiert, es sei doch egal, wer da was hingesudelt hat?

Blödmaschinen_Georg Seeßlen_Markus MetzEin Übersetzer, bei „Regengötter“ Daniel Müller, ist Teil des kreativen Prozesses namens Buch – das zu unterschlagen ist eine Frechheit. Und einfach Kraft der eigenen Wassersuppe zu behaupten, es sei auch nicht wichtig für solchermaßen gegängelte Leser, in welchem Verlag, in welchem Kontext ein Buch erscheint, ist lächerlich. Ich würde gern Gérard Genettes „Paratexte“ zur Lektüre vorschlagen, aber das ist vermutlich vergebene Liebesmüh. Den Hinweis, dass es eine intellektuelle Welt außerhalb des Radars einer Bloggerin gibt, kann ich mir aber nicht verkneifen. Ebenso wie den Hinweis auf Übersetzer-Kollegs, auf ein System an dringend notwendiger Übersetzungsförderung – gerade für „kleine Sprachen“, ohne die die literarische Welt vollends verarmen würde –, das alles interessiert eine Mimi natürlich nicht, die sich als Dienstleisterin an ihrem Publikum versteht (wenn ich sie richtig verstehe), aber somit ein Rädchen der „Blödmaschinen“ ist, um Georg Seeßlen und Markus Metz zu zitieren.

Der Knaller kommt aber noch: Mimis Blog ist mit dem Hessischen Rundfunk verlinkt, wo sie mit dem HR2-Tagesprogramm-Chef Alf Mentzer über ihre Lesefrüchte plaudert, die sie auf ihrem Blog fixiert. Dass die Öffentlichen mit solchen Plapperformaten die Grenzen nach unten ins Bodenlose aufgemacht haben, ist betrübliches Faktum. Dass Mimi für den HR ohne Honorar arbeitet, spricht dafür, dass sie eben nicht nur ihren Liebhabereien nachgeht, sondern sich sehr wohl potentielle Einflussmöglichkeiten verschaffen möchte. Dass der HR dieses Spiel mitspielt, ist der eigentlich Kern des Problems (bitte nicht Fuchs und Trauben rufen, das hat bei mir keinen Sinn – und natürlich habe auch ich, wie viele Kollegen schon mal einem Öffentlichen für umsonst ein Interview gegeben oder ein Gespräch gemacht, das kommt vor, darf aber nicht systemisch werden). Der Sender beteiligt sich damit zugunsten eines eh problematischen Populismus am Rückbau kultureller Standards – die Mimis und andere Blogs, die ohne Honorar unterirdischen „Content“ an profitorientierte Unternehmen wie z. B. die Huffington Post liefern, sind ihre peinlichen Gehilfen. Und das ist ein Fall für KickAss.

Thomas Wörtche

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  • Es ist schon erstaunlich, dass jemand die Leserschaft (an sich und für sich) vertritt und dann auch noch die eigene – zugegeben, höchst seltsame – Meinung auf diese Leserschaft extrapoliert. Ich, als ein Vertreter der Leserschaft möchte meinerseits keinen Anspruch auf die Allgemeingültigkeit erheben. Doch was meine persönliche Sicht der Dinge angeht: ich achte sehr wohl auf den/die Übersetzer/in. Oft habe ich Glück oder Übel, nur mit einem Übersetzer zu tun zu haben (wo ich mich dann frage: „Wer hat denn so etwas verbrochen, oder kongenial hingekriegt – je nach dem“). Im Falle der Auswahl kann ich vergleichen und beurteilen (und das gehört übrigens zu einer meinen Lieblingstätigkeiten ausserhalb des üblichen Lesens – Übersetzungen zu vergleichen, und dabei auch das Original miteinzubeziehen).

    Es können sich sogar Übersetzer herauskristallisieren, nach deren Werken ich suche (und finde dabei die neuen Autoren, die sie übersetzen). Zum Beispiel, Peter Urban – in meinen Augen der beste Übersetzer aus dem Russischen (seine andere Sprachen kann ich nur indirekt bewundern). Leider ist er vor einigen Jahren von uns gegangen, und ich befürchte, wir werden in der nächsten Zeit keinen besseren Übersetzer aus dem Russischen finden. Denn die Zeiten der Verflachung sind wieder da, die Stereotypisierungen, Klischees, Populismus treten in den Vordergrund… Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Für mich jedenfalls ist der Übersetzer keineswegs bloss ein armer Verwandter auf der Grillparty des Autors – er ist DER Interpret, er ist eigentlich der neue Autor. Einen Übersetzer kann man nur in dem Fall außer Acht lassen, wenn man die Texte unbedingt im Original lesen möchte. Eine Irrelevanz einem Übersetzer zuzuordnen ist eine primitive, boulevardesque Sicht auf das Literarische.

  • Philipp Elph

    Ob die „Rezensionen“ auf meinem Blog den Ansprüchen von TW genügen? Ich glaube es nicht. Aber das ist mir auch piepegal. Nennt mich einfach einen Blogger, der seinem Hobby nachgeht, allerdings einen, der die Rezensionen von Gohlis, Müntefering und anderen Profis als Benchmark betrachtet. Jedoch ist es heute ein Gebot nicht nur der Höflichkeit sondern auch der Achtung seiner/ihrer Arbeit, die ÜbersetzerInnen in einem Post, in dem ein Buch besprochen wird, zu nennen. Auch habe ich den Eindruck, dass manche dieser Zunft Stil und Ausdrucksweise des Originals nicht nur richtig ins Deutsche übertragen, sondern durchaus die Qualität des Originals übertreffen (obwohl das sicher nicht die Aufgabe ist).

    • TW

      . ich hatte nie den Eindruck, dass Sie sich als Profi sehen und das ist völlig okay, trotzdem schaue ich durchaus darauf, was sie machen … Best :- ) TW

      • TW

        … Sie machen, sorry ….

      • Philipp Elph

        Die Formulierung war nur als Anknüpfungspunkt gewählt, nicht als Kritik an dem von mir sehr geachteten TW.

      • TW

        Merci, lieber Philipp Elph … :-) TW

  • krimiblogger

    Lieber Thomas,

    wer die Diskussion bei Facebook zu Deinem Artikel verfolgt, kommt womöglich auf den Gedanken, es gehe – einmal mehr – um die übersehenen, missachteten Übersetzer. Ja, ich halte Miriams Einschätzung, dass sie keine Übersetzer nennt, für eine Fehleinschätzung. Ist es deshalb erforderlich, eine derartige, virtuelle Exekution einer einzelnen Bloggerin vorzunehmen?

    Du nimmst einen aktuellen Artikel aus dem Börsenblatt als Aufhänger: Wieder einmal sind es die „Wohlfühlblogger“ – abgegrenzt von einigen wenigen, die „Teil der ernst zu nehmenden publizistischen Öffentlichkeit zum Thema „Kriminalliteratur“ sind – die Du ins Visier nimmst. Ist nicht Dein erstes Mal. Auf den Inhalt des „Börsenblatt“-Artikels gehst Du so gut wie gar nicht ein. Denn da steht genau drin, was womöglich viele Blogger möchten und was sie von „Literaturkritik“ unterscheidet: Über Literatur
    reden/schreiben – auf ihre Art. Manche Blogs sind virtuelle,
    literarische Lesezirkel. Da wird geplaudert und geplappert – hat’s schon immer gegeben, nur wird es durch ein Blog (oder ein Forum oder irgendeine andere Netzform) jetzt halt öffentlich. Was soll’s? Ich erinnere mich an meine Bibliothekszeit, als ich einen Literaturzirkel alle drei Wochen betreuen durfte/musste. Das war nett, große Literaturkritik gab’s nicht. Die Leser hatten Freude an ihrer Lektüre
    und tauschten sich aus. Jetzt findet so etwas halt seit einigen
    Jahren im Netz statt. Verblöden wir jetzt deswegen alle?

    Andere Blogger sind Experten in speziellen Verästelungen der Literatur, die so vom regulären Feuilleton gar nicht abgedeckt werden können. Wer etwas mehr über phantastische Literatur erfahren möchte, ist gut beraten, die entsprechenden Blogs zu suchen, denn das gedruckte Feuilleton kommt über Tolkien, Martin oder Pratchett kaum heraus.

    Da „Krimi“ jetzt seit einigen Jahren „in“ ist, mag zwar einiges passiert sein – keine Zeitung kommt ohne eine „Krimiseite“ aus – allerdings auch nicht immer zum Vorteil. Mit Grausen erinnere ich mich an ein mit Fehlern vollgepacktes Editorial des ehemaligen Feuilletons-Ressortleiters der ZEIT, Jens Jessen, zu einem Krimi-Spezial. Auch Literaturkritiker sind nicht frei von Fehlern und ihren subjektiven Vorstellungen, wie den „Krimi“ nun zu sein hat und vor allem, wie sie ihn vermittelt sehen wollen.

    Entschuldigung, ich bin abgeschweift. „Hin und wieder können Blogs aber auch richtig Ärger machen.“ teast Du Deinen Rundumschlag an – das verspricht ja jetzt jede Menge Ärger. Und der sieht wie aus? Es geht um einen vier Monate alten (!) Kommentar bei der Krimimimi als Beweis für ihre „kaltschnäuzige Dummheit“. Puh! Mal abgesehen davon, dass
    das womöglich justizabel sein könnte und von Juristen als
    Beleidigung gesehen werden könnte, wem hilft das weiter? Und
    schließt sich „Kaltschnäuzigkeit“ und „Dummheit“ nicht
    eigentlich aus? Hilft es den verkannten Übersetzern, die nicht
    genannt werden? Warum hat Gabriele Haefs nicht schon vor vier Monaten auf die – in meinen Augen – Fehleinschätzung von Miriam reagiert und sich dazu geäußert? Ja, es ist richtig, dass Übersetzer auf ihre Arbeit aufmerksam machen, wie es in der Reaktion auf Deinen Artikel zum Beispiel Isabel Bogdan
    (http://isabelbogdan.de/2015/05/16/warum-es-so-wichtig-ist-die-uebersetzer-zu-nennen/) in nachvollziehbarer und aufklärender Weise getan hat. Ach, ja, „KickAss“ ist ja eine Glosse, da musst Du überspitzen. Auf wessen Kosten eigentlich?

    Denn es geht Dir ja nicht wirklich um die nicht genannten Übersetzer, die sind für Deinen Text nur Mittel zum Zweck. Es geht Dir um den institutionalisierten „Rückbau kultureller Standards“, den der Hessische Rundfunk betreibt, weil er Miriam und Alf Mentzer (von Dir genüsslich in seiner Funktion als HR2-Tagesprogramm-Chef benannt) ein „Plapperformat“ erlaubt. Kurz: Eigentlich müsste der HR zumindest Miriam aus dem Programm werfen, folgt man Deiner Logik.
    Zudem nimmt sie kein Geld dafür, also kann es ihr nur um
    „potentielle Einflussmöglichkeiten“ gehen. Ja, natürlich: Jeder, ob nun Blogger oder Literaturkritiker, möchte sich einen Ruf
    aufbauen – alles andere halte ich für verlogen. Jeder der
    Öffentlichkeit sucht, möchte dort etwas kund tun, Aufmerksamkeit erhalten. Und dafür bildet jeder sich seine Zielgruppe auf oder vielleicht auch nur ein. Auch ein Culturmag hat eine – wie auch immer – definierte Zielgruppe und schaut danach, was „seine“ Leser interessieren könnte, genau wie es die FAZ, die ZEIT oder die Welt tun. Oder geht es dann doch mehr um die Werbekunden, die ein für sie attraktives „redaktionelles Umfeld“ gebaut bekommen? Miriam
    hat erklärt, warum sie auf die Angabe verzichtet, ich halte das, wie gesagt, für falsch, aber wenn ihre Leser/Hörer damit klar kommen, was ist daran so verwerflich? Zig Blogs verfahren mittlerweile anders und für manche Blogger ist damit auch ein Lernprozess verbunden (was muss ich wie angeben?) Ein freundlicher Hinweis darauf – auf diese „kulturellen Standards“ – bringt im Zweifel mehr, als eine harsche „Kritik“ oder ein Tritt in den Hintern. Blogs sind keine Doktorarbeit, die ordentlich zitieren müssen. Dafür machen es aber sehr viele richtig.

    Bleibt der „unterirdische Content“ der – auch noch kostenlos –
    massenhaft als Rädchen in den „Blödmaschinen“ unters Volk
    kommt. Ja, gibt es, kann man sich drüber aufregen. Oder aber mit Inhalten dagegenhalten. Ist in der Regel mühsamer.

    Wer aber legt fest, ab wann diese Inhalte „unterirdisch“ oder doch „gut/lesenswert/qualitativ“ sind? Wie sind denn diese
    „kulturellen Standards“ definiert und von wem? Was sind die
    ästhetischen Kriterien für einen „guten“ „Krimi“? Gibt es
    die überhaupt? In dieser Woche kam mir ein, wie ich finde, sehr
    lesenswerter Text von Kathrin Passig auf den Bildschirm („Die
    falschen Hosen“ – https://docs.google.com/document/d/16dCia58qVjigG-1A40B9u4ZY8ZQu0A-OBBjAQ9TVO54/edit?pli=1#), den ich in diesem Zusammenhang spannend finde.

    Seit Jahren drückt sich sich die gesammelte Krimi-Kritik darum, Licht ins Dunkel zu bringen, wie denn ihre „Urteile“ zustande kommen. Ja, ich weiß, jetzt kommt der obligatorische Hinweis auf Nele Hoffmann und Co. Wichtige Bücher, keine Frage – nur beschäftigen sich vermutlich die wenigsten „Krimi“-Leser damit, denn es wird ihnen nicht ernsthaft nahe gebracht. „Krimi“ ist für viele immer noch „Unterhaltung“ – das wird nicht unbedingt hinterfragt. Die alltägliche Krimi-Kritik, die ja auf einem „geschulten Geschmacksurteil“ beruht, ist dabei auch nicht immer eine Hilfe. Und worauf fußt so ein „geschultes Geschmacksurteil“? Weil ich 500, 1000 oder 10.000 Krimis gelesen habe? Das sind in meinen Augen wichtigere Fragen, denen Literaturkritik/“Krimi“-Kritik in ihrer erweiterten Form nach gehen könnte. Jedenfalls wichtiger, als eine aufgeblasene und in Teilen auch verlogene Diskussion darum, warum
    denn nun eine einzelne Bloggerin keine Übersetzer nennt. Zumindest ihre Kriterien sind klar formuliert: Sie sind subjektiv.

    P.S.: Und wenn Du mit gutem Beispiel vorangehen magst, füge doch noch die bibliographischen Angaben zu den von Dir im Artikel erwähnten Büchern „Paratexte“ von Gérard Genette und „Blödmaschinen“ von Georg Seeßlen und Markus Metz hinzu. Einfach Coverbilder reinknallen – das können auch Blogger.

    • TW

      Danke, lieber Ludger, dass Du Dich so umfangreich einbringst – schön auch, dass Frau Bogdan nacheilend noch einmal die Fakten über die Rolle von Übersetzern auffächert. KickAss ist in der Tat ein Format für Polemik (meaning of structure) – und die kann man schlecht Punkt für Punkt nachträglich kommentieren und erläutern. Genau lesen ist allerdings schon hilfreich: ES IST EINE DUMMHEIT ist eine andere Aussagen als „XY IST DUMM“ – selbst Genies begehen hin und wieder Dummheiten … Herzlich T.

      • krimiblogger

        Lieber Thomas,
        bleibt die Frage, ob eine Polemik das richtige Mittel ist, um sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen und ob sie hilfreich ist, „kulturelle Standards“ einzuhalten, zu erklären und zu diskutieren oder ob sie eher verschreckt. In diesem Fall scheint sie – leider – eher zu verschrecken und das ist in meinen Augen bedauerlich.
        Herzliche Grüße
        Ludger

      • TW

        Die Reaktionen auf Facebook, lieber Ludger, sind ja nur der weitaus kleinere Teil … und Polemik (oder rant, wie Du sagen würdest) klärt die Luft und macht Positionen klarer sichtbar.
        Herzlich :- ) T.

  • Ein Beitrag, der auch mich nachdenklich gemacht hat. Auch ich habe bisher die „Metadaten“ im Allgemeinen unterschlagen, nicht etwa, weil ich sie für unwichtig erachte oder meine Leser gar unterschätze, sondern im Glauben, dass sich meine Leser sowieso weiter über den jeweiligen Titel informieren. Ich gehe sozusagen vom mündigen Leser aus, der nicht einfach blind etwas kauft, dass ich auf meinem kleine Blog bespreche. Von der Sparte des Übersetzers gesehen kann ich aber durchaus nachvollziehen, wenn das als eine Art Geringschätzung aufgefasst wird, weshalb ich ab sofort und rückwirkend diese Information in meine Beiträge einbauen möchte. Eine Reaktion wie die von krimimimi erscheint mir doch reichlich patzig, aber ich lasse mein Küchenpsychologie-Diplom heute lieber im Schrank.

    Was die Veröffentlichung von „Gratis-Content“ auf relevanten Medienplattformen angeht stimme ich Ihnen zu, das ist ein absolutes Unding. Das Börsenblatt ist da ganz vorne mit dabei und hat sich damit bereits einige Sympathien verspielt. Das mag der finanziellen Lage einiger Verlag,e, der schlechten Verkaufszahlen von Printmedien und der fehlenden Zahlungsbereitschaft auf Seiten der Konsumenten geschuldet sein, bringt aber letztlich sowohl den Berufsstand des Journalisten als auch die Verlage selbst in eine schwierige Situation. Die „paar Mark“, die da gespart werden, rächen sich auf jeden Fall irgendwann. Man sollte aber nicht vergessen, dass gerade der Berufsstand des Journalisten eine derart hart umkämpftes Feld ist, dass viele in der Umsonst-Arbeit das einzig mögliche Sprungbrett für eine immer unwahrscheinlicher werdende Festanstellung oder wenigstens eine freie Mitarbeit sehen. Das schlägt sich auch im Selbstverständnis der Blogger wieder. Für viele, und da schieße ich mich mal mit ein, ist ein Blog eine Plattform, um sich auszuprobieren. Darauf werden Artikel veröffentlicht, die nicht dem Qualitätsstandard eines professionellen Journalisten entsprechen, was aber nicht heißt, dass nicht einige Blogger darauf hinarbeiten, irgendwann den Absprung in die Professionalität zu schaffen. Genre-Kenntnis zu erlangen ist ja ein nie endender Prozess. Aber jetzt beginne ich zu schwafeln, ist ja ohnehin schon ein Roman geworden.

    P.S.: Die Herren Gohlis und Oßwald sind ja leider in letzter Zeit etwas inaktiv (zumindest auf ihren Blogs), da wäre ein Ass-Kick vielleicht auch nicht verkehrt.

    • TW

      Danke, lieber Schneemann, das Skandalon ist ja nicht, dass man mal versäumt, Übersetzer zu nennen (obwohl das nicht vorkommen sollte, aber wie ich schrieb: shit happens und mnachmal lässt es auch ein Format nicht zu), sondern die Antwort auf Gabriele Haefs .., und was den Content für lau für potentiell zahlungskräftige Körperschaften angeht – da haben Sie völlig recht .. dass man den Sprung in die Professionalität schaffen kann, wenn die Qualität stimmt, dafür ist Sonja Hartl ein schönes Beispiel. Den doch noch relativ neuen Schneemann-Blog lese ich mit großem Vergnügen – und bei Ihnen sehe ich auch keine mißgünstigen Ambitionen – un
      d genau deswegen habe ich Sie ja auf dem Schirm …. Herzlich :-) TW

  • Werner

    „kaltschnäuzige Dummheit“, „eine Frechheit“, „peinlich“, „präpotent“, „unfassbare Ahnungslosigkeit“: „und Polemik (oder rant, wie Du sagen würdest) klärt die Luft und macht Positionen klarer sichtbar.“ Ich fürchte, solange es immer noch Abstrafinstanzen wie diese Empörungskolumne gibt, die sich zum Ziel setzen, mit einer verbalinjurienorientierten Pädagogik (schließlich doch allesamt ad hominem Figuren) des in den Arsch tretens müsse inkriminiertem Fehlverhalten demonstriert werden, wo der Hammer hängt (uns hat es schließlich auch nicht geschadet!), wird die Welt nicht besser. Woche für Woche jemanden vorzuführen, dem in geifernden Schimpftiraden die Leviten zu lesen sind, damit die skandalgierige Leserschaft aufheult „Uuuunmöglich!!!“: welches kleinbürgerliche sadistische Strafbedürfnis bricht sich da Bahn? (Ich kenn´s gut, es ist auch meines, sonst würde ich diese Zeilen nicht schreiben. Aber müssten wir nicht eines Tages mal davon loskommen, statt es zu bedienen und zu kultivieren?)

  • Judith

    Angesichts dieser (relativ heftigen) Debatte hier mein Beitrag: http://leseloop.at/5-no-gos-bei-rezensionen/

    Dazu nur soviel: Literaturkritik darf auch mal umdenken und das Internet eröffnet einfach neue Möglichkeiten, die genutzt werden und das auch sollen. Abseits des Fauxpas von Krimimimi gehts hier zwischen den Zeilen nämlich um viel mehr: Kritik an „unprofessionellen“ Literaturblogs, die gegen die Regeln der gängigen Schulen verstoßen.

  • Freidenker

    Sehr geehrter Herr
    Wörtche,

    durch Zufall bin ich leider auf Ihren Artikel gestoßen. Leider, weil mir auch
    eine Stunde nach dem erstmaligen Lesen immer noch ganz schlecht ist von Ihrem
    Arroganz und Polemik ausstrahlenden Text. Es mag ja sein, dass Krimimimi einen
    Fehler gemacht hat, als sie den Übersetzer nicht genannt hat und auch die
    Antwort auf das Nachfragen von Frau Haefs war sicher nicht die geschickteste.
    Ok in Ordnung. Nur ist das ein geeigneter Anlass die Dame so zu vernichten, so
    im Internet, indem bekanntlich jeder alles lesen kann zu diffamieren? Sie zu
    beleidigen mit Worten wie „kaltschnäuzige Dummheit?“. Es wundert mich
    sehr, dass Sie sich als Literaturkritiker nicht für Ihren völlig überzogenen
    Artikel schämen, aber vielleicht tun Sie das ja im Geheimen schon und das Internet
    bekommt davon nichts mit. Haben Sie sich vor dem Veröffentlichen Ihres
    Pamphlets eigentlich gefragt was solche Texte bei den Betroffenen auslösen
    können? Wie hart Sie das trifft?

    In dem Teaser der Ihren Text auf Facebook ankündigt steht folgendes :

    „Respekt und Genauigkeit dürften eigentlich erwartet werden, wenn man sich
    in der Öffentlichkeit bewegt “

    Ja, das ist ganz richtig: Respekt und Genauigkeit, das muss man sich einmal auf
    der Zunge zergehen lassen und nachfolgend zeigen Sie keinen Respekt vor Frau
    Semrau und Genauigkeit obendrein auch nicht, denn im kruden zweiten Teil Ihrer
    Kritik vermuten Sie einfach mal so aufs Geratewohl Frau Semrau wolle sich einen
    Vorteil verschaffen, indem sie mit dem HR zusammen arbeite. Das, sehr geehrter
    Herr Wörtche grenzt beinahe an üble Nachrede.

    Bevor ich mich jetzt aber auch auf eine Ihnen gegenüber polemische Position
    begebe, möchte ich einfach noch einige Denkanstösse in die Diskussion einbringen.

    Wie ich finde zeigt Ihr Text Herr Wörtche
    ein weit verbreitetes Problem. Die sogenannten erlesenen
    „Literaturkritiker“ können mit Büchern, Meinungen und Inhalten
    anscheinend in diesem Land beliebig umspringen. Wenn es Ihnen passt werden die
    Bücher in den Himmel gelobt oder gleich unter die Grasnarbe getreten. Der
    „Literaturkritiker“ sieht sich als hohe Instanz wohl so ziemlich in
    der Nähe von Gott und er liebt die Macht zu urteilen, vor allem aber liebt er
    wohl die Macht zu vernichten.

    Meinen Sie wirklich Herr Wörtche mich Otto Normal Verbraucher interessiert es
    in welcher Übersetzung ich ein Buch lese? Ja, vielleicht allenfalls noch bei
    dem von Ihnen angeführten Beispiel von Shakespeare aber doch nicht verzeihen Sie
    bei einem Krimi oder ganz ordinären Buch. Und ich möchte mich
    aufrichtigst sogar bei Ihnen dafür entschuldigen, das ich leider nicht so
    gebildet bin wie Sie und es mir auf gut deutsch gesagt scheißegal ist von wem
    das Buch übersetzt wurde. Für mich steht die „Tat“ der Frau Semrau in keinem
    Verhältnis zu dem „Mittel“, das Sie gegen sie in Form eines Internetpamphlets
    angewendet haben. Das zweite Problem das in diesem Artikel angesprochen wird,
    das ich aufgreifen möchte, ist die Blogkultur im Internet. Entschuldigen Sie
    Herr Wörtche, dass ich nun auch ganz in Ihrer Manier einmal eine Vermutung
    aufstellen muss. „Literaturkritiker“ wie Sie ziehen doch nur aus
    einem einzigen Grund über die zahllosen mehr oder minder gelungenen Blogs her,
    die im Internet Literatur besprechen: Angst. Die Angst sitzt Ihnen im Nacken,
    diese blöden Amateure könnten Ihnen noch die Macht stehlen, das Ansehen, die
    Leserschaft, die Anerkennung etc. Es ist Ihre eigene Angst und nicht wie Sie
    schreiben, die Tatsache, dass manche Blogs Ihrer Meinung nach für kommerzielle
    Zwecke im Literaturbusiness genutzt werden (Im Übrigen ist da Ihre Beweislage
    auch ziemlich dünn.)

    Das ist doch das pure Missfallen an der neuen basisdemokratischen Kultur im
    Internet, dass in Blogs jeder in den Grenzen der Meinungsfreiheit und des
    gegenseitigen Respekts äussern kann, was er möchte. Und ob Ihnen das nun gefällt
    Herr Wörtche oder nicht, die Leserschaft wird dadurch mündig und kann sich eine
    eigene Meinung bilden, welchen Kritiker sie gut findet und welchen nicht. Sie
    ist eben nicht mehr angewiesen auf die wenigen Publizisten in den großen und
    kleinen Zeitungen.

    Sie ist nicht angewiesen auf jemanden wie Sie, der die Blogs in Herrschermanier
    einteilen kann in Gut und Böse und das ist sehr gut so. Und umgekehrt wird wie
    immer auch ein Schuh draus:

    Statt von „Rückbau“ der Literaturstandards
    zu sprechen, würde ich es eher einen „Umbau“ längst verkrusteter Strukturen
    nennen. Willkommen im Jahre 2015, Willkommen in der Realität.

    Über eine Antwort Ihrerseits Herr Wörtche würde ich mich im Sinne einer fairen und
    demokratischen Streitkultur sehr freuen.

    An alle Forumsteilnehmer: Würde mich auch natürlich sehr über Kommentare,
    Anregungen etc von euch freuen :)

    Euer Freidenker

    • booksinmyworld

      Es war mir eine Freude diesen Beitrag zu lesen! DANKE!

    • Frederik

      Ein Text wie ein Shitstorm.

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