Posted On 15. April 2017 By In Crimemag, Kolumnen und Themen With 5261 Views

Frank Göhre: Fünf Variationen über den Mord an Pier Paolo Pasolini

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Pier Paolo Pasolini

Nachts inmitten des Abfalls der Stadt

Frank Göhre, letztes Jahr im Herbst. An einem Regentag in Rom. In den Bogengängen am Bahnhof Termini. Die Erinnerung, dass Pasolini hier den Stricher Pelosi aufgegabelt hat. Der Mord in der Nacht zum 2. November 1975. Es gibt seitdem mehrere Variationen über das Geschehen. Frank Göhre beginnt zu ermitteln. Viel Lesestoff (siehe Liste am Ende). Viel Internet-Recherche. Aber letztlich der eigenen Intention folgend. Assoziativ denkend und schreibend. Der eigentlichen Wahrheit fiktional näher kommend. Und zugleich der Versuch, die damalige Zeit zu beleuchten: Kultur & Politik, die politischen Intrigen. Eine Zeitreise in fünf Kapiteln.

[1] Der Stricher

You’re the First, the Last, My Everything …
die Antwort auf alle meine Träume.
Barry White
Nummer-eins-Hit der 15. Woche 1975, Italien

Lebend zuletzt gesehen hat ihn der Wirt des Restaurants Biondo Tevere auf der Via Ostiense, der Ausfahrtstraße von Rom nach Ostia. Er ist in Begleitung eines jungen Burschen, für den er eine Pasta aglio e olio und ein Viertel gebratenes Hähnchen bestellt. Der junge Bursche will das Hähnchen nicht essen. Er ist verärgert. Im Nachhinein wird gesagt, dass ihm das Essen zu billig war. Wenn schon von einem reichen Herrn eingeladen, dann soll es bitteschön auch ein teures Gericht sein. Möglicherweise war das der eigentliche Anlass des späteren Geschehens: „Das Problem war dies innere Sich-Entfernen. Das ging soweit, dass er uns nicht mehr verstehen konnte. Er kam mit der Vorstadt nicht mehr klar, wie er es auch nicht geschafft hat, sich den Jungen von der Straße verständlich zu machen … weil man in ihm den Verrat spürte.“ (Römischer Vorstadtjugendlicher)

„Bild dir bloss nichts ein, hier unten, da nehm ich´s noch mit jedem auf! Denkst wohl, ich weiß nicht, wie man´s macht, was? Dabei hab ich eher als alle anderen rausgekriegt, was du willst, du geiler Bock!“

Es ist die Nacht vom 1. auf den 2. November 1975, die Nacht von Allerheiligen zu Allerseelen. Die beiden römisch-katholischen Gedenktage sollen an die Vergänglichkeit unseres irdischen Daseins erinnern: „Es regnete, und es war kalt.“

Es ist die Zeit der schlimmsten Wirtschaftskrise Italiens seit dem Zweiten Weltkrieg. Christdemokraten und Kommunisten, kämpfen um die politische und kulturelle Vorherrschaft. Neofaschisten legen Bomben. Die Roten Brigaden sind als linke Untergrundorganisation für zig Mordanschläge, Entführungen und Banküberfälle verantwortlich. Polizisten prügeln auf demonstrierende Arbeiter ein. Auf den Straßen der großen Städte fließt Blut. Die Generäle der italienischen Armee schmieden Putschpläne. In dem Franceso Rosi Film Die Macht und ihr Preis behauptet der Präsident des Obersten Gerichtshofs: „Aber unsere Justiz ist sauber. Das Parlament dagegen funktioniert so gut wie gar nicht. Und unsere Regierung ist schwach. Sie sind schuld daran, dass unser Land immer tiefer im Chaos versinkt.“

Paso Moravia IntervDer reiche Herr kommt 1950 als ein aus dem Schuldienst entlassener Lehrer aus dem Friaul nach Rom. Er ist mittellos und findet keine Arbeit. Mit seiner 59jährigen Mutter zieht er in die Vorstadt: „Ein wahrlich erschreckender Ort, ohne Grünanlagen, ohne Kinos, ohne Cafés, ohne Schulen. Ein grausamer Schlafsaal … schreckliche Orte, in denen Menschen leben, die schnell zu Verbrechern werden. Alle Diebe Roms leben in der Vorstadt, die professionellen Diebe. Viel übles Pack. In Wahrheit muss man von einem soziologischen Schicksal sprechen: Es ist nicht Schuld der Leute, unter diesen Umständen zu leben … Es sind Orte einer schrecklichen Isolation.“ (Alberto Moravia)

Trastevere

Trastevere

Doch der arbeitslose Lehrer empfindet es als Glück den Armen und Entrechteten nahe zu sein und hat dabei die „Entdeckung von Marx“ im Sinn. Er beginnt, das „afrikanische Rom“ zu durchstreifen: „Von Monteverde bis runter zum Bahnhof von Trastevere war nichts anderes zu hören als ständiger monotoner Autolärm. An den Steigungen und in den Kurven hörte man Hupen und das Aufheulen von Motoren, was den schon am frühen Morgen von der Sonne ausgebrannten Vorort mit ohrenbetäubendem Dröhnen erfüllte … Der Weg von Monteverde Vecchio bis zur Kaserne der Grenadiere war kurz, man musste nur über die Wiese gehen und dann die Abkürzung zwischen den

Häusern nehmen, an denen in der Umgebung vom Viale die Quattro Venti gebaut wurde. Lawinen von Unrat und Abfällen, Häuser, die, noch nicht einmal fertig, schon wie Ruinen aussahen, riesige Schlammlöcher, Müllhalden …“ (Pier Paolo Pasolini)

„’He du, wo gehst´n hin?‘ – ‚Nach Hause, hab Hunger.‘ – ‚Dannkomm doch mit zu mir oder? alter Hurenbolzen!‘ … ‚Schon mal in Ostia gewesen?‘ – Du bist vielleicht gut, weißde´n nich, dass ich da geboren bin?‘ – ‚Mann, du Wichser, haste mir ja nie erzählt!‘ – ‚Na und wenn schon?’“

Er ist 28 Jahre alt, als ihm schließlich ein Job als Privatlehrer vermittelt wird. Doch erst durch die kontinuierliche Arbeit als freier Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften kann er sich seinen 41buEziEP6L._SX335_BO1,204,203,200_Lebensunterhalt verdienen. Und er profiliert er sich mehr und mehr als Erzähler realistischer Geschichten und dann auch als Autor des Romans Ragazzi di vita (Jungen des Lebens). Es sind Momentaufnahmen aus dem Leben typischer Vorstadtjugendlicher – magere, braungebrannte und verschwitzte Halbstarke, die zwischen den Betonbauten, Baracken und Baustellen in den Tag hinein leben, die Nächte in Parks verbringen und im verdreckten Tiber baden um  sich danach für das absolut Lebensnotwendigste zu prostituieren oder zu stehlen. Zu der Zeit sieht er noch „im unbürgerlichen und ‚unmoralischen‘ Sozialverhalten der Jugendlichen des römischen Subproletariats … ein ungewecktes revolutionäres Potential, von dem er hoffte, es würde sich … politisieren, den Konsumlockungen der entstehenden bürgerlichen Demokratie widerstehen und schließlich eine Art radikaler Speerspitze der kommenden sozialistischen Revolution bilden.“ (Klaus Theweleit)

Am 1. November 1975 ist der ehemalige Lehrer aus dem Friaul 53 Jahre alt. Er hat am 5. März seinen Geburtstag gefeiert und ist inzwischen weit über Italien hinaus bekannt als „Pier Paolo Pasolini, Schriftsteller, Filmemacher, lebenslanger Antifaschist und Kommunist, obwohl mit sechsundzwanzig aus der KPI ausgeschlossen“. Er ist in den vergangenen Jahren mehrfach angezeigt und vor Gericht gestellt worden: „Oktober 1949: Erste Anzeige wegen ‚Verführung Minderjähriger‘, Freispruch wegen Mangels an Beweisen. Januar 1951: Festnahme und Anzeige wegen Trunkenheit. Juli 1955: Anzeige wegen ‚Vertreibung unzüchtiger Schriften‘, aufgrund des Romans Ragazzi di vita. Prozess, Freispruch. Juni 1958: Strafrechtliche Verurteilung wegen Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung. November 1959: Anzeige ‚wegen übler Nachrede und Diffamierung durch die Presse‘. Freispruch. Februar 1960: Prozess aufgrund des Romans Una vita violenta wegen ‚Verbreitung unzüchtiger Schriften. Freispruch. Juni 1960: In der Nacht zwischen dem 28. und 29. Juni kommt es in der Via Panico zu einer Schlägerei zwischen einem jungen Mann und einer jungen Frau, in deren Verlauf ein Ring und ein Armband verloren gehen. Pasolini kommt zufällig mit einem Freund im Auto vorbei, denkt, man müsse, um größeres Unheil zu verhindern, die beiden so schnell wie möglich trennen. Er nimmt den Jungen, einen Bekannten seines Freundes, mit. In der Nacht wird Pasolini verhört; schließlich wegen ‚Begünstigung‘ angezeigt. Prozess. Freispruch. Juli 1960: Anzeige wegen ‚Verführung Minderjähriger‘. Das Verfahren wird eingestellt. November 1960: Ermittlungsverfahren gegen Regisseur Bolognini und die Drehbuchautoren Alberto Moravia und Pier Paolo Pasolini wegen ‚Pornographie‘, dargestellt im Film Una giornata balorda. November 1961: Anzeige wegen bewaffneten Raubüberfalls auf eine Tankstelle. Vernehmungen, Hausdurchsuchung, endlose Prozesstermine. Freispruch. Februar 1962: Der christdemokratische Abgeordnete Pagliuca strengt ein Zivilverfahren accatonegegen Pasolinis Film Accattone an wegen Diffamierung seiner Person. Freispruch. Erstmals aber wird in Italien ein Film für Personen unter 18 Jahren verboten. Juli 1962: Strafrechtliche Verfolgung wegen Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung. August 1962: Anzeige wegen ‚Pornographie‘ in Pasolinis zweiten Spielfilm Mamma Roma. Das Verfahren wird eingestellt. Oktober 1962: Anzeige gegen Pasolinis Episode La ricotta aufgrund des Drehbuchs wegen ‚Blasphemie‘. Freispruch. März 1963: Beschlagnahmung des Films La ricotta während einer Vorstellung in einem römischen Kino wegen ‚Verunglimpfung der Staatsreligion‘. Am 7. März 1963 wird Pasolini zu 4 Monaten Haft verurteilt. Einspruch. Revision. Am 6. Mai 1964 wird er vom Appellationshof freigesprochen. Januar 1964: Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung. August 1968: Anzeige gegen Pasolini und sechs weitere Regisseure wegen Hausfriedensbruch. Saalbesetzung und Protest gegen die politische Verwaltung der Mostra del Cinema di Venezia. Freispruch für alle. Dezember 1969: Anzeige eines Bauern dessen 50 Schafe am

Decamerone

Decamerone

letzten Drehtag des Pasolini Films Porcile von den beim Dreh eingesetzten Hunden angeblich zerrissen wurden. Die Klage wird abgewiesen. März 1971: Anzeige wegen ‚Aufhetzung zur Gewalt und Billigung von Straftaten‘. Freispruch. August 1971: Anzeige gegen den Pasolini Film Decamerone wegen ‚Obszönität, Schamlosigkeit und jedem anderen Delikt‘. Angezeigt von insgesamt 154 Bürgern. Der Film wird viermal beschlagnahmt …

 

„’Gehn wir einen abziehen, was?‘ – ‚Klar, machen wir!‘ – ‚Schön sind wir, Muskeln haben wir, können tanzen und klauen und schieben einen rein wie keiner!’“

Nico Naldinin

Nico Naldinin

Pier Paolo Pasolini trifft sich jeden Abend mit Freunden zum Essen: „Im Winter aßen sie meistens im Campana in der Via della Campagna, oder im Bolognese an der Piazza del Popolo; auch im Carbonara am Campo de´Fiori; in Trastevere im Pastarellaro oder bei Carlo. Im Sommer gingen sie am liebsten in eine Trattoria an der Via Appia Antica, gleich hinter der Porta San Sebastino jenseits der Stadtmauer: Es war ein Lokal, das unter einem Vordach im Freien ein paar rohgezimmerte Holztische und Bänke stehen hatte; die Eisenbahn führte ganz nah vorbei, die Linie Rom-Genua. Die Freunde nannten es ‚die kleinen Züge‘ und gingen vor allem hin, um Bandnudeln und Lammkoteletts ‚alla scottadito‘ (zum Fingerverbrennen) zu essen.“ (Nico Naldini)

„Was einen an Pasolini beeindruckte, war eine große Sanftheit. Er war sehr sanft … Er sprach sehr wenig, äußerst wenig. Er hatte das, was ich das schweigsame Lachen nenne … Er war nie langweilig, ganz und gar nicht … Er hatte eine gewisse Fähigkeit, Leute zu verstehen. Mehr noch als verstehen, ihre Existenz zu fühlen … Er hatte ein seltsames Gesicht, äußerst seltsam … Eine Nase, die sehr sonderbar geformt war: oben schmal, dann wurde sie an der Wurzel breiter, und bog sich unten wieder nach innen … Dann die tiefliegenden, kleinen Augen … Er hatte schlechte Zähne, hatte unter einer Mangelerscheinung gelitten, Rachitis … und er kleidete sich sehr schlecht. Für ihn war die Kleidung ein Problem, denn er verfiel dem Show-Geschmack, wie die Amerikaner sagen würden, war also auffällig. Pasolini war imstande, Krokodilleder-Schuhe zu tragen. Etwas Schreckliches. Oder gelb-schwarze Schuhe. Oder bunt getupfte Pullover, kurz, er hatte keinen sicheren Geschmack … Jeden Abend zog er los. Er sagte es auch: Ich geh auf den Strich. Das allein ist schon ein Exzess. So als wenn ich als Heterosexueller jeden Abend zu Nutten gegangen wäre. Ich gehe nicht zu ihnen, aber angenommen, ich hätte es getan, und das jeden Abend, so wäre dies schon pathologisch.“ (Alberto Moravia)

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Oriana Fallaci

„Dich nach dem Abendessen zu verlassen, das war eine Qual. Wir wussten, wohin du gehst, jedes Mal. Und jedes Mal war es, wie dich zu einer Verabredung mit dem Tod laufen zu sehen. Jedes Mal hätte ich dich am Jackenärmel halten mögen, dich anflehen, dir das wiederholen, was ich dir in New York gesagt habe: ‚Sie werden dir die Gurgel durchschneiden, Pier Paolo.’“ (Oriana Fallaci)

Es ist 22.30 Uhr, als Pier Paolo Pasolini an diesem 1. November 1975 in seinem metallic grauen Alfa Giulia GT an der Café-Bar in den Bogengängen des Bahnhofs Termini vorfährt. Es ist ein Samstagabend.Wochenende. Es ist regnerischer Abend. Pasolini steigt nicht aus dem Auto. Er lässt das Seitenfenster herunter und spricht mit einer Gruppe herumlungernder Jungs. Er kennt einige von ihnen, und sie kennen ihn. Ein Freier. Hat Kohle. Macht irgendwas mit Film. Die Jungs bieten sich an. Pasolini verriegelt die Tür und schließt das Fenster: „Währenddessen geht einer der Jungs mit Namen Seminara in die bar hinein, ruft Pelosi und will ihn dazu veranlassen, zu dem Giulia GT zu kommen. Da schwindet Pasolinis Misstrauen. Er lässt den Jungen, der sich als letzter vorgestellt hat, ins Auto einsteigen.“ (Enzo Siciliano)

Der 17jährige Pino Pelosi begibt sich mit dem Filmemacher auf eine „Spazierfahrt“. Sie machen einen Stopp in dem Restaurants Biondo Tevere auf der Via Ostiense und danach einen zweiten an einer Münztanksäule. Dort wird der Filmemacher nicht erkannt, lediglich als „männliche Person ohne Kopfbedeckung“ wahrgenommen. Sie fahren weiter in südwestlicher Richtung: „Um zum Idroscalo von Ostia zu kommen fährt man auf einer Straße, die Felder und Müllhalden durchschneidet … hinter einem Schutzzaun aus vernagelten Brettern drei-vier Fabrikgebäude … ein primitiver Fussballplatz, die kleine Hütte mit den Umkleidekabinen, weiß gestrichen … eine von Pfützen zerfurchte Wiese .. ein Maschendrahtzaun trennt sie von der Straße … Unkraut und Abfallhaufen ohne Ende.“ (Enzo Siziliano)

Pier Paolo Pasolini bremst den Alfa ab.

Er hält.

Er hält inmitten des Abfalls.

Am nächsten Morgen, am Sonntag, dem 2. November, fahren um ca. halb sieben das Ehepaar Principessa und ihr erwachsener Sohn bei ihrem in unmittelbarer Nähe liegenden Neubau vor.

Das Grundstück haben sie vom Staat gepachtet. Die Familie baut sich hier ein Haus für den Sommer. Die Ehefrau bemerkt etwas: „Schau dir mal die Hurensöhne an, die herkommen und uns ihren Dreck vors Haus schmeißen.“

Der „Dreck“ ist der Körper eines Mannes: „Sein Kopf war zerschmettert. Die Haare blutverschmiert. Er lag mit dem Gesicht nach unten, mit den Händen unter sich. Er war schlecht angezogen. Er hatte ein grünes Unterhemd mit kurzen Ärmeln an, Bluejeans mit Flecken von Motorschmiere drauf, braune Stiefeletten bis zum Knöchel und einen braunen Gürtel.“ (Enzo Siciliano)

Der Ehemann benachrichtigt umgehend die Polizei.

Fünf Stunden zuvor ist einem Streifenwagen der Carabinieri auf der Küstenstraße ein mit hoher Geschwindigkeit fahrender Alfa entgegengekommen. Der Streifenwagen wendet und nimmt die Verfolgung auf. Es gelingt, den Alfa gegen die Umzäunung einer Badeanstalt zu drängen. Der Fahrer versucht, zu Fuß zu fliehen. Doch die Carabinieri können ihn überwältigen. Es ist Pino Pelosi, im Milieu auch „la rana“, („der Frosch“) genannt.

Am Sonntagmittag gesteht der als Dieb und Stricher polizeilich registrierte „Frosch“, Pier Paolo Pasolini getötet zu haben. Der Herr habe ihn am Kiosk auf der Piazza dei Cinquecento in Rom angesprochen, zu einer Spazierfahrt eingeladen und ihm ein schönes Geschenk in Aussicht gestellt.

Piazza dei Cinquecento

Piazza dei Cinquecento

Auf der Fahrt habe der Herr von einem einsam gelegenen kleinen Sportplatz gesprochen, dahin seien sie gefahren, um „was zu machen“ – zwanzigtausend Lire das Geschenk (heute ca. 10 Euro). Auf dem Sportplatz habe der Herr ihm etwa eine Minute lang einen geblasen, „das Mundwerk“ jedoch nicht zu Ende geführt. Stattdessen habe der Herr ihn aus dem Auto steigen lassen und sei ihm gefolgt. Dabei habe er versucht, ihm die Hosen herunterzuziehen. Aufgefordert, damit aufzuhören, habe der Herr ein Brett aufgehoben, so eine Latte wie von einem Gartenzaun, und habe sie ihm in den Hintern hineinstecken wollen, so dass er ihn angeschrien habe: „Bist du denn verrückt geworden?!“ Das Gesicht des Herrn sei ihm wie das eines Irren vorgekommen, und da habe er Angst bekommen und habe weglaufen wollen, sei aber gestolpert und hingefallen. Der Herr sei über ihn her und habe ihn mit dem Stock am Kopf getroffen. Und dann sei es zu einem Kampf gekommen und er habe auf dem Boden ein Brett gesehen, es aufgehoben und dem Herrn damit auf den Kopf geschlagen, ihm auch zwei Tritte in die Eier gegeben und in blinder Wut immer wieder mit dem Brett zugeschlagen, bis der Herr röchelnd zu Boden gefallen sei. Dann sei er mit dem Auto geflohen, könne aber nicht sagen, ob er dabei über den Körper des Herrn gefahren sei, absichtlich jedenfalls nicht, denn er habe total unter Schock gestanden.

ragazziZwanzig Jahre zuvor schreibt Pasolini in seinem ersten Roman Ragazzi di vita: „In diesen beiden Jahren hatte sich Riccetto zu einem wahrhaftigen Hurensohn entwickelt … Und fast, aber nur fast, hätte auch er sich wie der Typ verhalten können, der in der Nähe des Pantheons wohnte und eines Tages gemeinsam mit einem Freund einen Schwulen totgetreten hatte, nur um ihm `n paar tausend Lire zu klauen. Als sein Kumpel dann zu ihm sagte: „Ej du, wir ham ihn umgebracht“, antwortete er, ohne überhaupt hinzugucken: „Soll ich mir deshalb etwa ein´ abwichsen?“

Pino Pelosi kommt in Untersuchungshaft und wird am 26. April 1976 wegen „vorsätzlicher Tötung, schweren Diebstahls und Unzucht“ zu 9 Jahren, 7 Monaten und 10 Tagen Knast verurteilt.

[2] Ragazzi di Vita

Kung Fu Fighting
Carl Douglas
Nummer-eins-Hit der 13. und 14. Woche 1975, Italien

Der Schüler Pier Paolo verbringt jedes Jahr die Sommerferien bei seinen Großeltern mütterlicherseits im friaulischen Städtchen Casarsa: „ … zwischen Gebirge und Meer, wo große Gewitter bersten, im Winter viel Regen fällt, wo man im Februar die Berge klar sieht wie Glas, knapp hinter den feuchten Zweigen und wo an den Gräben die Primeln wachsen, geruchlos, und im Sommer die schmalen Maisfelder, im Wechsel mit dem stumpfen Grün der Luzerne vor dem blassen Himmel sich abzeichnen.“ (Pier Paolo Pasolini)

Während der Pubertät stellt er fest, dass ihn der Anblick gleichaltriger, vor allem fussballspielender Jungs körperlich erregt. Die Gesichter dieser Jugendlichen aus dem „einfachen Volk“ prägen sich ihm nachhaltig ein.

carsasa (Heimat)

Casarsa

Nach dem Abitur studiert Pasolini Kunstgeschichte, Literatur und romanische Philologie in Bologna. 1943 folgt er seiner Mutter in deren Heimatort. Mit ihr zusammen gibt er dann auch Privatunterricht, bis er mit Dreiundzwanzig Lehrer an einer Mittelschule bei Casarsa wird. Er ist Mitglied der Kommunistischen Partei. Im Oktober 1949 kommt es zu einem Skandal: Ein Junge beichtet dem Ortspfarrer, er habe mit Pasolini sexuelle Beziehungen gehabt. Unter Verletzung des Beichtgeheimnisses und mit Unterstützung der lokalen christdemokratischen Presse wird der Vorfall als ein Beispiel „kommunistischer Sittenlosigkeit“ öffentlich angeprangert. Die Partei schließt den zu der Zeit als Ortssekretär aktiven Pasolini aus: „Das mit dieser Erfahrung verbundene Trauma  der verfolgten Sexualität und der totalen Einsamkeit wurde zu einem bestimmenden Grunderlebnis des Dichters und verstärkte ohne Zweifel seinen Drang zu einer ‚mystischen Kommunion‘ mit dem reinen Volk, in Pasolinis Augen ‚rein‘, weil außerhalb der bürgerlichen Normen sexuellen Verhaltens.“ (Peter Kammerer)

Der aus der Dorfgemeinschaft Ausgestoßene bricht mit seiner Mutter überstürzt nach Rom auf. In der Vorstadt und später in der Stricherszene zwischen Kolosseum und Stazione Termini kann er anfangs anonym seinen Obsessionen nachgehen, ist er auf der andauernde Suche nach dem Ideal seines erotischen Begehrens: „Vor allem bist du sehr hübsch, und musst es sein. Vielleicht nicht im üblichen Sinn. Du kannst auch ein wenig zierlich sein, sogar ein wenig schmächtig gebaut; du kannst in deinem Gesicht schon die Spur dessen tragen, wodurch es in späteren Jahren fatal maskenhaft wirken wird. Deine Augen müssen schwarz und glänzend sein, dein Mund ein wenig groß, dein Gesicht ziemlich regelmäßig, deine Haare müssen im Nacken und hinter den Ohren kurz sein, dafür kannst du gern eine schöne Tolle haben, hoch, kriegerisch und vielleicht ein wenig übertrieben und lustig in der Stirn. Es wäre mir nicht unlieb, wenn du auch ein wenig sportlich wärst, also schmale Hüften und kräftige Beine hättest (was den Sport angeht, wäre es mir am liebsten, wenn du gerne Fußball spielst, dann könnten wir ab und zu ein Spielchen zusammen machen). (Pier Paolo Pasolini)

Jean Genet

Jean Genet

Dieser Typ eines Jugendlichen findet sich sowohl in den Romanen wie dann auch in den Filmen des Pier Paolo Pasolini, als Straßenjunge, als jugendlicher Krimineller, als einer der Ragazzi di vita: „Doch hier muss man auch noch einen anderen Faktor berücksichtigen: Sein Gefallen an Kriminellen war ein Zug von Dekadenz. Pasolini war dekadent. Er hatte denselben Geschmack am Verbrechen wie Genet. Genet ging nicht etwa mit den bürgerlichen Jungen, den wohlerzogenen oder literarisch versierten ins Bett, sondern mit den Gaunern und Kriminellen … Dies ist ein Phänomen der homosexuellen Dekadenz. Der Homosexuelle ist ein Ausgeschlossener, ein Rebell, Bekämpfer einer christlichen Gesellschaft, die seine Liebe verurteilt … deshalb haben die Homosexuellen eine instinktive Sympathie für alle, die das Gesetz überschreiten.“ (Alberto Moravia)

Im November 1961 erstattet der römische Tankwart Bernardino De Santis Anzeige wegen bewaffneten Raubüberfalls. Ein schwarze Handschuhe tragender Fremder habe ihn mit einem Revolver bedroht und versucht, die Tageseinnahmen zu rauben. Er habe den Mann abwehren und in die Flucht schlagen können. Am nächsten Tag habe er ihn zufällig in einem Alfa wieder gesehen, sich die Nummer notiert und die Polizei angerufen. Es ist Pier Paolo Pasolinis Wagen. Pasolini wird verhört, der Alfa und seine Wohnung werden durchsucht. Pasolini gibt zu, mit dem Tankwart gesprochen zu haben, allerdings nur über Details für seine Drehbucharbeit an Mama Roma: „In Wirklichkeit hatte es sich um eine homosexuelle Annäherung gehandelt, die der Angesprochene missverstand bzw. missverstehen wollte, ob aus gekränkter ‚Ehre‘ oder wegen anderer Hintergedanken … aber seltsamerweise weigerte sich Pasolini vor Gericht, den Fall aufzuklären und den wirklichen Verlauf darzustellen. Seine Homosexualität, aus der er keinen Hehl machte, war ’seine Sache‘. So musste der Anschein eines Raubüberfalls bestehen bleiben, und Pasolini wurde erst in der zweiten Instanz unter dem Druck der liberalen öffentlichen Meinung freigesprochen.“ (Peter Kammerer)

51yrWRitB8L._SX313_BO1,204,203,200_Der Schriftsteller und Filmemacher Pier Paolo Pasolini führt in Rom ein klar strukturiertes Leben. Inzwischen nicht mehr in der Vorstadt, wohnt er in der Via Eufrate (im Viertel EUR.) aber nach wie vor mit seiner Mutter zusammen. Wenn er nicht dreht, schläft er morgens lange, trinkt gegen Mittag zuhause einen ersten Kaffee und isst eine Kleinigkeit. Nachmittags schreibt er. Er ist Kolumnist mehrerer Tageszeitungen und Zeitschriften und schreibt regelmäßig über Italiens politisches und kulturelles Leben. Zwischen 1942 und 1975 veröffentlicht er knapp ein Dutzend Gedichtbände und mehrere Romane. Er realisiert über zwanzig Dokumentar-, Spiel- und Episodenfilme.

Am Samstagabend, dem 1. November 1975, trifft sich Pier Paolo Pasolini mit seiner „großen Liebe“ Ninetto Davoli in der Trattoria Pomidoro auf dem Tiburtiner Hügel zum Essen: „Ninetto war anfänglich ein Geliebter, dann sind sie nicht mehr zusammen ins Bett gegangen, überhaupt nicht mehr. Er hatte eine extreme Zuneigung zu dem Jungen gefasst, der, um die Wahrheit zu sagen, ohne jemanden Unrecht zu tun, ein gewöhnlicher, recht primitiver Junge war, mit einer gewissen Schlauheit … Ninetto hatte sehr großen Erfolg bei Frauen. Ninetto ist Frauen sehr zugeneigt. Pasolini ging nie mit homosexuellen Jungen, er ging mit nicht-homosexuellen Jungen ins Bett, sein Gedanke war, dass der Junge mit ihm ins Bett gehe, um ihm, Pasolini zu gefallen. Das war seine Idee, seine Illusion … Als Ninetto heiratete, war dies für Pasolini wie für einen Vater, der eine Tochter verliert. Dies war die wahre Gefühlsbeziehung, die ich an ihm kennengelernt habe.“ (Alberto Moravia)

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Ninetto (Film)

Nach dem Essen mit Ninetto fährt Pasolini in seinem Alfa zum Bahnhof Termini. Einige Tage zuvor soll er dort auf der berüchtigten Piazza die Cinquecento, in den berühmten Giardini, jemanden abgewiesen haben; der Betreffende habe schnell entschlossen die Schande der paradoxen Zurückweisung von sich abwaschen wollen, und Pelosi sei der Lockvogel gewesen.

Der Stricher Pino Pelosi gibt bei seinem Mordgeständnis gegen Mittag des 2. November 1975 zu Protokoll, dass er sich am vorangegangenen Abend gegen 22 Uhr mit ein paar Freunden in den Bogengängen auf dem Platz vor dem Bahnhof aufgehalten habe, als sich ihm „ein ‚Schwuler‘ genähert habe, ein Herr so zwischen fünfunddreißig und fünfzig am Steuer eines GT.“

Im Verlauf der späteren Gerichtsverhandlung kommt zur Sprache, dass Pelosi erst einmal zu Pier Paolo Pasolini in den Wagen gestiegen ist. Sie fahren ca. eine halbe Stunde umher, vermutlich, um „die Sache“ betreffend überein zu kommen. Pelosi habe sich dann versprechen lassen, nach Beendigung des Treffens wieder nach Hause, zum Tiburtino III, gefahren zu werden. Er besitze zusammen mit zwei anderen Jungen als „Miteigentümer“ einen Kleinwagen, zu dem nur er die Schlüssel habe, die er den anderen übergeben müsse.

Das wird widerlegt. Der Wagen gehört zwar tatsächlich einer „Eigentumsgemeinschaft“, aber jeder der drei Eigentümer hat eigene Schlüssel.

Pasolini und Pelosi kommen noch einmal zum Platz zurück. Pelosi spricht mit seinen Freunden, angeblich sagt er ihnen, sich nicht von dem Mann mit dem Alfa sehen zu lassen.

Pino Pelosi ist also vor der Begegnung mit Pasolini nicht allein. Er hängt mit anderen Strichern am Hauptbahnhof ab. Sie reden. Sie reden darüber, was noch laufen wird. Sie reden über gute und über miese Freier. Über ihre Erfahrungen mit dem und jenem.

„Mehr als diese hundert Lire gibt’s nicht! Sag was du willst, aber mehr gebe ich dir wirklich nicht! Kann ich nicht! Kannst dich bei jedem erkundigen, über Idoletto. Du wirst sehen, da ist nicht einer, der nicht zugibt: ‚Der Idoletto, das ist `n anständiger Kerl, `n guter Freund ist das!‘ Bei mir macht man die Bedingungen vorher aus. Wenn ja, ist gut; wenn nein, bitte sehr, denn eben nicht. Was willst du überhaupt! Mir laufen sie nach wie die Hunde, ich kann jede Menge Männer haben, soviel ich will!“

autoPier Paolo Pasolini ist nachts nicht zum ersten Mal auf dieser Piazza. Er kennt sich bei den Jungs aus. Und natürlich haben auch die ihn auf dem Schirm. Als vermögenden Herrn, als stinkreichen Schwulen mit einem Alfa unterm Arsch. Keine Frage.

Die Jungs sehen dem Wagen nach.

„Ich denke, dass etwas defekt gewesen sein muss an der Sensibilität eines Mannes, der in den Slums herumfuhr mit einem rasanten Luxussportwagen, dem verhassten Symbol der Gewalt, der Überlegenheit und der Verschwendung.“ (Luigi Pintor)

Pasolini steuert das Biondo Tevere auf der Via Ostiense an. Das Lokal hat schon geschlossen: „Der Wirt sagte, dass es nur noch Hähnchen gebe … Als er den beiden nächtlichen Gästen, vielleicht hastig, das Essen servierte, hörte der Wirt ein Schlüsselwort meiner gesamten schmerzlichen

Rekonstruktion jenes Abends … Das Schlüsselwort lautet ‚Amphetamin‘. Genauer: ‚Ich brauche das Geld, um nachts durchzumachen, mit Amphetamin wach zu bleiben‘, soll Pelosi gesagt haben, ohne zu verhehlen, dass er in dieser Nacht noch woanders auf Diebestour gehen musste.“ (Dario Bellezza)

Amphetamin, eine Droge in Pulverform, als „Speed“ gehandelt, wirkt euphorisierend und hält wach, bei nachlassender Wirkung kommt es zu Nervosität und auch zu Angstzuständen und Aggressivität.

Pasolini ist ein entschiedener Gegner von Drogen und Drogenkonsum: „Ich will sagen, dass das Phänomen Droge seinen Charakter radikal verändert hat im Vergleich zur Zeit vor zehn oder zwanzig Jahren. Heute ist es ein Phänomen der breiten Masse und betrifft alle sozialen Schichten … Weil die im anthropologischen Sinne ‚totale‘ Kultur zerstört worden ist bzw. soweit sie noch existiert sich mitten in einem Zerstörungsprozess befindet. Deshalb gelten die traditionellen Werte und Verhaltensmuster (hier im guten Sinne verstanden) entweder nicht mehr oder sie sind dabei, die letzte Bedeutung zu verlieren … Das große Phänomen des ersatzlosen Werteverlustes – aus dem sich erst das Phänomen eines extremen und massenhaften Drogenmissbrauchs ableitet – betrifft daher alle Jugendlichen unseres Landes … Ich persönlich habe wenig Mitleid mit drogensüchtigen Jugendlichen. Im Gegenteil, ich neige eher zu einer aprioristischen und ausgeprägten Antipathie. Auf der einen Seite steht ihr erpresserischer Hochmut, mit dem sie ein Stück Subkultur mystifizieren; auf der anderen Seite meine Unduldsamkeit gegenüber Fluchtversuchen, Verzicht und Wehleidigkeit.“ (Pier Paolo Pasolini)

Es kann durchaus sein, dass („der Lehrer“) Pasolini dem Stricher Pelosi, dem „Frosch“, Vorwürfe wegen seines Drogenkonsums gemacht hat. Ihm „auf den Sack“ gegangen ist. Das löst zumeist Aggressionen aus.

Biondo Tevere (heute)

Biondo Tevere (heute)

In dem eigentlich schon geschlossenen Lokal Biondo Tevere sitzt Pasolini mit dem Rücken zur Tür, der ihm gegenüber sitzende Pelosi hat die Tür im Blick. Hält Ausschau?

Ein anonymer Briefschreiber behauptet, dass Pasolini vom Verlassen der Piazza an von einem Wagen mit dem Kennzeichen Catania verfolgt worden sei. In dem Wagen seien vier Personen gewesen. Angeblich seien sie den Jungs vom Bahnhof nur zu gut bekannt gewesen. Der anonyme Briefschreiber behauptet, einer der Jungs zu sein: „Die vier kannten wir sehr gut, weil sie meistens kommen und uns verhauen und uns das Geld abnehmen, das wir mit unserer Arbeit verdient haben. Und die sagen uns, dass wir mit unserer Arbeit aufhören sollen, weil wir ihnen das Revier für ihre Weiber vermiesen …“

Pasolini fährt mit Pelosi zum Idroscalo in Ostia: Ein rechteckiger, nicht einmal fußballfeldgroßer Platz aus gestampfter Erde … kaum einen Kilometer vom Strand entfernt, aber das Meer kann von hier aus nicht sehen.

Pier Paolo Pasolini stoppt seinen Alfa auf dem Platz. Pelosi raucht eine Zigarette. Pasolini streichelt Pelosis Genitalien. Er nimmt Pelosis Schwanz in den Mund.

Ein angeblicher Augenzeuge berichtet: „Ich habe zwei Autos gesehen. Vier oder fünf Männer stiegen aus. Sie zerrten Pasolini aus dem Wagen und schlugen sofort zu. Er schrie und schrie.“

Eine Frau aus der Nachbarschaft will in dieser Nacht gehört haben: „Mama, Mama, sie bringen mich um, das hat er geschrien, der arme Kerl.“

„Dann fiel er zu Boden. Die Männer ließen von ihm und gingen zu dem Wagen. Dann aber kam ein Wagen zurück. Er leuchtete mit den Scheinwerfern auf Pasolini. Dieser war aufgestanden und versuchte zu entkommen. Er hatte sich wohl tot gestellt. Die Männer verfolgten ihn zu Fuß. Sie schlugen ihn mit einem Holzknüppel nieder. Dann fuhr das Auto absichtlich mehrere Male über den am Boden liegenden Körper.“ (Ulrich Ladurner)

[3] Das Komplott

Profondo Rosso, instrumental 
Goblin
Titelsong des Dario Argento-Film „Rosso – Farbe des Todes“,
Nummer-eins-Hit der 48. Woche 1975 – 1. Woche 1976, Italien

Es ist Anfang der Sechziger Jahre. Pier Paolo Pasolini lebt nun schon seit über 10 Jahren in Rom. Er hat sich als Lyriker einen Namen gemacht und zwei Romane über das Alltagsleben Jugendlicher in den Vorstädten veröffentlicht. Über die wird heftig gestritten und auch Anzeige erstattet – krass, schmutzig und vor allem obszön seien sie. Gossensprache, Pornografie, Blasphemie.

Nach einigen Drehbucharbeiten, u.a. gemeinsam mit Alberto Moravia, realisiert Pasolini seinen ersten eigenen Film: „Vom ersten bis zu letzten Bild ist Accattone bevölkert mit Arschlöchern; jedenfalls was seine männlichen Protagonisten angeht; und zwar mit unverbesserlichen. Pasolini zeigt seine Tagediebe, Zuhälter, Gauner, Angeber, Hypermachos, Kotzbrocken aus dem Ponte Mammolo-Slum (wo er selbst in seinen frühen Romtagen lebte) nicht etwa als ‚Depravierte‘, denen soziopsychologisch unsere Empathie zustände; bzw. eine Erwartung als politische Hoffnungsträger. Sein Film zeigt sie, mit untrügerischem Kameraauge, als jene Sorte Zerstörte, von denen nichts anderes zu erwarten ist als wieder Zerstörung, von denen auch im Film nichts ausgeht als Zerstörungen … Man versteht beim Sehen nicht einmal mehr, wie Pasolini ein soziopolitisches Etikett wie ‚Subproletariat‘ für diese fiesen einzelnen, isoliert agierenden rivalisierenden Herumlümmler beziehungsweise Gang-Haufen-Mitglieder hat formulieren können. Der Film zeigt in aller Schärfe jene kaputten, in der Gewalt siedelnden Typen, die in politischen Terrorsituationen bevorzugt als Akteure faschistischer oder anders regierungsermächtigter Mordbanden einsetzbar waren und sind.“ (Klaus Theweleit)

1963 wird in Italien gewählt. Nach längeren Verhandlungen einigen sich die Christdemokraten als stärkste Partei mit den Sozialdemokraten, Republikanern und Sozialisten auf eine Mitte-links-Regierung. Der Preis ist für die Sozialisten hoch. Sie müssen zusichern, ihre Forderungen nach Sozialreformen  zurückzustellen. Damit bleibt es erst einmal bei einer Spaltung des Landes in einen industrialisierten, frühkapitalistisch eingerichteten Norden und einen landwirtschaftlich geprägten Süden, wo feudale Machtstrukturen weiterhin Bestand haben.

In den nächsten Jahren kommt es landesweit verstärkt zu Streiks und zu Unruhen und Aufruhr an den Universitäten. Die Fiat-Betriebe in Turin werden für kurze Zeit besetzt. Eine breite außerparlamentarische Opposition aus links orientierten Arbeitern und Gewerkschaftern, Kommunisten, Anarchisten und Intellektuellen bildet sich.

1966 bekommen 2.000 Armeeoffiziere ein Schreiben aus dem Umfeld der geheimen paramilitärischen Organisation „Gladio“ (gegründet, um nach einer angeblich zu befürchtenden Invasion der Truppen des Warschauer Paktes Sabotageakte durchführen) zugestellt: „Offiziere! Die gefährliche Lage der italienischen Politik erfordert Euer entschiedenes Eingreifen. Den Streitkräften obliegt die Aufgabe, der Ansteckung ein Ende zu bereiten, bevor sie tödlich wird …“ Doch das Militär putscht nicht. Der Aufruf bleibt eine Option.

mailandAm 12. Dezember 1969 explodieren in Mailand und Rom an verschiedenen Orten Bomben. Auf der Piazza Fontana in Mailand werden 16 Menschen getötet und 90 zum Teil schwer verletzt. Die Bomben sind von Neofaschisten deponiert worden, beschuldigt und verhaftet aber werden Anarchisten. Die Methode ist bekannt. Eine Allianz aus christdemokratischen Politikern und ihrer

Verbündeten im und außerhalb des Staatsapparats schafft ein Klima der Angst, um Polizeirepression und autoritären Rückschritt zu rechtfertigen: „In dieser Hinsicht zeigt die Bombe an der Piazza Fontana den Zustand der italienischen Gesellschaft auf. Sie legt die Rolle der Minister, der italienischen und ausländischen Geheimdienste, der Richter und Polizeikräfte bloß, die alle miteinander in ein kriminelles Projekt verwickelt sind.“ (Luciano Lanza)

„Ich weiß. Ich kenne die Namen der Verantwortlichen. Ich kenne alle Namen und alle Fakten. Aber ich habe keine Beweise. Nicht einmal Indizien … Ich weiß, weil ich ein Intellektueller bin, ein Schriftsteller …“, schreibt Pier Paolo Pasolini in einer Kolumne des Corriere della Sera im November 1974.

Er hat sich im Lauf der letzten Jahre die gesamte herrschende Klasse Italiens zum Feind gemacht. Er hat die Christdemokraten des Genozids an der bäuerlichen Kultur beschuldigt, die Abschaffung der Schulen und des Fernsehens verlangt. Er hat in Rudi Dutschkes Denken und Handeln einen Sohn gesehen, die Kirche als reaktionäre Institution angegriffen – Die Kirche, der Penis und die Vagina. Er hat zu Parteien und zum politischen Alltag Stellung bezogen: Die italienischen Nixons – Man sollte den christdemokratischen Parteibonzen den Prozess machen – Der Faschismus der Antifaschisten – Der Koitus, die Abtreibung, die Schein-Toleranz der Herrschenden, der Konformismus der Progressiven – Die erste, wahre Revolution von rechts –  Redebeitrag zum Kongress der Radikalen Partei: Ein intellektueller Amoklauf sondergleichen.

Aber reicht das, um ihn zum Schweigen zu bringen, ihn ermorden zu lassen?

David Grieco, Freund und ehemaliger Mitarbeiter von Pasolini, glaubt sich sicher zu sein. Der Filmemacher sei in eine raffinierte Falle gelockt worden. Römische Kriminelle hätten ihm mehrere Rollen seines letzten und noch nicht öffentlich gezeigten Films Salò oder Die 120 Tage von Sodom entwendet.

51PIwYZKGXL._SX322_BO1,204,203,200_Bei Zahlung eines bestimmten Betrages habe er sie zurück kaufen können: Nachts in Ostia. Dort aber sei er dann von Auftragskillern kaltblütig ermordet worden. Es seien Jungs aus dem Umfeld der Vorstadtgang „Banda della Magliana“ gewesen. (Die Geschichte dieser Gruppe, die allerdings erst 1977/78 als organisierte Gang aktiv wurde, erzählt der römische Richter und Krimiautor Giancarlo De Cataldo in seinem Roman „Romanzo Criminale“.) Doch auch sie hätten nur im Auftrag gehandelt. Die   wahren Hintermänner des Verbrechens sieht der ehemalige Mitarbeiter Pasolinis in der Führungsriege Italiens, damals infiltriert vom US-Geheimdienst CIA, dem Netzwerk „Gladio“ sowie der italienischen Freimaurerloge P2, die wiederum eng verzahnt mit der sizilianischen Mafia sei.

Ein Wagen mit dem Kennzeichen der sizilianischen Stadt Catania sei in der Tatnacht Pasolinis Alfa gefolgt. Catania ist Sitz einer einflussreichen Mafia-Familie. In den 1970er Jahren errichteten einige Familien Dependancen in Neapel, Rom, Bologna, Turin und Mailand.

Die vier-fünf Personen in dem Wagen: Zuhälter oder Mafiosi? Oder Mafiosi als Zuhälter?

Eins wie das andere ist möglich.

Der 17jährige Giuseppe Pelosi, auch Pino der Frosch genannt, wird in der Nacht zum Sonntag, dem 2. November 1975, von Carabinieri gestellt und verhaftet. Er war von Ostia kommend in dem Alfa des wenig später tot aufgefundenen Pier Paolo Pasolini unterwegs.

Zu Beginn der Vernehmung bittet Pelosi um sein Feuerzeug und die Schachtel Marlboro, die er zum Zeitpunkt seiner Verhaftung im Wagen habe zurücklassen müssen. Er fragt auch nach seinem Ring.

Es sei ein Ring mit einem roten Stein und der Schrift United States Army.

In dem Alfa findet sich keine Zigarettenschachtel und kein Feuerzeug. Stattdessen wird auf dem Rücksitz ein grüner Pullover und die Sohleeines rechten Schuhs entdeckt. Der Pullover ist abgetragen, aber noch in einem relativ guten Zustand. Pullover wie dieser werden zumeist auf Straßenmärkten verkauft. Schuhsohle und Pullover aber haben weder Pelosis noch Pasolinis Größe. Pelosi will nicht wissen, wem die Teile gehören.

Der Ring mit dem roten Stein wird am Tatort des Mordes sichergestellt. Neben dem einen Tor des improvisierten Fußballplatzes liegt Pasolinis blutverschmiertes Hemd, daneben zwei abgebrochene Teile eines Holzbretts. Auch die sind blutverschmiert und voller Hirnmasse des Ermordeten. Im Bereich vor dem Tor und auf dem Platz sind Fußspuren, die nicht von Pelosi und nicht von Pasolini stammen. Es sind Spuren von Tennisschuhen mit einer Gummisohle.

alphaAuf dem Dach des Alfa über dem Beifahrerfenster befinden sich schwache Blutspuren. Das Blut stammt von Pasolini. Pino, der Frosch aber sagt aus, Pasolini sei während des Kampfes niemals in die Nähe des Wagens gekommen: „Zwei Annahmen allein sind möglich: Entweder hatte Pelosi die Hände mit Blut beschmutzt und bestieg das Auto von der Beifahrerseite her, während eine andere Person Pasolini überfuhr … oder der Komplize mit den blutbeschmutzten Händen nahm auf dem Beifahrersitz Platz und öffnete dann die linke Türe, während Pelosi, dessen Hände nicht blutbeschmutzt waren, auf dem Fahrersitz Platz nahm. Auf jeden Fall scheint festzustehen, dass zusammen mit Pelosi eine andere Person ins Auto stieg, die mit ihm an dem Überfall teilgenommen hatte.“ (Aus dem Urteilsspruch)

Es ist Sonntag, der 2. November 1975, später Abend: „In einer einsamen Straße gingen wir in eine leere Bar, der Fernseher war an. Uns folgte ein Jugendlicher, der betreten fragte ‚Aber ist es wahr, ist es wahr?‘ und die Barfrau fragte ‚Wahr, was?‘ Und der Junge antwortete: ‚Von Pasolini. Pasolini umgebracht.‘ Und die Barfrau schrie: ‚Pasolini Pier Paolo? Jesus! Jesusmariaundjosef! Umgebracht! Jesus! Das ist was Politisches!‘ (Oriana Fallaci)

Pino Pelosi

Pino Pelosi

Pino Pelosi wird 1983 auf Bewährung aus der Haft entlassen und gibt im Juli 1985 dem Schriftsteller Peter Schneider für das italienische Fernsehen ein Interview. Dabei verschweigt er die Widersprüche in die er sich schon bei seiner damaligen Vernehmung verwickelt hat und auch die inzwischen allgemein bekannten Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft mit denen er vor Gericht konfrontiert wurde: Haben Sie sich in dieser Nacht von Pasolini provoziert gefühlt?

Ich habe einen Stock im Hintern gespürt …

Im Auto?

Nein, draußen. Dann habe ich mich gewehrt, habe Stockschläge abgekriegt, wir haben angefangen zu kämpfen …

Wo ist es passiert?

An dieser Stelle, hier, zwischen dem Drahtzaun und dort … Ich weiß nicht, wo der Körper lag, als er hinstürzte; es muss dort, in der Mitte gewesen sein.

Und dann ist Pasolini geflüchtet?

Wir sind beide weggerannt, und er war es, der hinter mir her rannte.

Wer ist zuerst weggerannt, Sie oder Pasolini?

Ich.

Worum ging es bei dem Streit: Gab es so etwas wie eine sexuelle Abmachung zwischen Ihnen und Pasolini?

Keine Abmachung. Man weiß, wie das läuft. Da gibt’s keine Abmachung.

Was haben Sie sich davon versprochen, zu ihm ins Auto zu steigen?

Nichts. Mein Auto war kaputt, da habe ich mir gesagt: Verdiene ich mir ein paar Scheine, dann kann ich das Auto reparieren. Das war alles.

Das war an der Piazza dei Cinquecento. Pasolini fuhr an Ihnen vorbei, und sie sind eingestiegen?

Ja, er hat mich nach einer Straße gefragt, wir haben ein bisschen geschwatzt, zwei Minuten, wir haben getankt, und dann hat er mich hierhergefahren. Ich war vorher nie hier.

Wie lange seid ihr im Auto geblieben?

Zehn Minuten. Dann bin ich ausgestiegen, um ein Geschäft zu verrichten. Und dann hat das angefangen, was eben angefangen hat, und es hat geendet, wie es geendet hat.

Also, während sie draußen waren, hat Pasolini plötzlich einen Stock genommen und sie damit angegriffen. Wozu?

Ich weiß es nicht. Er wollte mich mit Gewalt zu etwas zwingen, und ich habe mit Gewalt reagiert. Und dann ist es leider so ausgegangen. Es hätte für mich genauso schlecht ausgehen können.

[4] Die italienische Gesellschaft

Un corpo e un’anima
Wess e Dori Ghezzi
Nummer-eins-Hit der 5. bis 12. Woche 1975, Italien

Ein Abschied von einem wenig geliebten Jahrzehnt. Ein Abschied vom Italien der 70er Jahre, von einem Land, „das im Traum lebt, ohne Zusammenhang mit der Wirklichkeit oder Beziehungen zum Existierenden … ohne wahrnehmen zu wollen, dass nur allzu oft ‚all das schon einmal dagewesen‘ ist … die Gewalt, die Brutalität, die Unbeständigkeit, die Verantwortungslosigkeit, die Intoleranz, die Arroganz … die Banden, die Drohungen, die Racheakte, die Hinterhalte, die Entführungen, die Erpressungen, das sich bewaffnen, das sich einschießen … die anarchische Unbekümmertheit, der autarkische Provinzialismus, das Ernstnehmen von Dummheiten, die den Dingen entfremdete Sprache, der Wille, um jeden Preis ’schlauer zu sein‘ als die anderen … die Gier danach, sich mittels Repression und Unterdrückung durchzusetzen …“ (Alberto Arbasino)

Von März bis Juni 1975 dreht Pier Paolo Pasolini in Saló, Mantone, Bologna und Rom den Film Salò o le 120 giornate di Sodoma (deutscher Verleihtitel: Die 120 Tage von Sodom, der Ort Salò ist gestrichen): „Jetzt habe ich einen Film gemacht – ich weiß nicht recht, warum ich ihn gemacht habe – der Salò o le 120 giornate di Sodoma heißt, nach De Sade und angesiedelt in der Republik Salò, was ja die letzten Monate Mussolinis sind, also warum ich ihn gemacht habe, weiß ich nicht genau; jetzt warte ich ab, in einigen Monaten, in einigen Jahren verstehe ich vielleicht, warum ich ihn gemacht habe. Tatsache ist, dass die Sexualität hier noch verwendet wird, aber anstatt als etwas Freudvolles, Schönes und Verlorenes verwendet zu werden, wird sie als etwas Schreckliches eingesetzt, sie ist zur Metapher dessen geworden, was Marx den Warencharakter des Körpers, die Entfremdung des Körpers nennt.“

Während des Sommers schneidet er Salò in den römischen Cinecittà Studios: „Vier Nazifaschisten machen Razzien; das Schloss von Sade, wo sie die Gefangenen hinbringen, ist ein kleines Muster-KZ. Es interessierte mich zu sehen, wie die Macht agiert, wenn sie sich von der Menschlichkeit abspaltet.“

Salò o le 120 giornate di Sodoma

Salò o le 120 giornate di Sodoma

Mit seiner Mutter Susanna und anderen Verwandten verbringt er einige Sommertage in dem Haus, das er sich zusammen mit   Moravia auf den Dünen von Sabaudia, dicht am Vorgebirge des Monte Circeo hat bauen lassen: „Da war die Beziehung zur Mutter … eine Beziehung von extremer Krankhaftigkeit, von extremer Hypertrophie, extrem exzessiv … diese Frau hatte diesen Sohn, als einziger, der ihr geblieben war. Und er verlor richtiggehend den Kopf. Eines Tage geschah folgendes: In den Zeitungen erschien die Nachricht von einem Prozess gegen Pasolini. Sie wusste nichts davon. Ich glaube, es wurde auch auf die Homosexualität eingegangen. Deshalb wurde alles getan, damit sie diesen Artikel nicht lese, doch sie hat gleichwohl begriffen …die Mutter war außer sich. Jeder Sohn wäre damit fertig geworden, doch er hatte vollkommen den Kopf verloren. Seine Beziehung zur Mutter war erschreckend. Gleich nachdem ihr Mann gestorben war, begann sie, sich die Lippen zu schminken und sich Dauerwellen machen zu lassen … Es war da eine gewisse Körperlichkeit, die mich störte. Ich bin auf diesem Gebiet sehr empfindlich … Kurz, die Beziehung zwischen Pasolini und seiner Mutter war eine Beziehung, die über das normale Maß hinaus ging. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, verstehen Sie?“ (Alberto Moravia)

710SH7Y0MSL._SX296_BO1,204,203,200_Nachdem Pasolini die Arbeit an dem Film Salò beendet hat, schreibt er an einem Roman: „Es soll ein langer Roman werden, mindestens zweitausend Seiten. Der Titel wird sein: Petrolio. Er handelt von allen Problemen der letzten zwanzig Jahre unseres politischen, administrativen Lebens in Italien, der Krise unserer Republik: mit dem Erdöl im Hintergrund als großem Protagonisten der internationalen Arbeitsteilung, der Welt des Kapitals, das ja diese Krise bestimmt, unsere Leiden, unsere Unreife, unsere Schwächen und zugleich der Untertanenzustand unseres Bürgertums, unseres anmaßenden Neokapitalismus. Alles wird darin vorkommen, und es wird mehrere Hauptpersonen geben. Aber die wirkliche Hauptfigur wird ein Industriemanager in Krise sein. Außerdem wird es noch einen Banker geben. Es wird auch Protagonisten auf Volksebene geben, die sich fast nicht mehr artikulieren können, nicht einmal mehr im Dialekt, weil die Dialekte keine Chance mehr haben mit dieser grauenhaften Sprache der Mitteilungen der Fernsehnachrichten, der Werbung, des offiziellen Rezitativs.“

paso4Im Oktober lässt er sich an zwei Tagen in einem Turm in Chia von dem jungen Fotografen Dino Pedriali nackt fotografieren. Die Fotos sollen angeblich dem in Arbeit befindlichen Roman beigefügt werden: „Ich wollte wissen, warum Pasolini sich diese Sache abverlangte, diese radikale Geste, sich schamlos nackt zu zeigen, ein wenig abstoßend und keineswegs ‚literarisch‘. Pedriali war fest davon überzeugt, dass Pasolini sich gegen Ende seines Lebens einer wütenden Selbstzerstörung hingegeben habe, verzweifelt, zu Tode verzweifelt, und das der einzige, der ihm ein wenig hätte helfen können, Ninetto gewesen sei, aber der sei ja inzwischen verheiratet gewesen.“ (Dario Bellezza)

Mitte Oktober fährt Pasolini zur Buchmesse nach Frankfurt. Am 26. Oktober ist er auf Einladung des Italienischen Kulturinstituts in Stockholm. Auf der Rückreise nach Rom macht er einen kurzen

Stopp in Paris, wo er die französische Fassung von Salò überprüft. Am Samstag, dem 1. November um 16 Uhr, gibt er einem Journalisten der Zeitschrift Tuttolibri ein Interview. Er schlägt selbst den Titel vor: Siamo tutti in pericolo (Wir sind alle in Gefahr).

In der Nacht zum Sonntag wird der 17jährige Pino Pelosi in Pasolinis Alfa gestellt und gesteht gegen Mittag, den Schriftsteller und Filmemacher getötet zu haben.

„Pasolini sagte, kurz bevor er ermordet wurde, dass sich die proletarische Gewalttätigkeit grundsätzlich geändert habe“, sagt der Hamburger Autor Hubert Fichte im Dezember 1975 bei einem Gespräch mit dem französischen Dieb, Autor und Homosexuellen Jean Genet, „dass sie nur noch auf Konsumgüter abziele, dass sie betraft werden müsse wie die neofaschistische Gewalttätigkeit.“ Und Jean Genet antwortet: „Bei den italienischen Jugendlichen ist alles möglich. Sie akzeptieren die offenkundigste Nutterei und werden dann plötzlich von einer Männlichkeit: Ich bin ein Mann. Ich will nicht angefasst werden! … Es ist möglich, dass der junge Bäcker in seiner Zelle sitzt und noch von seinem Anwalt bestärkt wird und sich sagt: Ich habe schließlich einen Milliardär getötet, der sich vom Volk entfernt hatte, also, meine Sache ist gerecht.“

Es gibt römische Prostituierte, die behaupten, Pasolini habe masochistische Neigungen gehabt.“

Ich kenne nicht die Details. Wenn es ihm Spaß machte, geschlagen zu werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Junge aus Spieltrieb und weil er dafür bezahlt wird, die ersten Schläge austeilt und dann selbst Vergnügen daran findet und nicht mehr aufhören kann, bis zum Tod des Typen weitermacht.“

todEs regnet, als die Leiche Pasolinis gefunden wird. Gegen alle Vorschriften fahren Polizeiwagen auf den Tatort. Beamte laufen auf dem Platz umher, verlässliche Spuren können kaum noch gesichert werden. Wichtige Zeugen (Nachbarn) werden ignoriert, Beweismittel verschwinden. Ein zu ehrgeizig ermittelnder Polizist wird versetzt. Dennoch reicht es, dass das Gericht in erster Instanz zu dem Schluss kommt, Pelosi habe die Tat gemeinsam mit (zumindest) einem Unbekannten begangen. Das Verfahren gegen „Unbekannt“ wird allerdings nie eröffnet. Die zweite Instanz erklärt die These der ersten Instanz für „zweifelhaft.“

1983 wird Pino, der Frosch, auf Bewährung aus dem Knast entlassen. Er wird wieder als Dieb aktiv und vermutlich auch auf dem Schwulenstrich. 2005 – dreißig Jahre nach dem Mord an Pier Paolo Pasolini widerruft er sein damaliges Geständnis, der alleinige Täter zu sein. Er will überhaupt nicht beteiligt gewesen sein.

Ostia

Ostia

In der 2008 realisierten Dokumentation der italienischen Regisseurin Roberta Torre schildert er den angeblich wahren Ablauf der Nacht in Ostia: „Wir waren im Auto und unterhielten uns. Dann wurde die Autotür geöffnet und Pasolini gewaltsam herausgezerrt. Er schrie: ‚Was wollt ihr? Falls das ein Raubüberfall ist, das Geld liegt unter der Fußmatte.‘ Sie zerrten ihn weg und begannen, ihn mit Faustschlägen und Fußtritten zu traktieren. Als ich ausstieg, hörten sie kurz auf. – ‚Was soll das?‘ Ich bekam einen Hieb auf die Nase. Sie sagten: ‚Das ist nicht dein Bier! Misch dich nicht ein, wenn du lebend hier raus willst.‘

Welche Worte sagte er genau?

Pasolini?

Ja.

‚Lasst mich gehen. Was wollt ihr? Ich habe nichts getan. Wenn ihr das Geld wollt, das ist dort unter der Fußmatte. Hilfe! Helft mir!‘ Er hat geschrien. Ich hab keine Ahnung, ob er so was erwartet hat. Ich wurde von einem bärtigen Mann gepackt. Er sagte zu mir: ‚Denk an dich und deine Familie.‘

War dieser Mann bewaffnet oder nicht?

pelosi1Nein, dieser Mann nicht. Er packte meine Hände und warf mich an den Zaun. Die anderen hatten wohl Knüppel oder Ketten. Sie haben ihn massakriert. Mit Schlägen. Er schrie immer noch. Es gelang ihm, sich zu befreien, und sie sind hinter ihm her, haben ihn eingefangen und ihm weitere Schläge verpasst. Ich dagegen war in einer Ecke, mit diesem Bärtigen. Die hatten ein Auto, einen Fiat 1500 oder 1300, ich erinnere mich nicht genau. Dann waren da die Borsellino-Brüder, die mit dem Motorrad gekommen waren. Die kannte ich, weil sie aus meiner Gegend kamen. Wir waren minderjährig und klauten Mofas. Sie hatten mich in der Vorwoche gesehen, wie ich mit … mit einem Typen redete, mit Pasolini. Sie sagten mir, er hätte Geld. Man könnte ihn abziehen. Ich wollte damit nichts zu tun haben. Aber ich hatte ihnen gesagt, dass ich ihn kommende Woche treffen würde. Und dann sind sie mir gefolgt. Ich weiß nicht, wo sie diese drei anderen Typen aufgegabelt haben. Ich dachte, die wollten was abstauben, die wollten Kohle abgreifen. Und stattdessen erwartete mich so etwas. Das Geld wurde ja nie angerührt. Die Borsellino waren so jung wie ich. Aber das waren echte Ganoven. Der Größere nannte sich ‚Schnitzel‘, der Jüngere ‚Schnitzelchen‘. Franco und Giuseppe. Für die damalige Zeit waren sie ziemlich brutal. Der Kleinere war schlimmer als der Große. Dieser Kleine, Franco, war entsetzlich. Franco war Hippie, mit langen glatten Haaren. Ich weiß, dass die Borsellino in faschistischen Kreisen verkehrten.

Wo war Pasolini als sie ihn aus dem Auto gezerrt hatten?

Erst schleppten sie ihn weg, dann begannen sie ihn zu schlagen. Dann machte er sich los, rannte weg und sie fingen ihn ein. Sie holten ihn zurück und prügelten weiter auf ihn ein.

Was hast du gesehen?

Ich sah eine Art von Kampf. Sie schlugen zu zweit, zu dritt. Die Borsellino mit Fäusten und Füßen. Und dann mit Knüppeln auf den Kopf. Ich weiß nicht, ob sie auch eine Art Totschläger hatten … Irgendwann hat er das Hemd ausgezogen. Bei der Flucht war das. Keine Ahnung, was er mit diesem Hemd gemacht hat. Er rannte, mit diesem Scheißhemd, ich weiß nicht, ob er damit Blut abgewischt hat. Mag sein, dass er eine Wunde stillen wollte, aber er wurde wieder eingefangen. Verprügelt haben ihn zwei oder drei. Die beiden anderen standen nahe beim Auto. Als er zum Auto lief, haben sie ihn gepackt und ihn wieder brutal geschlagen. Und später, es wirkte wie eine Ewigkeit, sah ich ihn fallen.

tod1Wie lange hat all das gedauert?

Um die 20 Minuten, eine halbe Stunde vielleicht. Ich hielt es für einen Raubüberfall, wegen der Borsellino, als ich die anderen sah, für einen Denkzettel. Der dann in einen Mord ausartete. Irgendwer wollte ihn tot sehen, vielleicht wegen seiner politischen Ideen. Oder weil er anders war, falls man einen homosexuellen Menschen als anders bezeichnen kann.

Wer hat ihn mit dem Wagen überfahren?

Bestimmst die. Ich habe ihn nicht überfahren … Ich war mir sicher, zu sterben. Die Borsellino machen mich alle. Währenddessen kommen sie zu mir, der Bärtige sagt, ‚wir hauen hier ab, mach dir klar, dass du beobachtet wirst, auch im Gefängnis. Wir schlagen überall zu, gegen deine Familie und dich. Du bist hier reingeraten, du musst dafür zahlen. Als Minderjähriger kommst du in drei-vier Monaten raus. Und denk dran, halt dicht, sonst machen wir dich dicht.

Wie sind sie dann von dort weg?

Mit Auto und Motorrad.

Was hast du gemacht?

Ich sah, dass sie abfuhren und dachte, gut, dass ich lebe … wenigstens ich.

Wieso hast du dich nun entschieden, die Wahrheit zu erzählen?

Weil die Zeit reif ist. Ich habe all die Jahre damit zugebracht, voller Angst vor diesen Leuten. Nun sind 30 Jahre vergangen. Die Borsellino sind tot. Diese anderen Leute sind tot oder um die 70 Jahre alt. Ich kenne sie nicht, nicht ihre Namen und Nachnahmen, also ist da kein Problem. Und den Toten schuldet man nichts.“

Von einem gemeinsamen Freund vermittelt, kann die Regisseurin Roberta Torre im Keller von Pino Pelosis Haus im römischen Stadtviertel Pietralata das Interview aufnehmen. Sie fragt ihn auch, was ihn mit Pasolini verbinde. Seine Antwort: „Vielleicht sah er in mir, dass ich töten könnte“

petroleoAber es ist noch nicht zu Ende. 2010 meldet sich der ehemalige italienische Politiker und rechtskräftig verurteilte Mafiosi Marcello Dell’Utri zu Wort. (Gründete mit Berlusconi die politische Bewegung Forza Italia). Er will im Besitz eines in Pasolinis Nachlass nicht befindlichen Kapitels seines unvollendet gebliebenen Romans Petrolio sein. Darin schreibe Pasolini über die Machenschaften der staatlichen Erdölgesellschaft ENI und ihren damaligen Präsidenten Enrico Mattei, der 1962 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Vorlegen kann Dell’Utri das Kapitel nicht.

Was also hat er mit der Behauptung bezweckt? Es ist die falsche Frage: „Im Verhalten der Italiener gilt es, unabhängig von allen Befragungstechniken, Verhaltensmustern, Erklärungsversuchen und Rastern, die Herrschaft einer uralten, archetypischen und abgefeimten Erbärmlichkeit zu erkennen … Die Anomalien, die Abnormitäten, die Wahnsinns- und Freveltaten des heutigen Italien, ja sogar die ‚typisch italienischen‘ Horrorgeschichten – sie können gar nicht anomal oder abnorm oder entsetzlich sein, verglichen mit ihrem ’normalen‘ Umfeld.“ (Alberto Arbasino)

[5] Er selbst
(Montiert aus diversen Texten Pasolinis)

Amore grande, amore libero, instrumental
Guardiano del Faro
Nummer-eins-Hit der 28. bis 32. Woche 1975, Italien

Das ist, was ich schreiben will: So lange ich noch nicht tot bin, kann niemand behaupten, mich wirklich zu kennen. Alles fängt mit diesem Traum an. Doch an den Traum erinnere ich mich nicht.

Ich denke oft an die Region, in der ich aufgewachsen bin. Die Sommerferien habe ich bei meinen Großeltern in Casarsa verbracht. Unter einer Sonne, die sich reglos die Adern öffnete. Casarsa della Delizia, der Ort der verbrannten Häuser.

Ich ging an jenem Tag auf einer trockenen Straße, die Hände ebenso trocken, auf einem bisschen Asphalt. Ich sah ein Auto, in rascher Fahrt durch die Nacht. Drin ein finsterer Junge mit dem dichten Haar einer Frau. Ich liebkoste den zerzausten, staubigen Kopf und einen Körper, bebend und zart wie ein junges Pferd. Um wieder und wieder bis aufs Blut den süßesten Akt des Lebens zu vollziehen. Sonst kann ich nichts erzählen von meinem Aufenthalt in jenen Land der Gewitter und der Schlüsselblumen. Nur zu Besuch auf der Welt bin ich.

Man sagt, ich sei ein triebhafter Psychopath, sexuell anormal, ein exhibitionistischer Homosexueller mit schwer vorbelasteten Trieben und stark getrübter Zurechnungsfähigkeit. Menschen wie ich enden, indem sie schließlich bekommen, was sie aggressiv wollen: verletzt und getötet zu werden mit den Waffen, die sie selbst dem Feind anbieten.

Das habe ich schon vor Jahren geschrieben, jetzt bin ich kein Literat mehr. Ich meide die anderen, habe nichts zu tun mit ihren Preisen und Zeitschriften.

Ich bin eine Kraft der Vergangenheit.

Ich stand auf Seiten der Tagelöhner und las Marx.

Ich tat nichts anderes als zu leiden und gierig zu arbeiten.

Und heute, sage ich euch, muss man sich nicht nur engagieren im Schreiben, sondern im Leben: man muss aushalten als Ärgernis und im Zorn, mehr denn je.

paso2Mein Werk ist geprägt von einem tiefen, instinktiven Hass gegen den Staat, in dem ich lebe. Damit meine ich den Zustand der Dinge und den Staat im wahrsten Sinne des Wortes. Den kapitalistischen und kleinbürgerlichen Staat hasse ich seit meiner Kindheit. Das italienische Bürgertum um mich herum ist ein Haufen Mörder.

Ich werde meinen Körper in den Kampf werfen. Mit totalem Hass gegen sie und ihre Polizei, ihre Justiz, ihr Fernsehen, ihre Presse. Entweder unsterblich sein und ohne Ausdruck oder sich ausdrücken und sterben.

Ich erinnere mich, es war … wegen einer Liebe. Es regnete oder hatte gerade zu regnen aufgehört. Die Luft war fauligfeucht und schmerzend, mit jenem Grabesblau, das man hinten am Horizont entdeckt, wenn das Wetter gegen Abend aufklart, es aber schon zu spät ist. Die Sterne sind aufgegangen, groß wie Nüsse.

Piazza San Silvestro

Piazza San Silvestro

Es war auf der Piazza San Silvestro; ich ging, da hörte ich, wie mich plötzlich von weitem jemand rief: „A Pa´, a Pa!“ Ein etwa sechzehnjähriger Junge mit schwarzen lockigen Haaren lief quer durch das Gedränge auf mich zu. 

Ich ging mit rebellischem Schritt auf den soeben entdeckten Straßen. Grenzenlosen Hunger habe ich nach Liebe. Das kühle Pissoir am Bahnhof … diese Blicke, die vorgetäuschte Zerstreutheit. Diese dunkle Locken, die starke Schwänze.

Im Park die letzten zwei oder drei Jungs … ich sprach im Auto mit einem von ihnen, ein Faschist, ein armer Kerl, und ich mühte mich, sein verzweifeltes Herz zu rühren Es sind Handlungen, die ich allein begehe. Jedesmal auf einen anderen Mund. Erwidert in den heiligen Tälern der Lust, sadistisch, masochistisch. Die Hosen mit ihrer warmen Ausbuchtung, wo das Schicksal eines Mannes sich abzeichnet. Jeder hat seine neue, alte Schönheit. In ihre Viertel, in ihre Vororte kehren sie auf leichten Motorrädern zurück.

Ich nehme täglich Optalidon, ein Schmerzmittel. Es nimmt mir meine Angst. Die Wangen hohl unter den erschlagenen Augen, die Haare furchtbar gelichtet auf dem Schädel, die Arme abgemagert wie die eines Kindes. Ich: freiwillig gemartert. Ein Blick, der in den Tod geht, den ich sah in einem ausgetrockneten Graben, der vor Primeln wimmelte, zwischen golderschlagenen Reben. Eine Wiese, ganz kahl, leicht gewellt, eine kleine Einöde mit einer Reihe Masten. Die Steinbrocken zwischen dem Müll nass und schleimig.

Ein Schrei, der an diesem menschenleeren Ort davon künden soll, dass ich existiere, oder: dass ich nicht nur existiere, sondern dass ich weiß. Ich habe mich nie getäuscht in Gesichtern.

Ich bin wie eine Katze, lebendig verbrannt, vom Reifen eines Lastzugs zermalmt, von Halbwüchsigen aufgehängt an einem Feigenbaum. Von zwei Fremden gekreuzigt. Junge Männer von neokapitalistischen Zynismus und Grausamkeit.

paso todEin Nachruf von Oriana Fallaci:

Du hast dich selbst umgebracht und dich seiner bedient. Ich tue dir nicht weh, wenn ich sage, dass du den Tod angerufen hast wie andere Gott anrufen, dass du deinen Mord erwartet hast wie andere das Paradies.

 

 

Frank Göhre (c) März 2017

 

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  • Mario Fuhse

    Frank Göhre greift mit diesem Text die vorliegenden, ja widersprüchlichen Ansätze zu Pasolinis Tod in schlüssiger und ja sich zu einer Form von Wahrheit steigernden Form zusammen. Wunderbar und jedem empfohlen, der sich für Pasolini interessiert und darauf forschend aufbauen möchte!

  • ed

    mich erschüttert das schicksal dieses menschen voller sehnsucht jedesmal auf’s neue. in petrolio hatte er bis ins detail seinen tod vorgezeichnet. _ aber das urteil moravias über seinen kleidungsstil teile ich nicht: ich kenne ihn ausschließlich best dressed, und ich kenne viele bilder!