Posted On 31. Januar 2015 By In Carlos, Crimemag With 880 Views

Carlos

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Eine epikureische Nacht

Schon letzte Woche hatte Carlo die Ängste der Bürger ernst genommen und war in den Dialog mit dem Islamisterich eingetreten. Da wollte der lustige Führer-Impersonator L. Bachmann nicht zurückstehen und auch ihn nimmt Carlo ernst. Und wie!

Es ist unglaublich. Kurz nachdem ich völlig unproblematisch mit einem deutschen Vorzeige IS-Kämpfer in Kontakt treten konnte, lässt auch Lutz Bachmann nicht lange bitten.
„Nach den vielen Missverständnissen, denen ich ausgesetzt bin“, sagt er am Telefon mit zitternder Stimme, „bin ich froh, einem neutralen Journalisten meine Sicht der Dinge darlegen zu können. Komm, Carlo!“
Und ich kam. Lutz, wir waren rasch beim „Du“, bewohnt eine geschmackvolle Hinterhofwohnung in einem Dresdner Außerbezirk. Auf meine Frage, wie er seinen, man sieht es an den schönen Ölgemälden und Weltkriegsdevotionalien, recht aufwendigen Lebensstil finanziert, antwortet der Politiker: „Weißt du, Carlo, ich habe immer gearbeitet. Als Koch, in der Werbeagentur, in Südafrika und im Gefängnis. Alles, was du hier siehst, habe ich verdient und geerbt.“
Auf meine sanfte Frage, was er in den Fluchtjahren in Südafrika gearbeitet habe, winkt Lutz ab und schämt sich seiner Tränen nicht. „Was soll ich sagen? Soll ich mir selbst die ganzen Neger auf den Hals hetzen, entschuldige Carlo“, er ergreift meine Hand, „frage mich etwas anderes.“
„Gerne Lutz!“, kooperiere ich. „Du bist wegen Körperverletzung verurteilt, wie kann das einem Mann mit …“, ehrfürchtige studiere ich die Porträts der Komponisten, Sandbahnmotorradfahrer und Busenwunder an den honiggelben Wänden der Bleibe des Visionärs, „deiner Bildung unterlaufen?“
„Es war doch“, zitternd gießt sich Lutz 80prozentigen Stroh-Rum in die Müllermilch, „einmal mehr die Lügenpresse!“
Erschrocken ins Mark rufe ich: „Die Wahrheit, Lutz!“
„Die Wahrheit!“, echot der verfemte Patriot. „Ich wollte eine jüdische Familie schützen.“
„Wovor, Lutz?“, hauche ich zunehmend hingezogen zu diesem bitteren, selbstlosen Mann.
„Davor, mich zu beleidigen“, keucht Bachmann. „Ich hätte sehr böse werden müssen.“
Tollwütig greife ich dem Helden in den Schritt: „Du hast die Ausländer Viehzeug und Dreckspack genannt!“, schreie ich und nage an seinen Brauen.
„Habe ich doch nicht!“, flötet Bachmann und tritt sich aus dem Tarnbademantel und den besporten Gummistiefeln.
„Hast du wohl!“, juble ich, und ramme mein stahlhartes Glied in sein linkes Ohr.
„Mach weiter!“, kreischt Lutz, „ich will nur Gerechtigkeit!“
„Viehzeug“, höre ich mich röcheln und schon tanzt meine vegane Hundepeitsche auf seinem SS-Arschtattoo.
„Ich bin ein Mensch mit Fehlern“, japst der Sachsenlümmel.
„Allerdings!“, blind vor Lust züchtige ich ihn mit meinem Zaunpfostenhammer.
„Gib mir’s du Drecksmusel, du Judensau“, höre ich, dann schwinden uns beide die Sinne.
„Weißt du“, sagt Lutz am nächsten Morgen. „Ich bin kein Nazi!“
„Natürlich nicht“, sage ich und beiße in den köstlichen kalten Knödel, den er mir kichernd ins Gesicht drückt.
„Es gibt und gab nämlich nie Nazis“, lacht Lutz keck, frisch, als habe es unsere epikureische Nacht nicht gegeben.
„Lügenpresse!“, nicke ich. „Gut, wenn man sich selbst ein Bild machen kann!“
„Und einen Ton!“, ergänzt Lutz.
Ich nicke. „Ich muss jetzt gehen, mein Dresdenderwisch!“
„Ach, du Heidelberghascherl“, seufzt Lutz Bachmann. „Bleib doch.“

Aber ich ging und warf die letzte Rose des Straußes, den er mir vom letzten Pegidagroschen gekauft hat, in bitterstem Grimm auf die Gleise. Ein Zug kam, zermalmte sie. Am Fenster stand ein Moslem, glaube ich. Und er grinste. Da bin ich mir sicher.

Carlo Schäfer

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