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Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Thomas Tuma: Tödlicher Chat

Das Schweigen der Chatter Aus einem vielperspektivischen Szenen-Patchwork baut Thomas Tuma in „Tödlicher Chat“ einen verwickelten Psychothriller auf, in dem nichts mehr so ist, wie es zu sein scheint. Schon der erste Mord ist starker Tobak: In einem anonymen Münchener Hotelzimmer wird die verstümmelte Leiche einer jungen Frau gefunden. Über ihr an der Wand steht mit Blut geschmiert: „Öffne Dich“. Den nächsten Mord, eine Woche später, am anderen Ende der Republik und nach exakt dem selben „Schnittmuster“, erlebt der Leser dann live aus der Perspektive des Killers mit – undRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Max Aub: Das Magische Labyrinth, Band 6: Bittere Mandeln

Tragisches Ende eines großen Traums Zum seinem 100. Geburtstag liegt Max Aubs Romanzyklus über den Spanischen Bürgerkrieg nun auch in deutscher Übersetzung vor. Die spanische Literaturkritik feierte „Das Magische Labyrinth“ begeistert als literarisches Gegenstück zu Picassos Guernica. Dank einer verlegerischen Großtat und insgesamt fünfjähriger Übersetzungsarbeit liegt mit „Bittere Mandeln“ nun auch der grandiose Schlussstein von Max Aubs sechsbändigem Romanzyklus über den Spanischen Bürgerkrieg in deutscher Fassung vor –und so kann auch hierzulande ein bisher kaum bekanntes Stück Weltliteratur von den Lesern entdeckt und erobert werden. Max Aub, der heute zuRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Juan Filloy: Op Oloop

Grandiose Entdeckung Der 1934 entstandene Roman „Op Oloop“ ist ein umwerfendes Stück Weltliteratur, das unbedingt in den Kanon der modernen Klassiker gehört und den Vergleich mit Mann, Musil oder Svevo nicht scheuen muss. Von Karsten Herrmann In Argentinien gilt Juan Filloy schon lange als geheimer Klassiker: 40 Bücher und rund 14.000 Palindrome hat er im Laufe seines langen Lebens verfasst. Im Juli 2000 starb Juan Filloy mit 105 Jahren in Cordoba – und erreichte damit sein erklärtes Ziel: „Ich möchte ein Schriftsteller dreier Jahrhunderte sein. Im 19. tat ich meineRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Hans Henny Jahnn: Fluss ohne Ufer

Nicht lange überlegen, kaufen und lesen! „Ich war ein Schatten der Sehnsucht. Ein Sterbender, der noch auf Genesung hofft. Ein Gelangweilter, der in den Abgrund der ausgebrannten Hölle starrt.“ Wie ein schroffes, unzugängliches Felsengebirge steht Hans Henny Jahnns „Fluss ohne Ufer“ in der deutschen Literaturlandschaft. Voller Argwohn und vorsichtig tastend nähert man sich seinen abweisenden Ausläufern – um plötzlich hinein in eine Welt voller morbider Blüten, leuchtender Kristalle und schwarzer Abgründe gerissen zu werden. Nach der fiebernden Lektüre von über 2000 Seiten wird man nicht mehr derselbe sein wie zuvor:Read More
Jugend-Rebellion in den Zeiten von Techno und Ectasy Man denke sich eine literarische Mischung aus J.D. Salinger, Breat Easton Ellis und Rainald Goetz mit einem kleinen Schuß Alice Schwarzer – dann weiß man ungefähr, was Lucía Etxebarría, einer der kraftvollsten und spannendsten Stimmen in der jungen spanischen Literatur, zu bieten hat. In ihrem ersten Roman „Von Liebe, Prozac und Zweifeln“ buchstabiert die 34jährige Autorin am Beispiel von drei sehr unterschiedlichen Schwestern von A-Z das Alphabet heutiger Lebensgefühle durch – mit ungezügelter Energie und ohne jede Scham. Beginnen läßt sie ihrRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Landschaften und Luftinseln

Zwischen Heimat, Exil und Erinnerung Polnische Erzählungen der Gegenwart. Seien wir doch mal ehrlich – wer aus der Generation X bis Golf kennt schon wahrhaftig einen polnischen Autoren, geschweige denn, dass er seinen Namen richtig aussprechen kann? Für all diejenigen, für die der diesjährige Messeschwerpunkt weitestgehend das Betreten von literarischem Neuland bedeutet, bietet die dtv-Anthologie „Landschaften und Luftinseln“ facettenreiche Einblicke in die polnische Gegenwartsliteratur. Zwanzig Autoren – von etablierten wie Pawel Huelle und Andrzej Stasiuk bis zu jüngeren Newcomern – präsentieren hier ihre oftmals zum ersten Mal ins deutsche übersetztenRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Crimemag

Michael Merschmeier: Frölichs Träume

Hochkultivierter Medienthriller Kommissar Frölich ist das exakte Gegenbild zu all den abgebrühten, zynischen und machohaften „Bullen“, „Cop“ oder „Privatschnüfflern“ aus der einschlägigen Literatur- und Filmgeschichte. Statt Fast food, Whisky und Bier bevorzugt er einen 95er Ermitage und mediterrane Küche, statt Comics oder Bild-Zeitung liest er Montaigne und Shakespeare und zur Krönung liebt er statt üppiger Blondinen auch noch den Schauspieler Wolfgang Deus. Doch genau wie seine ansonsten so gegensätzlichen Kollegen ist der Berliner Gourmet und Connaisseur eine excellente Spürnase, die ihre Fälle „nicht am Schreibtisch im Büro, sondern eher beimRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Thomas Ernst: Popliteratur

Pop goes Mainstream In einem kleinen, aber ebenso prägnanten wie stichhaltigen Büchlein richtet Thomas Ernst nun seinen kritischen Blick auf das Phänomen der Pop-Literatur und stellt ihre Ursprünge dar. Seit gut fünf Jahren boomt die junge deutsche Literatur gewaltig – nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Bücher unter dem „Pop“-Label vermarktet werden und einige ihrer Autoren wie Benjamin von Stuckrad-Barre, Alexa Henning von Lange oder Benjamin Lebert im Wirbel der Medien in den Himmel der „Popstars“ empor getragen wurden. In einem kleinen, aber ebenso prägnanten wie stichhaltigen Büchlein richtet ThomasRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Litmag, Vermischtes

John Griesemer auf Lesung in Osnabrück

Fast eine Offenbarung John Griesemer ist mit seinem Roman „Rausch“ der Shootingstar der amerikanischen Literatur und wird schon in einem Atemzug mit Autoren wie Jonathan Franzen, Jeffrey Eugenides oder auch Don DeLillo genannt. Bei allem vorauseilenden Ruhm und sich überschlagenden Lobesworten erweist sich der 1947 in New York geborene Autor bei seiner Lesung in Osnabrück als ein auf den ersten Blick sympathischer Mensch – mit seinem jungenhaft-verschmitzten Lächeln, seinem legeren Outfit und quicklebendigen Augen wirkt er wie „der nette Kerl von nebenan“. Voller Respekt zeigt er sich geehrt zusammen mitRead More

Posted On Februar 17, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Litmag

Gyula Halasz Brassaï: Proust und die Liebe zur Fotografie

Die Authentizität des Augenblicks Marcel Proust und die Fotografien von Paul Nadar, das ist zunächst einmal kein irgendwie theoriegeladenes Terrain, sondern eine pragmatische Angelegenheit. Wir wissen, dass Proust in seinem literarischen Werk unendlich viele Zeitgenossen und Zeitgenossinnen im wahrsten Sinn des Wortes verarbeitet hat. Überblendet, porträtiert, verschleiert, verschlüsselt, verfremdet und dies alles stets mit einem harten Kern an Referenz zu den realen Personen. Als William Howard Adams in den 80er Jahren an das Fotoarchiv von Nadar fils herankam, fand er dort bekanntlich eine riesige Galerie Proustscher „Vorlagen“, die ganze PariserRead More

Posted On Februar 17, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Alexandra Kardinar: Die Sonne brennt fortissimo

Momentaufnahmen von europäischem Alltag aus einer anderen Zeit Geglückte Kombination von schön gemachtem Buch mit ebenso schönem Inhalt. Manchmal gibt es sie ja noch: Die geglückte Kombination von schön gemachten Büchern mit ebenso schönem Inhalt. Ihre Reise-Feuilletons über die vier Komponisten (Händel, Mozart, Mendelssohn Bartholdy und Berlioz) und ihr jeweiliges Italien hat Alexandra Kardinar gleich noch selbst mit liebevoll-eleganten Zeichnungen – meist von Alltagsgegenständen und Instrumenten des 18. und 19. Jahrhunderts – illustriert und in ein bemerkenswert luftiges Layout gekleidet. Papierqualität, Bindung, Satz & Schrift atmen ebenfalls den Geist einesRead More

Posted On Februar 16, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Amélie Nothomb: Im Namen des Lexikons

Packender Schicksalstanz Amélie Nothombs „Im Namen des Lexikons“ ist ein absurdes Spiel mit den Irrungen und Wirrungen des Lebens. Zuerst ist alles fast normal. Lucette, ein junges Mädchen, heiratet Fabien, einen jungen Mann. Beide lieben sich. Vielleicht sind sie noch etwas zu jung, doch Lucette ist mit 19 im achten Monat schwanger. So märchenhaft es beginnt, die Realität holt sie ein: Streit, Unverständnis, Entfremdung. Lucette konzentriert sich ganz auf das Kind in ihrem Bauch. Ein Ausnahmekind, davon ist sie überzeugt. „Es wird ein Tänzer oder eine Tänzerin“, verfügt sie, denRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Ian Rankin: Die Tore der Finsternis

Ohne den letzten Kick Ian Rankin stürmt mit routiniert- solider Hausmannskost die Bestsellerlisten. Ian Rankin ist der Megastar der englischen Krimiszene und erstürmt mit seinen Fällen regelmäßig die ersten Plätze der Bestsellerlisten. Mit seinem melancholischen Einzelgänger Detective Inspector John Rebus, der Rockmusik ebenso wie Pubs und Whiskey liebt, hat der 1960 geborene Schotte einen echten Typen mit Kanten und allerlei Abgründen geschaffen: „Dieser Beruf hat mich meine Frau gekostet, meine Tochter, die meisten meiner Freunde.“ Der Beruf ist Rebus’ Leben und fest verbeißt er sich mit durchaus eigenwilligen Ermittlungsmethoden inRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Leonardo Padura: Ein perfektes Leben

Dem Verbrechen und dem Sinn des Lebens auf der Spur Krimi-Fans und – das sei schon jetzt verraten – nicht nur diese dürfen sich freuen: Mit Teniente Mario Conde bereichert sich die internationale Riege der Verbrechensermittler nun um einen schillernden Kubaner voller Ecken und Kanten – einen heimlichen Moralisten und Säufer, einen sanften Macho und Gourmet und vor allen Dingen natürlich eine exzellente Spürnase. Der erste Fall von Mario Conde führt uns in das Kuba des Jahres 1989, wo in den sozialistischen Ländern Europas die Grenzen fallen und auch aufRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Litmag, Lyrik

Björn Kuhligk/Jan Wagner: Lyrik von Jetzt

Das Wunderbare im Alltäglichen In ihrer „Bestandsaufnahme der jüngeren und jüngsten Generation deutschsprachiger Lyrik“ präsentieren Björn Kuhligk und Jan Wagner facettenreiche Poesie für die Hosentasche – ein wenig mehr Aufbruch hätte dabei nicht geschadet! Schwellenangst lässt diese Lyrikanthologie von vornherein nicht aufkommen: Sie präsentiert sich als kompaktes, himmelblaues Paperback mit Plastikeinband, der sich geschmeidig handhaben und allerorten lesen lässt. Lyrik von jetzt ist der Band betitelt, und man möchte zugleich ergänzen: „Lyrik für jetzt“ – ohne den heiligen Hauch des Esoterischen und des ewig Bedeutsamen. Lyrische Subkulturen 74 Dichterinnen und DichterRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Denis Johnson: Fiskadoro

Nach der großen Vernichtung In seinem schon Mitte der achtziger erschienen Roman „Fiskadoro“ führt Denis Johnson uns in eine ebenso fremde wie faszinierend Welt nach der atomaren Apokalypse. Denis Johnson, der mittlerweile als einer der wichtigsten und zugleich radikalsten amerikanischen Gegenwartsschriftsteller gilt, erlebt in Deutschland schon zu Lebzeiten seine Renaissance: So wurden in den letzten drei Jahren neben dem aktuellen Roman „Schon tot“ auch seine beiden Anfang der 80er Jahre entstandenen Frühwerke „Jesus Son“ und „Engel“ neu herausgegeben, deren eingedampfte Prosa von kristalliner Härte und trunkener Traurigkeit den Kultstatus desRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste

Ein Commissario auf der Kippe Wie gewohnt vereinigt Veit Heinichen auch in seinem neuen Triest-Krimi die Spannung mit viel Lokalkolorit und politischen Seitenhieben. Eigentlich scheint für Commissario Proteo Laurenti, dem Protagonisten von Veit Heinichens atmosphärisch dichten Triest-Krimis, alles prima zu laufen: Die Kinder sind aus dem Haus, er wurde zum „Vize-Questore“ befördert, ist mit seiner Frau Laura in ein schickes Haus mit herrlichem Meerblick umgezogen und leistet sich als Bonbon auch noch eine rassige Geliebte. Doch dann schlägt nicht nur das Verbrechen zu… Skrupellose Organhändler-Mafia In seinem dritten Fall hatRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Daniel Grey Marshall: No Exit

Ein Leben auf der Kippe Mit schockierender Wucht und autobiographischer Färbung zeigt Daniel Grey Marshall, wie Kids im Strudel von Sucht und Gewalt untergehen. Nachdem der jungen deutschen Literatur etwas die Luft ausgegangen ist, halten die Lektoren und Verleger hierzulande offensichtlich wieder verstärkt in den USA Ausschau nach vielversprechenden Debütanten. Einer von ihnen ist der heute fünfundzwanzigjährige Daniel Grey Marshall, der mit „No Exit“ eine autobiographisch gefärbte Geschichte vom Erwachsenwerden auf der Schattenseite des Glücks vorgelegt hat. Sein (Anti-)Held, der fünfzehnjährige Jim, wächst in einer zerrütteten Mittelklassefamilie auf, die vomRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Lucía Etxebarria: Von allem Sichtbaren und Unsichtbaren

Einfühlsames Psychogramm Mit einem feinfühligen Entwicklungsroman etabliert sich die junge Spanierin Lucía Etxebarria als feste Literaturgröße. Lucía Etxebarria ist eine der talentiertesten und innovativsten Stimmen in der jungen spanischen Literatur. Flott, frech und provokant kreisen die Romane der 37-Jährigen um weibliche Identitäten und Lebensentwürfe in postmodernen, urbanen Szenarien. Das Spannungsfeld reicht dabei von der – in Spanien noch einen ungeheuer hohen Stellenwert einnehmenden – Familie und Tradition auf der einen bis zur Emanzipation und wilden Lebenslust auf der anderen Seite. Und im Zentrum steht, wie könnte es anders sein, dieRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Allgemein, Bücher

Gerhard Roth: Aus Sicht des Gehirns

Revolutionäre Erkenntnisse Die aktuelle Hirnforschung lässt einen Paradigmenwechsel in unserem Menschenbild unausweichlich erscheinen. Die Hirnforschung hat in den letzten zwei Jahrzehnten rasante Fortschritte gemacht. Ihre Ergebnisse werfen auch ein ganz neues Licht auf entscheidende philosophische Fragen wie die nach der Natur des Geistes und des Bewusstseins oder der Existenz von Willensfreiheit. In seinem Buch „Aus Sicht des Hirns“ fasst der Bremer Professor Gerhard Roth jetzt die wichtigsten Aspekte und Konsequenzen der Hirnforschung auch für den unbefleckten Laien gut nachvollziehbar zusammen. Triptychon aus „Ich“, „Körper“ und „Welt“ Das Hirn ist imRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Heidi Julavits: Der Mineralpalast

Düstere Depression In ihrem Debüt „Der Mineralpalast“ führt uns die 1968 geborene und in der Millionen-Metropole New York lebende Heidi Julavits in die tiefe amerikanische Provinz zur Zeit der „Great Depression“ – maßgeblich inspiriert von den Erzählungen ihrer Großmutter. Zum Auftakt schickt Julavits ihre Protagonisten Bena, Ted und „Klein Ted“ aus dem grün-saftigen Minnesota in das trostlos-dürre Pueblo in Colorado, wo der Familienvater eine Stelle als Arzt im Krankenhaus gefunden hat. Für Bena, die auf verquere Zahlenmagie und Vorzeichen schwört, ist dieser Umzug ins Niemandsland eine Chance, um „in angenehmerRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Garry Disher: Hinter den Inseln

Liebe, Krieg und Verrat Der Australier Garry Disher hat sich hierzulande insbesondere durch seine „Wyatt“-Gangster-Thriller und die mehrfach preisgekrönten „Hal Challis“-Detektiv-Romane wie den „Drachenmann“ einen guten Namen gemacht. In seiner Heimat ist er dagegen auch für seine Kinder- und Sachbücher sowie für seine historischen Romane bekannt. Mit „Hinter den Inseln“ können wir Gary Disher nun auch von dieser Seite kennen lernen. Im Zentrum von Dishers zwischen 1934 und 1947 spielenden neuen Roman steht Neil Quiller. Nach dem Tod seiner Mutter in England bringt er als 11jähriger eine Odyssee hinter sich,Read More
Anleitung zum Unglücklichsein Foster Wallace’ virtuoser Kreuzfahrtreport ist ein Ausflug in die Abgründe der Konsumgesellschaft.  „Ich habe sacharinweiße Strände gesehen, Wasser von hellstem Azur. Ich habe erfahren, wie Sonnenmilch riecht, wenn sie auf 21.000 Pfund heißes Menschenfleisch verteilt wird. Ich bin in drei Ländern mit „Mään“ angeredet worden. Ich habe 500 amerikanischen Leistungsträgern beim Ententanz zugeschaut. Ich habe Sonnenuntergänge erlebt, die aussahen wie nach einer digitalen Bildbearbeitung. Ich habe erwachsene US-Bürger aus dem gehobenen Mittelstand gehört, erfolgreiche Geschäftsleute, die am Info-Counter wissen wollten, ob man beim Schnorcheln nass wird, obRead More

Posted On Februar 15, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Claude Simon: Die Trambahn

Mit der Straßenbahn in die verlorene Zeit Die Magie der Erinnerung – Der 88-jährige französische Nobelpreisträger folgt den Spuren seines Gedächtnisses. Ein Mann liegt im Krankenhaus und erinnert sich: an seine Kindheit zwischen den Weltkriegen im südfranzösischen Perpignan, an seine todkranke Mutter, eine verbitterte Kriegswitwe, an die grell lockenden Plakate des Lichtspielhauses, das er nicht betreten durfte und an die Straßenbahnfahrten, bei denen er es genoss, im Fahrerhaus stehen bleiben zu dürfen. Viel mehr geschieht nicht. Claude Simons „Die Trambahn“ kommt – wie seine Romane aus den 60‘ern und 70‘ernRead More

Posted On Februar 14, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Alexa Hennig von Lange: Woher ich komme

Tagebuchgeflüster Alexa Hennig von Lange kehrt der Popliteratur den Rücken und schreibt ein nachdenkliches Buch über die Erinnerung, das über weite Strecken blass bleibt. Hochsommer, Schulferien. Eine Familie verbringt den Urlaub im Ferienhaus am Wattenmeer: Vater, Mutter, 13-jährige Tochter, 6-jähriger Sohn. Mit dem Jungen an der Hand spaziert der Vater bei Ebbe übers Watt, Richtung Meer. Der Kleine ist glücklich, freut sich, winkt Mutter und Schwester zu, die ebenfalls im Watt wandern. Plötzlich füllen sich die Priele. Vater und Sohn gehen weiter, hören die warnenden Rufe nicht. „Lauf so schnellRead More

Posted On Februar 14, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Paulo Coelho: Elf Minuten

Zwischen Lust und Leidenschaft In seinem Roman Elf Minuten reflektiert der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho über Sex und Liebe und hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Maximal elf Minuten dauert der sexuelle Akt beim Besuch einer Prostituierten. Elf Minuten, für die reiche Männer im Edelbordell „Copacabana“ in Genf mehr als 350 Franken ausgeben. Elf Minuten, vor denen Manager, Geschäftsleute, Banker, die bei ihrer Arbeit mächtig und arrogant sind, die sich tagsüber mit Angestellten und Kunden herumschlagen, die mit Heuchelei und Unterdrückung umgehen können, trotzdem riesige Angst haben. 45 Minuten minus die Zeit,Read More