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Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Soti Triantafillou: Der unterirdische Himmel

Vergeblicher Ausbruch Eigentlich verlangt Bill Morrow ja gar nicht viel vom Leben: „Er wollte die Welt sehen, viele Bierchen trinken, viele Lucky Strikes rauchen und viele hübsche Körper streicheln.“ Aber auch diese bescheidenen Wünsche liegen für den jungen Sohn griechischer Einwohner in weiter Ferne: Wie von einem klebrigen grauen Kokon ist Bill Morrows Leben in dem Provinzstädtchen South Bend von Langeweile und Hoffnungslosigkeit eingesponnen. Hier, in der Heimat des legendären Studebakers, gibt es nur Autos und noch mal Autos und hin und wieder einen sehnsüchtig klagenden Song von Chet BakerRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Norbert Niemann: Schule der Gewalt

Duell mit der Medienwirklichkeit Frank Beck, 38, geschieden, ist eine traurige Gestalt mit käsiger Haut, schlaffen Schultern, Fettansatz am Bauch und mit der „bewährten, ruhigen Gewissheit, auf der ganzen Linie gescheitert zu sein.“ Doch nichtsdestotrotz ficht dieser Frank Beck einen ebenso großen wie aussichtslosen Kampf aus: Er steht in einem verbissenen, monomanischen (Rede-) Duell mit der übermächtigen Medienwirklichkeit, versucht ihre Strukturen und Funktionsweisen bloß zu legen, ihre destruktive Kraft zu bannen: „Wo alles auf die Spitze getrieben ist, wirkt alles gleich flach und bedeutungslos.“ Je mehr Beck die flimmernden Talkshows,Read More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Norman Ohler: Mitte

Halluzinativer Berlin-Trip Mit avanciertem Furor jagt Norman Ohler den Leser durch Metropolen- und Bewusstseinslandschaften des 21. Jahrhunderts. Fast könnte man Norman Ohler für einen Ur-Ur-Enkel der Berliner Frühexpressionisten mit ihrer dynamisch-sinnlichen Großstadtprosa- und lyrik halten: Auch bei ihm wummert und ruckelt es, Sirren die Trams, Gleißen die Lichter, Glimmen die Zigaretten. Ein wahrnehmungsträchtiger Großstadtfilm in expressiven Wortkaskaden entfaltet sich hier und Schauplatz ist die „Mitte“ – nicht die Mitte des Seins, nicht die Mitte der Welt, sondern Berlin-Mitte, das hippe Szene-Viertel in der Hauptstadt, wo die Trends gesetzt werden undRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Heinz Schlaffer: Die kurze Geschichte der deutschen Literatur

Kurze Blüte- und lange Schlafzeiten Deutsche Literaturgeschichten sind in der Regel von Heerscharen spezialisierter Wissenschaftler verfasst und umfassen locker mehrere tausend Seiten. Wie kann sich da nun ein gestandener Professor aus Stuttgart anmaßen, eine solche auf 150 Seiten abzuhandeln – ist das Frechheit, purer Übermut oder grandiose Ignoranz? Es ist nichts von alldem, sondern vielmehr der überzeugende Versuch, den durch die Germanistik sorgsam aufgebauten und gehüteten Mythos einer fruchtbaren und langen deutschen Literaturtradition die Luft abzulassen. So beginnt die deutsche Literatur bei Schlaffer eigentlich erst in der Mitte des 18.Read More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Martin Suter: Ein perfekter Freund

Exzellenter Psychothriller Wie schon in „Auf der dunklen Seite des Mondes“ beeindruckt Martin Suters Prosa durch ihre ungeheure Präzision und Plastizität – mit wenigen Strichen skizziert der ehemalige Werbetexter und Creative Director komplexe Charaktere und schafft eine dichte, sinnliche Atmosphäre, aus der immer wieder kostbare Momente der profanen Erleuchtung hervorblitzen. Stellen Sie sich vor, Sie wachen auf einer Intensivstation mit einer posttraumatischen Amnesie auf und haben die letzen 50 Tage Ihres Lebens verloren – Tage, in denen Sie sich plötzlich entscheidend verändert haben und Ihr gesamtes Dasein sich komplett umgekrempeltRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Norman Ohler: Stadt des Goldes

Am Rande des Abgrunds Ponte City gilt als das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt Johannesburg: Der runde, von einer riesigen Coca Cola-Reklame gekrönte Wohnturm ist 54 Stockwerke hoch und innen ausgehöhlt wie ein fauler Zahn. Nach dem Ende der Apartheid hat sich Ponte City vom hochmodernen Wohntraum zu einem berüchtigten Schreckensbabylon gewandelt, in dem die Gewalt und das Verbrechen gären. Ponte City steht im Mittelpunkt des neuen Romans von Norman Ohler, mit dem er seine beeindruckende Metropolen-Trilogie abschließt. Von New York über Berlin schwenkt sein bei „Geo“ und „Spiegel“ geübter journalistischerRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Michael Roes: David Kanchelli

Düstere Zukunfts-Parabel Mit seinem vierten Roman hat Michael Roes seine singuläre Stellung in der deutschen Gegenwartsliteratur eindrucksvoll unterstrichen Michael Roes ist einer der kompromisslosesten deutschen Autoren: Konsequent brandmarkt er in seinen Romanen mit avancierten literarischen Mitteln und ethnographischem Blick die vielfältigen Facetten des Kolonialismus und Rassismus in Vergangenheit und Gegenwart. Kein Hauch von postmoderner Ironie und unverbindlicher Travestie ist bei dem 1960 geborenen Wahlberliner zu spüren, sondern nur der unbedingte, von tiefem Ernst und offensichtlichem Mitleiden getriebene Einsatz gegen das Unrecht unserer Welt. In seinem neuen Roman „David Kanchelli“ verlagertRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jochen Schmidt: Müller haut uns raus

Großartiger Erzähler Jochen Schmidt hat mit „Müller haut uns raus“ einen begeisternden Debut-Roman vorgelegt, der schon fast in einer Reihe mit Salingers „Der Fänger im Roggen“ oder Plenzdorfs „Die Leiden des jungen W.“ genannt werden darf. Seit dem Gewinn des „Open Mike-Wettbewerbs“ 1999 und dem kurz darauf erschienenen Kurzgeschichtenband „Triumphgemüse“ gilt der junge Berliner Jochen Schmidt als vielversprechendes Erzähltalent. Nun hat er mit „Müller haut uns raus“ einen begeisternden Debut-Roman vorgelegt, der schon fast in einer Reihe mit Salingers „Der Fänger im Roggen“ oder Plenzdorfs „Die Leiden des jungen W.“ genannt werdenRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Stefan Beuse: Die Nacht der Könige

Im dunklen Herzen der Macht Stefan Beuses Prosa strahlt eine luzide Leichtigkeit aus, in der dennoch das Abgründige mitschwingt und so eine dichte, mit hochpoetischen Bildern aufgeladene Atmosphäre evoziert Krimis boomen hierzulande: Schon längst sind sie dabei der Schmuddel- und Trivialecke entwachsen und dringen vehement in die heiligen Sphären der hohen Literatur ein. Immer mehr ambitionierte deutschsprachige Autoren – von Georg Klein über Michael Merschmeier und Veit Heinichen bis zu Martin Suter – benutzen den Krimi-Plot als ideales Vehikel um Hochspannung, Psychologie und Poesie zu vereinigen. Zu ihnen gesellt sichRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Peter de Mendelssohn: Fertig mit Berlin?

Weimarer Pop Wenn ein 22jähriger Debutant einen Berlin-Roman vorlegt, der schnell in die dritte Auflage geht und von den Großmeistern der Literaturkritik besprochen wird, dann riecht das verdächtig nach einem aktuellen popkulturellen Phänomen. Doch das dieses kein Markenzeichen allein unserer Zeit ist, zeigt das bereits 1930 erstmals erschienene „Fertig mit Berlin?“ von Peter de Mendelssohn – einen Autoren, den viele wohl eher noch als großen Zeitungsmann und als Thomas-Biograph denn als Schriftsteller kennen. Der jetzt im kleinen Elfenbein-Verlag neu aufgelegte Metropolen-Roman erzählt die Geschichte einer späten Jugend und gibt EinblickRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Christina Chiu: Schwarze Schafe und andere Heilige

Wunderbare „short cuts“ Christina Chiu hat ihre short cuts mit traumwandlerischer Sicherheit und vielen Überraschungen komponiert und zieht den Leser tief in die Lebens- und Liebesgeschichten ihrer Protagonisten Christina Chiu könnte zu den aufregendsten Entdeckungen der noch jungen literarischen (Herbst-) Saison zählen: In ihrem Debut erzählt sie in elf kunstvoll miteinander verbundenen „short cuts“ aus dem Leben von drei chinesischen Familienclans, die zwischen Hong Kong und New York beheimatet sind – ihr Ton ist dabei ebenso melancholisch wie hochpoetisch: „Versprengte Wolken treiben dahin wie traurige Gefühle.“ Der Erzählkosmos der alsRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Rick Moody: Bis ich nicht mehr wütend bin

Parforce-Ritt durch Amerikas (Alb-) Träume Rick Moodys Sammelband bietet einen grandiosen, äußerst abwechslungsreichen Parforce-Ritt durch das amerikanische Leben in all seinen bunten und öden Facetten Als Romancier ist Rick Moody ein Meister der Trostlosigkeit und durchmisst seine Sujets konsequent bis an die Grenzen des Erträglichen: So in „Ein amerikanisches Wochende“, wo er das erbarmungslose Porträt einer Mutter-Sohn-Beziehung zeichnet; und so auch in dem jetzt wieder neu aufgelegten Debut-Roman „Garden State“, in dem der 40jährige lakonisch vom ziellosen Leben einer jugendlichen Clique in einem tristen Vorort in New Jersey erzählt. InRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Wolfgang Schlüter: Dufays Requiem

Grandioser Kunst-Krimi „Ungeheuer ist viel – doch nichts ungeheurer als der Abgrund, der das Gewesene vom Verstehen trennt“ Dieser dunkle Sinnspruch führt in das tiefe Zentrum eines ganz und gar außergewöhnlichen Kunst- und Kriminal-Romans, der in höchst raffinierter Komposition ein kulturgeschichtliches Panorama von der Frührenaissance bis zur Gegenwart spannt und dabei von der ersten bis zur letzten Seite bannt. Ausgangspunkt der Geschichte ist eine spontane Wette des niedersächsischen Oberstudienrates Dr. phil. Wernfried Hübschmann mit der exzentrischen Musikwissenschaftlerin Antonietta Riccioli: Es geht darum, das verschollene Requiem Guillaume Dufays – eines derRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jim Knipfel: Blindfisch

Heroische Ironie Auch wenn Großmeister Thomas Pynchon auf der Rückseite des Covers das Erzähltalent von Jim Knipfel in hohen Tönen lobt, sind die Aufzeichnungen aus dem Untergrund – der eigenen Seele, Amerikas – keine literarische Offenbarung „Sehen wir unserem Verhängnis lachend entgegen“ – unter dieser Maxime treibt Jim Knipfel wie ein gezündeter Knallfrosch durch das Leben und schöpft es konsequent bis zur selbstzerstörerischen Neige aus. Das Verhängnis trägt dabei den Namen „Retinitis pigmentosa“ und bewirkt, dass sich Jim Knipfels Netzhäute „wie zwei Alka Seltzer“ auflösen. Doch in dem selben Maße,Read More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Norbert Kron: Autopilot

Die Leere hinter den Bildern Michael Lindberg ist der posthumane Prototyp für das 21. Jahrhundert: Er ist Inhaber einer erfolgreichen Produktionsfirma am Hackeschen Markt in Berlin und hat sein Leben dank eines konsequenten Selbst-Managements fest im Griff. Vorbei sind die Utopien und Sinn-Debatten der 68er, entgegen Adornos Diktum geht es nun ganz genau darum „das richtige Leben im falschen“ zu führen: „Ich-Technologie, die Welt ist ein Bausatz, spielen wir Playmobil.“ Michael Lindberg ist der Protagonist von Norbert Krons Debut-Roman „Autopilot“. Lakonisch und mit einer feinen ironischen Grundierung führt uns derRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Sigrid Damm: Tage- und Nächtebücher aus Lappland

Ausbruch in den „Raum der Stille“ Tiefes, tranceartiges Glück und schwarze Melancholie wechseln sich auf dieser Reise ab Den Alltag hinter sich lassen, die Lasten der Zivilisation abwerfen und endlich wieder einmal zur Ruhe und zu sich selber kommen – wer träumte nicht davon? In ihrem neuen Buch präsentiert Sigrid Damm zusammen mit ihrem Sohn, dem Fotografen und Künstler Hamster Damm, die Ergebnisse eines exemplarischen Feldversuches: Sieben Tage wanderten beide unabhängig voneinander und autark durch die Einsamkeit Lapplands, durch einen schier unendlichen „Raum der Stille“. Die „Tage- und Nächtebücher ausRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Ulrich Peltzer: Bryant Park

Hoch konzentrierte Prosa-Montagen Ulrich Peltzer gilt seit seinem 1987 veröffentlichten Debut-Roman „Die Sünden der Faulheit“ als einer der vielversprechendsten und ambitioniertesten Autoren in der jungen deutschen Literaturszene. Doch auch nach zwei weiteren, von der Kritik gelobten Romanen und diversen Literaturpreisen ist er bis heute eher ein Geheimtipp geblieben – und das ist auch kein Wunder, denn der 1965 in Krefeld geborene und mit 18 Jahren nach Berlin übergesiedelte Autor serviert dem Leser kein leicht verdauliches Fast food mit künstlichen Geschmacksverstärkern, sondern kernige Kost, die gut gekaut und wohl verdaut seinRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Veit Heinichen: Die Toten vom Karst

In den Schluchten Istriens In Veit Heinichens fesselndem Debut „Gib jedem seinen eigenen Tod“ lachte noch die Sonne über Triest und mit seinem Comissario Laurenti tauchte der Leser tief ein in das mediterrane Azur von Himmel und Meer. Im zweiten Fall von Laurenti fegt nun die ungemütliche Bora Nera über Triest und bringt Schnee und Schafskälte. Doch nicht alleine das Wetter schlägt dem sympathischen Comissario schwer auf das Gemüt: Auch seine Frau hat ihn verlassen und sein Sohn Mario treibt sich in gefährlicher Gesellschaft herum – schlechte Vorzeichen für knisterndeRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Mo Hayder: Die Behandlung

Packender Psycho-Schocker Für diesen neuen Thriller von Mo Hayder sollten Sie sich unbedingt zwei bis drei Tage frei nehmen – denn freiwillig legt man es kaum vorher aus der Hand, als bis die letzte der 500 eng beschriebenen Seiten atem- und fassungslos verschlungen ist. Dazwischen liegt ein packender Horrortrip, der mit einer nie nachlassenden, fast schmerzhaften Hochspannung in die dunkelsten Abgründe des menschlichen Seins führt. Mo Hayders Kriminal-Fall ist im Süden Londons angesiedelt, am Rande des Brockwell-Parks, in direkter Nachbarschaft zum Stadtteil Brixton. Hier wird die Familie Peaches in ihremRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Bruno Richard: Desaster

Auf dem Wellenkamm der Zeit In unserer schnelllebigen Zeit sind die Schreckens- und Untergangs-Szenarien zum Jahrtausendwechsel schon fast wieder vergessen. In seinem Roman „Desaster“ legt Bruno Richard nun einen apokalyptischen Remix dieser vorgeblichen Zeitenwende vor – mit rasanten Breaks und harten Schnitten vor der schillernden Kulisse Berlins trendig inszeniert. In einer Welt, die zwischen Wahn und Wirklichkeit changiert und wenig sichere Orientierung bietet, sieht sich auch Bruno Richard nicht veranlasst, dem Leser einen roten Faden an die Hand zu geben. In abrupten Szenenwechseln jagt er durch die kontrastreichen Stadtteile undRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Stefan Sullivan: Sibirischer Schwindel

Go East Der 1966 geborene Stephen Sullivan legt in seinen beiden Abenteuer-Novellen los wie die Feuerwehr und entzündet ein sprachgewaltiges Feuerwerk voller Witz, Trash und Philosophie. „Go West“ hieß das Credo der hoffnungsvollen Siedler zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Nordamerika. „Go East“ könnte das Credo einer Generation heißen, die im Stillstand der Postmoderne aufgewachsen und von einem „vagen Gefühl der Rastlosigkeit“ und der „reizbaren Ungeduld“ zum Aufbruch getrieben wird. Zwischen seinem Schulabschluss und dem Eintritt ins richtige Leben entschließt sich so auch der Ich-Erzähler in Stephen Sullivans beeindruckendem Prosa-DebütRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Markus Orths: Corpus

Nachdenkliches Debüt Christof und Paul sind durch eine lange gemeinsame Kindheits- und Jugendzeit in einem kleinen Winzerdorf sowie ein tragisches Ereignis tief verbunden – nach Jahren, in denen sie sich aus den Augen verloren haben, treffen sie in Berlin wieder zusammen. In den Stunden diese Treffens, bei einem „großen Roten“ aus dem Weinkeller, lässt Markus Orths in seinem Roman-Debüt nun die Geschichte einer Freundschaft wieder auferstehen und leuchtet dabei die existentiellen Fragen von Sinn, Schuld und Liebe aus. Spröde und sperrig kommt Markus Orths Prosa zunächst daher und gleicht sichRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Reiner Stach: Kafka: Die Jahre der Entscheidung

Literatur als Fokus der Existenz Ohne Zweifel zählt Franz Kafka zu den wichtigsten Vertretern der literarischen Moderne und unüberschaubar ist das Meer von Aufsätzen, Kommentaren und Monographien zu seinem Werk – vergebens suchte man aber erstaunlicherweise bisher eine fundierte deutschsprachige Biographie. Diese Lücke schließt nun der Literaturwissenschaftler und Autor Reiner Stach: Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erschien beim S. Fischer-Verlag der erste Teil einer auf drei Bände angelegten, voluminösen Kafka-Biographie. „Die Jahre der Entscheidungen“ lautet der Untertitel des ersten Bandes und Stach öffnet die biographische Blende im Jahre 1910 – zeitgleichRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Kem Nunn: Wellenjagd

Packendes Kino für den Kopf Kem Nunn sorgt für packendes Kino im Kopf: Mit wenigen Prosastrichen lässt er bildmächtige, uramerikanische Szenarios und Mythen auferstehen. In seinem im Original bereits 1984 erschienen Debut „Wellenjagd“ liegt so eine einsame, in der Hitze flimmernde Tankstelle in der Wüste, alte Männer nuckeln lethargisch an ihren Budweisern und ein Junge schraubt an seiner 36er Harley Knucklehead. Die Zeit steht still, die Sonne tanzt auf glänzendem Metall. Dann kommt ein Fremder. Er bringt eine Nachricht für den jungen Ike Tucker: Seiner Schwester, die das Wüstenkaff aufRead More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Frédéric Beigbeder: Letzte Inventur vor dem Ausverkauf

Ein Kanon im Remix Wir leben in einer unübersichtlichen Zeit, in der die Informationsfluten ständig weiter anschwellen und die letzten wegweisenden Leuchttürme schon längst versunken sind. Dankbar greifen wir daher nach Strohhalmen die ein wenig Halt und Orientierung zu bieten versprechen – und dementsprechend hat die Kanonbildung auch in der Belletristik wieder Konjunktur: Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki versammelt unter dem nicht unbescheidenen Titel „Der Kanon“ die Creme de la Creme der deutschen Romane von Goethe bis Musil und seine Kollege Joachim Kaiser stellt in seinem „Buch der 1000 Bücher“ Werke vor,Read More

Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Tim Staffel: Rauhfaser

Keine Hoffnung auf Erlösung Tim Staffels Romane kreisen ebenso manisch wie provokant um end- und eiszeitliche Gewalt- und Terror-Szenarien, die er mit einer tiefen Sehnsucht nach Liebe und Heimat kontrastiert. Nach der Apokalypse in „Terrordrom“ und dem Bürgerkriegs-Panorama in „Heimweh“ rücken in „Rauhfaser“ nun die (virtuellen) Medienwelten hart in den Erzähl-Vordergrund. Tim Staffels Ich-Erzähler Paul lebt mit der Lebensversicherung seiner früh verstorbenen Eltern in den Berliner Tag hinein und lässt sich über einen Beamer von „Achtunddreißig Programmen plus Premiere World“ tätowieren: In einer „Endlosschleife“ fressen sich Kosovo, Intifada, Neofaschisten undRead More