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Posted On Februar 20, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag, Rubriken

Frédéric Beigbeder: Ferien im Koma

Party, Party, Party „Ferien im Koma“, Frédéric Beigbeders Versuch, mit der Schilderung einer Nacht in Paris an große Vorbilder anzuknüpfen, wäre auch dann gescheitert, wenn man die Messlatte weiter unten anlegt als er selbst. Ein Sittengemälde des zu Ende gehenden Jahrtausends sollte es werden – ein zweiter „Gatsby“ oder „Ulysses“ – und ist doch nur ein zerstückelter Patchwork-Roman über die Crème de la Crème der Pariser Szene. Eine Nacht in Paris. Von sieben Uhr Abends bis sieben Uhr morgens. Klischee oder Traum? Romantisches Rendezvous oder Jet-Set-Party? Von Baudelaire bis Hemingway,Read More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

John Updike: Gegen Ende der Zeit

Enorme Libido Zwischen schmählichem Scheitern und prächtigem Gelingen. Gleich zwei neue Bücher stehen zur Zeit von John Updike, dem meisterlichen Chronisten des amerikanischen Mittelstandes und seiner „Vorortpolygamie“, zur Auswahl: Ein „Roman“ und „Fast ein Roman“ und damit, um es gleich vorwegzunehmen, auch ein schmähliches Scheitern und ein prächtiges Gelingen. In dem Roman „Gegen Ende der Zeit“ wird der Leser sogleich in den altbekannten Updike-Kosmos geworfen: Der alternde und tagebuchschreibende Protagonist Bill Turnbull hat sich aus der Finanzwelt Bostons zurückgezogen und wird nun schleichend „vom Grauen gepackt: meine berufliche Nützlichkeit vorbei,Read More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

John Updike: Bech in Bedrängnis

Mit grandioser (Selbst-) Ironie Ganz nebenbei und im Small Talk der ewigen Partys, Vernissagen und Versammlungen wird dabei auch die „hoffnungslos vom Geld und den Medien korrumpierte“ amerikanische Kunst- und Literaturszene der Gegenwart schwer durch den Kakao gezogen. Mit „Bech in Bedrängnis“ können wir nun einigermaßen erleichtert aus dem trist-gerontokratischen Bostoner Vorortmilieu zur glitzernden Kulturschickeria New Yorks und zum „halb in Vergessenheit geratenen amerikanischen Schriftsteller“ Henry Bech hinüberwechseln. Mit grandioser und zuweilen auch durchaus geschwätziger (Selbst-) Ironie bilanziert John Updike das Leben dieses altmodischen Galans und unverbesserlichen Machos. Ganz nebenbeiRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Franzobel: Santa Scala

Brillant-skandalöse Sprachorgie Mit allen Mitteln seiner Kunst entfacht der Sprachderwisch Franzobel in diesem Roman ein explosives Feuerwerk von ungeheuerlicher Bild- und Metapherngewalt. Es sei sofort gesagt: „Santa Scala“ bietet ein ganz aussergewöhnliches, ja exorbitantes Leseerlebnis. Mit allen Mitteln seiner Kunst entfacht der Sprachderwisch Franzobel in diesem Roman ein explosives Feuerwerk von ungeheuerlicher Bild- und Metapherngewalt – da wimmelt es von so schönen Worten wie „Himbeerdenken“ und „Mayonaisesonne“, da gründeln „Gedanken wie Seegurken durchs Wasser“ da bohrt sich die Mittagssonne fühlbar in ein Gesicht: „Au! Ein Einschnitt, dieses Licht, eine Besoffenheit,Read More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Martin van Praagh: Das blaue Labyrinth

Variantenreiches Debüt In „Das blaue Labyrinth“ präsentiert uns der 1972 in den Niederlanden geborene und im niedersächsischen Celle aufgewachsene Martijn van Praagh sieben Erzählungen, die sich durch einen erstaunlichen stilistischen Reichtum und ihre imaginativen Bilderwelten auszeichnen. Mit einem bemerkenswerten Debutanten wartet der junge Göttinger Verlag Hainholz in diesem Winter auf: In „Das blaue Labyrinth“ präsentiert uns der 1972 in den Niederlanden geborene und im niedersächsischen Celle aufgewachsene Martijn van Praagh sieben Erzählungen, die sich durch einen erstaunlichen stilistischen Reichtum und ihre imaginativen Bilderwelten auszeichnen. In der Titelgeschichte erzählt Martin vanRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Tobias Hülswitt: Saga

Melancholisch-Lakonisches vom Ende der Jugend Unübersehbar autobiographisch angehaucht tastet Hülswitt sich vielmehr in die verborgenen Kammern der Kindheit vor und läßt das Alltägliche und Unscheinbare mit seinem ganzen heimlichen Zauber zutagetreten. „Das ist Betrug, das kann es nicht sein, daß keiner so lebt, wie er geboren wird, sondern daß alle ihre beschissenen Tricks entwickeln und daß am Ende jeder eine Existenz vorgibt, die vollkommen erlogen, aber nie mehr wieder loszuwerden ist“: In hin- und herpendelnden Bewegungen erzählt uns Tobias Hülswitt in seinem Debut melancholisch bis lakonisch gefärbte Geschichten von derRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jochen Schmidt: Triumphgemüse

Vollbluterzähler Mit einem breiten Spektrum von skurrilen Charakteren und sensiblen Alltagsbeobachtungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart schafft er hier einen funkelnden Erzählkosmos von großer atmosphärischer Dichte. Beim vorletzten Open Mike, der Berliner Talentbörse des deutschen Literaturbetriebs, wurde Jochen Schmidt von der Jury für seine Erzählung „Harnusch mäht als wärs ein Tanz“ mit dem Prädikat „Vollbluterzähler“ und einem der drei Preise ausgezeichnet. Prompt setzten sich daraufhin die Scouts der Verlage auf die Spuren des Talents und als Sieger des Rennens kann der Beck-Verlag nun einen gar nicht einmal so schmalen Erzählband präsentieren.Read More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Thomas Tuma: Tödlicher Chat

Das Schweigen der Chatter Aus einem vielperspektivischen Szenen-Patchwork baut Thomas Tuma in „Tödlicher Chat“ einen verwickelten Psychothriller auf, in dem nichts mehr so ist, wie es zu sein scheint. Schon der erste Mord ist starker Tobak: In einem anonymen Münchener Hotelzimmer wird die verstümmelte Leiche einer jungen Frau gefunden. Über ihr an der Wand steht mit Blut geschmiert: „Öffne Dich“. Den nächsten Mord, eine Woche später, am anderen Ende der Republik und nach exakt dem selben „Schnittmuster“, erlebt der Leser dann live aus der Perspektive des Killers mit – undRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Max Aub: Das Magische Labyrinth, Band 6: Bittere Mandeln

Tragisches Ende eines großen Traums Zum seinem 100. Geburtstag liegt Max Aubs Romanzyklus über den Spanischen Bürgerkrieg nun auch in deutscher Übersetzung vor. Die spanische Literaturkritik feierte „Das Magische Labyrinth“ begeistert als literarisches Gegenstück zu Picassos Guernica. Dank einer verlegerischen Großtat und insgesamt fünfjähriger Übersetzungsarbeit liegt mit „Bittere Mandeln“ nun auch der grandiose Schlussstein von Max Aubs sechsbändigem Romanzyklus über den Spanischen Bürgerkrieg in deutscher Fassung vor –und so kann auch hierzulande ein bisher kaum bekanntes Stück Weltliteratur von den Lesern entdeckt und erobert werden. Max Aub, der heute zuRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Juan Filloy: Op Oloop

Grandiose Entdeckung Der 1934 entstandene Roman „Op Oloop“ ist ein umwerfendes Stück Weltliteratur, das unbedingt in den Kanon der modernen Klassiker gehört und den Vergleich mit Mann, Musil oder Svevo nicht scheuen muss. Von Karsten Herrmann In Argentinien gilt Juan Filloy schon lange als geheimer Klassiker: 40 Bücher und rund 14.000 Palindrome hat er im Laufe seines langen Lebens verfasst. Im Juli 2000 starb Juan Filloy mit 105 Jahren in Cordoba – und erreichte damit sein erklärtes Ziel: „Ich möchte ein Schriftsteller dreier Jahrhunderte sein. Im 19. tat ich meineRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Hans Henny Jahnn: Fluss ohne Ufer

Nicht lange überlegen, kaufen und lesen! „Ich war ein Schatten der Sehnsucht. Ein Sterbender, der noch auf Genesung hofft. Ein Gelangweilter, der in den Abgrund der ausgebrannten Hölle starrt.“ Wie ein schroffes, unzugängliches Felsengebirge steht Hans Henny Jahnns „Fluss ohne Ufer“ in der deutschen Literaturlandschaft. Voller Argwohn und vorsichtig tastend nähert man sich seinen abweisenden Ausläufern – um plötzlich hinein in eine Welt voller morbider Blüten, leuchtender Kristalle und schwarzer Abgründe gerissen zu werden. Nach der fiebernden Lektüre von über 2000 Seiten wird man nicht mehr derselbe sein wie zuvor:Read More
Jugend-Rebellion in den Zeiten von Techno und Ectasy Man denke sich eine literarische Mischung aus J.D. Salinger, Breat Easton Ellis und Rainald Goetz mit einem kleinen Schuß Alice Schwarzer – dann weiß man ungefähr, was Lucía Etxebarría, einer der kraftvollsten und spannendsten Stimmen in der jungen spanischen Literatur, zu bieten hat. In ihrem ersten Roman „Von Liebe, Prozac und Zweifeln“ buchstabiert die 34jährige Autorin am Beispiel von drei sehr unterschiedlichen Schwestern von A-Z das Alphabet heutiger Lebensgefühle durch – mit ungezügelter Energie und ohne jede Scham. Beginnen läßt sie ihrRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Landschaften und Luftinseln

Zwischen Heimat, Exil und Erinnerung Polnische Erzählungen der Gegenwart. Seien wir doch mal ehrlich – wer aus der Generation X bis Golf kennt schon wahrhaftig einen polnischen Autoren, geschweige denn, dass er seinen Namen richtig aussprechen kann? Für all diejenigen, für die der diesjährige Messeschwerpunkt weitestgehend das Betreten von literarischem Neuland bedeutet, bietet die dtv-Anthologie „Landschaften und Luftinseln“ facettenreiche Einblicke in die polnische Gegenwartsliteratur. Zwanzig Autoren – von etablierten wie Pawel Huelle und Andrzej Stasiuk bis zu jüngeren Newcomern – präsentieren hier ihre oftmals zum ersten Mal ins deutsche übersetztenRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Crimemag

Michael Merschmeier: Frölichs Träume

Hochkultivierter Medienthriller Kommissar Frölich ist das exakte Gegenbild zu all den abgebrühten, zynischen und machohaften „Bullen“, „Cop“ oder „Privatschnüfflern“ aus der einschlägigen Literatur- und Filmgeschichte. Statt Fast food, Whisky und Bier bevorzugt er einen 95er Ermitage und mediterrane Küche, statt Comics oder Bild-Zeitung liest er Montaigne und Shakespeare und zur Krönung liebt er statt üppiger Blondinen auch noch den Schauspieler Wolfgang Deus. Doch genau wie seine ansonsten so gegensätzlichen Kollegen ist der Berliner Gourmet und Connaisseur eine excellente Spürnase, die ihre Fälle „nicht am Schreibtisch im Büro, sondern eher beimRead More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Thomas Ernst: Popliteratur

Pop goes Mainstream In einem kleinen, aber ebenso prägnanten wie stichhaltigen Büchlein richtet Thomas Ernst nun seinen kritischen Blick auf das Phänomen der Pop-Literatur und stellt ihre Ursprünge dar. Seit gut fünf Jahren boomt die junge deutsche Literatur gewaltig – nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Bücher unter dem „Pop“-Label vermarktet werden und einige ihrer Autoren wie Benjamin von Stuckrad-Barre, Alexa Henning von Lange oder Benjamin Lebert im Wirbel der Medien in den Himmel der „Popstars“ empor getragen wurden. In einem kleinen, aber ebenso prägnanten wie stichhaltigen Büchlein richtet ThomasRead More

Posted On Februar 17, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Litmag

Gyula Halasz Brassaï: Proust und die Liebe zur Fotografie

Die Authentizität des Augenblicks Marcel Proust und die Fotografien von Paul Nadar, das ist zunächst einmal kein irgendwie theoriegeladenes Terrain, sondern eine pragmatische Angelegenheit. Wir wissen, dass Proust in seinem literarischen Werk unendlich viele Zeitgenossen und Zeitgenossinnen im wahrsten Sinn des Wortes verarbeitet hat. Überblendet, porträtiert, verschleiert, verschlüsselt, verfremdet und dies alles stets mit einem harten Kern an Referenz zu den realen Personen. Als William Howard Adams in den 80er Jahren an das Fotoarchiv von Nadar fils herankam, fand er dort bekanntlich eine riesige Galerie Proustscher „Vorlagen“, die ganze PariserRead More

Posted On Februar 17, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Alexandra Kardinar: Die Sonne brennt fortissimo

Momentaufnahmen von europäischem Alltag aus einer anderen Zeit Geglückte Kombination von schön gemachtem Buch mit ebenso schönem Inhalt. Manchmal gibt es sie ja noch: Die geglückte Kombination von schön gemachten Büchern mit ebenso schönem Inhalt. Ihre Reise-Feuilletons über die vier Komponisten (Händel, Mozart, Mendelssohn Bartholdy und Berlioz) und ihr jeweiliges Italien hat Alexandra Kardinar gleich noch selbst mit liebevoll-eleganten Zeichnungen – meist von Alltagsgegenständen und Instrumenten des 18. und 19. Jahrhunderts – illustriert und in ein bemerkenswert luftiges Layout gekleidet. Papierqualität, Bindung, Satz & Schrift atmen ebenfalls den Geist einesRead More

Posted On Februar 16, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Amélie Nothomb: Im Namen des Lexikons

Packender Schicksalstanz Amélie Nothombs „Im Namen des Lexikons“ ist ein absurdes Spiel mit den Irrungen und Wirrungen des Lebens. Zuerst ist alles fast normal. Lucette, ein junges Mädchen, heiratet Fabien, einen jungen Mann. Beide lieben sich. Vielleicht sind sie noch etwas zu jung, doch Lucette ist mit 19 im achten Monat schwanger. So märchenhaft es beginnt, die Realität holt sie ein: Streit, Unverständnis, Entfremdung. Lucette konzentriert sich ganz auf das Kind in ihrem Bauch. Ein Ausnahmekind, davon ist sie überzeugt. „Es wird ein Tänzer oder eine Tänzerin“, verfügt sie, denRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Ian Rankin: Die Tore der Finsternis

Ohne den letzten Kick Ian Rankin stürmt mit routiniert- solider Hausmannskost die Bestsellerlisten. Ian Rankin ist der Megastar der englischen Krimiszene und erstürmt mit seinen Fällen regelmäßig die ersten Plätze der Bestsellerlisten. Mit seinem melancholischen Einzelgänger Detective Inspector John Rebus, der Rockmusik ebenso wie Pubs und Whiskey liebt, hat der 1960 geborene Schotte einen echten Typen mit Kanten und allerlei Abgründen geschaffen: „Dieser Beruf hat mich meine Frau gekostet, meine Tochter, die meisten meiner Freunde.“ Der Beruf ist Rebus’ Leben und fest verbeißt er sich mit durchaus eigenwilligen Ermittlungsmethoden inRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Leonardo Padura: Ein perfektes Leben

Dem Verbrechen und dem Sinn des Lebens auf der Spur Krimi-Fans und – das sei schon jetzt verraten – nicht nur diese dürfen sich freuen: Mit Teniente Mario Conde bereichert sich die internationale Riege der Verbrechensermittler nun um einen schillernden Kubaner voller Ecken und Kanten – einen heimlichen Moralisten und Säufer, einen sanften Macho und Gourmet und vor allen Dingen natürlich eine exzellente Spürnase. Der erste Fall von Mario Conde führt uns in das Kuba des Jahres 1989, wo in den sozialistischen Ländern Europas die Grenzen fallen und auch aufRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Denis Johnson: Fiskadoro

Nach der großen Vernichtung In seinem schon Mitte der achtziger erschienen Roman „Fiskadoro“ führt Denis Johnson uns in eine ebenso fremde wie faszinierend Welt nach der atomaren Apokalypse. Denis Johnson, der mittlerweile als einer der wichtigsten und zugleich radikalsten amerikanischen Gegenwartsschriftsteller gilt, erlebt in Deutschland schon zu Lebzeiten seine Renaissance: So wurden in den letzten drei Jahren neben dem aktuellen Roman „Schon tot“ auch seine beiden Anfang der 80er Jahre entstandenen Frühwerke „Jesus Son“ und „Engel“ neu herausgegeben, deren eingedampfte Prosa von kristalliner Härte und trunkener Traurigkeit den Kultstatus desRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste

Ein Commissario auf der Kippe Wie gewohnt vereinigt Veit Heinichen auch in seinem neuen Triest-Krimi die Spannung mit viel Lokalkolorit und politischen Seitenhieben. Eigentlich scheint für Commissario Proteo Laurenti, dem Protagonisten von Veit Heinichens atmosphärisch dichten Triest-Krimis, alles prima zu laufen: Die Kinder sind aus dem Haus, er wurde zum „Vize-Questore“ befördert, ist mit seiner Frau Laura in ein schickes Haus mit herrlichem Meerblick umgezogen und leistet sich als Bonbon auch noch eine rassige Geliebte. Doch dann schlägt nicht nur das Verbrechen zu… Skrupellose Organhändler-Mafia In seinem dritten Fall hatRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Daniel Grey Marshall: No Exit

Ein Leben auf der Kippe Mit schockierender Wucht und autobiographischer Färbung zeigt Daniel Grey Marshall, wie Kids im Strudel von Sucht und Gewalt untergehen. Nachdem der jungen deutschen Literatur etwas die Luft ausgegangen ist, halten die Lektoren und Verleger hierzulande offensichtlich wieder verstärkt in den USA Ausschau nach vielversprechenden Debütanten. Einer von ihnen ist der heute fünfundzwanzigjährige Daniel Grey Marshall, der mit „No Exit“ eine autobiographisch gefärbte Geschichte vom Erwachsenwerden auf der Schattenseite des Glücks vorgelegt hat. Sein (Anti-)Held, der fünfzehnjährige Jim, wächst in einer zerrütteten Mittelklassefamilie auf, die vomRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Lucía Etxebarria: Von allem Sichtbaren und Unsichtbaren

Einfühlsames Psychogramm Mit einem feinfühligen Entwicklungsroman etabliert sich die junge Spanierin Lucía Etxebarria als feste Literaturgröße. Lucía Etxebarria ist eine der talentiertesten und innovativsten Stimmen in der jungen spanischen Literatur. Flott, frech und provokant kreisen die Romane der 37-Jährigen um weibliche Identitäten und Lebensentwürfe in postmodernen, urbanen Szenarien. Das Spannungsfeld reicht dabei von der – in Spanien noch einen ungeheuer hohen Stellenwert einnehmenden – Familie und Tradition auf der einen bis zur Emanzipation und wilden Lebenslust auf der anderen Seite. Und im Zentrum steht, wie könnte es anders sein, dieRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Allgemein, Bücher

Gerhard Roth: Aus Sicht des Gehirns

Revolutionäre Erkenntnisse Die aktuelle Hirnforschung lässt einen Paradigmenwechsel in unserem Menschenbild unausweichlich erscheinen. Die Hirnforschung hat in den letzten zwei Jahrzehnten rasante Fortschritte gemacht. Ihre Ergebnisse werfen auch ein ganz neues Licht auf entscheidende philosophische Fragen wie die nach der Natur des Geistes und des Bewusstseins oder der Existenz von Willensfreiheit. In seinem Buch „Aus Sicht des Hirns“ fasst der Bremer Professor Gerhard Roth jetzt die wichtigsten Aspekte und Konsequenzen der Hirnforschung auch für den unbefleckten Laien gut nachvollziehbar zusammen. Triptychon aus „Ich“, „Körper“ und „Welt“ Das Hirn ist imRead More

Posted On Februar 16, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Heidi Julavits: Der Mineralpalast

Düstere Depression In ihrem Debüt „Der Mineralpalast“ führt uns die 1968 geborene und in der Millionen-Metropole New York lebende Heidi Julavits in die tiefe amerikanische Provinz zur Zeit der „Great Depression“ – maßgeblich inspiriert von den Erzählungen ihrer Großmutter. Zum Auftakt schickt Julavits ihre Protagonisten Bena, Ted und „Klein Ted“ aus dem grün-saftigen Minnesota in das trostlos-dürre Pueblo in Colorado, wo der Familienvater eine Stelle als Arzt im Krankenhaus gefunden hat. Für Bena, die auf verquere Zahlenmagie und Vorzeichen schwört, ist dieser Umzug ins Niemandsland eine Chance, um „in angenehmerRead More