‘Litmag’
Tsutsui Yasutaka: Mein Blut ist das Blut eines anderen
Blutige Slapstick-Fiction Dieses schnelle, grelle und exzessive Metafiktions-Spektakel entstand bereits Anfang der 70er-Jahre – endlich kann dieser moderne Klassiker der japanischen Literatur nun in seiner deutschen Übersetzung entdeckt werden. Tsutsui Yasutaka gilt als „japanischer Guru der Metafiktion“ und als einer der innovativsten Autoren Japans. Bereits Anfang der 60er-Jahre entwickelte Tsutsui – parallel zu ähnlichen Bestrebungen [...]
Europäischer Übersetzerpreis für Barbara Kleiner
Barbara Kleiner – eine preiswürdige Übersetzerin „Die Bekenntnisse eines Italieners“ von Ippolito Nievo haben, so schrieb der italienische Schriftsteller und Literaturkritiker Claudio Magris einmal, „bislang noch nicht die ihr gebührende Beachtung und internationale Würdigung gefunden“. Zwar lag dieser Großroman aus der Tiefe des italienischen Neunzehnten Jahrhunderts schon lange in deutscher Sprache vor, aber die zähe [...]
Karl-Markus Gauß: Zu früh, zu spät
Das „andere Österreich“ Karl Magnus Gauß führt seine Salzburger Chronik fort Der Gauß. Nur mit dem Artikel genannt zu werden, ist oft eine Art Adelung, die nur wenigen gegönnt ist. Wenn man im deutschsprachigen Verlags- und Mediengewerbe nach einem Autor sucht, der sich im südosteuropäischen Raum auskennt, dann wird man schnell an „den Gauß“ denken. [...]
Cormac McCarthy: die straße
Packendes Endzeitdrama In seinem neuen Roman führt der große amerikanische Romancier Cormac McCarthy seine Leser auf eine Reise an das Ende aller Nächte: unerbittlich und unentrinnbar – und gewann damit zurecht den diesjährigen Pulitzerpreis. Ein Mann wandert mit seinem Sohn durch ein zerstörtes Amerika, durch eine versunkene Zivilisation. Mit einem quietschenden Einkaufswagen, der ihr ganzes [...]
Amartya Sen: Die Identitätsfalle
Zwei, drei viele Identitäten Für Amartya Sen findet der Krieg der Kulturen nicht statt. Unlängst lief im Fernsehen (arte) zu später Stunde ein bemerkenswerter Dokumentarfilm. Denkbar kurz war der Titel des Filmes, mit dem aber auch schon direkt das Thema des Filmes angeschlagen wurde: „White Terror“. In einer schaurigen Szenenfolge führte der Regisseur Daniel Schweizer [...]
Anna Politkovskaja: Russisches Tagebuch
Vergifteter Boden Anna Politkovskajas „Russisches Tagebuch“ ist besonders an den Stellen von atemberaubender Dichte, wo sie über die Opfer einer Politik schreibt, von denen die dem Kreml devoten russischen Medien schweigen. Vorne auf dem Podium in einem Leipziger Hotel sitzen eine Journalistin und ein Journalist. Er gelassen, vollkommen souverän, bewundernswert stoisch, große Professionalität ausstrahlend. Professionell [...]
DBC Pierre: Bunny und Blair
Furioser Flop Nachdem DBC Pierre mit seinem Debüt „Jesus von Texas“ einen furiosen und mit wichtigen literarischen Preisen ausgezeichneten Überraschungscoup landete, legt er mit „Bunny und Blair“ nun einen ebenso furiosen Flop vor. DBC Pierre, dessen Lebenslauf als Spieler, Junkie, Schmuggler und Bankrotteur sich schon allein wie ein Roman anhört, erzählt in seinem zweiten Roman [...]
Christian Jostmann: Nach Rom zu Fuß
Man pilgert wieder München – Rom. Das ist schon mit dem Auto eine lange Tagesreise. Aber was erfährt man im Blechkasten sitzend und schwitzend von der Landschaft, den Bergen, den lokalen Sehenswürdigkeiten, dem Reiz der Ebenen südlich des Brenners? „Wo alles zu viel fährt, geht alles sehr schlecht“, heißt es bei Johann Gottfried Seume, dem [...]
Michael Benz: Der unbequeme Streiter Fritz Lamm
„Der übliche Katzendreck“ Das ungewöhnliche Leben des Fritz Lamm Sozialdemokraten, Kommunisten und ab den sechziger Jahren dann die ‚68er’. Ist die politische Linke in den westdeutschen Nachkriegsjahren auf diese wenigen Etiketten zu reduzieren? Wo bleiben da die viele ideologische Schattierungen zwischen den Parteien oder die eigensinnigen Einzelgänger, die in keine dieser bis heute so gängigen [...]
Pawel Sanajew: Begrabt mich hinter der Fußleiste
Kranke Kindheit Pawel Sanajew debütiert mit einer tragikomischen Lebensgeschichte. Ein großer Roman über einen kleinen Jungen und die leidvolle Suche nach dem Glück. In der Regel sollen sich Großmütter ja rührend und liebevoll um ihre Enkel kümmern. Nicht so in Pawel Sanajews erstem Roman. Hier ist die Babuschka eine streitsüchtige, misstrauische, vom Leben gezeichnete wie [...]
Marcor Wehr: Welche Farbe hat die Zeit?
Von der „Tugend des Staunens“ und dem „Anfängergeist“ „Warum heißt der Stuhl Stuhl?“, „Wo war ich, bevor ich geboren wurde“ oder „Wo bin ich, wen ich tot bin?“ – tagtäglich fragen Kinder ihren Eltern Löcher in den Bauch und führen sie nicht selten an den Rand ihrer Erkenntnis- und Erklärungsfähigkeit. In seinem Buch „Welche Farbe [...]
Umberto Eco: Im Krebsgang voran
Vorwärts, es geht zurück! Wenn es Aufgabe eines Intellektuellen ist, zeitaktuelle Phänomene zu registrieren, zu analysieren und auf den Begriff’ zu bringen, dann hat Umberto Eco mit dem Gang des Krebs ein sehr treffendes Bild für die heute weit verbreitete paradoxe Stimmung einer rückwärtsgewandten Zukunftserwartung gefunden. „Der Name der Rose“ – mit dem Titel seines [...]
Thorsten Palzhoff: Tasmon
Vom Suchen und Verschwinden Thorsten Palzhoff beweist in seinen Geschichten großes Talent für episches Erzählen in vielfältigen Stimmlagen. Als Debütant im Steidl-Verlag hatte man es im vergangenen Herbst nicht leicht. Neben der Grassschen Zwiebelhäutung hat kein Titel des renommierten Verlags so recht die Aufmerksamkeit der Feuilletons wecken können – erst recht kein Neuling. Neben der [...]
Nicolás Gómez Dávila: Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten
Einblicke in den „Schweinestall“ Nicolás Gómez Dávila bietet in seinen Aphorismen vielfache Anregungen unser modernes Leben einmal radikal gegen den Strich zu bürsten. Zu seinen Lebzeiten blieb der Kolumbianer Nicolás Gómez Dávila fast ein Unbekannter, obwohl er ein literarisch-philosophisches Werk von mehreren tausend Seiten hinterließ. Erst nach seinem Tod im Jahre 1994 entwickelte sich der [...]
Christian David: Kinski
Genial verrückt Das „Enfant terrible“ unter den deutschen Schauspielern im Visier eines sachkundigen Filmkritikers. Als „Irren vom Dienst“ bezeichnete ihn die Kulturkritik noch zu Lebzeiten. Aus der abfälligen Etikettierung seiner chronischen Zornausbrüche am Set und in der Öffentlichkeit schwang jedoch immer auch Bewunderung und Anerkennung mit. Für einen Menschen, der in jeder Hinsicht aus dem [...]
Alexander von Schönburg: Lexikon der überflüssigen Dinge
Die feinen Unterschiede Alexander von Schönburg leistet sich ein „Lexikon der überflüssigen Dinge“. Endlich spricht jemand offen aus, welche „Objekte, Angewohnheiten oder Geisteshaltungen“ in der zivilisierten Welt wirklich überflüssig sind. Jemand, der darüber aufklärt, womit wir unsere freien Stunden vergeuden, woran wir unsere Gedanken verschwenden und wofür wir unser Geld sinnlos ausgeben. Ob wir mit [...]
Isabel Allende: Mein erfundenes Land
„Mein erfundenes Land“ ist ein höchst kurzweiliges und mindestens ebenso amüsantes Buch, das viel über Chile erzählt, aber noch mehr über Isabel Allende selbst. Von Petra Vesper
Frank Heibert: Kombizangen
Mit geöltem Gewinde “Kombizangen” ist ein Beziehungsroman, ein Berlinroman und noch vieles mehr. Angesiedelt im Berlin des Jahres 1995, in einer Stadt im Um- und Aufbruch, bietet der Roman zahlreiche Möglichkeiten, dem merkwürdigen Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit nachzuspüren. Frank Heibert ist in der Literaturszene alles andere als ein Unbekannter. Allein bei Amazon.de finden sich [...]
Oscar A. H. Schmitz: Das wilde Leben der Boheme
Einsamkeit, Suchen, Irrtümer, Zweifel… Oscar A. Schmitz zeigt sich in diesem wunderschön aufgemachten Tagebuch-Band als ein aufschlussreicher Prototyp der Moderne, der diese explosionsartig hereinbrechende Epoche mit all ihren Hoffnungen, Ängsten und Neurosen auf geradezu klassische Weise verkörpert. Thomas Mann nannte den heute weithin vergessenen Oscar A.H. Schmitz einmal einen „hervorragend gescheiten Schriftsteller.“ Schmitz begann seine [...]
Joachim Zelter: Schule der Arbeitslosen
Agenda 2016 Die Schule der Arbeitslosen ist eine bitterböse Satire mit einem großen Maß an Aktualität. Joachim Zelter liebt die Sprache – und die Sprache liebt ihn. Besonders eindrucksvoll stellt dies sein Roman Die Lieb-Haberin unter Beweis. Aus der Welt der Wörter heraus stürzt sich Zelter nun in seinem neuen Roman Schule der Arbeitslosen in [...]









