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Posted On Februar 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Stuart David: Wie Nalda sagt

Wunderbare Allegorie über das Glück „Wie Nalda sagt“ ist nicht nur die Geschichte eines liebenswerten Sonderlings, sondern auch eine großartige Allegorie über das Vertrauen und das Glück, das zum Greifen nah und doch so fern sein kann. Es gibt Bücher, die scheinbar unbeeindruckt von Zeit und Raum entstehen und dann fremd und faszinierend wie ein Edelstein aus fernen Welten in die Hände des Lesers fallen. So ein wunderbares Buch ist „Wie Nalda sagt“, das Debüt des jungen Briten Stuart David. Stuart David lässt seinen Protagonisten in direkter Ansprache des LesersRead More

Posted On Februar 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Antonia Logue: Die Könige von Amerika

Zwischen Avantgarde und Amor fou „Ein Tag mit Cravan ist wie ein Tauchbad in Säure“ – ohne Zweifel war Arthur Cravan einer der schillerndsten und faszinierendsten Gestalten der sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts formierenden Avantgardebewegungen: Der über 100 Kilogramm schwere 2 Meter-Mann war Poet, Box-Champion, Hochstapler, Herumtreiber und unwiderstehlicher Charmeur, dem die Frauen reihenweise verfielen – darunter auch die exzentrische englische Dichterin Mina Loy, die Cravan schließlich heiratet: „Ein Eintauchen ins Glück, wie es vollkommener nicht hätte sein können.“ In Form eines Briefromans zeichnet die junge irische Schriftstellerin AntoniaRead More

Posted On Februar 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Franzobel: Lusthaus oder die Schule der Gemeinheit

Wüste (Sprach-) Orgie Franzobel zeichnet in „Lusthaus“ bis zum parodistischen Salto Mortale ein bitterböses Panorama des „Menschlich Allzumenschlichen“. Dieses Buch ist ganz und gar unglaublich: Es ist in einem grandiosen Ausmaße monströs und morbid, wüst und wahnsinnig. Es ist ein wilder Rausch ohnegleichen, eine sinnliche Sprachorgie, ein barocker Bildertaumel, eine furiose Farce. Da reibt man sich die Augen, schüttelt den Kopf und kann es nicht fassen, zu welch obszönen Phantasmen, opulenten Bildern und magischen Metaphern das glühende Quecksilber der Sprache hier geronnen ist. Franzobel erweist sich einmal mehr als einRead More

Posted On Februar 11, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Annie Proulx: Mitten in Amerika

Ein Buch wie eine Landschaft Annie Proulx’ Prosa fasziniert einerseits durch eine Sinnlichkeit, mit der die Landschaft und die Menschen des Panhandle wie in einem Cinemascope-Film am inneren Auge des Lesers vorbeiziehen. Bei aller Bildmächtigkeit fehlt es dem Roman andererseits jedoch über die lange Strecke von über 500 Seiten eindeutig an Spannkraft und psychologischer Dynamik. Das Panhandle ist ein schier endloser, karger Landstrich im Dreiländereck von Texas, Oklahoma und New Mexiko. Die Luft ist hier „von wildem Beifuß und aromatischen Sumach gewürzt“, die Landschaft von knarrenden Windrädern, Getreidesilos, Kühen undRead More
Leben auf der Überholspur Ronald „Blacky“ Miehling kann auf eine rasante Karriere als Drogenschmuggler zurückblicken – tonnenweise schleuste er seit Ende der 80er Jahre Koks nach Deutschland. 1996 wurde er dafür zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Zusammen mit Helge Timmerberg, der unter anderem für „Stern“, „Die Zeit“ oder „Merian“ brillante Reisereportagen liefert, erzählt Ronald Miehling in Schneekönig aus seinem abenteuerlichen Leben als Drogenboss Als Sohn eines Polizisten in miefiger Spießeratmosphäre aufgewachsen, zieht es Ronald Miehling Anfang der 70er auf den Hamburger Kiez, wo er sich schnell einlebt: „Meine Lehrzeit alsRead More

Posted On Februar 11, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Aldo Nove: Amore mio infinito

Zauberhafte Reise zum Smarties-Planeten Berührend erzählt Aldo Nove vom schwierigen Erwachsenwerden in unübersichtlichen Zeiten Die Kindheit ist ein buntes Zauberreich, in dem sich die Zeit auf geradezu magische Weise bis ins Endlose auszudehnen scheint. Doch mit den Jahren zeigt die Zeit ihre scharfen Zähne und entpuppt sich als „ein Krokodil, dass die Leute auffrisst, sobald sie erwachsen sind“. Mit ungeheurem Einfühlungsvermögen erzählt Aldo Nove in „Amore mio infinito“ eine Geschichte vom Erwachsenwerden, vom schwierigen Abstieg aus dem Reich der Wunder und Träume in jenes der Notwendigkeiten und der Hektik, inRead More

Posted On Februar 11, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

André Kubiczek: Die Guten und die Bösen

Explosiver Berlin-Cocktail Auch André Kubiczek legt kein „Berlin Alexanderplatz II“ vor, bietet aber einen hochvergnüglichen Streifzug durch die Gemenge- und Gemütslagen der Hauptstadt. Seit der Wiedervereinigung warten Kritik und Leserschaft brennend auf den großen Berlinroman, der durch die neue Unübersichtlichkeit dieser brodelnden, von Medien-Mythen verhüllten Metropole führt und den tausendstimmigen Zeitgeist zwischen den Jahrtausenden spürbar macht. Nachdem André Kubiczek in seinem Debüt „Junge Talente“ (2002) den Weg seines Helden Less aus der ostdeutschen Provinz in die Boheme und Subkultur Berlins beschrieben hat, ist sein neuer Roman nun ganz und garRead More

Posted On Februar 6, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Hans Henny Jahnn: Fluss ohne Ufer

Schatten der Sehnsucht So ist Jahnns Leben und Schreiben letztlich ein großes „Trotzdem“ eingewirkt, das den Oszillationen des tragischen Natur- und Menschenschauspiels widersteht und dem oftmals konstatierten „Es ist wie es ist. Und es ist fürchterlich“ das unerschrockene „Bis zum letzten wollen wir uns aber widersetzen“ zur Seite stellt. „Ich war ein Schatten der Sehnsucht. Ein Sterbender, der noch auf Genesung hofft. Ein Gelangweilter, der in den Abgrund der ausgebrannten Hölle starrt.“ Wie ein schroffes, unzugängliches Felsengebirge steht Hans Henny Jahnns „Fluss ohne Ufer“ in der deutschen Literaturlandschaft. Voller ArgwohnRead More

Posted On Februar 2, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

John Griesemer: Rausch

Großes Emotions- und Katastrophenkino John Griesemers Rausch ist ein unterhaltsamer Historienroman über den Beginn des Kommunikationszeitalters, aber keine literarische Sensation. 1857. In einer Zeit, in der es weder Satellitenschüsseln noch Handys gab, in der man nicht einfach zum Hörer greifen oder eine E-Mail schreiben konnte, um einen Freund in Übersee zu erreichen, versuchte eine Hand voll mutiger, innovativer und geschäftstüchtiger Männer ein Kabel quer durch den Atlantik zu legen, von Irland nach Neufundland, von der alten in die neue Welt: Der Beginn des Zeitalters der globalen Kommunikation, die Geburtswehen derRead More

Posted On Juni 15, 2003By Thomas WoertcheIn Kolumnen und Themen, Litmag

Schlechte Zeiten für Pointilisten

Von Thomas Wörtche, 03.03.2001 Den täglichen Irrsinn kann man nicht mehr einzeln kommentieren. Also bleibt – according to Luhmann – nur der Griff zur Struktur. Heute zu der, die – according to Dieter Krebs, dem Großen – „dann entfällt auch das Ficken“ heisst. Denn obwohl uns unsere schicken Wochenblätter seit geraumer Zeit mit Partnerdebakel-Stories quälen, hat sich noch niemand getraut, dem Elend auf den Grund zu gehen. Das Elend ist nämlich schon ein gutes Dezennium alt und wurzelt im mächtigsten aller Medien, im Werbefernseh. Dort weiss man natürlich auch, dassRead More

Posted On Juni 15, 2003By Thomas WoertcheIn Kolumnen und Themen, Litmag

Bodo Strauss und der ganz normale Wahnsinn

Von Thomas Wörtche, 14.01.2001 Ewald Spengler und Bodo Strauss haben ja recht: Das Abendland steht knapp vor dem Untergang. Deutschland, das reichste und wirtschaftlich stärkste Land Europas beschäftigt sich bloss noch mit der Scheidung von Ben und Meret Becker und damit, ob’s in Amerika teurer ist. In der Zeitung grübelt man darüber, ob der Fussballtrainer Uli Hoeness Morphium nur zum Privatgebrauch inhaliert hat oder ob die neue Erziehungsministerin Beate Kühn-Ast den Verbraucher wirklich vor dem Ökobauerntum schützen kann. Ausserdem empören wir uns darüber, dass Vox 7 eine Millionärin bestochen hatRead More