Litmag Category

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Andre Dubus: Haus aus Sand und Nebel

Im Strudel aus Hoffnung, Liebe und Hass Andre Dubus erzählt diese Geschichte aus den wechselnden Ich-Perspektiven seiner Protagonisten und reißt den Leser immer tiefer hinein in einen Strudel aus Angst und Verzweiflung, Hoffnung und Liebe. Tagsüber sammelt Massoud Behrani für ein paar Dollar den Müll von den hitzeflirrenden Asphaltbändern der Highways rund um San Francisco. Abends steigt der 56jährige mit einem frischen Anzug in seinen klimatisierten Buick und fährt zu Frau und Kindern heim in die 3000-Dollar-Wohnung. Massoud Behrani ist ein hochdekorierter und exilierter Colonel der kaiserlich-persischen Luftwaffe und mussRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Christian Kracht: Der gelbe Bleistift

Ein Dandy in der weiten Welt Christian Kracht betrachtet die Welt konsequent als ein rein ästhetisches Phänomen: das zeigte schon sein Debut-Roman „Faserland“, in dem er seinen blasierten Ich-Erzähler quer durch die Republik schickte, das zeigte sich in dem zusammen mit Benjamin von Stuckrad-Barre, Joachim Bessing und anderen verfassten Manifest „Tristesse Royale“ – und das bestätigt sich nun wiederum in seinem neuesten Werk. In „Der gelbe Bleistift“ sind Reisereportagen aus allen Ecken und Winkeln Asiens versammelt, die Christian Kracht zwischen 1992 und 1999 für die „Welt am Sonntag“ geschrieben hat.Read More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Rainald Goetz: Dekonspiratione

Verloren im Mahlstrom des Jetzt Locker verbunden durch die scheiternde Liebe seiner Protagonisten Katharina und Benjamin montiert Rainald Goetz in „Dekonspiratione“ ein zersplittertes Medien-Panorama zusammen. Im Zentrum steht die Agentur „Public Sword“, die den „Hunger“ der Medienbranche „nach Inhalt“ stillt und neue Konzepte für die Harald Schmidt-Show oder den nächsten „Dietl“ erarbeitet. Am Rande murmeln „SZ“, „Zeit“ und „Spiegel“ in Zitaten und Schlagzeilen vor sich hin, da lesen Thomas Kapielski und Durs Grünbein, da dekliniert sich der Kulturschickeria- und Intellektuellen-Diskurs auf Vernissagen und Szene-Events virtuos durch – bis zum „RauschRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Patricia Görg: Glücksspagat

Das Glück der Bilder Nach der Lektüre bleibt nur die Erinnerung an einige faszinierende poetische Bilder, in denen Patricia Görg ihr literarisches Talent aufblitzen lässt. Patricia Görgs Protagonist Maat ist ein einsamer Pendler zwischen den Welten, er ist ein Pendler zwischen dem Heiligen und dem Profanen, zwischen der Ewigkeit und dem Vergänglichen: Jeden Morgen tritt er ein in seine grüne „Museumsschachtel“ mit ihren mythendurchwehten mittelalterlichen Meisterwerken, in denen Heilige ihre Segel setzen, fliegende Fische und Engel erscheinen und das Gold in den Zwischenräumen wächst – und jeden Abend taucht derRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Don DeLillo: Körperzeit

Im Jenseits der Zeit Nach dem epochalen Welttheater „Unterwelt“ beweist Don DeLillo mit einem kleinen Kammerspiel seine Meisterschaft. Rey und Lauren sitzen in der Küche eines einsamen Landhauses, er „hinter der Zeitung, im Kaffee rührend.“ Toast fluppt aus dem Toaster, Orangensaft wird geschüttelt, draußen zirpen die Vögel und Sätze schwirren aneinander vorbei in die Leere: „Ich wollte Dir was sagen, aber was?“ Mit wenigen Strichen zeichnet Don DeLillo in seinem neuen Roman „Körperzeit“ die klassische Situation eines Ehepaares, das sich vor langer Gewöhnung kaum noch wahrnimmt und stets aneinander vorbeiredet.Read More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Ralf Bönt: Gold

Auf der Höhe der Zeit „Gold“ überzeugt durch seinen ganz eigenständigen Sound und lässt den 37jährigen Ralf Bönt zu einem Hoffnungsträger der jungen deutschen Literatur werden. „Wir befinden uns am Ende des Jahrhunderts, in der Hauptstadt“ und „irgendwie fühlte man, dass Geschichte in der Luft lag, schwanger schien alles“ – in seinem zweiten Roman entwirft Ralf Bönt ein schwankendes Kaleidoskop des von grandiosen Medienmythen und desorientierten Menschen bevölkerten Berlin. Seine nur vordergründig so abgeklärten Protagonisten Anna, Lotte, Hans und Dorado stecken in einem verzwickten Wechselspiel aus Fehl- und Seitensprüngen, ausRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Stephan Maus: Alles Mafia. Eine Gangsta Rhapsodie

Brillante Hochgeschwindigkeitsliteratur Stephan Maus glänzt in „Alles Mafia“ mit einer collagenhaften und von unglaublichen Wortneuschöpfungen strotzenden Prosa, die ebenso aphoristisch-hintersinnig wie grotesk und obszön sein kann. Mit seinem zweiten Roman „Alles Mafia“ ist Stephan Maus zum kaum noch zu überholenden Hochgeschwindigkeitsliteraten in der jungen deutschen Autorengarde avanciert: im wummernden Techno-Takt und mit 120 beats per minute treibt er diese „Gangsta Rhapsodie“ gnadenlos schnell voran: „Die Metropole war ein unwirtliches Dickicht, ein pfeifender Risikoraum, ein blinkender Pups, ein chiffreartig verschweißter Makrochip, ein Gigafloperlebnispuff, ein hitzig abgewaveter Dudelsack voller Rambazamba-Performance.“ Durch dieseRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Litmag, Porträts / Interviews

Thor Kunkel im Porträt

Mit „absoluter Ignoranz und Zuversicht“ zum Durchbruch Rückblende auf den letzten Ingeborg Bachmann-Wettbewerb vor der Jahrtausendwende: Im Klagenfurter Weihetempel der jungen deutschen Literatur wartet die hehre Kritikerrunde und das gespannte Publikum auf den nächsten Kandidaten. Mit einem spitzbübischen Lächeln fläzt sich Thor Kunkel breitarmig auf seinem explosiven Stuhl und verliest nach einer programmatischen Celine-Einleitung ein ganz und gar nicht erbauliches, ganz und gar nicht erlesenes Fragment aus dem Leben seines Antihelden Kuhl – „Kuhl, 19, Ex-Fernsehtechniker, gelernter Versager, jetzt Nachtwächter“. Kuhl, der „Conasseur der Narkose“ und begnadete Moskowskaja-Säufer, suhlt sichRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

David Trueba: Vier Freunde

Generation X o­n the road David Trueba erzählt flott, humorvoll und schnörkellos – allerdings nicht ohne hin und wieder etwas zu dick aufzutragen und in die Nähe des Klischees zu geraten. Sie sind gegen Ende zwanzig und in einer Wohlstandsgesellschaft aufgewachsen, sie haben nichts so richtig gelernt und trudeln ohne große Ziele durch ihr Leben – es ist die Generation X, die ebenso in Amerika wie in Europa beheimatet ist und sich auf einer ständigen Suche befindet: nach Freiheit und Abenteuer, nach Sinn und schnellem Sex. Und so machen sichRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Tom Wolfe: Ein ganzer Kerl

Pralles Sittengemälde des tiefen amerikanischen Südens Elf Jahre nach seinem Welterfolg „Fegefeuer der Eitelkeiten“ hat Tom Wolfe wieder einen Roman vorgelegt, der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen unwiderstehlichen Erzählsog zieht. Der notorische Dandy im weißen Anzug, der seit Jahren auf den reflexiv-experimentierfreudigen „magersüchtigen Roman“ schimpft, erweist sich hier als der Prototyp des realistischen amerikanischen Erzählers. Charlie Croker ist in einer nüchtern kalkulierenden, technokratischen Welt das letzte Exemplar einer aussterbenden Menschengattung: „Er war ein Spieler, ein Spekulant, ein Hasardeur, der den hohen Einsatz mehr liebte alsRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Geoff Dyer: Paris XTC

Das Glück im Hier und Jetzt Geoff Dyers „Paris XTC“ unterscheidet sich wohltuend von den flachen Life-Style-Erzeugnissen einer boomenden Pop-Literatur und hat das Zeug zu einem wahren Kultbuch. Auf den Spuren von Ernest Hemingway und Henry Miller treibt es den jungen Engländer Luke in das Paris der Neunziger, um „ein Buch zu schreiben“. Er bezieht im 1. Arrondissement eine häßliche, stickige Wohnung und streift einsam durch die Strassen und Kinos der mythenumwehten Seine-Metropole. Sehnsüchtig wartet Luke „auf das Glück, das die Stadt ihm verhieß“ – und erhascht es nur inRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Peter Jacobi: Mein Leben als Buch

Pfiffiges Spiel Peter Jacobi hat mit „Mein Leben als Buch“ einen höchst vergnüglichen und grotesken Roman geschrieben, der durch seine reichen literarischen Bezüge zu einem wahren Schmankerl für alle Bibliophilen wird. Stellen Sie sich vor, Sie wachen eine Morgens als Buch auf und es macht Ihnen rein gar nichts aus – und genau dies widerfährt dem „Büchertonnen“-Antiquar Dietrich Oger alias „Diogenes“. Die seltsame und Franz Kafkas „Verwandlung“ kolportierende Metamorphose schützt den fanatischen Büchernarr vor den banalen Zumutungen des alltäglichen Lebens. Statt sich mit seiner Frau Gisela und den Finanzproblemen seinerRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Wolfgang Hilbig: Das Provisorium

Geld regiert diese Welt Wolfgang Hilbigs zweiter Roman „Das Provisorium“ ist kein literarisches Vergnügen und mutet über weite Strecken wie eine schon fast anachronistische Kultur- und Konsumkritik an. Der Schriftsteller C. aus Leipzig reist in den späten achtziger Jahren mit einem Visum in den Westen und fühlt sich schon bald „überhaupt keiner Welt mehr zugehörig“. Sein Leben ist aus den Schienen gelaufen und hat unter der unentscheidbaren Frage „Wohin soll ich gehen“ nurmehr provisorischen Charakter. In endlosen Monologen sinniert C. über die verachtete, vergiftende DDR auf der einen und dieRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jakob Hein: Formen menschlichen Zusammenlebens

Blasser Traum Jakob Hein erweist sich in seinem schmalen Roman als ein ganz und gar unspektakulärer Erzähler, der seine ruhig dahinströmende Prosa mit sublimen Witz und einer angenehmen Selbstironie grundiert. Jakob hat einen großen Traum: New York. Jakob hat aber auch ein großes Problem: Er lebt in der DDR und die verlockende Stadt mit der Freiheitsstatue scheint für ihn frühestens im Rentenalter erreichbar. So bleibt der Traum fern, wird aber emsig mit geheimen Lektüren unter der Bettdecke, einem Pullover mit dem Aufdruck „n.y.c.“ sowie englischen Wörtern genährt, die er lutschtRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Maxim Biller: Die Tochter

Radikal und provozierend Kurz nach dem Erscheinen seines ersten Romans „Die Tochter“ hat Maxim Biller auf einem Autorentreffen in Tutzing dem deutschen Literatur- und Intellektuellenbetrieb eine schallende Ohrfeige verpasst und damit eine heftige Debatte ausgelöst. „Feige das Land, schlapp die Literatur“ betitelte er seine grandiose Schmährede wider die „fast schmerzhafte provinzielle Bedeutungslosigkeit“ und „vollkommene Morallosigkeit“ unserer gegenwärtigen Kultur. Der scharfzüngige Kolumnist charakterisierte die Deutschen in seiner Rede als ein „Volk von selbstsüchtigen, neurotischen Feiglingen“ in einem „Kartenhaus aus Besitzstandswahrungslügen“. An die Stelle von utopischen oder moralischen Kategorien sei einzig undRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Frédéric Beigbeder: 39,90

„Revoluzzer in Gucci“ Frédéric Beigbeder hat ein wütendes und provozierendes Buch über eine Welt geschrieben, in der nur noch das Marketing und der Gewinn zählen. „39,90“ kann in dieser Welt ebenso als ein kritischer Gegenangriff wie auch als ein genialer Schachzug zur Selbstvermarktung gelesen werden – denn „Die Revolte gehört zum Spiel“, heißt es gleich zu Beginn des allemal lesenwerten Romans. „Ich bin der Typ, der Ihnen Scheiße verkauft. Der sie von Sachen träumen lässt, die Sie nie haben werden“ – mit starken Sprüchen, grellen Überzeichnungen und Provokationen am laufendenRead More

Posted On Februar 20, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Raymond Carver: Kathedrale

In den Kerkern kleinbürgerlichen Glücks Mit seinem radikalen Realismus taucht Raymond Carver auch in seinem dritten Erzählband in die Abgründe des Alltags und zeigt das Scheitern der Hoffnungen . Joe Penny ist Vater zweier Kinder, hat eine Frau, die er liebt, einen Beruf den er mag, ein Haus und ist glücklich darüber, wie die Dinge laufen. Aus irgendeinem Grund beginnt er eines Tages mehr zu trinken als sonst. Lange Zeit Bier, nur Bier, alle Sorten, bis er irgendwann auf Gin Tonic übergeht. Bald fängt er an, nach der Arbeit aufRead More
Auf schmalem Grat zwischen Abbild und Wirklichkeit Unbändige erzählerische Energie – „Kleines Mädchen mit komischen Haaren“ von David Foster Wallace. Sein Sportsakko hat er auf dem Rodeo Drive gekauft, seine Krawatte trägt das Wappen der Westminster Militär-Akademie, sein Sportwagen hat Ledersitze und Sechsganggetriebe. Auch der Lebenslauf lässt sich sehen: Privatschule in Alexandria, Militär-Akademie, Business-School, Jura auf der Universität von Yale, ein Job in einer Anwaltskanzlei mit einem Jahresgehalt von über 100.000 Dollar. Wie kommt dieser seitengescheitelte, wohlpafümierte, konsumsüchtige Yuppie dazu, mit einer Horde Punks loszuziehen, die Stahlkappenstiefel und abgewetzte LederklamottenRead More

Posted On Februar 20, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag, Rubriken

Susanne Riedel: Die Endlichkeit des Lichts

Zwischen Psychoanalyse und Physik Hochpoetisch, wortmagisch und voller Widersprüche. Ein weltfremder Dichter auf seinem Weg zum Medienstar. Der einbeinige Alakar Macody ist ein seltsamer Kauz. Wohnt in einem Haus jenseits des Flussufers, in einer stillen Bucht, mitten in der Einöde. Ein Einzelgänger, der sich mit Pflanzen und Pilzen auskennt wie kein zweiter. Ein Naturbursche, würde man sagen, wenn er nicht mit dem Lyriker T.S. Eliot im eingebildeten Zwiegespräch stehen, sämtliche Dichter zitieren und eigene Gedichte verfassen würde. Ein verrückter Poet also? Ein durchgeknallter Philanthrop? Ja, vielleicht, aber wenn, dann einerRead More

Posted On Februar 20, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Rebecca Casati: Hey Hey Hey

Lifestyle-Casanova mit System Die öde Geschichte eines jungen Mannes, der „sich einmal durchs Alphabet fickt“. Die Geschichte liest sich gut. Zumindest die, die rund um das Buch gesponnen wird. Eine junge Frau mit wohlklingendem Namen und vorteilhaftem Äußeren bekommt rund 150.000 Mark Vorschuss für ein unfertiges Manuskript, in dem es um viel Sex gehen soll. Steht die Anpassung des Buchmarktes an andere Popvermarktungsindustrien unmittelbar bevor? Ist das „die neue Vorschusspanik?“ – Ein Spiegel-Artikel macht Rebecca Casati zum Synonym für den gemachten Literaturstar – bekannt und berüchtigt, ehe überhaupt ein BuchRead More

Posted On Februar 20, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Philippe Djian: Schwarze Tage, weiße Nächte

Sex und Literatur Ironischer Seitenhieb gegen die französische Literaturszene und haufenweise Sex – Djians 11. Roman Philippe Djian hat einmal gesagt: „In einer kurzen, gutgeschriebenen Sexszene kann man mehr über seine Figuren sagen als auf 40 normalen Seiten.“ Wenn das stimmt, dann müsste sein elfter Roman „Schwarze Tage, weiße Nächte“ einer der aussagekräftigsten Romane aller Zeiten sein. Denn auf seinen 421 Seiten gibt es haufenweise Sex. In den verschiedensten Konstellationen. Davon abgesehen hat der Roman (fast) alles zu bieten, was Fans von einem Djian-Roman erwarten. Einen kauzigen Helden: Francis istRead More

Posted On Februar 20, 2004By Markus KuhnIn Litmag, Porträts / Interviews

Porträt: Philippe Djian

„Was zählt, ist der Stil!“ Zwischen Aufruhr und Alltagspoesie – Djians Figuren altern mit dem Autor Französische Autobahn: Paris – Nantes. Eine kleine Abfahrt kurz vor Le Mans. In der engen Kabine der Mautstelle verbringt ein junger Franzose seine Nächte. Er hat wenig zu tun, selten kommt ein Auto vorbei. Um so mehr Zeit hat er, auf seiner Schreibmaschine seinen ersten Roman runter zu tippen. Der 1949 in Paris geborene Schriftsteller Philippe Djian ist kein Intellektueller. Nach zwei Semestern Literaturwissenschaft und dem kurzen Besuch einer Journalistenschule schlug er sich jobbendRead More

Posted On Februar 20, 2004By Markus KuhnIn Litmag, Porträts / Interviews

Christian Kracht im Gespräch

Christian Kracht: Der unzuverlässige Erzähler Dekadent, provozierend, rätselhaft – Ein Interview mit einem Autor, der Interviews hasst. 1995, als die Begriffe „Popliteratur“, „Generation Golf“ und „Tristesse Royale“ noch nicht durch die Medien kreisten, schrieb Christian Kracht einen Roman über einen jungen Mann, der teilnahmslos durch das sinn- und morallose Deutschland der reichen, hippen und hedonistischen Partygeneration reist. Von Sylt bis zum Bodensee, von der einen Sex- und Drogenparty zur nächsten. Trotz schlechter Kritiken wurde „Faserland“ zum Kultbuch einer Generation und Auslöser der „Popliteratur“-Welle, die von Fans als „neue Lust amRead More

Posted On Februar 20, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag, Rubriken

Frédéric Beigbeder: Ferien im Koma

Party, Party, Party „Ferien im Koma“, Frédéric Beigbeders Versuch, mit der Schilderung einer Nacht in Paris an große Vorbilder anzuknüpfen, wäre auch dann gescheitert, wenn man die Messlatte weiter unten anlegt als er selbst. Ein Sittengemälde des zu Ende gehenden Jahrtausends sollte es werden – ein zweiter „Gatsby“ oder „Ulysses“ – und ist doch nur ein zerstückelter Patchwork-Roman über die Crème de la Crème der Pariser Szene. Eine Nacht in Paris. Von sieben Uhr Abends bis sieben Uhr morgens. Klischee oder Traum? Romantisches Rendezvous oder Jet-Set-Party? Von Baudelaire bis Hemingway,Read More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

John Updike: Gegen Ende der Zeit

Enorme Libido Zwischen schmählichem Scheitern und prächtigem Gelingen. Gleich zwei neue Bücher stehen zur Zeit von John Updike, dem meisterlichen Chronisten des amerikanischen Mittelstandes und seiner „Vorortpolygamie“, zur Auswahl: Ein „Roman“ und „Fast ein Roman“ und damit, um es gleich vorwegzunehmen, auch ein schmähliches Scheitern und ein prächtiges Gelingen. In dem Roman „Gegen Ende der Zeit“ wird der Leser sogleich in den altbekannten Updike-Kosmos geworfen: Der alternde und tagebuchschreibende Protagonist Bill Turnbull hat sich aus der Finanzwelt Bostons zurückgezogen und wird nun schleichend „vom Grauen gepackt: meine berufliche Nützlichkeit vorbei,Read More

Posted On Februar 20, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

John Updike: Bech in Bedrängnis

Mit grandioser (Selbst-) Ironie Ganz nebenbei und im Small Talk der ewigen Partys, Vernissagen und Versammlungen wird dabei auch die „hoffnungslos vom Geld und den Medien korrumpierte“ amerikanische Kunst- und Literaturszene der Gegenwart schwer durch den Kakao gezogen. Mit „Bech in Bedrängnis“ können wir nun einigermaßen erleichtert aus dem trist-gerontokratischen Bostoner Vorortmilieu zur glitzernden Kulturschickeria New Yorks und zum „halb in Vergessenheit geratenen amerikanischen Schriftsteller“ Henry Bech hinüberwechseln. Mit grandioser und zuweilen auch durchaus geschwätziger (Selbst-) Ironie bilanziert John Updike das Leben dieses altmodischen Galans und unverbesserlichen Machos. Ganz nebenbeiRead More