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Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Gilbert Adair: Träumer

Böses Erwachen Gilbert Adairs jetzt von Bernardo Bertolucci verfilmter erster Roman erzählt eine mitreißende Dreiecksgeschichte im 68er Paris . Blindband, die subtile Rachegeschichte um einen blinden Autor und dessen Gehilfen, brachte den Engländer Gilbert Adair bis ins „Literarische Quartett“ und somit in die Bestsellerlisten. Lange halten konnte er sich auf dieser Position nicht – zu Unrecht. Adair hat mit seinen Romanen wie Der Tod des Autors, Liebestod auf Long Island oder Der Schlüssel zum Turm schon ansehnliche Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum vorgelegt – und mit der Übertragung des „e“-losen RomansRead More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Véronique Olmi: Nummer sechs

Schicksal und Geschichte Die französische Dramatikerin Véronique Olmi will in dem schmalen Prosawerk Nummer sechs zu viel – trotz beeindruckender lyrischer Intermezzi bleibt ihre Geschichte blass. In Meeresrand, der ersten Erzählung Véronique Olmis, steht eine tragische, ausweglose Reise ans Meer im Mittelpunkt – und auch das zweite Prosawerk der französischen Dramatikerin setzt mit einer nur scheinbar idyllischen Strandszene ein: Die Familie Delbast macht, wie jedes Jahr, mit allen sechs Kindern Urlaub an der See. Doch als man beschließt, ein Familienfoto zu machen, fällt auf, dass die Jüngste, Fanny, verschwunden ist.Read More
Good Will hunted Mit leichter Hand erzählt Mark Haddon eine tragische Geschichte und fühlt sich auf ganz erstaunliche Weise in das Innenleben eines Autisten ein. Wenn Erwachsene sich in die Erzählperspektive von Kindern und Jugendlichen hineinversetzen, geht das nicht selten schief. Entsprechen diese Kinder dann auch noch nicht den gängigen Klischees, sondern sind verhaltensauffällig oder behindert, so sind die zu umschiffenden Peinlichkeiten und Fettnäpfchen Legion. Da kann es helfen, wenn der Autor nicht aus der Ferne vom Schreibtisch aus die Kinderwelt betritt, sondern wirkliche Lebenserfahrung mit solchen Kindern hat. HowardRead More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Georg M. Oswald: Im Himmel

Eine Hochzeit und ein Todesfall In seinem zweiten Roman stellt Georg M. Oswald mit wunderbarer Ironie die Welt der Schönen und Reichen bloß. Mit „Alles was zählt“, einer Kriminalgeschichte um Macht, Geld und Erfolg, ist ihm der große Durchbruch gelungen, auch international: Übersetzungen in zwölf Sprachen sind für einen jungen deutschen Autor schon ein beachtlicher Erfolg. Nun also „Im Himmel“ – schon der Titel kann in vielerlei Richtungen gedeutet werden. Ist er eine Anspielung auf die nur scheinbar sorgenfreie Schicki-Micki-Welt, aus der heraus der Ich-Erzähler berichtet, oder ist der siebteRead More

Posted On März 13, 2004By Jan KarstenIn Bücher, Litmag

Johannes W. Betz: Bundesautobahn

Wenn schon road, dann bitte movie ! Halten Sie ein Buch, das fast komplett auf der Autobahn spielt, für eine gute Idee? Ich auch nicht. Johannes W. Betz hat es trotzdem geschrieben und ist damit voll gegen die Planke gefahren. Ungebremst von seiner Routine als Autor von Fernsehserien („Die Cleveren“) und -filmen („Doppeltes Dreieck“). Dabei sollte man doch erwarten, dass so einer wenigsten weiß, wie man eine spannende Geschichte baut, wenn’s schon mit der Sprache hapert. Storyline: Alles wie im richtigen Fernsehen Besser Sie schnallen sich an, denn die StoryRead More

Posted On März 13, 2004By Jan KarstenIn Allgemein, Bücher, Litmag

Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre

Literaturagentin mit der Lizenz zum Töten Jasper Fforde, der in England schon als Kultautor gehandelt wird, hat mit Der Fall Jane Eyre einen etwas albernen, vor skurrilen Ideen strotzenden Nonsens-Roman geschrieben – und kommt in seinen besten Momenten nahe an Lewis Carroll und Douglas Adams heran. Dass die Engländer einen an der Waffel haben, ist nichts Neues. Da gibt’s „speed-drinking“-Bars mit Schnaps im Bier, Hunde-Hürdenrennen, skurrilen Comic-Boulevard, seltsames Essen, seltsames Wetter, seltsame Mode. Und einen eigenwilligen Umgang mit der Realität: Noch immer sind die meisten davon überzeugt, sie wären 1966Read More

Posted On März 12, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Anke Velmeke: Luftfische

Bilder für die Einsamkeit Die „Luftfische“ in Anke Velmekes gleichnamigem Debütroman zu angeln, erfordert viel Ruhe und ein hohes Maß an Konzentration. Eben mal auf ein paar Seiten die Angel auszuwerfen, führt zu unbefriedigenden Ergebnissen. AnkeVelmeke, Jahrgang 1963, lebt als freie Übersetzerin, Journalistin und Autorin in der Nähe von Wiesbaden, was schon beinahe ungewöhnlich ist für junge Autoren, die momentan auf den Markt drängen: Kaum eine Biographie kommt ohne die Nennung des Wohn- und Handlungsortes Berlin aus. Und wie um dieses biographische „Manko“ auszugleichen, wartet auch Anke Velmeke – nebenRead More

Posted On März 12, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Kem Nunn: Wo Legenden sterben

Auf schmalen Kamm geritten Die Wucht, mit der Nunn mit Worten auf den sich brechenden Wellen reiten kann, hätte man sich auch in den Dialogen, im gesamten Spannungsbogen des Romans gewünscht. Die Wellen, die Nunn durchaus mit Sprache schlagen kann, tragen nicht durch das Buch, laufen schaumschlagend ins Leere aus. Surfer haben ihre eigenen Legenden. Und Surfer haben ihr eigenes Vokabular. Das bekommt zu spüren, wer sich mit Kem Nunn auf die Suche nach „Heart Attacks“, einem Wellen-Mythos irgendwo im Norden Kaliforniens, dem letzten „Secret-spot“ begibt. Da wird gefachsimpelt überRead More

Posted On März 12, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Jerry Raine: Frankie Bosser kommt heim

Das Unglück nimmt seinen Lauf Bestechend an diesem Roman ist der trockene schwarze Humor, mit dem Raine seine Charaktere entwickelt. Gerade die Nebenfiguren sind ihm wunderbar geglückt. Die Eskalation der Handlung, die irrwitzige Spirale der Gewalt, die aus einer alltäglichen Situation heraus entsteht, gelingt ihm vollkommen überzeugend. Woodvale, eine Kleinstadt im Dunstkreis Londons, die Straßen überflutet von einem heftigen Sommergewitter. Ein Tramper am Straßenrand und ein Kleinlaster, der durch eine Pfütze am Straßenrand prescht, dass das Wasser nur so spritzt. Es ist eine beinahe alltägliche Situation, mit der das UnglückRead More

Posted On März 12, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Christopher G.Moore: Haus der Geister

Gute Reiselektüre Christopher G. Moore geht sofort auf den ersten Seiten seines Romans in die Vollen. Eine düstere Bar in Bangkoks Rotlichtbezirk Patpong, ein Barmädchen, das sich einen Aal zwischen die Beine schiebt und eine Leiche, die Stück für Stück an die Flughunde in einem Käfig über der Theke verfüttert wird, das ist sicherlich nichts für zartbesaitete Gemüter. Doch keine Angst, alles ist nur ein Traum und ganz so schlimm ist das Bangkok Moores dann doch nicht. Moores Kriminalromane um den in Thailand arbeitenden Privatdetektiv Vincent Calvino genießen in BangkokRead More

Posted On März 12, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Rebecca Bradley: Temutma

Kampf gegen unheimliche Mächte Mit viel Einfühlungsvermögen werden flikte zwischen den Mentalitäten der kolonialistischen weißen Polizeikräfte und der in ihrer Existenz bedrohten chinesischen Einwohner in Hongkong. Kann man die meisten Titel in der Reihen „ut metro“ mal im engeren, mal im weiteren Sinne als Kriminalromane bezeichnen, so fällt „Temutma“ aus diesem Genre deutlich heraus. Das Autorenduo lässt von der ersten Zeile an keine Zweifel aufkommen, dass hier der Kampf gegen unheimliche Mächte aufgenommen werden muss. Unter den engen Gängen und verschachtelten Kellerebenen der Kowloon Walled City, einem nahezu rechtsfreien HochhausgebietRead More

Posted On März 12, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Stephen King: Duddits

Alb-Traumfänger Die Außerirdischen kehren zurück und King lässt es diesmal gehörig krachen. Stephen King goes Akte X – hin und wieder schon hat es den Meister des Unheimlichen zum Motiv der fliegenden Untertassen hingezogen. Vor fast 14 Jahren erschien mit „Tommyknockers“ ein beinahe 700 Seiten starker Roman, in dessen Zentrum ein gestrandetes Raumschiff stand, von dem aus durch Telepathie das Grauen über eine der King-typischen Kleinstadtidyllen kommt – nicht unbedingt das überzeugendste Werk aus des Horror-Königs Feder. Nun kehren die Außerirdischen zurück und diesmal lässt es King gehörig krachen. VierRead More

Posted On März 12, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Zadie Smith: Zähne zeigen

Grandioses Debüt Zadie Smith beweist einen langen Atem, hält über die gesamte Länge das Niveau aufrecht. Bis in die Nebenfiguren hinein stattet Smith ihre Charaktere mit liebevollen Biographien aus, schafft eine Welt, in die der Leser komplett abtauchen kann. Ich hoffe, dass die folgenden Romane von Zadie Smith halten, was dieser grandiose Erstling verspricht. Eine junge, gut aussehende Autorin aus der Hauptstadt, die vom Feuilleton hofiert und vom Publikum gefeiert wird, deren Erstlingsroman sich in den Buchhandlungen eben dieser Hauptstadt stapelt und deren Konterfei so manches Verkaufsdisplay ziert – wasRead More

Posted On März 9, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Mongo Beti: Sonne Liebe Tod

Jazz in Zeiten des Wahlbetrugs Mongo Beti ist nicht nur der bislang einzige wirkliche Exot in der ut metro-Reihe, er ist auch derjenige mit dem deutlichsten politischen Anspruch in seiner Literatur. Sein Roman „Sonne Liebe Tod“ ist nur peripher ein „Spannungsroman“. Der Autor ist vielmehr eine politische Stimme aus dem uns in vieler Hinsicht so fernen Kamerun. Und er hat eine eigene Sprache gefunden, eine Sprache, die radikal mit europäischen Erzählgewohnheiten bricht, die sich einen eigenen Rhythmus durch die Geschichte bahnt und den Leser fordert. Der Leser muss sich einlassenRead More

Posted On Februar 26, 2004By Karsten HerrmannIn Litmag, Porträts / Interviews

Martin Suter im Gespräch

Martin Suter: „Ich schreibe Bücher, die ich selber gerne lesen würde“ Martin Suter ist der zurzeit meistgelesene deutschsprachige Autor. Seine schriftstellerische Karriere begann er als Werbetexter für „Möllni-Windeln“, „Jägermeister“ und andere Markenartikel. Nach und nach erkundete Suter dann das gesamte Spektrum des Schreibens. Erst 1998 erschien sein Roman-Debut „Small World“ und schnell legte er dann die Bestseller „Auf der dunklen Seite des Mondes“ und „Ein perfekter Freund“ nach. Martin Suter wurde 1948 in Zürich geboren und lebt heute zusammen mit seiner Frau in Guatemala – soweit es der Literaturbetrieb zulässt.Read More

Posted On Februar 26, 2004By Karsten HerrmannIn Litmag, Porträts / Interviews

Michael Roes im Gespräch

„Wir stehen in einer von Reich-Ranicki korrumpierten Zeit“ Ein Gespräch mit Michael Roes über das Schreiben und Filmen, über Auflösung und Vereinsamung sowie das „Diktat der Ökonomie“ Karsten Herrmann: Zunächst ganz elementar: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen oder anders gefragt: was ist bei Ihnen der ausschlaggebende Impuls zum Schreiben? Michael Roes: Ich bin eigentlich gar nicht zum Schreiben gekommen, denn ich habe immer geschrieben. Eine zeitlang habe ich es geheim gehalten, weil ich eher aus einem kleinbürgerlichen Milieu stamme, wo das Schreiben und jede künstlerische oder intellektuelle Tätigkeit einRead More

Posted On Februar 26, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Max Aub: Jusep Torres Campalans

Ein exquisites Schelmenstück Das Buch war eine Sensation – und ein Riesenschwindel, ein ungeheures Fake, das bis heute für zündenden Diskussionsstoff sorgt. Max Aub hatte die Biographie von A-Z erfunden und einen avantgardistischen Coup sondergleichen gelandet. Ihm ist es, wie Mercedes Figueras in ihren Nachwort schreibt, „gelungen, mit dem Wort die Wirklichkeit umzuwerten und damit eines, wenn nicht das große Grundthema der modernen Kunst auf eine neue, überraschende Weise in Szene zu setzen: die Spannung zwischen Fiktion und Realität.“ 1960 erschien in Paris ein Buch, das die Feuilletons der WeltRead More

Posted On Februar 26, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Rick Moody: Ein amerikanisches Wochenende

Vom Wahnsinn der Normalität Von Seite zu Seite und bis an den Rand des Erträglichen verdichtet Rick Moody in „Ein amerikanisches Wochenende“ eine lähmende und morbide Familienatmosphäre. Hex Raitliffe ist ein typischer Versager: ein stotterndes Muttersöhnchen voller Komplexe, ohne Erfolg im Beruf, halbwegs impotent und latent alkoholabhängig. Plötzlich wird er von seiner schwerkranken und hilflosen Mutter aus New York in die trostlose Normalität eines Kaffs an der Küste von Connecticut zurückgerufen. Für Hex ist es auch eine Rückkehr in die alte Heimat: „Die Vergangenheit verdichtet sich um ihn … seineRead More

Posted On Februar 26, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Toby Litt: Unterwegs mit Jack

Müder Abklatsch In Toby Litts Erstling ist trotz Anrufung aller Heroen von Rimbaud bis Ginsberg rein gar nichts mehr vom verzehrenden Feuer der Beats übriggeblieben. 1957 setzte Jack Kerouac mit seinem atemlos dahingehämmerten „On the road“ einen Mythos in die Welt, von dem noch viele Generationen nach ihm zehren sollten: Ein rauschhaft-literarisches „Beat“-Leben voller Tempo, Jazz, Drogen und Sex. Vier Jahrzehnte später führt Toby Litt diesen Mythos in seinem Erstling „Unterwegs mit Jack“ an ein klägliches Ende: Im englischen Bedford versuchen sich „Jack“, „Neal“ und das „Chick“ Meggie an einerRead More

Posted On Februar 26, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Steve Tesich: Abspann

Keine Wahrheiten mehr Der 1996 kurz nach der Fertigstellung von „Abspann“ verstorbene Steve Tesich hat mit Saul Karoo einen grandiosen Anti-Helden geschaffen, der zu den virtuosesten und luzidesten Zynikern der Literaturgeschichte zählen dürfte. Saul Karoo ist ein übergewichtiger, kettenrauchender Alkoholiker und in einem „Alter, in dem alles kaputtgeht“ – von den letzten Illusionen über die Ehe bis zur Prostata. Doch das alles wäre nur halb so schlimm, hätte er nicht zu allem Überfluß auch noch eine merkwürdige Alkohol-Immunität entwickelt: Je mehr Bloody Maries, Gin Tonics und Champagner Saul Karoo wahllosRead More

Posted On Februar 26, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Sven Lager: Phosphor

Meister der poetischen Wahrnehmung „Mit den Ohren kann man mehr sehen als mit den Augen“ denkt sich Sven Lagers Ich-Erzähler und jagt den Leser von der ersten Seite an durch einen rasenden Kosmos aus Geräusch-Molekülen. Er, dem das Rauschen einer Stadt „alle Geschichten der Welt erzählen kann“, bannt faszinierende „Landschaften aus Strom“, das „Zischeln der Autobahn“ oder die komplexe Klang-Architektur der Techno-Clubs auf das Papier: „ein unendlicher Ton über den harten Würfeln des Baß; schmatzender Sirup, Nadeln eines Breakbeatbogens tauchen auf, kichern, werden zu zitternden Blechscheiben, wütenden Regentropfen. Sven LagersRead More

Posted On Februar 26, 2004By Karsten HerrmannIn Litmag, Porträts / Interviews

Wladimir Kaminer im Gespräch

Berühmt zu sein ist sehr anstrengend Karsten Herrmann im Gespräch mit Wladimir Kaminer. Vor zehn Jahren sprach Wladimir Kaminer noch kein Wort deutsch. Heute, nach zwei Erzählbänden und seinem Debut-Roman „Militärmusik“ ist er der Shooting Star in der jungen deutschen Literaturszene: Regelmäßig schreibt das 34jährige Multitalent für FAZ und TAZ Kolumnen, moderiert beim SFB eine eigene Sendung und veranstaltet im Kaffee Burger am Prenzlauer Berg seine mittlerweile schon legendäre „Russendisco“. „Russendisco“ hieß auch Vladimir Kaminers erster Erzählband, in dem er, der 1990 aus Moskau nach Deutschland übergesiedelt war, ganz ohneRead More

Posted On Februar 26, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Michael Roes im Porträt

Ein (Werk-) Porträt des Michael Roes Roman ohne Ufer Kaum ein deutscher Autor nutzt den Roman gegenwärtig so intensiv als Gattung unbeschränkter Möglichkeiten wie der 1960 geborene Michael Roes. Statt eines linearen Plots mit stetig steigendem Spannungsbogen und der fesselnden Illusion des Tatsächlichen finden wir bei ihm den Schnitt, die irritierende Leerstelle und ein wahres Feuerwerk der Perspektiven und Diskurse – Ethnologischer Forschungsbericht, (Trans-) Gender Studies, Dokument, Literaturkritik und reflexive Selbsterforschung gehen hier eine faszinierende Verbindung mit Elementen des Abenteuerromans und actionreichen „hard boiled“-Passagen ein. Michael Roes macht es demRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Tristan Egolf: Monument für John Kaltenbrunner

Ein unwiderstehliches Inferno Fiebernd-furios jagt Tristan Egolf seine Geschichte dahin, voller ungezügelter Energie, sarkastischem Humor und sprühendem Sprachwitz. Tristan Egolf schreibt mit der unwiderstehlichen Wucht einer Dampfwalze: anarchisch, sinnlich, roh. Der 29jährige Debutant aus den USA hat mit in seinem „Monument für John Kaltenbrunner“ eine Geschichte in die Tasten gehämmert, die weit entfernt ist von standardisierten „Creative Writing“-Produkten und ihrem Marktkalkül. Hier hat ein ungeheuer kraftstrotzendes und eigenwilliges Leben seine Spuren eingebrannt, wie es Tristan Egolf geführt haben mag, nachdem er das College geschmissen, in einer Punkrockband gespielt und durchRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Wetterleuchten! Künstler-Manifeste

Die Revolten und Utopien der Avantgarden Die „Kleine Bücherei für Hand und Kopf“ der Hamburger Edition Nautilus ist seit vielen Jahren eine Fundgrube für die Texte der Avantgarde, der Vergessenen und Verfemten. Mit einer – unkommentierten! – Sammlung von Künstler-Manifesten des 20. Jahrhunderts bietet sie nun einen exemplarischen Spaziergang durch die gesamteuropäischen Revolten und Utopien von den Futuristen über die Dadaisten, Surrealisten, Lettristen und Situationisten bis hin zu Joseph Beuys berühmten Diktum „Jeder ist ein Künstler“. Mit einer gehörigen Portion Pathos werden in diesen Manifesten schallende „Ohrfeigen für den öffentlichenRead More

Posted On Februar 21, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Ignacio Garcia-Valino: Der kirschrote Schuh

Dümpelnde (Liebes-) Suche Der junge spanische Autor Ignacio Garcia-Valino überzeugt zu Anfang dieser Geschichte durchaus mit seiner poetisierten und reizvoll flanierenden Großstadtprosa. Doch im Fortgang des Buches verflachen sowohl – zumindest in der Übersetzung – Sprache wie Spannungsbogen und Ignacio Garcia-Valino verfällt zunehmend in einen banalen bis pseudo-philosophischen Plauderton. Eine verzwickt-verwickelte „ménage à trois“ bildet den fast klassischen Ausgangspunkt für Ignacio Garcia-Valinos Roman „Der kirschrote Schuh“: Im Kampf um die Liebe der mysteriösen Sara, die später einmal als „ein Polyeder mit scharf geschliffenen, gläsernen Kanten“, als eine „Katastrophentombola“ beschrieben werdenRead More