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Denker am Objekt Dem Gestalter und Typografen Otl Aicher zum 100. Geburtstag – von Alf Mayer Design war für ihn „Zivilisationsarbeit“. Er bezeichnete sich gern als „Anarchist mit Sinn für Ordnung“, hatte seinen eigenen Kopf – und einen echt Allgäuer Schädel. Als junger Journalist der „Augsburger Allgemeinen“ hatte ich das Glück, ihm zu begegnen. Es wurde eine Freundschaft, und er mein Mentor. Heute bin ich älter als es ihm zu werden vergönnt war. Jetzt am 13. Mai wäre Otl Aicher Hundert geworden. Ein gerade im Prestel Verlag erschienenes großformatiges Buch, dasRead More
Epigone seiner selbst Früher oder später stößt jedes Serienformat, egal ob in Literatur oder Fernsehen, an seine Grenzen. Der Stoff ist auserzählt und die Figuren, die uns jahrzehntelang durch Ups and Downs begleitet haben, zerbröseln förmlich vor unseren Augen. Darin, im vorprogrammierten zähen Ende des seriellen Erzählens, liegt dessen Hauptproblem und Tücke. Kriminalnarrative bleiben von diesem Verfall keinesfalls verschont. Es gibt Kritiker und Wissenschaftler, die behaupten, Kriminalliteratur als Gattung sei ein Inbegriff der Serialität. Man verweist natürlicherweise auf die Klassiker, auf die Doyles, Christies oder Chandlers dieser Welt, auf Holmes,Read More
Joachim Feldmann und Alf Mayer über den Frankfurt-Roman von Sybille Ruge Sybille Ruge: Davenport 160 x 90. Herausgegeben von Thomas Wörtche. Suhrkamp Verlag, Berlin 2022. Klappenbroschur, 264 Seiten, 15 Euro. Subtile Meisterschaft Die Inkassounternehmerin Sonja Slanski hat eine bunte Biographie und nützliche Kontakte, manche familiär begründet. Das muss man einfach glauben. Ebenso wie den folgenden Satz: „Geraume Zeit später hatte er seine abgeschriebenen 2,5 Millionen wieder und überwies mein Honorar. Er rief mich an und lud mich zum Essen ein.“ Aber was hier so einfach klingt, hat komplizierte Folgen, aufRead More
To call a spade a spade – Die Dinge beim Namen nennen Kritischer Blick auf den Buchmarkt: Gerhard Beckmanns langer wechselreicher Weg durch die Strukturkrise der Verlagswelt – und die Gründe eines persönlichen Neu-Anfangs mit der „BuchMarkt“-Kolumne „Beckmanns Meinung“  Ich glaubte, für meine Arbeit als Verlagsleiter von Zsolnay in Wien endlich so viel vom Gewerbe rundum verstehen und auch konkret zu können gelernt zu haben, wie erforderlich wäre, um dauerhaft einen sicheren Kurs einschlagen zu können. So dachte ich 1987. Ich war zweisprachig aufgewachsen und habe – auch mit dem Glück eines ForschungsstudiumsRead More
Die Perücke der Aufklärung Eine Radierung seines Hofporträtisten Jean Huber zeigt den Mittsiebziger in voller Perücke im pelzgesäumten Rock auf den Knien. Hinter ihm stützt ein Diener den gebrechlichen Alten mit in frenetischer Begeisterung ausgebreiteten Armen und hindert ihn so am Umfallen. Mit dem Rücken zu Betrachter, ebenfalls die Arme halb zur Begrüßung, halb in Bewunderung ausgebreitet, will sich Mademoiselle Clairon in die Arme des Schlossherrn von Ferney werfen; so empfing Voltaire die Hauptdarstellerin seiner späten Tragödien.  Unendlich fremd kommt einem das zweihundertfünfzig Jahre später vor, in einem kulturellen Augenblick, in demRead More
Vergnügliche Verwirrung Markus Hug diktiert Bücher – er spricht Sätze in das Mikro seines Smartphones, eine Spracherkennungsapp wandelt diese Sätze dann in Text um. Hug ist stolz darauf, keinen Plot zu haben, keine Geschichte, sondern nur Sätze, die aus seinem Kopf, seiner Seele oder sonst woher stammen, zumal er bei diesem Schöpfungsakt gern in eine Art Trance fällt.  Früher hätte man sowas écriture automatique genannt oder zumindest mit dem stream of consciousness rumhantiert, aber mit moderner Technik ist das wohl was anderes. Oder so. Mit Hugs Ehe läuft es nicht soRead More
Zur Einleitung: Zusammen mit unserem Essayisten Markus Pohlmeyer (seine Texte bei uns hier) haben wir die Idee zu einer neuen Reihe entwickelt. Hier seine Skizze: Hölderlins Frage: „… wozu Dichter in dürftiger Zeit?“ (aus „Brot und Wein“) behält für mich in tragischer Weise – zeitgebunden-zeitlos – ihre Berechtigung und ist zugleich auch schon ihre eigene Antwort. Gerade in dürftiger Zeit dichten, als Widerstand (gegen Krieg, Diktatoren, Massenmörder etc. ad infinitum) und als Erinnerung (an das Schöne, Tröstende, Geheimnisvolle, an das Humanum im Menschlichen). Ich erinnerte mich an meine ersten Begegnungen mit Sappho und Archilochos.Read More
Gedichte als Beschwörungen – Der Lyriker Wolfdietrich Schnurre Wolfdietrich Schnurre, Jahrgang 1920. Wer ihn noch kennt, denkt wahrscheinlich an den Humoristen, der vom Berlin seiner Kindheit erzählte: Als Vaters Bart noch rot war ist sein bekanntestes Buch, bekannt vor allem deshalb, weil manche Erzählungen daraus in Lesebüchern zu finden sind. Mit seinem auf Heiteres verweisenden Namen spielte Schnurre selbst: Weihnachts-Schnurren, Schnurre heiter heißen Bücher von ihm. Aber er hat eine ernste Seite. Seine Hauptwerke, die Aufzeichnungen Der Schattenfotograf (1978), der Roman Ein Unglücksfall (1981) und Erzählungen wie Das Begräbnis, Das Manöver, Steppenkopp und viele andere, sind dieser Seite zuzurechnen. BegleitendRead More
The Blacklist – Raymond Reddington ,,The Blacklist“ ist eine Serie, die mich vor allem in den ersten Staffeln komplett überzeugt hat.1 Wie der Titel bereits verrät, geht es in der Serie um eine „Blacklist“; eine Liste mit Namen krimineller Personen. Diese Liste gehört der Hauptfigur Raymond „Red“ Reddington, einem ehemaligen US-amerikanischen Marineoffizier, der mittlerweile auf Platz 4 der meist gesuchten Verbrecher der Welt steht. Zusammen mit dem FBI arbeitet Reddington diese Liste nach und nach ab, um sein übergeordnetes Ziel zu erreichen, welches ich an dieser Stelle nicht verrate, um nichtRead More

Posted On Juni 1, 2022By Robert RescueIn Crimemag, CrimeMag Juni 2022

Robert Rescue: Abends bei Reddit

Vor kurzem las ich auf Reddit, jenem Frageportal zu den Themen Suizid, Finanzen, lustige Bilder und Tiraden zu diesem und jenem, eine Frage, die mich aufhorchen ließ. Es handelte sich um eine vollends bedeutungslose Frage, die keinerlei Lerneffekt hatte, die nicht für Erheiterung sorgte, wenn man sie bei einem geselligen Abend in der Kneipe zum Besten gab, sondern eher für Befremden sorgte. Oder anders gesagt: Es gibt viele Fragen auf dieser Welt, die bedeutsamer sind, deren Beantwortung Belustigung hervorruft oder Probleme löst, sei es im kleinen oder großen Kontext. DieseRead More
Der Fernsehkrimi im deutschen Fernsehen boomt. Ungezählt all die Verbrechen, die jeden Tag auf dem und für den Bildschirm begangen und die fast ausnahmslos in maximal 89 Minuten aufgeklärt werden. Dietrich Leder, der viele Jahre für die „Medienkorrespondenz“ über das Fernsehen schrieb, ehe dieses zweiwöchentliche Periodikum im Dezember 2021 eingestellt wurde, wird sich jeden Monat eine Erscheinung des laufenden Krimi-Programms vornehmen und so sezieren, wie es die Darsteller der Pathologinnen und Pathologen in den Serien versprechen.  Folge 4: Der Tod der Kommissarinnen Jetzt ist schon wieder das passiert, womit bereits amRead More
Guy Ritchie’s Return to Crime Films is Worth Watching Some directors’ skills seem to fade with time. For every Martin Scorsese producing decades’ worth of masterpieces, others seem to trail off (Hitchcock comes to mind, although “Frenzy,” his second-to-last film, has flashes of editing genius). Perhaps that’s why Quentin Tarantino has promised to quit after directing ten films; he doesn’t want to overstay his welcome. I was thinking quite a bit about directors losing their touch as I boarded a cross-continental flight with two movies downloaded onto my trusty tablet,Read More
Das Leiden als Kategorialanalyse von Weiblichkeit Von Emile Zolas Geld (1891) zu Michel Houellebecqs Unterwerfung (2015) – kaum schmaler ist die literarische Bandbreite, die Ute Cohen in ihrem Roman Poor Dogs absteckt. Doch während Zolas 20-bändiger Zyklus um die Großfamilie der Rougon-Macquarts (Die Natur- und Sozialgeschichte einer Familie im 2. Kaiserreich [1852-70]) heute kaum noch bekannt ist, geschweige denn gelesen wird, tobt ein Houellebecq mit jedem neuen Roman als irrlichternder Poltergeist durch die kulturelle Asservatenkammer seiner Heimat. Kein Sanktuarium von douce France bleibt unbefleckt. Wie Gustave Courbets üppige Nackte (Gemälde L’Origine du monde, 1866) öffnet die Grande Nation weit ihre Schenkel, Houellebecq ihre tiefsten GeheimnisseRead More
Kurzbesprechungen von Hanspeter Eggenberger (hpe) und Joachim Feldmann (JF): Stephen Mack Jones: Princess Margarita IllegalEryk Pruitt: Das schnelle LebenJacob Ross: Die Knochenleser Unbedingt lesenswert (JF) Kein Beruf, kein Studium, kein Geld. Trotz erstklassiger Schulnoten sieht die Zukunft für Michael „Digger“ Digson finster aus. Auf Camoha, einer (fiktiven) Karibikinsel, zählen Herkunft und Besitz. Digger, als nichtehelicher Sohn eines Dienstmädchens geboren, hat in dieser Hinsicht wenig vorzuweisen. Denn von seinem Vater, immerhin Polizeichef der Insel, ist auch nichts zu erwarten. Selbst ein Saisonjob als Kellner scheitert an Diggers Stolz und Temperament. DaRead More

Posted On Juni 1, 2022By Alf Mayer/ Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Juni 2022

nonfiction, kurz – Juni 2022

Sachbücher, kurz besprochen  von Alf Mayer (AM) und Thomas Wörtche (TW) Hermann Bausinger: Vom Erzählen. Poesie des AlltagsMarkus Brauckmann, Gregor Schöllgen: München 72. Ein deutscher SommerJulio Cortázar: Unerwartete NachrichtenCaroline Elkins: Legacy of Violence: A History of the British EmpireKlaus Gietinger, Norbert Kozicki: Freikorps und Faschismus. Lexikon der VernichtungskriegerMittelweg 36: Schwerpunkt: PublikationsregimeChristiane Schalles: „…Transport von Personen, Thieren, Waaren und Gegenständen aller Art …“ 175 Jahre Eisenbahn in Bad Soden am Taunus 1847 – 2022 Blutige Erbschaft (AM) Die Zeit der Imperien ist noch nicht vorbei, das lernen wir gerade beim russischen ÜberfallRead More
Veröffentlichungstermin für die von Deutschlandfunk Kultur beherbergte aktuelle Krimibestenliste Juni 2022 Freitag, 3.Juni 2022. Die Bestenliste Juni 2022 hier als praktisches PDF und kommentiert im Blog von Tobias Gohlis. Und hier noch die Krimibestenliste 2021 mit den besten Kriminalromanen des letzten Jahres. Die CrimeMag Top Fifteen 2021 sind zusammen mit unserem großen CulturMag/ CrimeMag Jahresrückblick 2021 pünktlich zu Silvester erschienen. Krimibestenliste Juni 2022 1 (-)  Don Winslow: City On Fire (HarperCollins; Übersetzung: Conny Lösch) 2 (2)  Dror Mishani: Vertrauen (Diogenes; Ü: Markus­ Lemke)  3 (6)  Jacob Ross: Die Knochenleser (Suhrkamp; Ü Karin ­Diemerling) 4 (-)  Sybille Ruge: Davenport 160×90 (Suhrkamp) 5 (1)  Riku Onda: Die Aosawa-Morde (Atrium; Ü: Nora Bartels)  6Read More
Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten … … erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays. Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren. CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe von: Kaliber.38 und der befreundeten Buchhandlungen Chatwins (Berlin), Wendeltreppe (Frankfurt) und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin.  Empfehlungen für DVDs, BluRays und Comics und auch Podcasts geben Katrin Doerksen und Thomas Groh.  **** Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokale Buchhandlung(en) besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. – **** Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg: Die AusbeuteRead More
Liebes CrimeMag-Publikum, Kriminalliteratur wurde früher gerne als „Asphalt-Literatur“ abgetan. Wir finden, dass das ein Adelstitel ist. Wir mögen Asphalt, wir mögen Großstadt, wir mögen Realität. Deswegen präsentieren wir Ihnen hier eine Rubrik, die jeden Monat ein Bild des Fotografen Carsten Klindt zeigt – und bis Folge 34 manchmal Texte der Polizistin Nadja Burkhardt kombiniert hat: Street Scenes. 40 Fotos es mittlerweile geworden. Und es geht weiter. Aus Realität wird Kunst, fragmentarisch und  kaleidoskopisch. Freuen Sie sich mit uns! Hier Auftritt Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3, Nr.4, Nr. 5, Nr.6, Nr.7, Nr. 8 und Nr.9, Nr. 10 und Nr. 11, Nr. 12 und Nr. 13 und Nr. 14 und Nr. 15 und Nr. 16 und Nr. 17. Außerdem: Nr. 18, Nr.Read More
Lektüre für den Sommer 22 Es sind viele tolle Bücher auf dem neuen Weltempfänger – und ich habe lange überlegt, über welches Buch ich hier schreiben will. Auf Platz 1 steht „Die Differenz“, ein ungemein sprachmächtiges Werk, das mich sehr beeindruckt hat. Über „Die Aosawa-Morde“ habe ich schon an anderer Stelle geschwärmt. „Unserer Teil der Nacht“ ist sehr spannende, sehr gegenwärtige Genreliteratur aus Argentinien. Und sie alle erzählen auch davon, wie man mit Traumata umgeht – seien es persönliche oder die eines ganzen Landes.  Um die Frage, wie man vonRead More

Posted On Juni 1, 2022By Sonja HartlIn Allgemein, Crimemag, CrimeMag Juni 2022

Podcast zu Chester Himes

True-Crime-Podcasts gibt es (zu) viele – seit Anfang des Jahres gibt es aber auch einen Podcast über crime fiction. Jeden Monat präsentieren wir eine Folge von „Abweichendes Verhalten – Gespräche über Crime Fiction“. In der aktuellen Folge spricht Sonja Hartl mit Thomas Wörtche über Chester Himes, Harlem, das Schreiben über Rassismus, die Folgen eines idenfitikatorischen Lesens und natürlich die Frage, warum es Schwarze Krimi-Autor*innen weiterhin so schwer haben in der deutschsprachigen Krimi-Rezeption. Anhören lässt sich der Podcast auf allen gängigen Podcast-Plattformen und unter diesem Link.Read More
Wer liest, sammelt Sätze. Manchmal bewußt. Manchmal ist ein einziges Wort ausschlaggebend: hartnäckig taucht es immer wieder auf. Fliege, zum Beispiel. Oder Mitternacht. Oder Asphalt. In ganz unterschiedlichen Büchern und Zusammenhängen, bei ganz unterschiedlichen Schriftstellern. Solche Fliegensätze oder Mitternachtssätze oder Asphaltsätze finden, immer elf an der Zahl, in der Serie ‚Spielwort‘ ihren Platz. Ein Spaß, ein Zeitvertreib. Und eine andere Art, auf Bücher zu deuten. Spielwort: Masken Elf Zitate zusammengelesen von Ingrid Mylo Beim Reingehen fiel mir als erstes eine komische Sache auf, nämlich, daß viele Besucher große schwarze MaskenRead More
Unsere Games-Kolumne von Christopher Werth Ewiges Leben im Metaverse. Das verspricht Virtual Virtual Reality 2. Eine neue VR-Metaverse-Experience, die gleichzeitig so pechschwarz und so bunt, schrill, schräg, doppelbödig und intelligent daherkommt, wie es nur von Samantha Gormans Studio Tender Claws kommen kann. Das Metaverse ist der Hype der Stunde und das Versprechen auf eine digitale, alle Grenzen sprengende digitale Zukunft. Ein Internet, das sich von den Screens löst und die reale Welt erweitert, ergänzt oder teilweise sogar ersetzen könnte. Die Idee kommt aus der SciFi-Literatur und es besteht kein Zweifel, dass das Metaverse auchRead More
Kritischer Analytiker des Dörrzeugs aus dem humanistischen Herbarium Über Christian Schultz-Gersteins Reportagen, Porträts und Glossen im Band „Rasende Mitläufer, Kritische Opportunisten“ – von Peter Münder Er hatte in Hamburg und Tübingen Germanistik und Theologie studiert, als er sich vorzustellen versuchte, wie es mit ihm weitergehen sollte: die absehbaren Stationen „Lehrer, Pension, Tod“ nach dem Staatsexamen erschienen dem 25jährigen  Christian Schultz-Gerstein (1945-1987) jedenfalls so unattraktiv, dass er sein Studium abbrach und 1970 als Freier Autor für die „Zeit“ zu schreiben begann. Sein erster Beitrag war eine Kurzrezension über eine Gottfried-Keller-Klassikerausgabe, danach kaprizierteRead More

Posted On Juni 1, 2022By Hazel RosenstrauchIn Crimemag, CrimeMag Juni 2022

Hazel Rosenstrauch zu Georgi Gospodinov

Ein Trapper der Vergangenheit Aus guten Gründen wird oft über Demenz geschrieben und gesprochen, bei Georgi Gospodinov kann man (anders als bei anderen Beiträgen zum Thema) viel lachen. Der Autor ist noch nicht alt, Ende der 1960er Jahre, zudem in Bulgarien geboren, sein Roman ist klug und witzig und hat nichts mit Betroffenheits-Kitsch gemein. Er beginnt an einem “denkwürdigen Tag”, dem 1.September 1939 in Wien, hüpft schon auf der siebenten Seite ins 12. Jahrhundert, und sammelt Geschichten aus der Vergangenheit, eigentlich aus Vergangenheiten im Plural, die er seinem Kollegen/Freund/Alter EgoRead More
Selbst Engel haben Alpträume Es gibt Bücher, bei denen man schon bei den ersten Sätzen merkt, dass man sie gerne lesen wird. Und umgekehrt jene, bei denen man nach weniger als einer Seite weiß, dass das nichts wird. Und dann gibt es Bücher wie »Nur die Wahrheit« von Yves Gaudin, bei dem ich etliche Seiten lang mit mir haderte: Ist das wirklich gut, oder ist es doch eher manieriert, gezielt gekünstelt? Je länger ich las, umso mehr fand ich diesen relativ kurzen Roman wirklich gut. Auch wenn er, oder vielleichtRead More
Ein fest Vergessener kehrt zurück Andrew Haswell Green war eine der schillerndsten Figuren in der langen Geschichte New Yorks, seit 1626 der Holländer Peter Minuit den Lenni Lenape die Halbinsel Manna-Hatta für 60 Gulden abkaufte und das Gebiet Neu-Amsterdam nannte, welches dann vierzig Jahre später im Krieg kampflos den Engländern überlassen wurde, die es in New York umbenannten. Als Green weitere 230 Jahre später als Commissioner der Schulbehörde seine lange Karriere beginnt, ist ganz Manhattan bereits mit einem rasterförmigen Straßennetz überzogen und New York zur Großstadt geworden. Green zeichnet inRead More