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Systemrelevanz Von Christina Lux Ja, das bin ich, systemrelevant. Es geht mir nicht um eine Extrabehandlung für Künstler, sondern eine vernünftige Regelung für alle Soloselbstständigen. Die Mär vom Künstler, der gern als von der Hand in den Mund lebender gesehen wird, geht mir gehörig gegen den Strich. Ja, es gibt diese Form, aber das ist nur ein Teil. Der andere Teil sieht anders aus. Wie das genau in Zahlen aussieht, kann ich allerdings nicht sagen. Ich spreche hier für die, die seit Jahrzehnten, so wie ich (oder deutlich größer), unabhängigRead More

Posted On Mai 1, 2020By David Whish-WilsonIn Crimemag, CrimeMag Mai 2020

David Whish-Wilson: Black Mirror #covid-19

There are some obvious advantages to living in the world’s most isolated capital city (Perth), where the nearest equivalent capital is some two thousand kilometres away, across a land barrier of largely unpopulated desert. Because of Australia’s close economic and social connections to China, our national government acted early to close borders and introduce mandatory quarantine. Our state government followed suit, announcing with some glee that Western Australia was now ‘its own country’ (this glee harks back to an earlier 1930’s referendum, where Western Australians voted to secede from theRead More
Why not plan your own trip to Australia? I have begun to read fiction geographically. Picking a country and then immersing yourself in its literature has a lot to be said for it. Like a slow bicycle tour from one small town to another there is enough time to get to know the countryside well. There is the opportunity for unplanned trips down lanes and byways not always obvious on the tourist maps. People you meet on the way, often locals and well informed, suggest places they think you mightRead More
An epic in every sense In times of stress, I find myself returning to films that are both reliably distracting and yet still rewarding. So quarantine here in New Jersey drove me back to watch David Lean’s LAWRENCE OF ARABIA (1962), one of my favorite films. Telling the story of T.E. Lawrence (Peter O’Toole), the British officer who led an Arab revolt against the Turks during World War I, Lean and his screenwriters, Robert Bolt and Michael Wilson, take some liberties with the truth, but it hardly matters. This isRead More
Lockdown forever Ein böser Traum? Ich wache auf, gerädert von zuviel schlechten Nachrichten. Und raus geht’s.Zum morgendlichen Brötchenholen. Damit der Tag beginnen kann. Ganz sachte. Mit Kaffee.Ersten Gedanken. Doch dann: die Tür ist zugenagelt. Von aussen. Jetzt kann ich nicht mehr raus. Sie haben es getan. Was für ein Quatsch! Das war doch nur ein Traum.Wir leben schliesslich in Deutschland.Das so gut durch die grosse Krise kommt.Vorbildlich geradezu.Oder vielleicht nicht? Beim Einkauf die Tage. Vor der Kasse. Man kommt sich irgendwie näher jetzt. Trotz Trennsstreifen auf dem Boden.So sagt der MannRead More

Posted On Mai 1, 2020By Peter Christian HallIn Crimemag, CrimeMag Mai 2020

Peter Christian Hall: Glosse #covid-19

Corona-Gewinn Einsamer nie als im April unterm strahlenden Virus-Himmel auf dem schönsten deutschen Universiäts-Ccampus, dem Frankfurter nämlich.  Sucht man im Grünenburg-Park den heißen Atemwolken der auch in so unsicheren Zeiten unermüdlich auf ihre Fitness bedachten Jogger jeglichen Geschlechts aus dem Weg zu gehen, findet man gleich nebenan auf dem bis zur Selbstverfremdung vereinsamten Campusgelände gähnend leeren Platz so viel man nur möchte. Der wird allenfalls, tröstlicherweise, hin und wieder  von einem jungen Vater und seinem gerade erst gehfähig gewordenem und mit einem Sturzhelm bewährtem Nachwuchs als gefahrenfreier Auslauf entdeckt.  Der Weg an Fritz Klimschs nackter Stenotypistin und Jaume Plenas „The Body of Knowledge“Read More
Black Night is Falling (John Lee Hooker) Die Vorzeichen waren da, doch wer konnte ahnen, dass es so Dicke kommt? Die nächste Bluesreise im April zum Juke Joint schon gebucht. Flug, Unterkunft, Leihwagen – alles in trockenen Tüchern. Auf der Fahrt nach Hamburg Anfang Februar (5.2.) war die Welt noch in Ordnung. Wir sind unterwegs, um Musiker aus Mississippi auf einer deutschen Bühne, im Downtown Blues Club, wiederzusehen. Ghalia Volt, belgische Musikerin, mittlerweile in New Orleans zu Hause, steht auf dem Programm. Begleitet am Bass von Dean Zucchero und denRead More
Eine Musik wie das Universum                           „A voice comes to one in the Dark. Imagine.“ –Samuel Beckett Der Rhein ist ein langer aber nicht wirklich immer ruhiger Fluß, der von der Schweiz bis in die Niederlande so einiges mit sich führt und an etlichen Musik- und Kunst-affinen Städten vorbei führt. Vielleicht weil die genuine Musik, die an den Seiten des Rheins, nicht nur, aber vornehmlich in Deutschland der Brauch ist, von empfindsameren Menschen nicht einmal im Zustand der Volltrunkenheit zu ertragen ist und weil das, was man den „rheinischen Kapitalismus“ nennt, seltenRead More
Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen, der Wiener Blues Zum neuen Buch von Johann Allacher – und der Tonspur mit dazu Lesen ist die einzige Möglichkeit, ausbrechen zu können, ohne dabei den Raum zu verlassen. Gerade in Zeiten von Corona braucht es die Auseinandersetzung mit Geschriebenem abseits der allgegenwärtigen Krisen-Berichterstattung. Sei es als emotionaler Ausgleich zum Gefangensein in den eigenen vier Wänden, als Ablenkung vom schwer greifbaren Bedrohungsszenario durch das Virus, oder für einen Ausflug in die Welt der Fantasie. Die ungewollte Renaissance der Biedermeier-Epoche eignet sich bestens dazu, alternative Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Bilder von GesichternRead More

Posted On Mai 1, 2020By Hans-Juergen DoeppIn Crimemag, CrimeMag Mai 2020, News

Nachruf auf einen Engel

Auf Erden ein Elysium Hans-Jürgen Döpp zum Tod eines Freundes – und ungewöhnlichen Bordellbesitzers. Er war ein dionysischer Mensch von rheinischer Fröhlichkeit, der zu genießen verstand. Liebe und Wein: das waren seine Lebens-Motti, umwölkt vom Rauch einer edlen Cohiba. Ein lockender Topos des sinnlichen Lebens war ihm der Orient, und viele Gedichte von Hafis konnte er im Alter noch auswendig rezitieren. Goethes „West-östlicher Divan“ war sein Vademecum: Um die kleine Erstausgabe aus dem Jahre 1819 herum, die in einer Vitrine zu sehen ist, errichtete er in den letzten Jahren inRead More
Wie die Darstellung von Polizeiarbeit in der Gegenwart ankam Der Fotograf David Kregenow über die wegweisende Fotoreportage von Gordon Parks, die es jetzt als Buch gibt Die Wahrnehmung von Polizeiarbeit war schon immer geprägt von einem Wechselspiel zwischen Fotografie und Film. In den späten 1930ern waren es die von starkem Blitzlicht und tiefen Schlagschatten geprägten Aufnahmen Weegees, die ein paar Jahre darauf ihren Widerhall in der Ästhetik des Film Noir fanden. Fortan bestimmten Zweireiher, Schlapphüte und kantige Gesichter ebenso das Bild wie lässig den Schlagstock schwingende Cops, die offensichtlich sämtlichRead More
Im Bodensatz von App-Chats eine neue Identität gefunden Ilja hat sieben Jahre im russischen Straflager abgesessen und steht vor einem Neuanfang. Doch der Tod der Mutter und die Aversion  seiner damaligen Freundin werfen ihn völlig aus der Bahn: Er lässt sich im Affekt zum Mord seines skrupellosen Peinigers Petja („Das Schwein“) hinreißen und fischt in den Chats auf dessen Smartphone nach Informationen, die ihn über Wasser halten können. Der brillante russische Autor Dmitry Glukhovsky entwickelt in Text einen faszinierenden Hybrid aus Entwicklungs-Roman und Thriller. –  Von Peter Münder    PS: Der Kritiker begeht mitRead More

Posted On Mai 1, 2020By Wolfgang FranssenIn Crimemag, CrimeMag Mai 2020

Wolfgang Franßen: Roman über Mussolini

Sessel und Pantoffeln verderben den Mann!  Wolfgang Franßen über „M“ von Antonio Scurati Im post-ideologischen 21. Jahrhundert kommen einem die politischen Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten, Sozialisten, Bürgerlichen und Faschisten im Italien nach dem Ersten Weltkrieg wie der Besuch in einem Museum vor. In Zeiten globalen Denkens haben Ideologien als Zukunftsvisionen ausgedient. Es gibt Reizthemen wie das Klima, aktuell die Gesundheit, soziale Bewegungen, die Gelbwesten in Frankreich, die Regenschirme in Hongkong, die als TV-Erlebnis ausgeschlachtet werden, bis jeder Platz in einer Talk-Show mindestens viermal von derselben Person besetzt wurde. „Der Sohn desRead More

Posted On Mai 1, 2020By Emma ViskicIn Crimemag, CrimeMag Mai 2020, News

Emma Viskic on Crime Writing

How Crime Writing Is Like Music I kill people for a living these days, but my first career was as a classical clarinet player. Clarinet was a bit of an odd choice for a child whose school didn’t run to a music program, but I threw myself into learning it with the determination only a moody teenager can muster, and eventually ended up playing in everything from operas and musicals, to an engagement party that ended in a brawl. If my life were a movie, that part would be Flash Dance meets Fame.Read More

Posted On Mai 1, 2020By Dominique OttIn Crimemag, CrimeMag Mai 2020

Film (VOD) „The Invisible Man“

Die Flucht gelingt, die Angst bleibt Eine Filmempfehlung von Dominique Ott Mitten in der Nacht öffnet Cecilia (Elisabeth Moss) die Augen und befreit sich behutsam aus der Umarmung ihres schlafenden Freunds Adrian (Oliver Jackson-Cohen). Sie hat ihm Schlaftabletten verabreicht, um einen minutiös geplanten Fluchtversuch in die Tat umzusetzen. Wir begleiten sie, wie sie aus dem Bett schleicht, eine Sporttasche aus einem Versteck kramt, das heimische Sicherheitssystem deaktiviert und sich anzieht. Es folgt ein langsamer Kameraschwenk weg von Cecilia, hin zu einem langen, leeren Flur. Die pulsierende Musik greift das unerbittlicheRead More

Posted On Mai 1, 2020By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Mai 2020

Lucky Luke, jünger

Neues von Lucky Kid Rezension von Markus Pohlmeyer  „Volle Fahrt voraus“[1], das bedeutet neue Abenteuer von Lucky Kid, dem jungen (späteren) Lucky Luke. So träumt der kleine Supercowboy in einer Episode davon, wie er durch Sturm und Regen reitet, wie er einen Pfeilhagel von Indianern besteht, wie er einen Bären besiegt und einen Revolverhelden und wie er kämpfen will „[…] gegen die größten Diebe der Vereinigten Staaten … der gesamten westlichen Welt!“[2] Auf dem Bild zu sehen: ein gefesselter Schurke, um ihn herum Dollarscheine. Es könnte vielleicht und möglicherweise und eventuell sein, dassRead More
The Pandemic is a trial run. Climate change lockdowns: sooner than you think. Our New Ecology The scientific community is doing an incredible job covering the technical side of the COVID-19 virus. We also have many reports from doctors, nurses, and patients from around the world relating their experiences of working conditions, protective equipment shortages, and treatment regimes. We are becoming familiar with terms like exponential growth, inflexion points, viral peak readings, viral shedding, and drug trial protocols. What is missing is some idea of what our world will lookRead More
Herzlich willkommen! Covid-19 hat auch uns im Griff. Wir sind alle gesund, glücklicherweise, arbeiten überwiegend ohnehin im Home Office – bis auf Alf Mayer, der hängt in Neuseeland fest und schickt uns eine Dosis Resilienz -, aber wir blicken mit Sorge in die Welt und die Buchbranche. Ute Cohen, Felicitas Korn und Matthias Wittekindt schreiben darüber, wie sie als AutorInnen, die im März ein Buch herausgebracht haben, diese Wochen erleben. Katja Cassing, Katharina Florian und Ludwig Paulmichl erzählen, wie Verlage mit der aktuellen Situation umgehen. Von Trauer um einen, derRead More
NEW YORK CITY, near America Fundamental to the citizens of Trumpistan is cultish deference to Dear Leader’s every vile tweet, every ludicrous lie, every malignant boast, every odious blast of oral flatulence from Dear Leader’s kewpie doll lips—the more racist the blast the better. In this time of global pandemic, in which the United States has surpassed the health and economic devastations of China and Italy, more and more Americans are homebound, voluntarily or by legal order. We flip on our television sets each day in search of governmental andRead More
Auf Umwegen die Richtung finden Die surrealen Verhältnisse affizieren mein Zeitgefühl. Tagtäglich schwanke ich zwischen Hoffnung und Besorgnis. Lucien Sève, der Philosoph, der eine Wissenschaft der Biografie erdachte (Die Welt ändern – das Leben ändern), ist tot: Corona. Sie hatten für den 94-Jährigen kein Beatmungsgerät. Optimismus des Willens und Pessimismus des Verstandes, heißt es bei Gramsci. Meinem Bauchgefühl nach ist das wichtigste im Alltag gerade Freundlichkeit und Solidarität, beide blühen zart in den Ritzen zwischen den Pflastersteinen des Unvertrauten. Nicht drauftreten. Nicht wegbrüllen, auch wenn die Lunte kurz ist. LieberRead More
„Vielleicht ist die Scham, die ich empfinde, eine Stellvertreter-Scham, von der ich meine, irgendwer müsse sie doch schließlich empfinden.“ Über Verbrechen schreiben Im Jahr 1969 wurde Jane Mixer im Alter von 23 Jahren ermordet. Offiziell galt der Fall als ungelöst, allerdings wurde vermutet, dass sie Opfer des sogenannten Michigan Murderer John Norman Chapman geworden ist. Sie ist die Tante der Autorin Maggie Nelson, die Anfang 2000 angefangen hat, zu diesem Fall zu recherchieren und den Gedichtband „Jane: A Murder“ geschrieben, der 2005 veröffentlicht wurde. Anfang November 2004 rief ein DetectiveRead More
Manchmal packt mich die Lust, die Kiezgeschichten in den Boulevardblättern zu lesen. Da findet sich so einiges, was ich in meinem tristen Alltag nie erleben werde. Sei es der Betrunkene in Marzahn, der, bewaffnet mit einem Messer, einen Dönerladen betrat und siebzig Döner zum Mitnehmen forderte. Der Besitzer verjagte den „Kunden“ mit einem Dönerspieß. Warum wollte der Dönerwirt den Mann nicht als Kundschaft? Vielleicht überstieg die Bestellung die vom Dönerladen üblich angesetzte Abgabe in haushaltsüblichen Mengen? Oder war er überzeugt, der Betrunkene könne die etwa 210 € nicht bezahlen? DaRead More
BLEIB! Gespeicherte Nachrichten. 2015. Kurzatmig klingt er. Die Koronargefäße sind entzündet, der Herzmuskel nur mehr ein Lappen, ausgelaugt vom Kampf. Gereiztheit und Dringlichkeit seiner Stimme ermatten. Ein melancholischer Unterton schleicht sich in jeden einzelnen Satz. Klick. Wenige Tage später ist er tot. Es sind die Töne des Todes, die mich martern. Corona. Ein Porträt über einen Comiczeichner, eine Rezension, zwei Artikel, ein Auftrag, der mit all dem nichts zu tun hat. Ich blicke hinüber zu den Nachbarn. Ein enormer Kran ragt aus einer Baugrube heraus. Arbeiter rufen einander Befehle zu.Read More
Eine Dosis Resilienz aus Neuseeland Von Alf Mayer Unsere erste ernsthafte Berührung mit Covid-19 – und wir sind seit Ende Januar in Tasmanien und Neuseeland unterwegs – haben wir am Tag 55 unserer Reise in einem kleinen Kaff an der einsamen Westküste der Südinsel. An der Eingangstür unseres Restaurants hängt ein Plakat der Regierung, dass die Zahl der Gäste nicht mehr als 99 betragen soll. So groß ist die Lokalität gar nicht, aber die Tische sind weiter auseinander gerückt als gestern Abend, alle Gäste müssen sich mit ihren Kontaktdaten inRead More

Posted On April 1, 2020By Hazel RosenstrauchIn Crimemag, CrimeMag April 2020

Hazel Rosenstrauch zu Apoll Besobrasow

Das Buch ist in den 1920er Jahren in Paris geschrieben worden und handelt von … nein, es handelt nicht und erzählt nicht, sondern malt ein Bild der russischen Emigranten. Auf dem Titel steht keine Genrebezeichnung, im Nachwort wird es als Roman bezeichnet. Das erste Kapitel beschreibt Regen: „Es schien auf der ganzen Welt zu regnen, alle Straßen, alle Passanten schienen verbunden in diesem grauen, leicht salzigen Gewebe. […] Die grobe Schönheit des Weltalls schien sich im Regen aufzulösen und zu schmelzen wie in der Zeit.“ Aufgelöst und zerschmolzen ist auchRead More
Über Kate Alice Marshall Ich lebe noch und Marlen Haushofer Die Wand Berichte aus der größtmöglichen social distance Ich bin allein. Ich habe nicht viel zu essen. Die Temperatur fällt. Niemand kommt mich holen. Bald wird es Winter und hier draußen kann man auf so viele Arten sterben. Wenn mich nicht die Kälte erledigt, dann der Hunger. (…) Aber ich bin noch nicht tot und das sollte jemand erfahren. Irgendjemand sollte erfahren, was passiert ist. Deshalb schreibe ich es auf, so gut ich kann. In Bruchstücken, denn auch in meinemRead More