All posts by Wolfram Schuette

Snowden
Befreiungsfatwa – Von Wolfram Schütte. Carolin Emcke meinte kürzlich in ihrer samstäglichen SZ-Kolumne: „Es wird Zeit, Edward Snowden nicht länger anzuklagen, sondern ihn zurückzuholen in eine Gemeinschaft, ob in Amerika oder Europa, die ihn für die Diskussion über ihre Rechte und Werte immer noch braucht“. Die deutsche Publizistin ist beileibe nicht die einzige auf der Welt, die den US-Whistleblower zwar aus dem befristeten Exil in Putins Rußland befreit, aber auch nicht in den Fängen der US-Behörden sehen möchte. So grotesk ist die einst bipolar gewesene Welt im Augenblicks, dass alle,Read More
Zur Stelle gewesen Von Wolfram Schütte Das letzte Mal sah ich Gerhard Zwerenz (& sein Frau Ingrid) vor ein paar Jahren am Ausgang des Schwimmbads von Königstein i. T. Königstein liegt am Hang unterhalb des Großen Feldbergs, der höchsten Erhebung des Taunus. Hinter dem Feldberg in Oberreifenberg, auf ca. 800 Metern Höhe & im Winter häufig im Schnee, wohnen die beiden seit Jahrzehnten in ihrem eigenen Haus, das sich der Autor mit seinen Büchern redlich verdient hat. Der in Sachsen geborene Autor ist zwar nie in die „Bundesliga“ der deutschsprachigenRead More

Posted On April 29, 2015By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag

Nicholson Baker: So geht´s. Essays

Wundertüte Nicholson Bakers einzigartige meditative Essays „So geht´s“. Von Wolfram Schütte Es würde wohl kaum einer der literarischen Kenner & Liebhaber widersprechen, wenn man den US-Schriftsteller Nicholson Baker zu dem originellsten Kopf der gegenwärtigen US-Literatur erklärte. Obwohl der noch nicht ganz Sechzigjährige mit dem weißen Vollbart (mit dem er die Fußsohle seines Sohnes kitzelt) ein lupenreiner Quäker aus dem amerikanischen Nordosten ist, wo der studierte Fagottist heute in einer Kleinstadt des Bundesstaates Maine lebt, ist seine literarische & intellektuelle Leidenschaft derart eigenartig, dass man wegen ihrer exzentrischen literarischen Ausschläge, seinerRead More

Posted On April 22, 2015By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag

Claude Simon: Der Fisch als Kathedrale. Vier Vorträge

Vorträge eines Avantgardisten über die weltliterarische Moderne – Von Wolfram Schütte Claude Simon, der französische Literaturnobelpreisträger von 1985, ist bei uns wohl nur unter Kennern & Liebhabern der avantgardistischen Literatur bekannt. Und zwar als Autor eigenwillig erzählter & montierter Romane. Des Öfteren kreisen sie um das traumatische Kriegserlebnis des Kavallerieoffiziers Simon. Er überlebte, zusammen mit einem anderen, als einziger die Vernichtung seiner gesamten Kompanie durch die deutschen Truppen am 17. Mai 1940. Die vier Vorträge, die jetzt der Berenberg-Verlag vorgelegt hat, stammen aus dem Nachlass des 2005 gestorbenen Schriftstellers. ErRead More

Posted On April 15, 2015By Wolfram SchuetteIn Kolumnen und Themen, Litmag

Wolfram Schütte zum Tod von Günter Grass

Originell, tapfer, eigensinnig –Notizen eines Nachrufs auf Günter Grass. Von Wolfram Schütte Er hatte unter deutschen Kollegen & Kritikern nicht viele Bewunderer (oder gar Freunde). Dafür umso mehr Leser. Sein Oeuvre ist vielgestaltig, umfangreich & befremdlich; letzteres vor allem für den in Deutschland vorherrschenden literarischen Geschmack des sogenannten „Psychologischen Realismus“ & der Vorliebe für ein möglichst „umstandsloses Erzählen“. Nicht verwunderlich, dass er in dem unkommunistischen Lukacsianer Marcel Reich-Ranicki seinen entschiedensten Feind unter den Kritikern fand. Im Ausland sieht das ganz anders aus. Z.B. zwei der größten Autoren der modernen WeltliteraturRead More

Posted On April 8, 2015By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag

Milan Kundera: Das Fest der Bedeutungslosigkeit

Bedeutungslosigkeit – Milan Kunderas trister literarischer Abgesang. Von Wolfram Schütte Auf die Gefahr hin, ein von manchen geschätzten Kollegen in den literarischen Himmel gehobenes „Meisterwerk“ zu verkennen, muss ich sogleich gestehen, dass ich Milan Kunderas kleinen Roman, den der heute 86jährige Autor 15 Jahre nach seinem vorletzten „Die Unwissenheit“ (2000) im vergangenen Jahr publiziert hat, keineswegs als das im Titel verhießene „Fest der Bedeutungslosigkeit“, sondern leider eher als Desaster literarischer Unerheblichkeit gelesen habe. Das ist umso bedauerlicher, weil ich Kundera bislang immer geschätzt habe. Milan Kundera gehört mit seinen RomanenRead More
Lukrative Schattenwirtschaft auf dem subversiven Markt – „Bekenntnisse eines Menschenhändlers“: gesammelt von Andrea Di Nicola & Giampaolo Musumeci ist ein Buch über Schleuser. Ein Ausflug in einen globalisierten Markt von Wolfram Schütte. Der Titel ist falsch. Der Kriminologe Andrea Di Nicola & der Journalist Giampaolo Musumeci haben nach ihrer zweieinhalbjährigen Recherche mehrere Schleuser kennengelernt & sie zu „Bekenntnissen“ ihrer Tätigkeiten gebracht. Die beiden Italiener haben ihre Nachforschungen sowohl in einheimischen Gefängnissen, als auch z.B. in (Istanbuler) Cafés oder Hafenkneipen in Calais mit kleinen & größeren Fischen des internationalen Menschenschmuggels betrieben.Read More
Repräsentant & Märtyrer in Jugoslawien – Mark Thompson erforscht „Die Geschichte von Danilo Kiš“. Von Wolfram Schütte. In diesen Tagen wäre der jugoslawische Schriftsteller Danilo Kiš 80 Jahre alt geworden, wenn der Kettenraucher nicht schon 1989 im Alter von 54 Jahren gestorben wäre. Unter den Klassikern der europäischen Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg war Kiš – der Zeitgenosse von z.B. Kundera, Perec, Calvino, Gadda, Gustafsson, Goytisolo – der avantgardistischste Schriftsteller Jugoslawiens. Sein schmales, hochkonzentriertes & literarisch komplexes Oeuvre aus Romanen (z.B. „Garten, Asche“ & „Die Sanduhr“) & Erzählungen („Ein GrabmalRead More

Posted On März 4, 2015By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag

João Ricardo Pedro: Wohin der Wind uns weht

Ein erstaunlicher Debütant – Wolfram Schütte über João Ricardo Pedros Portugiesische Erzählungen rund um Lebensmomente der Familie Mendes. Regional-lokale Eigenheiten & historische Anspielungen müssen keine Sperre sein für den Zugang zu einem fremdsprachigen Roman, der sich darauf bezieht. Einige der größten Erzählwerke der Moderne besitzen solche Orts- & Zeitverhaftungen. Denken wir z.B. nur an das Oeuvre Faulkners, an den „Ulysses“ von Joyce oder an Döblins „Berlin Alexanderplatz“. Der 1973 geborene Portugiese João Ricardo Pedro möchte mit seinem „Wohin der Wind uns weht“ in dieser “literarischen Liga“ mitspielen, obwohl das schmaleRead More

Posted On Februar 25, 2015By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag

Molly Antopol: Die Unamerikanischen

Jüdische Lebensläufe zwischen Kiew, Jerusalem & New York – Molly Antopol erinnert in ihren Erzählungen „Die Unamerikanischen“ u.a. von der McCarthy-Ära. Von Wolfram Schütte Die 1979 geborene Molly Antopol ist mit ihrem 2014 erschienenen „The UnAmericans“ eine relativ späte Debütantin der neueren US-Literatur. Dafür sind die 8 Erzählungen, welche die junge Frau damit vorlegt, ein literarisches Ereignis. In den USA wurde zum Vergleich ihrer eigenartigen Qualität auf Philip Roths literarisches Debut „Goodbye, Columbus“ hingewiesen. Das ist naheliegend, weil Antopols Erzählungen, die in Kalifornien & Maine, Tel Aviv, Jerusalem & OsteuropaRead More
Voltaire nicht zu vergessen –Wer argumentiert, dass jene Franzosen noch am Leben wären, wenn sie unterlassen hätten, was ihre Ermordung provoziert haben soll, betreibt eine Viktimisierung, aufgrund deren der Ermordete selbst dazu beigetragen habe, dass er ermordet wurde. Wolfram Schütte mit einigen Verwunderungen nach nicht nur den Pariser Massenmorden. Voltaire – an den man in diesem Zusammenhang immer wieder erinnern muss – soll bekanntlich gesagt haben: „Ich verachte ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen“. Mehr muss eigentlich nicht gesagt werden: zu dem MehrfachmordRead More

Posted On Januar 28, 2015By Wolfram SchuetteIn Kolumnen und Themen, Litmag

Wolfram Schüttes Petits riens (VIII)

Petits riens (VIII) –Wolfram Schütte über den außergewöhnlichen Autor & Mensch Fritz Rudolf Fries; Tommy Lee Jones‘ Film „Homesman“, der der Western-Mythologie einige bisher nicht gesehene Szenen hinzufügt; die hohe Zahl der bei Drohnentötungen mit in den Tod gerissenen Unschuldigen (und die Reaktionen der deutschen Presse auf dieses offensichtliche und skandalöse Missverhältnis); und über die winzigen Alltags-Metaphysiken, die bei einem ersten Klassentreffen nach Jahrzehnten zu erleben sind. * Der große Unbekannte – Fritz Rudolf Fries, der kürzlich im Alter von 79 Jahren gestorben ist, war ein außergewöhnlicher Mensch & Autor.Read More
Chronist der Mafia & anderer Verbrechen Von Wolfram Schütte Der 1922 in Neapel geborene Francesco Rosi stand lange im Schatten seiner großen, älteren zeitgenössischen italienischen Kollegen wie Michelangelo Antonioni, Federico Fellini & Luchino Visconti, bei dem er mehrfach als Regieassistent arbeitete. Nur einmal überstrahlte er für einen Moment alle seine zeitgenössischen Konkurrenten. Das war 1962, als er mit seinem dritten Film, „Salvatore Giuliano“, in Form einer fingierten Dokumentation von Sizilien, dem Aufstieg & Tod des Nachkriegsbanditen Salvatore Giuliano & der Mafia erzählte. Es war aber nicht das erste Mal, dassRead More
Einspruch Von Wolfram Schütte In zwei Nachbetrachtungen des SZ-Feuilletons (14.1.15) zu den Charlie-Hebdo-Morden zeigt Sonja Zekri sich besorgt über die Probleme der europäischen Muslime & Lothar Müller lässt sich zwar von dem derzeitigen „Charlie-Hebdo“- (Ersatz-) Chefredakteur dazu bewegen, den Ausdruck eines „laizistischen Fundamentalismus“, der bislang in der SZ des öfteren pejorativ unter dem Titel eines „Aufklärungs-Fundamentalismus“ kursierte, künftig zu meiden, findet aber den „aggressiven Laizismus“, mit dem ein ehemaliger Chefredakteur der deutschen Satire-Zeitschrift „Titanic“ jetzt sagte, „man sollte jeden Glauben verachten“, auch nicht akzeptabel: „Gnade uns Gott“, beschließt Müller mitRead More
Sprich, Erinnerung (zu & von mir) – Neben H.M. Enzensbergers autobiographischen „Tumult“(- Fragmenten) & Botho Strauss´ Bemerkungen zu seiner „Herkunft“ sind jetzt noch einige andere Autobiografica deutscher Autoren erschienen, die zeigen, wie jeder einen anderen Weg eingeschlagen hat – beim literarischen Memorieren der eigenen Biographie. Von Wolfram Schütte Ich meine Hans Stiletts „Eulenrod“, Hermann Peter Piwitts „Lebenszeichen mit 14 Nothelfern“ & Jochen Schimmangs „Grenzen, Ränder, Niemandsländer“. Die Autoren sind 1922, 1935 & 1948 geboren, sie gehören nicht zu den bekanntesten oder gar erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren. Epiphanischen Kindheitsaugenblicke Hans Stilett, derRead More

Posted On Dezember 17, 2014By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag

Geschenktipp: Film Noir – 100 All-Time Favorites

Liebe, Tod & (meist weibliche) Teufel – Wolfram Schütte mit einem Geschenktipp für alle Cineasten: Paul Duncan und Jürgen Müllers fabelhaftes Kompendium des „Film Noir“ (siehe auch CM vom 09.08.14). Mit seinen 3,5 kg & seinen 688 (gewissermaßen brokat-) schweren schwarzen Seiten ist diese Sammlung des „Film Noir“ eines jener „Coffee Table Books“, das einen zarten Beistelltisch in die Knie zwingen könnte. Lesen, besser noch: betrachtend in ihm sich umzusehen, kann man wohl am besten, wenn der ebenso kompakte wie beeindruckende Band auf einer soliden Grundlage liegt, auf einem SchreibtischRead More

Posted On Dezember 10, 2014By Wolfram SchuetteIn Film/Fernsehen, Litmag

Filmstart: Nuri Bilge Ceylans „Winterschlaf“

Der hoffnungsvolle Steinwurf des kleinen Jungen oder: Wohin treibt die Türkei? –Wolfram Schütte über Nuri Bilge Ceylans grandiosen Film „Winterschlaf“. Der 55jährige türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan ist bisher mit keinem seiner außergewöhnlichen Filme mit der Redseligkeit seiner Protagonisten aufgefallen; durch die Länge seiner schweigsamen epischen Meditationen schon. Aber nun hat er sie mit der Länge von 3 Stunden und 18 Minuten für seinen in Cannes ausgezeichnetes Meisterwerk „Winterschlaf“ alle übertroffen; und sich durch die Redseligkeit der drei Protagonisten, die geradezu aus der familialen Debattenwelt des Iraners Asghar Farhadi („NaderRead More
Dialog mit der eigenen Vergangenheit – Fade Brosamen & toller Tumult von Hans Magnus Enzensberger. Von Wolfram Schütte. In Ehren ergraute große Autoren stehen sich manchmal im Alter selbst im Wege, weil sich vom Verlag keiner mehr getraut, ihnen zu widersprechen, wenn sie sich überschätzen. Das ist jetzt Hans Magnus Enzensberger passiert, der in diesem Herbst, wie schon im Jahr zuvor, gleich mit zwei Büchern seine fortdauernde Präsenz dokumentiert sehen möchte. Das kann sich wohl niemand unter den Suhrkamp-Autoren erlauben bzw. „leisten“ – außer eben HME, der einmal zu denRead More
Grandiose Abschiede & bewegende Vergegenwärtigungen Auf dem 63. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg. Von Wolfram Schütte Das war eine herausragende Ernte, die das diesjährige Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelbergs eingefahren hat! Ob es an der internationalen Produktion von „Newcomern“ lag, auf deren Wahrnehmung sich das Festival fokussiert oder die Verantwortlichen bei der Auswahl 2014 eine besonders gute Hand hatten, bleibe dahingestellt – weil ja außer denen, die die 13 Wettbewerbsfilme & die zahlreichen „Internationalen Entdeckungen“ für das zehntägige Festival ge- & erwählt haben, niemand sonst das jährliche Angebots-Meer von mehreren Tausend neuen Debüt-Filmen durchkraultRead More

Posted On November 5, 2014By Wolfram SchuetteIn Film/Fernsehen, Litmag

Im Kino: Mr. Turner – Meister des Lichts

Kunst, Künstler & Leben – Mike Leighs sowohl schwelgerischer als auch kritischer Film „Mr. Turner – Meister des Lichts“ . Von Wolfram Schütte. Mike Leigh, der 1943 geborene bedeutendste britische Filmregisseur, hat bis etwa zum Alter, in dem William Turner (1775-1851)gestorben ist – warten müssen, um sein angebliches Lieblingsprojekt, den nun vorliegenden Film „Mr. Turner“ realisieren zu können. „Mr Turner“ heißt der Film, weil der Regisseur die bürgerliche Unabhängigkeit des autodidaktischen Malers – Sohn eines früh verwitweten Friseurs & Perückenmachers –hervorheben wollte. Sein „Turner“ wird zwar von einem Landadligen gefördert,Read More
Das Hohe Lied der Freundschaft –Auf den 48. Hofer Filmtagen mit Wolfram Schütte. In dem bizarrste Film, den der in allen Ehren buchstäblich ergraute Festivalleiter Heinz Badewitz für seine 48. Internationalen Hofer Filmtage ausgewählt hat („Snow in Paradise“), wird (ausgerechnet) der Islam als besänftigender Friedensstifter anempfohlen. Der Kleingangster & Drogendealer Dave wird am Ende einer von Kokain befeuerten Odyssee durch das mörderische Kriminellenmilieu des Londoner Eastends von einer Gruppe bärtiger junger Männer in einer Moschee vor dem teuflisch Bösen gerettet, der einen Spitzbart trägt, den jungen Mann zum Mord anRead More

Posted On Oktober 22, 2014By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag

Kenneth Mackenzie: Was sie begehren

Glück & Elend der Pubertät –Wolfram Schütte über den vielgesichtigen Internatsroman „Was sie begehren“. Wer mag bei Hanser Berlin auf den Autor gestoßen & auf die Idee gekommen sein, Kenneth Mackenzies Roman „The Young Desire It“ nun unter dem deutschen Titel „Was sie begehren“ zu publizieren? Schließlich passiert es ja nicht alle Tage, dass einer unserer Verlage ein 1937 ersterschienenes Buch eines für uns ohnehin völlig unbekannten australischen (!) Autors übersetzen lässt & ohne publizistischen „Begleitschutz“, gewissermaßen „schutzlos“, dem deutschen Markt zuführt, auf dem die Kritiker wie die von ihnenRead More

Posted On September 25, 2014By Wolfram SchuetteIn Film/Fernsehen, Litmag

Im Kino: Christian Petzolds „Phoenix“

Deutscher Geschichtsunterricht oder: Gespräch mit sich selbst – Christian Petzolds „Phoenix“: ein falsches Melodram als ein richtiges Gedankenspiel. Von Wolfram Schütte Das außerordentlich Schöne an Christian Petzolds brillantem „Phoenix“ ist seine Vieldeutigkeit: eine traumwandlerische Unsicherheit, die dem Thema & Petzold/Farockis künstlerischer Annäherung entspricht. Es ist nicht das Zeichen einer (Aus-)Flucht, wenn Vieles in „Phoenix“ vage bleibt; sondern Ausdruck des geistig-politischen Respekts & des ästhetischen Skrupels Petzolds – im Blick auf das riskant-prekäre Thema. Die Vieldeutigkeit des Films erlaubt den Zuschauern nicht nur, sondern verlangt geradezu von ihnen, sich jeweils selbstRead More

Posted On September 24, 2014By Wolfram SchuetteIn Kolumnen und Themen, Litmag

Wolfram Schüttes Petits riens

Petits riens (VII) –Wolfram Schütte mit Beobachtungen zu der feudalistische Struktur der DDR-Gesellschaft, dem dänischen Filmregisseur Carl Theodor Dreyer, G.K. Chestertons eben erstmals auf Deutsch erschienenen Essays „Euthanasie und andere Übel“ und illegalen Zusatzabschöpfungen in der bürgerlichen Gastronomie. Glück gehabt. – Klassentreffen von Über-Siebzigjährigen, die in der DDR gelebt haben. Darunter ein Physik-Prof., der sich in der DDR habilitiert hat & mehrfach während dieser Jahre im Ausland (z.B. zweimal in Nordkorea) & sogar zeitweise in den USA gelehrt hat. War er also ein „Reisekader“, der jeweils nach seiner Rückkehr ausRead More

Posted On September 17, 2014By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag

José Saramago: Kain

Der Mensch als lebender Widersprecher – Wolfram Schütte über José Saramagos letzten vollendeten Roman: „Kain“. Sein letzter, noch zu seinen Lebzeiten erschienener Roman ist sein kürzester. Der neunzigjährige portugiesische Nobelpreisträger hat sich mit seinem „Kain“ den literarischen Spaß eines Häretikers erlaubt, der auf dem schmalen Gebiet literarischer Religionskritik würdig neben Voltaires „Candide“ steht. Saramagos „Kain“ teilt mit Voltaires “Candide“ die lakonische Zielstrebigkeit des Erzählens & ist wegen seines Witzes ein ebenso großes Lesevergnügen wie die Abenteuer, die Voltaires Held in „der besten aller Welten“ zu bestehen hat, bis er zuRead More
Das kalte Herz der deutschen Stadt –Hannelore Schlaffer entdeckt & kartographiert die „City“. Von Wolfram Schütte Die Germanistin Hannelore Schlaffer gehört zu den herausragenden Vertreterinnen ihres Berufs; und zwar deshalb, weil sie neben ihrer akademischen Tätigkeit ihren privaten essayistisch-journalistischen Passionen in Zeitungen & Zeitschriften nachgeht. Möglicherweise ist sie in dieser „Kür“ auffälliger als bei der Verfolgung ihrer akademischen Pflichten; gewiss aber als Autorin interessanter & origineller. Zumindest sind ihre journalistischen Arbeiten, z.B. über Mode, bekannter als ihre akademischen Titel. Mit ihrer jüngsten Sammlung verstreuter Essays hat sie sogar einen PreisRead More