All posts by Thomas Woertche

Posted On Juli 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Juli 2021

TW zur Wiederentdeckung von John Mair

Klassiker- hmm? Es ist schon eine hübsche Trouvaille aus den verstaubten Kisten der Genre-Geschichte: John Mairs erster und einziger Roman: „Es gibt keine Wiederkehr“ aus dem Jahr 1941.  Obwohl, Trouvaille? Es gibt Bücher, die geistern so durch die Jahrzehnte, tauchen hin und wieder auf, und verschwinden dann wieder in der Versenkung, bis der nächste Re-Launch versucht wird. Charlotte Jays „Beat not the Bone“ etwa ist so ein Fall. Oder eben „Never come back“.  1957 finden wir den Roman auf Julian Symons Liste „100 Best Crime & Mystery Books” in der Sunday Times,Read More
Nach gerade mal zehn Seiten setzt Viet Thanh Nguyen in seinem zweiten Roman „Die Idealisten“ das erste kräftige Ausrufezeichen. Sein Ich-Erzähler ist tot, er hat zwei Löcher im Kopf und bezeichnet sich als „Ghostwriter“. Wer also nach Nguyens vielgepriesenem Polit-Thriller „Der Sympathisant“ einen weiteren, eher realistischen Roman erwartet, sieht sich düpiert. Auch wenn das Personal der „Idealisten“ partiell dasselbe ist wie das des „Sympathisanten“.   Der bis dahin namenlose Erzähler, der, so zeigt sich später, möglicherweise Vo Danh heißt, ist im Paris des Jahres 1981 gelandet: Als „Boat People“ ausRead More

Posted On Juli 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Juli 2021

TW über Walton Fords Tier(?)welten

„I like things that bite“ 2009 erschien „Pancha Tantra“, Walton Fords unfassbar prächtige, opulente Variante der indischen Tierfabeln in grandiosen Bildern. 2020 ergänzt der Taschenverlag diese Edition noch um 40 neue Bilder und 100 neue Seiten (Details und Anmerkungen Fords, bzw. Inspirationsquellen). Im Grunde könnte ich meine alte Rezension von damals einfach noch einmal abdrucken, möchte Sie aber lieber bitten, nur nochmal schnell drüberzulesen, damit ich mich in der Substanz nicht wiederholen muss, merci. Schauwert Die neuen Werke fügen sich in Walton Fords Konzept, anhand der mehrfachen ästhetischen Aufladung seinerRead More
In den 1990er und 2000er Jahren gab es eine kleine Welle russischer respektive postsowjetischer Kriminalliteratur auf dem deutschsprachigen Markt, wohlgemerkt autochthoner russischer Autor*innen. Die üblichen einschlägigen Narrative von außen über die Sowjetunion, Russland und andere Republiken, also alles seit John Le Carré oder Martin Cruz-Smith, lassen wir hier mal beiseite.  Boris Akunin, Polina Daschkowa, Alexandra Marinina, Darja Donzowa oder Anna Malyschewa, um nur ein paar Namen zu nennen, waren hier zwar nie wirklich fette Bestseller, aber sie wurden doch regelmäßig wahrgenommen. Davon ist nicht mehr viel übriggeblieben in unserem Fokus,Read More
Motiv- und Stilmix als Programm Detroit, auch Motor City genannt (Ford, Chrysler, General Motors) galt lange als die US-amerikanische Stadt, die symbolhaft für die Verliererseite des industriellen Strukturwandels stand. Insolvent, unter staatlicher Kuratel, bedrückende Armut fast eines Drittels der Bevölkerung, die höchste Kriminalitätsrate des Landes. Ein idealer Nährboden für Kriminalromane – wie sonst wollte man mit diesem Elend auch umgehen? Detroit war Loren-D.-Estelmans Turf, Elmore Leonard hat grandiose Detroit-Romane geschrieben und ganz nebenbei immer wieder die teilweise immer noch prächtige, wenn auch gefährdete Architektur der Stadt gefeiert. Seit 2014 allerdings hatRead More

Posted On Juni 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Juni 2021

TW: Ian McGuire „Der Abstinent“

Kein Roman à la mode – etwas Eigenes Manchester, 1867. Die „Troubles“ in Irland sind in Terror und Gegenterror verfangen, der Viktorianismus, eine ziemlich widerwärtige Epoche des UK, zeigt seine hässlichste imperiale und koloniale Fratze. Der irische Polizist James O’Connor ist aus Dublin nach Manchester, dem symbolträchtigen Ort des gleichnamigen Kapitalismus, versetzt worden. Nach dem Tod seiner Frau wurde er erst zum untragbaren Alkoholiker, dann zum „Abstinent“. Aus der heimischen Schusslinie genommen, soll er die nordenglische Polizei bei ihrem Kampf gegen die „Fenians“, die irischen Aufständischen unterstützen, die sich überallRead More
Borges-k und anti-modern Eine Erkundung von Thomas Wörtche Der Argentinier Guillermo Martínez ist vermutlich (neben Pablo de Santis) der Autor, der den Geist von Jorge Luis Borges am Deutlichsten in die kriminalliterarische Jetztzeit überführt hat:  Kriminalliteratur als streng intellektuelles Spiel, als großes, abstraktes Feld, auf dem sich „Realität“ und Fiktionen in verblüffenden, mysteriösen Konstellationen neu sortieren. Wobei „Realität“ deutlich keine sozialen und politischen Realitäten meint, sondern mathematische (Martínez ist Mathematiker) und philosophische Theoreme, die schon so avanciert sind, dass sie ihrerseits Züge des Fiktionalen tragen. „Die Pythagoras-Morde“, sein bisher größer ErfolgRead More
Mit einem Wort: großartig „Ich fahre nach Moers“, das hieß in den frühen 1970ern nicht, dass man die Verwandtschaft am Niederrhein besucht, sondern gemeint war das „Internationale New Jazz Festival Moers“, das nun 50 Jahre alt wird. Ein halbes Jahrhundert, mon dieu. Von 1972 bis 1976 oder 1977 oder 1978 bin ich jedes Jahr nach Moers gefahren, gepennt wurde im Auto oder im Schlafsack auf der Wiese oder eher gar nicht. Die Dope-Schwaden waren so dicht, dass man fast keinen eigenen Stoff braucht, die Bongos tuckerten ohne Unterlass durch dieRead More

Posted On Mai 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Mai 2021

TW über „Jazz Covers“

Cover von Langspielplatten – ob Jazz oder Rock oder was auch immer – waren 50 Jahre lang, also von ca. 1940 bis 1990, ein sehr eigenes Kunstgenre. Ihre Bilder, ihr Design, ihre Motive schufen eine Art von Eindringlichkeit, die für die Ewigkeit gemacht scheint. „Jazz Covers“ von Joaquin Paulo und Julius Wiedemann präsentiert auf ca. 550 Seiten ein riesiges Panorama feinster Cover von fast allen wichtigen Labels der Zeit, wobei der Schwerpunkt auf den 50er, 60er und 70er Jahre liegt, als Blue Note, Impulse, Verve, MPS, CTI  oder CBS nicht nurRead More
Die Geister des Anderswo Thomas Wörtche über einen aufschlussreichen Fotoband Pracht ist ja schon was Feines, kluge Pracht ist noch besser. Fünf Jahre hat sich der französische Journalist und Autor Frédéric Chaubin in Europa herumgetrieben und über 200 Burgen fotografiert. Und eine europäische Burgenkarte gibt es auch noch dazu. Diese Fotos der steinigen Monster sind schon überwältigend gut, einfach als Bildsensationen genommen. Soviel stolz-aufragende, in die Landschaft geschmiegte, fast verborgene, ästhetisch-geometrische, formal-reine, verwinkelt-hybride, trutzig-klotzige Burgen, zierlos oder verziert, majestätisch, bedrohlich, schutzbietend oder herausfordernd – Burgen sind nicht nur Burgen. BurgenRead More

Posted On April 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag April 2021

Von Friedrich Glauser lernen …

Christa Baumbergers Materialband: „Friedrich Glauser. ‚Jeder sucht sein Paradies ….‘ Briefe, Berichte, Gespräche“ kann dabei helfen. Ein paar Notizen von Thomas Wörtche Es sollte schon zu denken geben: Friedrich Glauser, der erste wirklich relevante Autor von deutschsprachiger Kriminalliteratur war ein morphiumsüchtiger, von seinem Vater verstoßener Outsider, der lange Jahre seines kurzen Lebens (1896 – 1938) in psychiatrischen Einrichtungen verbracht hat, der sich mit allen möglichen und unmöglichen Jobs vom Bauernknecht bis zum Minenarbeiter durchgeschlagen hat, in der Fremdenlegion war (und darüber einer der größten Romane des 20. Jahrhunderts geschrieben hat:Read More
Ein Glücksfall von Buch „Gestapelte Frauen“, der neue Roman der Brasilianerin Patrícia Melo, ist ein wütendes Buch über ein abscheuliches Skandalon. Es geht um Feminizide, also Tötungsdelikte an Frauen, weil sie Frauen sind, deren Häufigkeit global gesehen erschreckend ist. 2017 gab es weltweit ca. eine halbe Million Opfer, Tendenz rasant steigend, die Dunkelziffer ist entschieden höher. Brasilien und dort die Provinz Acre im Amazonasgebiet sind besondere Hotspots. Dahin verschlägt es die namenlose Hauptfigur des Romans, eine Anwältin aus São Paulo, die einen einschlägigen Prozess beobachten soll, und die sich vorRead More
Als Schwergewicht wird auch gerne Dorothy L. Sayers gehandelt, völlig zurecht, was die Qualität ihrer Prosa betrifft, die weit über der ihrer zeitgenössischen Kolleg*innen rangiert. Im Zuge der back-to-the-roots-Welle, die, aus welchen Gründen auch immer versucht, längst Überkommenes quasi als normativ neu zu positionieren, konnte man die Uhr danach stellen, dass auch sie wieder zum x-ten Male neu aufgelegt wird. Okay, diesmal also Diskrete Zeugen (dt. von Otto Bayer, Wunderlich) aus dem Jahr 1926. Es gibt aber gute Gründe – basierend u.a. auf ihrer berühmten Rede „Aristotle on Crime Fiction“ – ihr Gesamtwerk (wie soRead More

Posted On Februar 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Februar 2021

TW: Iva Procházková „Die Residentur“

Open End – als Programm „Die Residentur“ von Iva Procházková kann man durchaus als Rarität auf dem deutschsprachigen Buchmarkt bezeichnen: Ein Polit-Thriller aus Tschechien, der sich mit osteuropäischen Realien beschäftigt. Putins Russland versucht, sich die ehemalige (fiktive) Sowjetrepublik Kasmenien zurückzuholen, die nicht umsonst irgendwo in der Gegend der Ukraine liegt. Widerstand wird mit militärischen Mitteln gebrochen, die EU droht höchstens ein wenig mit dem Zeigefinger. In Prag liquidiert der russischen Geheimdienst kasmenische Oppositionelle nach Belieben. Das kann dessen tschechische Residentur ohne Probleme machen, denn der russische Einfluss auf Tschechien istRead More
Zwei Parameter kann man bei Kreuzberg Blues von Wolfgang Schorlau (KiWi) schon mal von Anfang an aus dem Spiel nehmen. Erstens, die local knowledge – auf der Oranienstraße gibt es, weiß Schorlau, ein „kleines türkisches Restaurant namens Hasir“ (das ist so wie „ein kleines amerikanisches Restaurant namens McDonald“) – ist nicht sehr überzeugend.  Zweitens, die Qualität der Prosa  – „Lena … steckt ihr süßes Ärmchen in die Luft“ – spielt auch keine Rolle. Also geht es bei „Denglers zehnten Fall“ aus der Werkstatt des „Meisters des politischen Romans“ (U 4) um etwas anderes – nämlich um die ungeheuerlichen Machenschaften der Immobilienwirtschaft.Read More

Posted On November 1, 2020By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag November 2020

Thomas Wörtche: Thriller-Thema Corona

Neulich hatte mich das „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ gefragt, wie’s denn so sei, mit Corona und Thrillern und überhaupt … Als es im Februar losging mit CORONA, hatte ich Angst. Vor den Lawinen von CORONA-Thriller-Manuskripten und -Exposés, die sicher gleich über mich hereinbrechen würden. Was dann auch prompt passierte – Thriller, die „die Wahrheit“ über die Pandemie enthüllten, die sich in dystopischer Schwarzmalerei suhlten und von arger literarischer Belanglosigkeit waren. Stufe zwei: Plötzlich las alle Welt das „Decamerone“ und Camus´ „Pest“, sozusagen als Trostbüchlein.  Uraltschmöker wie Dean R. Koontz „Die AugenRead More

Posted On November 1, 2020By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag November 2020

Thomas Wörtche: Das neue Album von Krazy

„Seifenblasenmaschine“ Liebeslieder, die so anfangen: „Ich bin Rotz an deinem Ärmel, der Fleck auf deinem Hemd/der Kaugummi unter deinem Schuh …“, packen einen gleich mal bei den Ohren.   Politische Songs, die so anfangen: „Bonjour, die Party ist aus – schau mal raus: da steht Krieg vor der Tür/der war doch eben noch weit weg, und hier war auch nie wer dafür/doch jetzt gibts Krieg gegen den Krieg, gegen Gewalt und Gier/und wenn du nicht hingehst, kommt der Krieg zu dir“ (Krieg) ziehen einen sofort rein, magnetisch gar. Souverän und autoritativ.Read More
Mundus vult decipi Der „klassische“ Polit-Thriller scheint ein bisschen an Boden zu verlieren. Aber ist das verwunderlich? Ein paar ungeordnete, unsystematische und sehr vorläufige Überlegungen von Thomas Wörtche. I Schlechte Zeiten für Paranoia, sie hat keine gute Presse, im Moment. Dem ollen Kalauer: Being paranoid doesn’t mean they are not out to get you droht die Gefahr, albern zu werden.  Die gute, alte Paranoia ist in die falschen Hände gefallen. Vermutlich muss man jetzt sogar erwähnen, dass man mit „Paranoia“ keinen klinischen Befund meint, sondern eine soziopolitische Denkfigur, die hinter dem Konsensualen,Read More
Eine kriminalliterarische Würdigung  von Thomas Wörtche LitProm wird dieses Jahr 40 Jahre alt. Gegründet 1980 als »Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.« richtet sie mit aller konzentrierten Kompetenz den Fokus auf das, was man „Weltliteratur“ nennt und was man zum Verständnis der globalen Dynamiken dringend wissen und kennen sollte: „Weltliteratur ist der Begriff, unter dem globale Textströme zusammengefasst werden können. Literarische Zirkulation erweist sich in diesem Zusammenhang als besonders wertvoll für eine Bewusstseinsbildung hinsichtlich der vielfältigen Lebenswelten. Zugleich treten verstärkt vom westlichen Monopol emanzipierte literarischeRead More

Posted On Juni 1, 2020By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Juni 2020

Thomas Wörtche: Eric Ambler

Sprengfallen Eric Ambler und die Poetik des Pragmatischen – von Thomas Wörtche Willkommen in der vieldeutigen Welt von Eric Ambler! Den ersten seiner 18 Romane, die allesamt Schubladendenken über Polit-Thriller, Spionageromane und andere Kategorien ins definitorische Delirium treiben, hat er 1936 veröffentlicht. Den bisher letzten 1981 – und diese 18 Romane reichen aus, um ihn zu einer zentralen Gestalt des 20. Jahrhunderts zu machen.  Das ist er nicht nur, weil er den sogenannten Polit-Thriller nach den eher rustikalen Anfängen von Erskine Childers, William LeQueux oder John Buchan (der übrigens raffinierter ist,Read More
Hammer-Buch. Kommt bei Erstlingen nicht allzu oft vor.   Peter Grandl ist mit „Turmschatten“ so ein Coup gelungen. Eine freudig überraschte Besprechung von Thomas Wörtche Ein ganz und gar bemerkenswertes Buch ist „Turmschatten“ von Peter Grandl. Der titelgebende Turm ist ein alter Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg, irgendwo am Rand einer süddeutschen Kleinstadt. Schon im Januar 1945 war er Schauplatz einer Tragödie mit Hunderten von Toten – Menschen, die bei einem Luftangriff nicht in den Bunkern reinkonnten, und vor dessen Toren von Bomben zerfetzt wurden. Jetzt, der Roman spielt 2010 undRead More
Der fallende Engel Jérôme Leroys „Der Schutzengel“ zerlegt sarkastisch und virtuos die Mechanismen des französischen Politik-Betriebs, gerade da, wo sie sehr unappetitlich sind. Politische Kriminalliteratur der Spitzenklasse, findet Thomas Wörtche. Wie ein Wohltäter wirkt Berthet wahrlich nicht. Er ist die Hauptfigur von Jérôme Leroys Roman „Der Schutzengel“. Er ist Killer für die „Unité“, eine dem französischen Innenministerium unterstehende Geheimorganisation, die alle „schmutzigen“ Angelegenheiten der Republik final erledigt. Sie ist der sprichwörtliche „Tiefe Staat“, so gut wie nicht zur Verantwortung zu ziehen, gottgleich in ihren unerforschlichen Entscheidungen. Die Unité sieht alles,Read More
Von der Verbrechensdichtung zur Kriminalliteratur Eine Bestandsaufnahme von Thomas Wörtche Das „literarische Feld“, wenn man Pierre Bourdieus „Konzeptmetapher“ (according to Henrietta Moore) als explikative Folie akzeptiert, ist weder ein statischer noch ein friedlicher Ort[1]. Die Positionierung eines Autors, einer Textsorte, einer Gattung oder eines Genres ist historisch variabel, wechselt von den Rändern ins Zentrum und umgekehrt. Manchmal drohen sie vom „Feld“ verdrängt zu werden oder müssen sich den Eintritt erkämpfen. Das literarische Feld ist Austragungsort ästhetischer Kämpfe. Die wiederum sind ohne Verzahnung mit politischen und sozialen Konflikten nicht zu denken. DerRead More
Die Kriminalliteratur hat gesiegt – vielleicht zum Tode Crime Fiction und das literarische Feld in Deutschland Auch nach dem 2. Weltkrieg konnte sich die deutschsprachige Kriminalliteratur nicht aus eigener Kraft in nennenswerten Maß im literarischen Feld etablieren. Sie bedurfte dazu der tatkräftigen Hilfe von außen. Auch wenn es während der Nazi-Zeit, wie oben angedeutet, eine quantitativ erkleckliche Produktion von deutscher Kriminalliteratur gab (von einem „Krimi-Verbot“ im Nationalsozialismus kann man pauschal nicht sprechen, nur waren die Produktion und Rezeption sozusagen „gleichgeschaltet“ und streng gefiltert) war sie an den internationalen state of art nichtRead More
Rätsel Ripley oder Ripley, revisited  Von Thomas Wörtche Im Herbst 2021 werden die Tagebücher von Patricia Highsmith auf Deutsch anlässlich ihres 100. Geburtstags erscheinen. Was jetzt schon durchgesickert ist, hat bereits zu einem lustigen Rauschen im Blätterwald geführt und zu der bahnbrechenden Erkenntnis, dass sie wohl kein netter Mensch war, aber eine großartige Autorin. So what? Nichts Neues unter der Sonne also. Einen längeren Text über die problematische Komplexität von Highsmith’s Werk hat Thomas Wörtche in seinem Archiv gefunden.  Tom Ripley ist ein Rätsel. Und bleibt es.  Die Rätselhaftigkeit derRead More
LiBeraturpreis 2019 für Mercedes Rosende: „Krokodilstränen“ – Die Laudatio Estimada Mercedes Rosende, sehr geehrte Damen und Herren, für Fans der einfachen Weltbilder, könnte man versucht sein zu sagen: Für „Krokodilstränen“ hat Mercedes Rosende ausgerechnet den feministisch inspirierten LiBeratur-Preis gewonnen, weil in diesem Kriminalroman alle männlichen Hauptfiguren unfassliche Trottel sind. Und die weiblichen Hauptfiguren schlau und ausgekocht.  Das stimmt sogar. Aber ganz bestimmt hat Meredes Rosende den LiBeratur-Preis deswegen nicht bekommen. Sie hat ihn bekommen, weil „Krokodilstränen“ ein raffiniert gemachter Roman ist. Ein beinahe klassisch anmutender Kriminalroman sogar, aber eben nurRead More