All posts by Thomas Woertche

Rätsel Ripley oder Ripley, revisited  Von Thomas Wörtche Im Herbst 2021 werden die Tagebücher von Patricia Highsmith auf Deutsch anlässlich ihres 100. Geburtstags erscheinen. Was jetzt schon durchgesickert ist, hat bereits zu einem lustigen Rauschen im Blätterwald geführt und zu der bahnbrechenden Erkenntnis, dass sie wohl kein netter Mensch war, aber eine großartige Autorin. So what? Nichts Neues unter der Sonne also. Einen längeren Text über die problematische Komplexität von Highsmith’s Werk hat Thomas Wörtche in seinem Archiv gefunden.  Tom Ripley ist ein Rätsel. Und bleibt es.  Die Rätselhaftigkeit derRead More
LiBeraturpreis 2019 für Mercedes Rosende: „Krokodilstränen“ – Die Laudatio Estimada Mercedes Rosende, sehr geehrte Damen und Herren, für Fans der einfachen Weltbilder, könnte man versucht sein zu sagen: Für „Krokodilstränen“ hat Mercedes Rosende ausgerechnet den feministisch inspirierten LiBeratur-Preis gewonnen, weil in diesem Kriminalroman alle männlichen Hauptfiguren unfassliche Trottel sind. Und die weiblichen Hauptfiguren schlau und ausgekocht.  Das stimmt sogar. Aber ganz bestimmt hat Meredes Rosende den LiBeratur-Preis deswegen nicht bekommen. Sie hat ihn bekommen, weil „Krokodilstränen“ ein raffiniert gemachter Roman ist. Ein beinahe klassisch anmutender Kriminalroman sogar, aber eben nurRead More
München Blues Geht doch – Thomas Wörtche freut sich über Bewegung im Kriminalroman Ein bisschen Kafkas „Prozess“ weht einen schon bei Franz Doblers „Ein Schuss ins Blaue“ an, dem dritten Roman um den zum Privatdetektiv gewordenen Ex-Polizisten Fallner.  Kafkas Josef K. wird ohne ersichtlichen Grund verhaftet, die Agentur von Fallners Bruder, für die der Ex-Cop arbeitet, bekommt einen Auftrag ohne sichtbaren Auftraggeber und ohne genaueres Operationsziel, bis auf den vagen Hinweis auf einen islamistischen Terroristen, der sich in München etabliert haben soll und aus dem Verkehr gezogen werden muss. Dafür allerdingsRead More

Posted On November 3, 2019By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag November 2019

„Die Sprach-Reiniger“

Hart an der Realsatire Karl-Heinz Göttert hat ein kluges Buch über einen bizarr-komischen Kreuzzug gegen das Böse in der Sprache geschrieben. Thomas Wörtche hatte und hat schon immer mit solchen seltsamen Vögeln zu tun. Eine kleine Anekdote: Als meine Eltern in den frühen 1960ern von der Stadt auf’s Land zogen (naja, eher in die Suburb) musste ich in der 3. Klasse Grundschule („Volksschule“ hieß das damals) auf dem Dorf erfahren, dass ich a) dumm bin und b) die deutsche Sprache verschandele. In der Stadt hatte ich nämlich gelernt, was ein VerbRead More
Pfusch Sir Antony Beevor hat ein neues, großes Buch vorgelegt: „Arnheim“ – über eine verheerende Niederlage der West-Allierten im 2. Weltkrieg. Das kann auch für Nicht-Militärhistoriker spannend sein. – Eine Besprechung von Thomas Wörtche. Vermutlich gehört die Operation „Market Garden“ zu den bekanntesten Einzeloperationen des 2. Weltkriegs. Im September 1944 erlitten die West-Alliierten eine verheerende Niederlage, als sie versuchten, mit dieser gewaltigen Boden-Luftlande-Operation den Übergang über den Niederrhein bei Arnheim zu erzwingen, und damit den sogenannten „Westwall“ im Süden zu umgehen.  Die Dramaturgie der Schlacht passte, auf einem gewissen Abstraktionslevel, aufRead More

Posted On Oktober 3, 2019By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2019

Thomas Wörtche über Langeweile

Wenn der Schmutz fehlt, wird’s prekär  Bei KrimisMachen 4 sollte TW etwas über „Langeweile“ erzählen – der Vortrag wurde in Echtzeit ein wenig eingedampft. Deswegen hier die zu Grunde liegenden Notizen, sogar manchmal in ganzen Sätzen.  Leseerfahrung: Ich langweile mich öfters als früher, man kann das nach ein paar Jahrzehnten als verständliche professionelle Sättigung bezeichnen oder vermuten, ich läse die falschen Bücher, aber so einfach ist es nicht (schließlich bin ich noch begeisterungsfähig):  Langeweile & ein der Spannung verschriebenes Genre wie Kriminalliteratur – Paradox. „Langeweile“, wer kennt sie nicht, manifestiertRead More
„Ein Romancier muss die Wohlhabenden verstören“ Ein Interview von 1994 – als Begrüßung des Ehrengasts von KrimisMachen 4, vom 27. – 29. September 2019 in Köln CrimeMag-Lesern ist Thomas Adcock mit seinen zuverlässig jeden Monat gelieferten Essays zum Stand der Dinge in den USA wohl vertraut. Aber kennt man ihn auch noch als Autor von Kriminalromanen? Vier von ihnen sind – damals hoch beachtet zwischen 1989 und 1995 in Deutschland erschienen (auf Deutsch bei Spraybooks vorrätig). Das Interview von Thomas Wörtche aus dem Jahr 1994 macht geradezu mustergültig die Haltung des RomanciersRead More
Anthony Price – der Patriot. Beinahe ein Nachruf                                                von  Thomas Wörtche Anthony Price ist am 30. Mai im Alter von 91 Jahren gestorben. Der Anlass für einen Nachruf auf einen Autor, den ich in den 80ern und frühen 90er gerne gelesen hatte, zumindest in meiner Erinnerung. Dann ist er irgendwie aus dem Fokus gerutscht, nur noch beim name dropping präsent, wenn es um britische Spionageromane ging, zusammen mit seinen „Zeitgenossen“ John le Carré, Ted Allbeury, Gavin Lyall, Len Deighton, Brian Freemantle etc.  Ich habe in den letzten Wochen zehn RomaneRead More

Posted On Juli 1, 2019By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Juli 2019

Thomas Wörtche: Porträt J.W. Rider

Realitätsfiktion und Fiktionsrealität, genial vexiert Heute wissen wir es längst: J. W. Rider war ein Pseudonym von Shane Stevens (1941 – 2007), dessen Alltime-Klassiker „By Reason of Insanity“ (dt: „Kill“) wir in der letzten CrimeMag-Ausgabe gewürdigt haben. Nicht minder originell,  innovativ und auch verstörend waren seine beiden Privatdetektiv-Romane „Jersey Tomatoes“ („Der Teufel hat viele Masken“) und „Hot Tickets“ (Der Teufel kennt kein Gesetz“) aus den Jahren 1986 resp. 1987. Damals war das Pseudonym noch geschlossen und bot Anlass zu schönsten Spekulationen. Thomas Wörtche hatte sich 1988 in zwei Essays mit J.Read More
Rock’n Die Musik war schon immer ein großes Thema bei Liza Cody. So auch in „Ballade einer vergessenen Toten“.  Thomas Wörtche mag das Buch. Eine Biographie als Ermittlungsgeschichte wider Willen, das ist jetzt zwar nicht die neueste aller Ideen, aber Liza Cody macht eine Menge aus dem Topos: In „Ballade einer vergessenen Toten“ beschließt die ausgelaugte Schriftstellerin Amy als eine Art selbsttherapeutischer Akt die Biographie der (fiktiven) Elly Astoria zu schreiben. Elly war ein musikalisches Genie und eine total unauffällige Erscheinung mit einem grauenhaften familiären Background, die aber die MusikgeschichteRead More

Posted On Juni 1, 2019By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMAg Juni 2019

Thomas Wörtche: Nachruf auf Celil Oker

Er war ein Pionier der Kriminalliteratur Am 6. Mai 2019 ist Celil Oker im Alter von 67 Jahren gestorben. Ein guter Freund, seitdem ich seine Bücher Anfang der 00er Jahre auf den deutschsprachigen Markt gebracht habe, ein kluger und scharfsinniger, am Ende immer melancholischer werdender Beobachter und Kommentator der türkischen Verhältnisse, der keinen Zweifel hatte, dass eine demokratische Türkei dringend zu Europa gehört, säkular und urban. Jazzhörer, Fußball-Fan, Steak & Bier-Aficionado und eben der große Innovator, der die moderne Türkei auf die kriminalliterarische Weltkarte geschrieben hat. Obwohl wir ziemlich sehrRead More

Posted On Juni 1, 2019By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMAg Juni 2019

Thomas Wörtche: Shane Stevens „KILL“

Eimerweise Blut Wer sich mit den Schnittstellen von Kriminalliteratur und Theologie beschäftigt, stößt notwendigerweise auf das Autorenpseudonym J. W. Rider. Dahinter aber verbirgt sich Shane Stevens, dessen Opus Magnum „By Reason of Insanity“ nur selten bei der Rekonstruktion der  literarischen Reihe der Serialkiller-Romane eine Rolle spielt. Jetzt endlich kann man dieses Buch auch auf Deutsch lesen. Ein paar Anmerkungen dazu von Thomas Wörtche. Eher unauffällig, versteckt gar und ohne sinnvolle editorische Ausstattung kommt die erstmals vollständige Ausgabe von Shanes Stevens´ kapitalem Roman „By Reason of Insanity“ (von 1979!) unter dem eherRead More

Posted On Juni 1, 2019By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMAg Juni 2019

Thomas Wörtche zu Remigiusz Mróz

Verblüffend Fresh blood aus Polen. Irrsinn und Verwirrung als kreative Prinzipien. Thomas Wörtche freut sich.  Unausrechenbare Bücher sind was ganz Feines und was ganz Rares. Und dass ein Buch auf den allerletzten Seiten noch einen wirklich fiesen Dreh hinkriegt, das ist arg selten. Schon deswegen ist Remigiusz Mróz` „Die kalten Sekunden“ bemerkenswert. Die Story ist ziemlich irrsinnig: Alles beginnt im polnischen Opole, als Damian Werner und seine Freundin Ewa aus der Kneipe kommen und ein bisschen am Flussufer knutschen wollen. Da tauchen drei Typen auf; aggro und auf Zoff gebürstet,Read More

Posted On Mai 1, 2019By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Mai 2019, News

Thomas Wörtche über Komik

Die Ambiguitätsintoleranz unserer Tage macht sich auch im kriminalliterarischen Diskurs breit. Gerne wird in diesem Zusammenhang ein „Publikumsgeschmack“ angeführt, dem viele der avancierteren Kriminalromane angeblich nicht entsprechen. Und dieses „Publikum“ verlangt angeblich nach Orientierung und Sinnstiftung, nach sorgenfreier „Unterhaltung“ (mit Body Count), die von sauertöpfischen Kritikerinnen und Kritikern und spaßbremsigen Jurys verachtet wird. Unterkomplexion und einfache Weltbilder sollen Trumpf sein. Als ob Kriminalliteratur dem Wahlprogramm der AfD gehorchen müsse. Aber Kunst, mithin Literatur, ist nun mal komplexer. Schon gar, wenn sie komisch ist. Wer Komik für etwas hält, was manRead More

Posted On Mai 1, 2019By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Mai 2019

Zu Don Winslow „Jahre des Jägers“

All fucked up  Thomas Wörtche sieht in Don Winslows neuer Roman „Jahre des Jägers“ den Schritt vom „realistischen“ zum „symbolischen“ Erzählen vollzogen. Mit dem tausendseitigen Epos „Jahre des Jägers“ schließt Don Winslow seine Drogen-Trilogie („Tage der Toten“, „Das Kartell“) ab und kommt damit in der Echtzeit von 2018 an.  Den Kern dieses letzten Romans bildet allerdings nicht mehr den Kampf des Drogenfahnders Art Keller, der inzwischen zum Chef der Drug Enforcement Agency, DEA, aufgestiegen ist, gegen die mexikanischen Drogenkartelle, sondern deren Kampf untereinander und vor allem Kellers Kreuzzug gegen die Trump-Administration.Read More

Posted On April 1, 2019By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag April 2019

Thomas Wörtche: Porträt Chester Himes

It Does Make Sense! Ein Autor und sein Jahrhundert – von Thomas Wörtche „Die Forcierung des Absurden ist das sicherste Mittel, wirkliches Grauen fernzuhalten, denn sie hält ihm den Unernst der Betrachtung immer gegenwärtig“, heißt es bei Thomas de Quincey. Das wirkliche Grauen spielt sich im wirklichen Leben ab. In Texten, zum Beispiel, muß es bearbeitet werden, um Literatur zu werden.  Chester Himes nannte den zweiten Band seiner Autobiographie „My Life in Absurdity“. Er verstand das Leben eines Schwarzen in einer rassistischen Gesellschaft wie der amerikanischen als absurd. Um ausRead More
Die fröhliche Anarchistin Ein eigenes Universum hat Sara Gran in bisher zwei Romanen für ihre Figur Claire DeWitt, „die beste Detektivin der Welt“ gebaut – so auch hier, im dritten Buch um die gewaltaffine, sexuell autonome und drogenimprägnierte Ermittlerin: „Das Ende der Lügen“.  Claire DeWitts Welt wird von Rätseln bestimmt und von deren Lösung, wobei es nur einen einzigen Parameter gibt: Die Wahrheit, die man niemals finden wird. Aber genau dieser Wahrheit ist alles detektivische Streben und Handeln verpflichtet, nichts anderem. Das ist natürlich eine extreme epistemologische Stilisierung und gleichzeitigRead More
Scharfkantig Thomas Wörtches Nachwort zu „Der lombardische Kurier“ von Giorgio Scerbanenco „Der lombardische Kurier“ ist ein bemerkenswert grausames Buch. Dieser Eindruck ist heute noch so richtig wie zu seiner Veröffentlichungszeit 1968, auch wenn wir inzwischen viel expliziter geschilderte und vor allem viel kumuliertere Scheußlichkeiten gewöhnt sind. Allerdings erweist sich diese Gewöhnung angesichts der konsequenten, impliziten und inhärenten Grausamkeit von Giorgio Scerbanencos drittem Duca-Lamberti-Roman als erstaunlich brüchig. Im Grunde sind es zwei Grausamkeiten, die in einem merkwürdig eisigen Spiegelverhältnis zueinanderstehen. Da ist einmal, ganz evident, das Massaker, das die elf adoleszentenRead More
Eine hochkarätige aktuelle Tagung in Frankfurt Kriminalliteratur ist die meistgelesene Literatur der Welt, auf manchen Märkten macht sie bis zu 30% der Gesamtbelletristik aus. Kriminalität, Verbrechen und Gewalt sind konstitutiv für alle Gesellschaften und daher auch in allen Literaturen dieses Planeten zu finden. Deshalb widmet Litprom die Literaturtage 2019 dem Thema »Global Crime«. In den Blick gerückt werden soll dabei die Variabilität des Genres, sein »globaler Code« und sein kommunikatives Potential. Kriminalliteratur bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion, entlang jener Kraftfelder, die vom Realen ins Fiktive wirken und zuweilenRead More
Derek Raymond – Poe, Kafka und Pulp von Thomas Wörtche Der Kosmos von Derek Raymond scheint nicht von dieser Welt, aber er beschreibt sie äußerst präzise. Ein graues Zwischenreich, in dem der Wind den Regen durch die dreckigen Straßen peitscht und die Sonne höchstens befremdliche Effekte zu erzielen vermag. Die Factory-Romane Derek Raymonds sind düstere Visionen aus den verborgensten Winkeln der menschlichen Seele und skalpellscharfe Analysen der Verhältnisse in einem Großbritannien, das einer riesigen Müllhalde ähnlicher ist als dem einst glänzenden Empire. Das Paris von Nightmare in the Street istRead More
“Winning you was easy, but darkness was the price” Schöner sterben mit Leonard. Für Thomas Wörtche – und gewiss nicht nur für ihn – ist Leonard Cohen sozusagen der Schutzpatron des Verlustes. So viel Trost und  Wissen und Lehre in seinen Songs und Worten, in dieser Musik. Im Grunde seit „So long, Marianne“ (1967). “I´ve grown old/in a hundred ways/but my heart is young/& still it plays/on the theme of Love/and the theme of death” (Notebooks – 19-20) Der Verlust des eigenen Lebens ist, egal, wie man dazu steht, ein gravierendesRead More

Posted On Oktober 16, 2018By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2018

James Graham Ballard: Millenium People

Willkommene Irritation Thomas Wörtche über J. G. Ballards vorletzten Roman – und überhaupt zu einen hierzulande sträflich vernachlässigten Autor. Die Mittelschicht dreht durch. Im Londoner Chelsea Marina brennen Barrikaden, „gelangweilte Teenager versuchen sich als Drogendealer und Autodiebe“, Geschäfte werden geplündert, auf Kulturtempel wie das National Film Theater und die Tate Modern werden Sprengstoffanschläge verübt, brave leitenden Angestellte bedienen ihre Hypotheken, Abgaben und Steuern nicht und fackeln, bevor sie zwangsgeräumt werden, eher ihre Eigenheime ab. Ein auslösendes Ereignis gibt es nicht, eine explizit politische Zielrichtung ist nicht erkennbar. „Dada tobt in derRead More
„Das Prinzip Hoffnung“ Von Thomas Wörtche Es ist eine wirklich bittere, zynische Pointe: „Grant Park“, der Roman von Leonard Pitts jun. riskiert, was zu den vornehmsten Eigenschaften von Literatur zählt – ein utopisches Element aufscheinen zu lassen. Der Roman ist im Oktober 2015 in den USA erschienen, wurde also noch vor Trumps Wahlsieg geschrieben. Und eben dieser Trump und seine Klientel zertrümmern Schlag auf Schlag alle utopischen Komponenten, die Pitts, selbst auf die Gefahr hin, naiv zu sein, in seinen Roman eingebaut hatte. Man könnte fast sagen, die Realität vonRead More

Posted On August 15, 2018By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag August 2018

Thomas Wörtche über Komik & Meta

Bloß Komik oder doch schon Meta? Deutschsprachige Kriminalliteratur und Komik, das ist so´n Ding. So richtig geklappt hat das nie – Ausnahmen bestätigen eher die Regel: Rob Alef, Gisbert Haefs, Wolf Haas, Heinrich Steinfest, mehr fällt mir im Moment nicht so richtig ein. Der Rest ist meistens nur lustisch oder witzisch, eher oh weia bis peinlich. Aber weil wir ja das Volk der Dichter und Denker sind, könnte es vielleicht mit „Meta“ klappen. Oder was wir für „Meta“ halten sollen. Thomas Wörtche hat sich zwei Romane unter Meta-Verdacht angesehen: JensRead More

Posted On August 15, 2018By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag August 2018

Dominique Manotti: Kesseltreiben

„Agitprop“ neu entdeckt Thomas Wörtche über den neuen Roman von Dominique Manotti. Wie in fast allen ihrer letzten Bücher balanciert Dominique Manotti auch in „Kesseltreiben“ zwischen Fiction und Non-Fiction, wobei die Romanform eine Konsistenz der Realität suggeriert, die man, je nachdem, aufklärerisch oder verschwörungstheoretisch nennen könnte. „Orstam“ ist ein französischer Konzern, der Kraftwerksanlagen und Turbinen baut und weltweit agiert. Er gehört zur nationalen Schlüsselindustrie. Allerdings hat ein amerikanischer Konzern ein Auge auf Orstam geworfen und strebt eine Übernahme an. Weil man nicht davon ausgeht, dass die Franzosen dem ergeben zustimmen,Read More
Follow the Kulturindustrie Ein böser, grüner Unternehmer, Wirtschaftsverbrechen, Gier, Karrieregeilheit, Hitmen – die dänische Serie „Follow the Money“ könnte echt was sein. Dachte sich Thomas Wörtche, hat sich ganz  nett unterhalten und war dann doch übellaunig. „Follow the money“ ist eine dänische Serie aus den Jahren 2016ff, deren 1. Staffel jetzt auf DVD vorliegt. Obligatorisch der Hinweis, dass einer der Drehbuchautoren, Jeppe Gjervig Gram,  auch an „Borgen“ beteiligt war, was im Grunde wenig sagt, denn bei den vielen, vielen Nordic Noirs läuft der Wiedererkennungseffekt eher über das Production Design alsRead More