All posts by Thomas Woertche

Vergnügliche Verwirrung Markus Hug diktiert Bücher – er spricht Sätze in das Mikro seines Smartphones, eine Spracherkennungsapp wandelt diese Sätze dann in Text um. Hug ist stolz darauf, keinen Plot zu haben, keine Geschichte, sondern nur Sätze, die aus seinem Kopf, seiner Seele oder sonst woher stammen, zumal er bei diesem Schöpfungsakt gern in eine Art Trance fällt.  Früher hätte man sowas écriture automatique genannt oder zumindest mit dem stream of consciousness rumhantiert, aber mit moderner Technik ist das wohl was anderes. Oder so. Mit Hugs Ehe läuft es nicht soRead More
 Very true crime … Man muss TRUE CRIME nicht nur als nicht ganz so Neues, neuerdings aber erstaunlich beliebtes Subgenre der Kriminalliteratur verstehen, in dem Kriminalfälle aus der Realität rekonstruiert werden, mit dem Grusel des Authentischen anstatt mit der Angstlust des Fiktiven. Es ist aber schon bemerkenswert, dass True Crime sich meistens auf die verbrecherische Tat konzentriert, auf die Ermittlungsarbeit, manchmal auch auf die juristische Nachbearbeitung. Bei True Crime ist das dualistische Weltbild womöglich noch ausgeprägter als in den jeweiligen fiktionalen Pendants: Hier das Skandalon, das Verbrechen, der Fall, dortRead More

Posted On Mai 1, 2022By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Mai 2022

Thomas Wörtche zum „Horror im Comic“

Standardwerk par excellence Alexander Brauns Prachtband „Horror im Comic“ ist eine extrem lehrreiche und spannende Kulturgeschichte einer Kunstform, die an die Kerne unserer modernen Gesellschaften geht. – Thomas Wörtche ist ziemlich begeistert. In Zeiten des realen Horrors nebenan, scheint „Horror im Comic“ eine eher harmlose, gar frivole Veranstaltung. Aber der Horror nebenan, sprich der Krieg in der Ukraine, ist leider nur ein Horror unter vielen im letzten und diesem Jahrhundert. Das 20. Jahrhundert war geprägt von unvorstellbaren, einzigartigen Gräueln, von der Vernichtung von Menschenleben, von Körpern, von ethischen Standards, undRead More

Posted On Mai 1, 2022By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Mai 2022

TW: Der neue Brenner-Roman

Ach, der Brenner! „Müll“ ist der neunte Kriminalroman mit Wolf Haas´ Serienfigur Simon Brenner. Der Ex-Polizist arbeitet inzwischen als „Mistler“, dem Wienerischen Ausdruck für Müllarbeiter. Eine eigene Wohnung hat er nicht mehr, als „Bettgeher“ bricht er in leerstehende Wohnungen ein und haust dort eine zeitlang, bis er weiterziehen muss. Aber das Ermitteln kann er nicht sein lassen, nolens volens. Und so kann er es auch nicht stehen lassen, dass auf seinem Müllplatz Leichenteile gefunden werden, erst ein Knie, dann immer mehr. Nur das Herz des Toten fehlt. Das macht BrennerRead More
Ein wundersames Buch … Natürlich sind Duelle sowas von bescheuert. Obwohl, manchmal ertappt man sich schon bei dem Gedanken, dass es Kränkungen oder Übergriffigkeiten gibt, die man am liebsten morgens um fünf im Festungsgraben aus der Welt räumen möchte. Vorzugsweise mit schweren Säbeln. Aber das ist natürlich nur mal wieder ein Anfall von toxischer Männlichkeit. Und das Schicksal von Alexander Puschkin oder Ferdinand Lassalle ist auch nicht unbedingt erstrebenswert. Und überhaupt: Wer wäre eigentlich heutzutage sanktionsfähig? Sie sehen, alles absurd, aus der Zeit gefallen, anachronistisch. Und aus einer solchen AbsurditätRead More

Posted On März 1, 2022By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag März 2022

Thomas Wörtche: Der Néo-Polar lebt

Jérôme Leroy und Max Annas haben gemeinsam einen Roman geschrieben: „Leipzig Terminus“ Manche Ideen sind irgendwie logisch. Das Lyoner Festival „Quais du Polar“, eine der feinsten Adressen im europäischen Krimi-Festival-Zirkus hatte die Idee, einen „vierhändigen“ Roman schreiben zu lassen, eine Art literarischer Cadavre-exquis, wie diese Methode bei André Breton und den Surrealisten genannt wurde. Einer fängt an, der andere macht weiter. Die beiden Spieler, Jérôme Leroy und Max Annas, sind hinreichend unterschiedliche Autoren, um kreative Spannung und Reibung aufkommen zu lassen, aber sie stammen eben auch, wie Leroy in einemRead More
Thomas Wörtche zu Josephine Teys „Nur der Mond war Zeuge“ „Das Grauen“, schreibt Louise Penny in ihrem Vorwort zu Josephine Teys „Nur der Mond war Zeuge“, ist „weit mächtiger, wenn es nicht ausbuchstabiert wird, sondern nur angedeutet“.  Ja, so etwas kann in der Tat bei Kriminalromanen oder anderen einschlägigen Narrativen (zum Beispiel bei Henry James „The Turn of the Screw“) vorkommen. Aber auf welcher Ebene siedeln wir das Grauen jeweils an? „Nur der Mond war Zeuge“ – ab jetzt verwende ich den Original-Titel „The Franchise Affair“, weil der Mond in demRead More

Posted On März 1, 2022By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag März 2022

Achtung, schlimm …

Die Triggerwarnung – Eine Glosse von Thomas Wörtche Ein gar nicht so neuer Aufreger schwirrt mal wieder durch die literaturbetriebliche Blase: Die Triggerwarnung. Sie wissen schon, der Hinweis, dass es in einem Buch oder einem Film (oder einem sonstigen Medium) zu Sex, Nacktheit, Gewalt, Alkohol oder Drogenkonsum kommen oder dass unflätiges Vokabular benutzt werden könnte. Man hat sich allmählich daran gewöhnt, dass z. B. bei Amazon Prime bei jeder noch so harmlosen Serien-Folge links oben vor derlei schlimmen Dingen gewarnt wird. Mehr als ein amüsiertes Lächeln dürfte die Angelegenheit eigentlichRead More

Posted On März 1, 2022By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag März 2022

TW: Wo der Teufel wohnt ….

Schlagen Sie nach bei Edward Brooke-Hitchings „Atlas des Teufels“ – Thomas Wörtche staunt. Das Leben bis zum Tode ist das Geschäft u.a. des Kriminalliteratur. Dann ist in den meisten Fälle Schluss, das Jenseits mischt sich nur sehr selten ein. Und wundert man sich manchmal über die Phantasie, mit der Kriminalautor:innen sich exquisite Todesarten ausdenken (oder sich von beklagenswerten Realien inspirieren lassen), so sind sie doch naive Kleinkinder im Vergleich mit den Konstrukteuren der Nachwelt. Denn die haben die größeren Ressourcen: Mythen und Religionen, kollektive Vorstellungen, Visionen und Wunschwelten von VerdammnisRead More
Mit Esprit und Witz zur Lage des Planeten Thomas Wörtche über „Ein prekäres Bestiarium„ Im Grunde ist das „Prekäre Bestiarium“ von Heiko Werning und Ulrike Sterblich eines der seltenen Sachbücher, die man, fängt man an, es nachzuerzählen, gleich ganz abdrucken müsste – als Rezension. Um was es geht ist klar: das Prekariat für Tiere besteht darin, auszusterben, ausgerottet zu werden und schon ausgestorben und ausgerottet zu sein, wie der Dodo oder der Beutelwolf. Und natürlich wissen wir das längst. Wenn die Menschheit so weitermacht mit der Zerstörung und Verwüstung soRead More

Posted On März 1, 2022By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag März 2022

TW: Ein Bildband feiert San Francisco

Stundenlang blättern Thomas Wörtche über „San Francisco. Portrait of a City“ Die Nächte in San Francisco sind eher selten warm, der Pazifik dort ist kalt, es regnet eher viel in Northern California, es hat viel Nebel, die Straßen von San Francisco sind steil und nicht sehr fußgängerfreundlich. Trotzdem ist San Francisco einer der Sehnsuchtsorte, zumindest meiner Generation. Die nächsten Generationen sind eher auf die gesamte Bay Area fixiert, Silicon Valley inklusive. Ich habe das beste chinesische Essen meines Lebens in einer unauffälligen Holzhütte dort bekommen, fand „City Lights“, den weltberühmten BuchladenRead More

Posted On Februar 1, 2022By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Februar 2022

TW: Was soll uns Raymond Chandler heute?

Seriös oder Nicht-Seriös, das ist die Frage Fredric Jameson hat einen anregenden Essay über Raymond Chandler geschrieben, der ein paar problematische Aspekte der Chandler-Rezeption aufreißt. Thomas Wörtche hat ihn sich genauer angesehen.  Raymond Chandler gehört zu den Autoren, die man eigentlich für abgeschlossene Fälle hielt. In seiner literaturgeschichtlichen Relevanz unbestritten, im Großen und Ganzen gut „ausgeforscht“, zumindest gibt es keinen neuen Fakten, die Leben und Werk in einem sensationell anderen Licht erscheinen ließen. Dass bei uns gerade neue Übersetzungen erscheinen, ist philologisch zu begrüßen und mag Nuancen korrigieren, ein neuesRead More

Posted On Februar 1, 2022By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Februar 2022

Thomas Wörtche: Chester, Wer?

Zentral  – Chester Himes Eine Glosse von Thomas Wörtche Es fällt schon auf: Die Rezeption zweier gewichtiger Romane schwarzer Autoren, James McBrides „Der heilige King Kong“ (dt. von Werner Löcher-Lawrence, btb), und Colson Whiteheads „Harlem Shuffle” (dt. von Nikolaus Stingl, Hanser), die unlängst bei uns erschienen sind, kommt im Großen und Ganzen ohne die Erwähnung von Chester Himes aus. Na und, warum auch?, mögen Sie sagen. Oder: Chester Wer? Chester Himes (1909 – 1984) war ein zentraler Autor für den Weg der Kriminalliteratur in die Moderne. Ein radikaler schwarzer Autor, derRead More
Politik und Moral Der klassische Polit-Thriller oder Spionageroman des Kalten Krieges hat ein großes Zentralmotiv, eine Herzkammer, die den Text generiert: Den Verrat, für dessen Personifikation der Maulwurf steht.  Die duale Struktur der damaligen Welt, die beiden „Blöcke“, Ost und West, ist die Voraussetzung dafür, dass der Maulwurf, obwohl das essentiell-pragmatische Werkzeug der Wahl in diesem Konflikt, eine moralische Figur wird, wenn er tut, was er tun soll: Verrat an der eigenen Sache üben.  Moralisch deswegen, weil beide Parteien für sich reklamieren, die Guten zu sein. Und die anderen die Bösen. NatürlichRead More
Eleganz & Noir In einer längeren Besprechung habe ich schon 2009 versucht zu zeigen, wie massiv der Tinge of Noir das Gesamtwerk von Helmut geprägt hat. Eine neue Sammlung von bekannteren und unbekannteren Fotos hat jetzt die Helmut Newton Foundation unter dem Titel „Legacy“ zusammengestellt. Diese neue Kompilation ändert nichts an dem Umstand, dass viele von Newtons Fotos auf einer Ästhetik des Noir basieren, beziehungsweise zu einer Ästhetik des Neo-Noir beitragen.  Belege finden sich dafür in Hülle und Fülle. Es gibt nicht nur Newtons Aussagen, wie sehr er von Raymond ChandlerRead More
Unbehaglich, very Carlo Lucarellis Romane um den Commissario de Luca haben quälende moralische Impikationen. Sie tun weh. So auch der neueste Roman der Serie: „Der schwärzeste Winter“ – Eine Besprechung von Thomas Wörtche. „Der schwärzeste Winter“ ist der sechste Roman einer Serie, die seit 1990 die Geschichte des Commissario de Luca erzählt, der eigentlich nur ein guter Kriminalpolizist ist, aber durch die Zeitläufe zu zunehmend ekelhafter Kooperationen gezwungen. Hier, im Dezember 1944, arbeitet er für eine faschistische Spezialeinheit, die hauptsächlich Aktionen gegen die Partisanen der resistenca durchführt und zum Leichenberg der ZeitRead More
Was jetzt, Spion? In seinem letzten Roman, „Silverview“, demontiert John Le Carré den Job des Spions und den Spionageroman gleich mit – von Thomas Wörtche „Silverview“ ist der letzte Roman von John Le Carré. „Silverview“ ist nicht der letzte Roman von John Le Carré.  Ja, John Le Carré ist am 12.12.2020 gestorben, sein Sohn Nicholas Cornwell, der bei uns als Aidan Truhen Furore machte und auch unter dem Namen Nick Harkaway schreibt, hat das Manuskript am Ende milde redigiert, ein paar Tupfer hier und da ergänzt. Mit dem Roman selbst allerdingsRead More
Sätze, geraspelt bis zur reinen Essenz Wenn wir nicht so elend ignorant gegenüber dem Globalen Süden wären, würde uns vielleicht beim Stichwort True Crime nicht zuerst Truman Capote einfallen, sondern Rodolfo Walsh, und bei Country Noir nicht Jim Thompson, sondern Juan Rulfo. Der Mexikaner Juan Rulfo (1917 – 1986) war sicher einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts, sein Einfluss auf die lateinamerikanische Literatur immens, seine spröden und kargen Texte sind auch heute noch von einer Brillanz, die fortbesteht.  Seine sämtlichen Erzählungen und sein einziger Roman, „Pedro Páramo“ neu übersetzt (großartigeRead More
Must have 1972 war das Jahr, als ich anfing, fast ausschließlich schwarze Musik zu hören. Miles Davis, Billie Holiday, Charles Mingus, Archie Shepp, Ray Charles, Aretha Franklin … Ein riesiges musikalisches Neuland tat sich auf, Motown Records, Sigma und der Phillysound, Stax, Atlantic und so weiter, Platten, die sich damals nicht so leicht beschaffen ließen, aber wenn man dringend wollte, eben doch. Soul, Rhythm & Blues und Funk waren die laute, bunte und extrem sexy daherkommende Alternative zum damals eher beliebten Country Blues und den weißen „Blues Cover Bands“ (wie neulich PaulRead More
Thomas Wörtche über den neuen Roman von Colson Whitehead “Harlem Shuffle”, der neue Roman von Colson Whitehead, tummelt sich deutlich auf Chester-Himes-Gebiet. Nicht nur räumlich, auch zeitlich. Die Handlung beginnt 1959, dem Jahr, in dem zwei domestic-novels von Himes erschienen sind, und damit sein „Harlem Cycle“ Gestalt annahm. 1959 ist übrigens auch das Jahr, in dem Miles Davis‘ Meilenstein der Black Culture, „Kind of Blue“, erscheint und Davis selbst Opfer von rassistischer Polizeigewalt wird, wobei beide Ereignisse bei Whitehead nicht vorkommen. Aber natürlich hat das alles mit Whiteheads Roman zuRead More

Posted On Oktober 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2021

TW über Talese: Frank Sinatra Has a Cold

Frankie Boy Gay Taleses Porträt von Frank Sinatra aus dem Jahr 1965 (erschienen im Esquire, 1966) gilt als Klassiker des New Journalism. Der Clou und das Paradigmatische an dem Text ist, dass Frank Sinatra angeblich oder tatsächlich erkältet war, aber auf jeden Fall keine große Lust hatte, sich interviewen zu lassen. Also hatte Talese, eben typisch für den New Journalism, das Umfeld von Sinatra befragt, hat ihn aus der Distanz beobachtet – bei Schallplattenaufnahmen, in Bars und Clubs, bei einem TV-Konzert. Immer beäugt von Sinatras PR-Manager, notfalls abgeschirmt von derRead More

Posted On September 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag September 2021

TW über Frank Göhres Meisterstück

Verdichtete Komplexion Frank Göhres Roman „Die Stadt, das Geld und der Tod“ ist ein Meisterwerk des Kompression. „Der Müll, die Stadt und der Tod“ hieß das Skandalstück von Rainer Werner Fassbinder, das in der 70er Jahren die Gemüter erhitzte. Es ging damals um Grundstücksspekulationen im Frankfurter Westend, eine Zentralfigur schien an den Unternehmer und Politiker Ignaz Bubis (damals Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland) angelegt und damit antisemitische Klischees zu bedienen. Das ist lange her, aber natürlich bezieht sich der Titel von Frank Göhres neuem Roman auf Fassbinders Stück (und nichtRead More

Posted On September 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag September 2021

TW zu Max Annas „Der Hochsitz“

Die ganze Welt in einer Nussschale Die Provinz ist giftig. Max Annas‘ neuer Roman, „Der Hochsitz“, auch wenn er ein historischer Kriminalroman ist, der im Jahr 1978 spielt, belegt diesen Befund. In dem Buch kommen unter anderem vor: Ein Bankraub, Drogenschmuggel, Terroristinnen, zwei Morde, Wahnsinn und ein ominöser Amerikaner, der Bauern für ihre Höfe irrwitzige Kaufsummen anbietet. Und das alles in einem kleinen Dorf in der Eifel, an der luxemburgischen Grenze. Es gibt zwar Polizei und den Zoll, aber die blicken nicht durch, und insofern sind „Ermittlungen“ hier kein zentralesRead More

Posted On September 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag September 2021

TW liest Carlsson, Cercas, Pavičić

Die sozialen Kosten von „Aufklärung“ Thomas Wörtche über die Romane „Terra Alta“, „Unter dem Sturm“ und „Blut und Wasser“ Drei Kriminalromane aus drei Ländern, die man getrost als klassische Whodunnits bezeichnen könnte, sehen völlig unterschiedlich aus, sind völlig unterschiedlich, weisen aber schon auf den ersten Blick gewisse Analogien auf. Aber das wirklich Entscheidende enthüllt sich erst am Ende der Lektüren. Denn die per se sehr gute Kriminalromane haben den gleichen Subtext, der weit über die Gemeinsamkeiten hinausgeht. Und über die Unterschiede auch. Es ist die Rede von  Javier Cercas‘ „Terra Alta“,Read More
Zu ahnen, aber nicht zu fassen Der aktuelle Roman von Jonatham Lethem heißt „Anatomie eines Spielers“. Was bedeuten kann, es geht um Gestalt und Struktur eines Menschen, eben eines Glücksspielers. Oder es geht um die Zergliederung seines Körpers. Oder, der Originaltitel, „A Gambler’s Anatomy“, gibt auch das her: Ein Spieler nimmt eine Anatomie vor – so im Sinn von „Die Anatomie des Dr. Tulp“. Tatsächlich stecken alle drei Optionen im Text: Alexander Bruno, ein professioneller, telepathisch begabter Backgammon-Spieler, der gerade in Singapur eine Menge Geld verloren hat, versucht in BerlinRead More

Posted On August 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag August 2021

Filmkultur hinterm Eisernen Vorhang

Thomas Wörtche über das Buch von Lisa Gotto und Dominik Graf „Unser Staunen darüber, wie unter politischer Einflussnahme, Zwang und Zensur die klügsten und kraftvollsten Filme der Welt konnten, wie sich Originalität und Komplexität an den Grenzhütern der Regelungsbetriebe vorbeischmuggeln lassen, führt vom Gestern ins Heute. Wenn das gegenwärtige System der Fördergeldbürokratie zu Anpassungsdruck führt, wenn man Frauen vor und hinter der Kamera vermisst, wenn man sich fragt, was unserem Kino heute fehlt – dann sollte man bei der Suche nach Antworten bei den osteuropäischen Filmen anfangen“ Sorry, ich seheRead More