All posts by Thomas Woertche

Politik und Moral Der klassische Polit-Thriller oder Spionageroman des Kalten Krieges hat ein großes Zentralmotiv, eine Herzkammer, die den Text generiert: Den Verrat, für dessen Personifikation der Maulwurf steht.  Die duale Struktur der damaligen Welt, die beiden „Blöcke“, Ost und West, ist die Voraussetzung dafür, dass der Maulwurf, obwohl das essentiell-pragmatische Werkzeug der Wahl in diesem Konflikt, eine moralische Figur wird, wenn er tut, was er tun soll: Verrat an der eigenen Sache üben.  Moralisch deswegen, weil beide Parteien für sich reklamieren, die Guten zu sein. Und die anderen die Bösen. NatürlichRead More
Eleganz & Noir In einer längeren Besprechung habe ich schon 2009 versucht zu zeigen, wie massiv der Tinge of Noir das Gesamtwerk von Helmut geprägt hat. Eine neue Sammlung von bekannteren und unbekannteren Fotos hat jetzt die Helmut Newton Foundation unter dem Titel „Legacy“ zusammengestellt. Diese neue Kompilation ändert nichts an dem Umstand, dass viele von Newtons Fotos auf einer Ästhetik des Noir basieren, beziehungsweise zu einer Ästhetik des Neo-Noir beitragen.  Belege finden sich dafür in Hülle und Fülle. Es gibt nicht nur Newtons Aussagen, wie sehr er von Raymond ChandlerRead More
Unbehaglich, very Carlo Lucarellis Romane um den Commissario de Luca haben quälende moralische Impikationen. Sie tun weh. So auch der neueste Roman der Serie: „Der schwärzeste Winter“ – Eine Besprechung von Thomas Wörtche. „Der schwärzeste Winter“ ist der sechste Roman einer Serie, die seit 1990 die Geschichte des Commissario de Luca erzählt, der eigentlich nur ein guter Kriminalpolizist ist, aber durch die Zeitläufe zu zunehmend ekelhafter Kooperationen gezwungen. Hier, im Dezember 1944, arbeitet er für eine faschistische Spezialeinheit, die hauptsächlich Aktionen gegen die Partisanen der resistenca durchführt und zum Leichenberg der ZeitRead More
Was jetzt, Spion? In seinem letzten Roman, „Silverview“, demontiert John Le Carré den Job des Spions und den Spionageroman gleich mit – von Thomas Wörtche „Silverview“ ist der letzte Roman von John Le Carré. „Silverview“ ist nicht der letzte Roman von John Le Carré.  Ja, John Le Carré ist am 12.12.2020 gestorben, sein Sohn Nicholas Cornwell, der bei uns als Aidan Truhen Furore machte und auch unter dem Namen Nick Harkaway schreibt, hat das Manuskript am Ende milde redigiert, ein paar Tupfer hier und da ergänzt. Mit dem Roman selbst allerdingsRead More
Sätze, geraspelt bis zur reinen Essenz Wenn wir nicht so elend ignorant gegenüber dem Globalen Süden wären, würde uns vielleicht beim Stichwort True Crime nicht zuerst Truman Capote einfallen, sondern Rodolfo Walsh, und bei Country Noir nicht Jim Thompson, sondern Juan Rulfo. Der Mexikaner Juan Rulfo (1917 – 1986) war sicher einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts, sein Einfluss auf die lateinamerikanische Literatur immens, seine spröden und kargen Texte sind auch heute noch von einer Brillanz, die fortbesteht.  Seine sämtlichen Erzählungen und sein einziger Roman, „Pedro Páramo“ neu übersetzt (großartigeRead More
Must have 1972 war das Jahr, als ich anfing, fast ausschließlich schwarze Musik zu hören. Miles Davis, Billie Holiday, Charles Mingus, Archie Shepp, Ray Charles, Aretha Franklin … Ein riesiges musikalisches Neuland tat sich auf, Motown Records, Sigma und der Phillysound, Stax, Atlantic und so weiter, Platten, die sich damals nicht so leicht beschaffen ließen, aber wenn man dringend wollte, eben doch. Soul, Rhythm & Blues und Funk waren die laute, bunte und extrem sexy daherkommende Alternative zum damals eher beliebten Country Blues und den weißen „Blues Cover Bands“ (wie neulich PaulRead More
Thomas Wörtche über den neuen Roman von Colson Whitehead “Harlem Shuffle”, der neue Roman von Colson Whitehead, tummelt sich deutlich auf Chester-Himes-Gebiet. Nicht nur räumlich, auch zeitlich. Die Handlung beginnt 1959, dem Jahr, in dem zwei domestic-novels von Himes erschienen sind, und damit sein „Harlem Cycle“ Gestalt annahm. 1959 ist übrigens auch das Jahr, in dem Miles Davis‘ Meilenstein der Black Culture, „Kind of Blue“, erscheint und Davis selbst Opfer von rassistischer Polizeigewalt wird, wobei beide Ereignisse bei Whitehead nicht vorkommen. Aber natürlich hat das alles mit Whiteheads Roman zuRead More

Posted On Oktober 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2021

TW über Talese: Frank Sinatra Has a Cold

Frankie Boy Gay Taleses Porträt von Frank Sinatra aus dem Jahr 1965 (erschienen im Esquire, 1966) gilt als Klassiker des New Journalism. Der Clou und das Paradigmatische an dem Text ist, dass Frank Sinatra angeblich oder tatsächlich erkältet war, aber auf jeden Fall keine große Lust hatte, sich interviewen zu lassen. Also hatte Talese, eben typisch für den New Journalism, das Umfeld von Sinatra befragt, hat ihn aus der Distanz beobachtet – bei Schallplattenaufnahmen, in Bars und Clubs, bei einem TV-Konzert. Immer beäugt von Sinatras PR-Manager, notfalls abgeschirmt von derRead More

Posted On September 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag September 2021

TW über Frank Göhres Meisterstück

Verdichtete Komplexion Frank Göhres Roman „Die Stadt, das Geld und der Tod“ ist ein Meisterwerk des Kompression. „Der Müll, die Stadt und der Tod“ hieß das Skandalstück von Rainer Werner Fassbinder, das in der 70er Jahren die Gemüter erhitzte. Es ging damals um Grundstücksspekulationen im Frankfurter Westend, eine Zentralfigur schien an den Unternehmer und Politiker Ignaz Bubis (damals Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland) angelegt und damit antisemitische Klischees zu bedienen. Das ist lange her, aber natürlich bezieht sich der Titel von Frank Göhres neuem Roman auf Fassbinders Stück (und nichtRead More

Posted On September 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag September 2021

TW zu Max Annas „Der Hochsitz“

Die ganze Welt in einer Nussschale Die Provinz ist giftig. Max Annas‘ neuer Roman, „Der Hochsitz“, auch wenn er ein historischer Kriminalroman ist, der im Jahr 1978 spielt, belegt diesen Befund. In dem Buch kommen unter anderem vor: Ein Bankraub, Drogenschmuggel, Terroristinnen, zwei Morde, Wahnsinn und ein ominöser Amerikaner, der Bauern für ihre Höfe irrwitzige Kaufsummen anbietet. Und das alles in einem kleinen Dorf in der Eifel, an der luxemburgischen Grenze. Es gibt zwar Polizei und den Zoll, aber die blicken nicht durch, und insofern sind „Ermittlungen“ hier kein zentralesRead More

Posted On September 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag September 2021

TW liest Carlsson, Cercas, Pavičić

Die sozialen Kosten von „Aufklärung“ Thomas Wörtche über die Romane „Terra Alta“, „Unter dem Sturm“ und „Blut und Wasser“ Drei Kriminalromane aus drei Ländern, die man getrost als klassische Whodunnits bezeichnen könnte, sehen völlig unterschiedlich aus, sind völlig unterschiedlich, weisen aber schon auf den ersten Blick gewisse Analogien auf. Aber das wirklich Entscheidende enthüllt sich erst am Ende der Lektüren. Denn die per se sehr gute Kriminalromane haben den gleichen Subtext, der weit über die Gemeinsamkeiten hinausgeht. Und über die Unterschiede auch. Es ist die Rede von  Javier Cercas‘ „Terra Alta“,Read More
Zu ahnen, aber nicht zu fassen Der aktuelle Roman von Jonatham Lethem heißt „Anatomie eines Spielers“. Was bedeuten kann, es geht um Gestalt und Struktur eines Menschen, eben eines Glücksspielers. Oder es geht um die Zergliederung seines Körpers. Oder, der Originaltitel, „A Gambler’s Anatomy“, gibt auch das her: Ein Spieler nimmt eine Anatomie vor – so im Sinn von „Die Anatomie des Dr. Tulp“. Tatsächlich stecken alle drei Optionen im Text: Alexander Bruno, ein professioneller, telepathisch begabter Backgammon-Spieler, der gerade in Singapur eine Menge Geld verloren hat, versucht in BerlinRead More

Posted On August 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag August 2021

Filmkultur hinterm Eisernen Vorhang

Thomas Wörtche über das Buch von Lisa Gotto und Dominik Graf „Unser Staunen darüber, wie unter politischer Einflussnahme, Zwang und Zensur die klügsten und kraftvollsten Filme der Welt konnten, wie sich Originalität und Komplexität an den Grenzhütern der Regelungsbetriebe vorbeischmuggeln lassen, führt vom Gestern ins Heute. Wenn das gegenwärtige System der Fördergeldbürokratie zu Anpassungsdruck führt, wenn man Frauen vor und hinter der Kamera vermisst, wenn man sich fragt, was unserem Kino heute fehlt – dann sollte man bei der Suche nach Antworten bei den osteuropäischen Filmen anfangen“ Sorry, ich seheRead More

Posted On Juli 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Juli 2021

TW zur Wiederentdeckung von John Mair

Klassiker- hmm? Es ist schon eine hübsche Trouvaille aus den verstaubten Kisten der Genre-Geschichte: John Mairs erster und einziger Roman: „Es gibt keine Wiederkehr“ aus dem Jahr 1941.  Obwohl, Trouvaille? Es gibt Bücher, die geistern so durch die Jahrzehnte, tauchen hin und wieder auf, und verschwinden dann wieder in der Versenkung, bis der nächste Re-Launch versucht wird. Charlotte Jays „Beat not the Bone“ etwa ist so ein Fall. Oder eben „Never come back“.  1957 finden wir den Roman auf Julian Symons Liste „100 Best Crime & Mystery Books” in der Sunday Times,Read More
Nach gerade mal zehn Seiten setzt Viet Thanh Nguyen in seinem zweiten Roman „Die Idealisten“ das erste kräftige Ausrufezeichen. Sein Ich-Erzähler ist tot, er hat zwei Löcher im Kopf und bezeichnet sich als „Ghostwriter“. Wer also nach Nguyens vielgepriesenem Polit-Thriller „Der Sympathisant“ einen weiteren, eher realistischen Roman erwartet, sieht sich düpiert. Auch wenn das Personal der „Idealisten“ partiell dasselbe ist wie das des „Sympathisanten“.   Der bis dahin namenlose Erzähler, der, so zeigt sich später, möglicherweise Vo Danh heißt, ist im Paris des Jahres 1981 gelandet: Als „Boat People“ ausRead More

Posted On Juli 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Juli 2021

TW über Walton Fords Tier(?)welten

„I like things that bite“ 2009 erschien „Pancha Tantra“, Walton Fords unfassbar prächtige, opulente Variante der indischen Tierfabeln in grandiosen Bildern. 2020 ergänzt der Taschenverlag diese Edition noch um 40 neue Bilder und 100 neue Seiten (Details und Anmerkungen Fords, bzw. Inspirationsquellen). Im Grunde könnte ich meine alte Rezension von damals einfach noch einmal abdrucken, möchte Sie aber lieber bitten, nur nochmal schnell drüberzulesen, damit ich mich in der Substanz nicht wiederholen muss, merci. Schauwert Die neuen Werke fügen sich in Walton Fords Konzept, anhand der mehrfachen ästhetischen Aufladung seinerRead More
In den 1990er und 2000er Jahren gab es eine kleine Welle russischer respektive postsowjetischer Kriminalliteratur auf dem deutschsprachigen Markt, wohlgemerkt autochthoner russischer Autor*innen. Die üblichen einschlägigen Narrative von außen über die Sowjetunion, Russland und andere Republiken, also alles seit John Le Carré oder Martin Cruz-Smith, lassen wir hier mal beiseite.  Boris Akunin, Polina Daschkowa, Alexandra Marinina, Darja Donzowa oder Anna Malyschewa, um nur ein paar Namen zu nennen, waren hier zwar nie wirklich fette Bestseller, aber sie wurden doch regelmäßig wahrgenommen. Davon ist nicht mehr viel übriggeblieben in unserem Fokus,Read More
Motiv- und Stilmix als Programm Detroit, auch Motor City genannt (Ford, Chrysler, General Motors) galt lange als die US-amerikanische Stadt, die symbolhaft für die Verliererseite des industriellen Strukturwandels stand. Insolvent, unter staatlicher Kuratel, bedrückende Armut fast eines Drittels der Bevölkerung, die höchste Kriminalitätsrate des Landes. Ein idealer Nährboden für Kriminalromane – wie sonst wollte man mit diesem Elend auch umgehen? Detroit war Loren-D.-Estelmans Turf, Elmore Leonard hat grandiose Detroit-Romane geschrieben und ganz nebenbei immer wieder die teilweise immer noch prächtige, wenn auch gefährdete Architektur der Stadt gefeiert. Seit 2014 allerdings hatRead More

Posted On Juni 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Juni 2021

TW: Ian McGuire „Der Abstinent“

Kein Roman à la mode – etwas Eigenes Manchester, 1867. Die „Troubles“ in Irland sind in Terror und Gegenterror verfangen, der Viktorianismus, eine ziemlich widerwärtige Epoche des UK, zeigt seine hässlichste imperiale und koloniale Fratze. Der irische Polizist James O’Connor ist aus Dublin nach Manchester, dem symbolträchtigen Ort des gleichnamigen Kapitalismus, versetzt worden. Nach dem Tod seiner Frau wurde er erst zum untragbaren Alkoholiker, dann zum „Abstinent“. Aus der heimischen Schusslinie genommen, soll er die nordenglische Polizei bei ihrem Kampf gegen die „Fenians“, die irischen Aufständischen unterstützen, die sich überallRead More
Borges-k und anti-modern Eine Erkundung von Thomas Wörtche Der Argentinier Guillermo Martínez ist vermutlich (neben Pablo de Santis) der Autor, der den Geist von Jorge Luis Borges am Deutlichsten in die kriminalliterarische Jetztzeit überführt hat:  Kriminalliteratur als streng intellektuelles Spiel, als großes, abstraktes Feld, auf dem sich „Realität“ und Fiktionen in verblüffenden, mysteriösen Konstellationen neu sortieren. Wobei „Realität“ deutlich keine sozialen und politischen Realitäten meint, sondern mathematische (Martínez ist Mathematiker) und philosophische Theoreme, die schon so avanciert sind, dass sie ihrerseits Züge des Fiktionalen tragen. „Die Pythagoras-Morde“, sein bisher größer ErfolgRead More
Mit einem Wort: großartig „Ich fahre nach Moers“, das hieß in den frühen 1970ern nicht, dass man die Verwandtschaft am Niederrhein besucht, sondern gemeint war das „Internationale New Jazz Festival Moers“, das nun 50 Jahre alt wird. Ein halbes Jahrhundert, mon dieu. Von 1972 bis 1976 oder 1977 oder 1978 bin ich jedes Jahr nach Moers gefahren, gepennt wurde im Auto oder im Schlafsack auf der Wiese oder eher gar nicht. Die Dope-Schwaden waren so dicht, dass man fast keinen eigenen Stoff braucht, die Bongos tuckerten ohne Unterlass durch dieRead More

Posted On Mai 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag Mai 2021

TW über „Jazz Covers“

Cover von Langspielplatten – ob Jazz oder Rock oder was auch immer – waren 50 Jahre lang, also von ca. 1940 bis 1990, ein sehr eigenes Kunstgenre. Ihre Bilder, ihr Design, ihre Motive schufen eine Art von Eindringlichkeit, die für die Ewigkeit gemacht scheint. „Jazz Covers“ von Joaquin Paulo und Julius Wiedemann präsentiert auf ca. 550 Seiten ein riesiges Panorama feinster Cover von fast allen wichtigen Labels der Zeit, wobei der Schwerpunkt auf den 50er, 60er und 70er Jahre liegt, als Blue Note, Impulse, Verve, MPS, CTI  oder CBS nicht nurRead More
Die Geister des Anderswo Thomas Wörtche über einen aufschlussreichen Fotoband Pracht ist ja schon was Feines, kluge Pracht ist noch besser. Fünf Jahre hat sich der französische Journalist und Autor Frédéric Chaubin in Europa herumgetrieben und über 200 Burgen fotografiert. Und eine europäische Burgenkarte gibt es auch noch dazu. Diese Fotos der steinigen Monster sind schon überwältigend gut, einfach als Bildsensationen genommen. Soviel stolz-aufragende, in die Landschaft geschmiegte, fast verborgene, ästhetisch-geometrische, formal-reine, verwinkelt-hybride, trutzig-klotzige Burgen, zierlos oder verziert, majestätisch, bedrohlich, schutzbietend oder herausfordernd – Burgen sind nicht nur Burgen. BurgenRead More

Posted On April 1, 2021By Thomas WoertcheIn Crimemag, CrimeMag April 2021

Von Friedrich Glauser lernen …

Christa Baumbergers Materialband: „Friedrich Glauser. ‚Jeder sucht sein Paradies ….‘ Briefe, Berichte, Gespräche“ kann dabei helfen. Ein paar Notizen von Thomas Wörtche Es sollte schon zu denken geben: Friedrich Glauser, der erste wirklich relevante Autor von deutschsprachiger Kriminalliteratur war ein morphiumsüchtiger, von seinem Vater verstoßener Outsider, der lange Jahre seines kurzen Lebens (1896 – 1938) in psychiatrischen Einrichtungen verbracht hat, der sich mit allen möglichen und unmöglichen Jobs vom Bauernknecht bis zum Minenarbeiter durchgeschlagen hat, in der Fremdenlegion war (und darüber einer der größten Romane des 20. Jahrhunderts geschrieben hat:Read More
Ein Glücksfall von Buch „Gestapelte Frauen“, der neue Roman der Brasilianerin Patrícia Melo, ist ein wütendes Buch über ein abscheuliches Skandalon. Es geht um Feminizide, also Tötungsdelikte an Frauen, weil sie Frauen sind, deren Häufigkeit global gesehen erschreckend ist. 2017 gab es weltweit ca. eine halbe Million Opfer, Tendenz rasant steigend, die Dunkelziffer ist entschieden höher. Brasilien und dort die Provinz Acre im Amazonasgebiet sind besondere Hotspots. Dahin verschlägt es die namenlose Hauptfigur des Romans, eine Anwältin aus São Paulo, die einen einschlägigen Prozess beobachten soll, und die sich vorRead More
Als Schwergewicht wird auch gerne Dorothy L. Sayers gehandelt, völlig zurecht, was die Qualität ihrer Prosa betrifft, die weit über der ihrer zeitgenössischen Kolleg*innen rangiert. Im Zuge der back-to-the-roots-Welle, die, aus welchen Gründen auch immer versucht, längst Überkommenes quasi als normativ neu zu positionieren, konnte man die Uhr danach stellen, dass auch sie wieder zum x-ten Male neu aufgelegt wird. Okay, diesmal also Diskrete Zeugen (dt. von Otto Bayer, Wunderlich) aus dem Jahr 1926. Es gibt aber gute Gründe – basierend u.a. auf ihrer berühmten Rede „Aristotle on Crime Fiction“ – ihr Gesamtwerk (wie soRead More