All posts by Peter Muender

Posted On November 1, 2020By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag November 2020

John Dos Passos – Klassiker-Check

„Der Romancier als Trüffelschwein hat einen großen Vorteil gegenüber dem Soziologen“ Ein Besuch bei John Dos Passos anlässlich seines 50. Todestages am 28. September 1970 und der Neuübersetzung der USA-Trilogie von Dirk van Gunsteren und Josef Stingl – von Peter Münder. Mit seiner 1925 veröffentlichten Großstadt-Hymne „Manhattan Transfer“ und der darin verwendeten raffinierten Montage- und „Stream of Consciousness“-Technik avancierte John Dos Passos (1896-1970) zum Pionier einer neuartigen Erzähltechnik: Der klassische Protagonist fehlt hier ebenso wie der allwissende Erzähler; was Thackeray im bunten Gesellschaftspanorama „Vanity Fair“ zwar auch schon 1847 praktizierte und sogarRead More

Posted On November 1, 2020By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag November 2020

Ein Jahr beim FC Union Berlin

Unter Sinnsuchern  Sein Traum von einer Langzeit-Studie beim krassen Bundesliga-Außenseiter FC Union Berlin wurde wahr: Sport-Reporter  Christoph Biermann konnte sich ein Jahr lang bei den Unionern  umsehen und hat seine Erfahrungen nun im Buch „Wir werden ewig leben“ festgehalten: Authentisch, spannend und mit überraschenden Einsichten über Fußball als Religionsersatz. –  Von Peter Münder.  Nicht der mit Ach und Krach geschaffte Aufstieg der Unioner in die erste Bundesliga war das große Wunder für den Langzeitbeobachter Christoph Biermann, sondern dass er tatsächlich mit dabei sein durfte: Beim Training, im Mannschaftsbus und sogar bei Präsidiumssitzungen –Read More

Posted On Oktober 1, 2020By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2020

Christian von Ditfurth: „Terrorland“

Das Böse lauert immer und explodiert überall Seine ultimativen, hochexplosiven Polit-Thriller liefert Christian von Ditfurth nun schon seit einigen Jahren. Aber nach „Giftflut“ (2017), „Schattenmänner“(2018) und „Ultimatum“ (2019) stellte man sich auch die Frage, ob der Berliner Autor seine Plots um Entführungen, Attentate und Massaker überhaupt noch steigern kann: War das Blut- und Mord-Limit nicht bereits in „Ultimatum“ überschritten?  Sein neuer Thriller „Terrorland“ demonstriert, dass in diesen chaotischen Zeiten sich weder Terroristen noch Autokraten oder Geheimdienstler an irgendwelche Normen gebunden fühlen und das Bomben, Abschlachten und Entführen offenbar zum Alltagsgeschäft geworden ist. – Von PeterRead More

Posted On September 1, 2020By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag September 2020

Peter Münder: Hegel heute

Zwischen verklärender Denkmalpflege und kritischer Dialektik Peter Münder zu neuen Hegel-Biographien zum 250. Geburtstag des schwäbischen Philosophen Die Biographen Klaus Vieweg, Sebastian Ostritsch und Jürgen Kaube bewegen sich auf den Spuren des Weltgeistes und nehmen Witterung zu Hegels Begriff des Absoluten auf. Vieweg windet dem frankophilen Freiheitsdenker einen prächtigen Lorbeerkranz, Ostritsch versucht, ohne allzu komplexe Theorie-Exkurse einen Zugang zum Hegelschen Gesamtsystem inklusive der Philosophie der Logik und der Rechtsphilosophie zu liefern, Jürgen Kaube erfasst mit Betrachtungen über technisch-politisch-wissenschaftliche Umwälzungen zur Hegel-Zeit am eindrucksvollsten den Hegel-Kosmos und demonstriert mit Episoden aus dem Alltag des theologischenRead More

Posted On August 1, 2020By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag August 2020

Peter Münder: Der neue Markaris

Die Sehnsucht des Kommissars nach Nestwärme, Souflaki und Anerkennung Die Wonnen des familiären Glücks nach der Geburt des Enkels kann Kommissar Charistos nicht richtig auskosten, weil das „Heer der Nationalen Idioten“ sich mit Bombenterror an „Heuchlern“ rächen will. Der griechische Krimi-Altmeister Petros Markaris hat im neuesten Band „Zeiten der Heuchelei“ mal wieder das griechische Drama im Fokus, in dem verzweifelte Krisenverlierer und gutgläubige Ausgebeutete auf der Strecke bleiben. – Von Peter Münder.  „Zahltag“ hieß der 2011 veröffentlichte Krimi von Petros Markaris, in dem ein selbsternannter „nationaler Steuereintreiber“ plutokratische Steuerhinterzieher aufforderte,Read More

Posted On August 1, 2020By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag August 2020

Peter Münder über Siegfried Unseld

Autorenbetreuer, Vertreter, Programmentwickler und Talentinvestor Anlässlich des 70jährigen Bestehens des Suhrkamp-Verlags wird in diesen Tagen über das Wesen der „Suhrkamp-Kultur“ diskutiert, die vor allem vom Verleger Siegfried Unseld (1924-2002) geprägt wurde, der 1959 Nachfolger von Peter Suhrkamp geworden war. Der langjährige, vor kurzem verstorbene Cheflektor Raimund Fellinger hatte bereits 2014 zusammen mit Ulrike Anders und Katharina Karduck eine Portion von Unselds Reiseberichten als „Chronik 1971“ herausgegeben, in denen Unseld über Autorengespräche, Projekte und Enttäuschungen mit Ego-Monstern wie Thomas Bernhard oder Max Frisch berichtete. Fellingers neueste, gerade erschienene „Reiseberichte“ enthalten weitereRead More
Zufrieden, sicher, versorgt und immer überwacht mit implantiertem Chip – Wer vermisst da noch ein abstraktes Freiheitskonzept? Zoë Becks „Paradise City“ ist ein gelungener kritischer  Gegenentwurf zu Aldous Huxleys „Brave New World“ von 1932: Statt satirischer Übertreibungen, hedonistischer Exzesse und gigantischer Labore voller Teströhren, in denen zufriedene Dumpfbacken-Kreaturen ausgebrütet werden, beschreibt sie in einem Science Fiction-Scenario eine um das Jahr 2050 funktionierende Gesundheits-Diktatur: Nach einer verheerenden  Maser-Epidemie und gigantischen Überschwemmungen hat sich eine Giga-Behörde etabliert, die mit implantierten Chips und Rundum-Video-Überwachung die Aktivitäten der Bevölkerung  kontrolliert. Mit ihrer Protagonistin Liina, einer Journalistin, dieRead More
Maurer, Dichter, Shigulimann Wendezeit ist Dichterzeit: Jedenfalls für einen so begnadeten Autor wie den 1963 in Gera geborenen Lutz Seiler. Nach seinem grandiosen „Kruso“ (2014, Deutscher Buchpreis) nun also „Stern 111“ (Leipziger buchpreis 2020). Statt Flucht-Visionen der Hiddensee-Kommune nun also Berliner  Umbruch-Aufbruch-Abbruch-Szenarios mit eigenwilligen Außenseiter-Typen. Carl taucht nach dem Fall der Mauer und dem „Weggang“ der Eltern in den Westen in die turbulente  Berliner  Nachwendezeit ein, als Häuser besetzt wurden, um sie bewohnbar zu machen. – Von Peter Münder.  Im „Heimathafen der Gedichte“ fühlte sich der Lyriker Lutz Seiler („im federlatein“, 2010) immerRead More

Posted On Juni 1, 2020By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag Juni 2020

Ziemowit Szczereks „Sieben“

Surrealistischer Polski Blues: Ist dies der Staub Pompejis oder schon die Post-Apokalypse? Ziemowit Szczereks „Sieben“ liefert eine bizarre Assoziationskette zur polnischen Malaise, die sich beim Road Trip entlang der Schnellstraße 7 zwischen Krakau und Warschau ergibt: In seinem Opel Vectra jagt der polnische Fake News-Journalist Pawel zu einem Termin nach Warschau und erlebt in Hunter Thompsons Gonzo-Stil einen Höllentrip,  bei dem er zwischen einigen Unfällen und vollgedröhnt mit Hexer-Drogen über polnische Trash-Architektur, den wilden Osten und den verkorksten polnischen Nationalcharakter  schwadroniert. – Von Peter Münder Ausgerechnet zu Allerheiligen und einen Tag nachRead More
Im Bodensatz von App-Chats eine neue Identität gefunden Ilja hat sieben Jahre im russischen Straflager abgesessen und steht vor einem Neuanfang. Doch der Tod der Mutter und die Aversion  seiner damaligen Freundin werfen ihn völlig aus der Bahn: Er lässt sich im Affekt zum Mord seines skrupellosen Peinigers Petja („Das Schwein“) hinreißen und fischt in den Chats auf dessen Smartphone nach Informationen, die ihn über Wasser halten können. Der brillante russische Autor Dmitry Glukhovsky entwickelt in Text einen faszinierenden Hybrid aus Entwicklungs-Roman und Thriller. –  Von Peter Münder    PS: Der Kritiker begeht mitRead More
„Rost in Peace“ nannte der Photograph Heribert Niehues seinen ersten Bildband, in dem er die ästhetisch faszinierende Symbiose von Lost Places und derangierten Autos in Bildern von betörender Intensität festhielt. In diesem  zweiten Bildband „Poesie der Vergänglichkeit“ zelebriert Niehues  diese Dekadenz eingebettet in Kulissen  verlassener Tankstellen, Diner, Motels und Farmhäuser, wobei der Bezug zu schrottigen  Autos einen spezifisch morbiden Charme entwickelt.  Von Peter Münder    Für europäische Besucher amerikanischer  Ghost Towns ist es ebenso faszinierend wie irritierend, beim Betrachten all der verlassenen Goldgräber-Siedlungen und der zurückgelassenen Habe der Goldsucher auchRead More
Eine Doppelrezension von Peter Münder Lügen, betrügen, töten: Alles nur ein Job? Mark Billingham (59) ist immer für Überraschungen gut: Einerseits steht das Spielbein des  englischen Theaterwissenschaftlers und ehemaligen Stand-up-Comedian immer noch im Bühnenbereich, andererseits hat er sich mit einem stabilen Standbein, bzw. Schreib-Arm, längst als erfolgreicher, in ca. 20 Sprachen übersetzter Krimi-Autor etabliert: „Ein Herz und keine Seele“ ist bereits sein 16. Tom Thorne-Krimi. Zuletzt hatte er sich in „Love like Blood“ (2017) mit dem Thema „Ehrenmord“ sehr überzeugend und mit analytischem Scharfsinn auseinandergesetzt. Nun präsentiert er unter demRead More
Die neue radikale Unentschiedenheit  Wutbürger gibt es auch in England- aber es wäre kleinkariert, gegenwärtige Irritationen und Turbulenzen allein auf den Brexit zu projizieren oder mit der Inkompetenz einiger politischer Funktionsträger zu erklären. Wut, Frust und Abscheu gegenüber einem debilen, dekadenten Establishment gab es schon unter Queen Victoria, zur Zeit von Disraeli , Palmerston, Gladstone und vor allem während der Thatcher-Regentschaft – von Gordon Brown, Harold Wilson, John Major und dem opportunistischen Bush-Kumpel Tony Blair ganz zu schweigen. Der Romancier Jonathan Coe („Number 11“) versucht mit subtilem Einfühlungsvermögen und demRead More
Mit dem Holzschnitt die Welt einfangen Dunkle Landschaften mit verblüffenden Lichteffekten und punktgroßen Menschlein, Kabuki-Schauspieler in phantastischen Kostümen, fragile Hochbrücken, die von Bauern überquert und von Hirschen beäugt werden, bewaffnete Frösche, die sich im blutigen Schlachtgetümmel bekämpfen, erotische Szenen mit aparten Konkubinen: All diese faszinierenden Szenen werden auf japanischen Holzschnitten dargestellt und entfalten seit dem 18. Jahrhundert ihren ganz besonderen Reiz. Wie der grandiose, 600 Seiten starke Taschen-Bildband „Der japanische Holzschnitt in 200 Meisterwerken“ zeigt, wurden Holzschnitte auch als Medien im Kampf gegen höfische Zensur eingesetzt und vermittelten über denRead More
Wehe, wenn die Kobra tänzelt und zittert! Was ist los mit Louis Begley? Der sensible Chronist fataler gesellschaftlicher  Entwicklungen und gefährdeter Figuren, deren Alterungsprozesse er zu beeindruckenden Porträts verdichtete („About Schmidt“, „Mistler’s Exit“), hatte sich 2015 entschlossen, das eher Filigran-Schöngeistige in der Schublade zu versenken und als Quereinsteiger im Krimi-Genre für Furore zu sorgen: Nach „Killer, Come Hither“, „Kill and Be Killed“ (2016) beglückt der 86-Jährige die Trash- und Thriller-Freaks nun mit „Killer’s Choice“. Will er beweisen, dass er als „The Man Who Was Late“ (Begley-Romantitel von 1993) auch im hohenRead More
Ivo, der kafkaeske Premier League-Kicker Tonio Schachingers „Nicht wie ihr“ Ivo Trifunovic ist ein erfolgreicher Profi- Fußballer: in den Medien präsent, mit Bugatti und Aston Martin-Status-Symbolen unterwegs, ausgerüstet mit Spieler- und Vermögensberater; die schicke Frau gehört auch zu ihm, nebenher  hat er noch eine feurige Geliebte. Aber warum ist er meistens total genervt und zweifelt an sich? Der österreichische Autor Tonio Schachinger zieht in seinem Debut-Roman „Nicht wie Ihr“ den Leser in einen rasanten Strudel: Er serviert verstörende Impressionen aus dem Leben eines Profi-Kickers, die hinter kurzen Erfolgsphasen das totale Ennui mit den Redundanzschleifen eines ThomasRead More
Autistischer junger Hacker wird als Terminator eingesetzt  Nun hat er den Weg zurück zur geliebten Nakashima-Schreibmaschine doch noch gefunden: Nach seiner glänzenden Autobiographie „Outsider“ (2015) hatte der inzwischen 80jährige Superbestseller-Autor Frederick Forsyth („Der Schakal“, „Die Todesliste“) ja bereits seinen Autoren-Ruhestand angekündigt; nun ist  also sein „allerletzter“  Thriller „Der Fuchs“ erschienen. – Von Peter Münder. Schon seit  dem Verschwinden eindeutiger Feindbilder nach dem Ende des Kalten Krieges hatten Thriller-Autoren enorme Probleme; nach den Nine-Eleven-Terrorattacken bestand ihr Problem offensichtlich auch darin, ein diffuses globales  Konfrontations-Phantom überhaupt noch präzise in den Fokus zu bekommen: „Die Realität istRead More

Posted On Oktober 3, 2019By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2019

Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge

„Regieanweisungen stehen natürlich präzise an den jeweiligen Stellen“ Eigentlich ist ja schon alles gesagt über den grotesken Fälscherskandal Relotius. Doch wie der  freie Spiegel-Autor Juan Moreno trotz aller Widerstände der SPIEGEL-Hierarchie diesen Skandal aufdeckte und die verklärte SPIEGEL-Märchenstunde der  bewunderten Edelfeder Relotius beendete, ist beeindruckend. Auch weil er in seinem Buch „Tausend Zeilen Lüge“ aus kritischer Distanz und im größeren Medien-Kontext –Stichwort Fake News – die Auswirkungen einschätzt.  – Von Peter Münder.    Am Anfang, vor der skandalumwitterten Reportage „Jaegers Grenze“ (27/11/18) von Moreno/ Relotius, war da nur ein eher diffuses, aversives Unbehagen beiRead More
Wyatts Vorliebe für Solo-Jobs Der abgebrannte Wyatt wollte eigentlich mit jungen Typen einen Geldtransporter überfallen, merkte aber rechtzeitig, dass diese Wichtigtuer von behutsamer, genauer Planung keine Ahnung hatten. Nun will er als Einzelkämpfer für hundert Riesen ein altes  flämisches Gemälde stehlen – ein Kinderspiel für den ausgebufften Profi? Gary Dishers Krimi „Hitze“ demonstriert, wie ein lässiges kleines Meisterwerk funktioniert: Wenn das filigran gezimmerte Psychogramm des Anti-Helden schlüssig kombiniert wird mit dem analytischen Blick fürstrukturelle Besonderheiten und den ambivalenten Grautönen einer saturierten Gesellschaft. – Von Peter Münder.  Verheißungsvoll klingt schon der ersteRead More

Posted On Oktober 3, 2019By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2019

Heide Sommer: Lassen Sie mich mal machen

„Ich hatte meine Redakteure fest im Griff“ Heide Sommer arbeitete im Verlauf von fünf Jahrzehnten als Sekretärin für Edelfedern wie Theo Sommer, Joachim Fest, Günter Gaus, Rudolf Augstein, Fritz J. Raddatz sowie für den Dramatiker Carl Zuckmayer, Ex-Kanzler Helmut Schmidt und den Hamburger Opern-Generalmusikdirektor Hans Zender. Sie war nicht nur Stenographin und Tippse, sondern auch erfinderische  Organisatorin. Ihr Rückblick „Lassen Sie mich mal machen“  erfasst eine Epoche ohne PC, Smartphone und  Fax. Er ist mit kulturkritischen Exkursen  garniert und gerät so auch zum spannenden  Dokument der Zeitgeschichte. – Von Peter Münder. Die Telefonverbindung zum „Zeit“-Korrespondenten HansjakobRead More

Posted On September 1, 2019By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag September 2019

Steffen Kopetzky „Propaganda“

Desillusionierter Freiheitskämpfer wird erbitterter Regimekritiker John Glueck  kämpft  1944 als Leutnant der US- Propaganda-Einheit  „Sykewar“ in der mörderischen Hürtgenwald-Schlacht in der Eifel gegen die Wehrmacht. Sein Bild vom hehren Freiheitskampf gegen Nazi-Faschisten wird aber angesichts der Inkompetenz und Gleichgültigkeit der Generäle und der US-Politkaste brüchig und führt zur großen Desillusion. – Rezension von Peter Münder. An der New Yorker Columbia University hatte er einen Kurs in „Creative Writing“ belegt und sich auf Short Stories kapriziert, dann war John Glueck nach dreimonatiger militärischer  Ausbildung aufgrund  seiner exzellenten Deutschkenntnisse von der  Propaganda-Einheit „Sykewar“ übernommen  worden. Gluecks Familie hat deutsche Wurzeln,Read More

Posted On August 5, 2019By Peter MuenderIn Litmag, NATUR Special, Specials

Peter Münder: Romantik und Apokalpyse

Waldeinsamkeit oder Napalmgeruch am Morgen Zum Naturbegriff zwischen Romantik und „Apocalypse Now“ – von Peter Münder Schon am ersten Tag unserer Radtour durch einsame litauische Wälder – von der Kurischen Nehrung bis nach Vilnius und an die Grenze zu Weißrussland – ging mir der  Ruf des mysteriösen sprechenden Vogels aus Tiecks Novelle „Der Blonde Eckbert“  (von 1797) durch den Kopf: „Waldeinsamkeit! Oh wie mich freut Waldeinsamkeit!“   Das Schwelgen in dieser litauischen Wald-Einsamkeit  war  einerseits der Auslöser eines Glücksgefühls, das die Symbiose von Mensch und Natur zelebrierte, wozu unterwegs auch noch das stundenlange Dösen inRead More
Wo ist der Killer-Anwalt? Peter Münder über das neue Buch von Michael Wolff Hatte Michael Wolff in „Fire and Fury“ über das Chaos im Weißen Haus und über den labil-egomanischen und völlig überforderten Präsidenten Trump während des ersten Amtsjahres nicht schon eine glänzende, umfassende Systemkritik sowie ein präzises Psychogramm geliefert? Nun sei im zweiten Amtsjahr des laut Verdikt des ehemaligen Chefstrategen Steven K. Bannon „fucking crazy“ Präsidenten jedoch eine stark veränderte Situation eingetreten, erklärt Wolff im Vorwort zum neuesten Band „Siege“: Viele Trump-Mitarbeiter seien inzwischen gefeuert worden oder aus FrustRead More
Xenia räumt auf „Borderless“ ist zwar der elfte Thriller von Veit Heinichen, 62, der im Umfeld von Triest spielt, aber der Spezialist für mafiöse Strukturen und skurrile Marotten des sympathischen Querdenkers Commissario Proteo Laurenti hat nun eine dynamische Runderneuerung vorgenommen: Die beinharte Kung-Fu Kämpferin Xenia Zannier hat Laurenti als Commissario abgelöst; sie will die korrupte Senatorin Romana Costella de Poltieri mitsamt ihrer Banker-Politiker- und Unternehmer-Netzwerke zu Fall bringen und dabei auch den Mord an ihrem Bruder rächen. Nun ist das sonst so beschauliche Grado der Hauptschauplatz: Von hier aus wirdRead More

Posted On Mai 1, 2019By Peter MuenderIn Crimemag, CrimeMag Mai 2019

Stefan Appelius „Die Spionin“

Olga und ihr CIA-Spionageclan Wenn Top-Agenten aus der DDR die große Sause im Schlaraffenland genießen wollten – Von Peter Münder. Bei einem Geheimprozeß in Frankfurt/Oder wurde 1960 die Raue-Gruppe wegen Spionage für die CIA zu langen Haftstrafen verurteilt: Es war ein Familien-Clan um Heinz, Gerd und Olga Raue (geb. Karalus), der im Kalten Krieg in der DDR und in Moskau für die CIA arbeitete – leichtsinnig und dilettantisch, aber bis zur Verhaftung auch erfolgreich: Olga hatte in der Umgebung von Moskau ein Areal zum Raketenbau und für die Produktion einer WasserstoffbombeRead More
Journalist, Kritiker und Romancier „Diese unmoderne Persönlichkeit mit unglaublich modernen Ansichten“ (Alfred Kerr) Selten gab es so ein literarisches Allround-Talent wie Theodor Fontane: Schon als  junger Apotheker schrieb er Gedichte und Balladen, wechselte dann als Quereinsteiger zum Journalismus, machte während des Krim-Krieges 1855 PR in London für die preußische „Centralstelle für Preßangelegenheiten“, schrieb für die Berliner „Kreuz“-Zeitung und die „Vossische Zeitung“ Feuilletons und Theaterkritiken, bis er sich dann „im zarten Alter von sechzig Jahren entschloß, ein naturalistischer Dichter zu werden und  mit „Irrungen, Wirrungen“ flugs den besten Berliner Roman schrieb“ (Alfred Kerr). WelcheRead More