All posts by Karsten Herrmann

Posted On September 19, 2012By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

David Mitchell: Die tausend Herbste des Jacob de Zoet

Verpasste Chance – David Mitchell ist einer jener polyglotten britischen Autoren, dessen Schreiben die Welt umspannt und der mit sprühender Fantasie Zeiten, Räume und Kulturen verschränkt. Eine besondere Rolle spielen dabei immer wieder der Ferne Osten und Japan, wo er selbst für einige Zeit lebte. Und hier spielt auch der neue voluminöse Roman von David Mitchell – und zwar an der historisch bedeutsamen Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert. Von Karsten Herrmann Japan ist zu dieser Epoche des blühenden westlichen Kolonialismus hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen und einzig ein HandelspostenRead More

Posted On August 22, 2012By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Chad Harbach: Die Kunst des Feldspiels

Ein literarischer Homerun – Mit seinem Debüt „Die Kunst des Feldspiels“ legt Chad Harbach einen wunderbaren Baseball- und College-Roman im Stil einer klassischen Great American Novel vor, der das Zeug zum Bestseller besitzt. Von Karsten Herrmann Chad Harbachs Protagonist ist der junge Henry Skrimshander – ein schmächtiger, unscheinbarer Junge aus der Provinz, der sich als schlummerndes Baseballtalent mit einer magischen Fang- und Wurfhand entpuppt: „Selbst bei Höchstgeschwindigkeit sah er uninteressiert, beinahe gelangweilt aus, wie ein Virtuose, der Tonleitern übt.“ Henrys Gewährsmann ist der legendäre Shortstop Aparicio Rodriguez, dessen zerlesenes und vomRead More
Der Geist der Beat-Generation – Allen Ginsberg und Jack Kerouac gehörten zu den zentralen Figuren der amerikanischen Beat-Generation und inspirieren mit ihren Werken „Howl“ und insbesondere „On the road“ bis heute junge Menschen rund um den Globus. Der jetzt auf Deutsch bei Rogner & Bernhard erschienene Briefwechsel zwischen den beiden gewährt faszinierende Einblicke in eine bewegte Generation zwischen Genie und Wahnsinn. Von Karsten Herrmann. Der Briefwechsel reicht vom Jahr 1944, in dem sich die beiden späteren Beat-Heroen erstmals trafen, bis zu Kerouacs frühen Tod im Jahr 1969. Von Anfang anRead More

Posted On August 8, 2012By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Raymond Carver: Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden

Kult der Lakonie – Raymond Carver ist einer der berühmtesten Vertreter der amerikanischen Short Story und prägte in den 1980ern einen neuen „Minimalismus“. Bekannt wurde er insbesondere auch durch sein Buch „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“. Eine im S. Fischer Verlag herausgekommene Neuausgabe bietet jetzt die Gelegenheit, Carvers eindrucksvolle Stories (wieder) zu entdecken. Von Karsten Herrmann Die Erstausgabe und damit auch die deutsche Übersetzung war durch starke Eingriffe und Kürzungen von Carvers Lektor Gordon Lish geprägt. Ein Briefwechsel zwischen den beiden zeigt, dass Carver  die Überarbeitungen einerseitsRead More
Ein furioser Erzähler – Mit dem Italiener Christian Frascella betritt ein Nachwuchsautor die internationale Literaturbühne, der aufhorchen lässt: Sein Debüt „Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe“ kommt frisch, frech und in authentischer Tonlage daher. Von Karsten Herrmann Frascellas Protagonist ist ein sechzehnjähriger namenloser Ich-Erzähler, der in schwierigen Familienverhältnissen lebt: Seine Mutter ist mit einem jungen Tankwart durchgebrannt, sein Vater hält sich mit Bier und Gelegenheitsjobs über Wasser und seine verachtete Schwester ist in einen frömmelnden Glauben geflüchtet. Als klassischer Antiheld ist er ein Einzelgänger, Großmaul und Rabauke, der ständig in SchwierigkeitenRead More

Posted On März 24, 2012By Karsten HerrmannIn Bücher, Crimemag

Davide Longo: Der aufrechte Mann

Grandioses Endzeitdrama – Der hierzulande noch wenig bekannte Italiener Davide Longo hat mit „Der aufrechte Mann“ ein grandioses Endzeitdrama und eine erschütternde Parabel auf den Niedergang seines Landes während der Berlusconi-Ära geschrieben. Von Karsten Herrmann Im Zentrum von Longos Roman steht Leonardo, ein ehemals erfolgreicher Schriftsteller und angesehener Professor für Literatur. Die Bücher sind sein Reich und Segen, aber auch ein Fluch: „Einige hatte ich zu Bollwerken in meinem Gemäuer gemacht. Andere zu Reisepässen in meinen Ländern. Kompendien dessen, was das Leben war oder hätte sein sollen. […] Ich liebeRead More
Die dünne Haut der Realität – In seinem neuen Roman führt uns Thomas von Steinaecker in die von Controlling, Optimierung und Umstrukturierung bestimmte Welt des Versicherungsbusiness. Der mehrfach preisgekrönte junge deutsche Autor zeigt dabei auch, wie das realistische Erzählen in unseren Zeiten immer schon eine surreale Dimension in sich trägt. Von Karsten Herrmann Von Steinaeckers Protagonistin Rita Meißner wird nach einer Liaison mit einem „Alpha-Senior“ im Frankfurter Headquarter ihrer Versicherungsgesellschaft befördert und nach München versetzt. Als stellvertretende Abteilungsleiterin versucht sie hier um jeden Preis die Kontrolle über ihren Job undRead More

Posted On Februar 29, 2012By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Martin Amis: Die schwangere Witwe

Als aus Liebe Sex und Porno wurde – Martin Amis, „bad boy“ der britischen Literatur und immer für eine Provokation gut, führt uns in seinem neuen Roman an eine historische Schwelle, an der die Liebe von allgegenwärtigem Sex und Porno droht abgelöst zu werden: „Es war der Sommer 1970 … und der Geschlechtsverkehr hatte große Fortschritte gemacht.“ Von Karsten Herrmann Martin Amis lässt seinen Protagonisten Keith diesen Sommer zusammen mit dessen Freundin Lily sowie einigen anderen englischen Jungen und Mädchen einen Urlaub in einem italienischen Schloss verbringen. Der kettenrauchende LiteraturstudentRead More

Posted On Januar 25, 2012By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Thomas Melle: Sicksters

Absturz, Paranoia, Aufstand – Thomas Melle, der zu den wichtigsten deutschen Theaterautoren gehört, erzählt in seinem außergewöhnlichen Romandebüt die Geschichte eines ungleichen Trios, das im provozierten Wahnsinn vereint den Aufstand gegen eine krank machende Gesellschaft probt. Von Karsten Herrmann Melles Protagonist Magnus Taue wird im dahindämmernden Bonn-Bad Godesberg der 90er groß und war „schon vor der Pubertät eine Art Wissender, halb Autist und halb Tourette“. Er verachtet seine auf Karriere gepolten Klassenkameraden am Jesuitengymnasium und scheint einen ganz besonderen Weg vor sich zu haben. Doch ein gutes Jahrzehnt später liegenRead More

Posted On Januar 11, 2012By Karsten HerrmannIn Kolumnen und Themen, Litmag

Ham.Lit-Spezial (1): Jan Brandt

Ungeheure Bandbreite von Themen und Personen – Am 2.2.12 steigt in Hamburg das Literaturfestival „Ham.Lit“, die dritte „Lange Nacht junger deutschsprachiger Literatur und Musik“– präsentiert u. a. von CULTurMAG. Das „Uebel & Gefährlich“ wird für eine Nacht wieder zur literarischen Flaniermeile: 15 Autorinnen und Autoren lesen parallel auf drei Bühnen, dazu gibt es zwei Konzerte. Vom Roman über Lyrik und Erzählung bis zu experimenteller Prosa und zurück – der Abend verspricht einen spannenden Einblick in die junge Literaturszene. Wir stellen Ihnen in den kommenden Wochen einige der Mitwirkenden vor. Heute:Read More

Posted On November 30, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

DBC Pierre: Das Buch Gabriel

Rasante Lobpreisung des Rausches – DBC Pierre gehört seit seinem mit dem Booker Price 2003 ausgezeichneten Debüt „Jesus von Texas“ zu den originellsten und kraftvollsten Stimmen der angloamerikanischen Literatur. Seine Romane spiegeln dabei auch sein abenteuerliches Leben wider, das ihn in die tiefsten Abgründe der Selbstzerstörung, Verschuldung und Kriminalität geführt hat. Am Schopf der Literatur zog er sich heraus und legt mit „Das Buch Gabriel“ nun den Abschluss einer lockeren Trilogie vor, die unser Zeitalter als Endzeit beschreibt. Von Karsten Herrmann. Am Ende seiner Zeit ist auch Pierres Protagonist GabrielRead More

Posted On November 16, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Juri Andruchowytsch: Perversion

Eine Jagd durch wilde (Wort-)Abgründe – Der ukrainische Romancier, Lyriker, Essayist und Übersetzer Juri Andruchowytsch ist einer der wichtigsten Vertreter einer avancierten osteuropäischen Literatur. In seinem im Original bereits 1999 erschienen Roman „Perversion“ zeigt er sich als Postmoderner par excellence und als Meister des Grotesk-Karnevalesken. Der Roman erzählt – besser: rekonstruiert – das Verschwinden des ukrainischen Undergroundhelden und Performance-Aktivisten Stanislaus Perfezki in Venedig: „Stets setzte er alles aufs Spiel – seine Habe, sein Talent, sein Leben.“ Der hochverschuldete Literat war dort zu dem internationalen, die Postmoderne genüsslich parodierenden Seminar „PostkarnevalistischerRead More

Posted On November 2, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Wilfried F. Schoeller: Döblin

Ein fast vergessener Autor von Weltrang – In der ersten umfassenden Döblin-Biografie zeigt Wilfried F. Schoeller die weitgehend unbekannten Facetten dieses deutschen Modernisten, dieses „Pan-Epikers und Geschichten-Gotts“, dieses Naturmystikers und zum Katholizismus konvertierten Juden. Von Karsten Herrmann. Alfred Döblin wurde mit seinem 1929 erschienenen Großstadtepos „Berlin Alexanderplatz“ berühmt und ließ die deutsche Literatur zur Weltliteratur eines John Dos Passos und James Joyce aufschließen. Doch zeitlebens und bis heute bildet dieser Roman eine Art „Grabplatte“ für das rund 40-bändige Gesamtwerk Alfred Döblins, das aus Romanen, Erzählungen, Glossen, religiös-philosophischen Betrachtungen und kulturpolitischenRead More

Posted On Oktober 19, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Thilo Bock: Senatsreserve. Ein Provinzroman

Tief im Osten des Westens – Thilo Bock ist ein Berliner Urgewächs und genießt in Wedding mit seiner regelmäßigen Szeneveranstaltung „Dichter als Goethe“, wo er liest, singt und trinkt, sowie mit seinen Schreibwerkstätten Kultstatus. In seinem zweiten Roman führt er uns kurz vor der Wende in die tiefe Provinz seiner Heimatstadt, in das Märkische Viertel. Von Karsten Herrmann Das Märkische Viertel – kurz MV – ist ein „städtebauliches Experiment im äußersten Osten der westlichen Welt“, ein Retorten-Stadtteil, der aussieht wie „ein zusammengefaltetes nach Farben sortiertes Gebirge, eine Endmoräne aus Beton“.Read More
Die Totalität der Darstellung In seinem voluminösen Debüt führt uns Jan Brandt in die ostfriesische Pampa und liefert ein schräges naturalistisches Sittengemälde mit einem Schuss Science-Fiction und bedrohlichen Verschwörungstheorien. Zu Recht hat er es mit seiner anarchisch ausufernden Romanlandschaft auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2011 geschafft. Karsten Herrmann hat sich mit dem Autor unterhalten. Sie sind in Ostfriesland geboren und aufgewachsen und da liegt natürlich die Frage nahe: Wie viel von Jan Brandts Leben steckt in „Gegen die Welt“? Geburtsjahr und Herkunft des Drogistensohns Daniel Kuper, der in „GegenRead More

Posted On September 7, 2011By Karsten HerrmannIn Litmag

Albrecht Selge: Wach

Fein geschliffene Wahrnehmungsprosa – In seinem gelungenen Debütroman „Wach“ schickt Albrecht Selge seinen Protagonisten August Kreutzer als postmodernen Flaneur und Heimatlosen durch die Quartiere und vielgestaltigen Zeichensysteme Berlins. Von Karsten Herrmann August Kreutzer will nur eines: „Er will wach sein, schauen, nachdenken: rumgehen“. Tag und Nacht erkundet der von Schlaflosigkeit Geplagte seine Stadt und sucht nach Bildern und Geschichten. Am liebsten verlässt er dabei die durchgestylten Schöner-Wohnen-Wohngegenden mit ihren pastellfarbenen Weinläden, Pasticcerien oder Kafferöstereien und lässt sich dorthin treiben, wo „die Häuser grau und die Gehwege uneben und löchrig werden.“Read More

Posted On August 24, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jan Brandt: Gegen die Welt

Schräge Ostfriesland-Saga – Provinzromane haben derzeit Hochkonjunktur bei jungen deutschen Schriftstellern und laufen der glamourösen Hauptstadt- und Metropolenliteratur zunehmend den Rang ab. In seinem voluminösen Debüt führt uns so auch Jan Brandt in die ostfriesische Pampa und liefert uns ein schräges naturalistisches Sittengemälde mit einem Schuss Science Fiction und bedrohlichen Verschwörungstheorien. Brandt lässt seinen Roman in einem fiktiven Ort namens „Jericho“ spielen und lässt damit zugleich die biblische Geschichte wie auch Uwe Johnsons (mit einem „w“ am Ende geschriebenen) literarischen Schauplatz seines magnum opus „Jahrestage“ anklingen. Das ostfriesische Jericho istRead More

Posted On August 17, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Gary Shteyngart: Super Sad True Love Story

Blubbernder und schillernder Wortschaum – Die einstige Weltmacht USA: pleite, der Dollar an die chinesische Währung gebunden, tief in ein auswärtiges Kriegsschlamassel verstrickt und von einer totalitären „Restaurations-Regierung“ beherrscht. So sieht das in Teilen vielleicht gar nicht einmal so ferne Zukunfts-Szenario in Gary Shteyngarts neuem Roman „Super Sad True Love Story“ aus, der einen wilden Mix aus „Brave New World“, „1984“ und „Clockwerk Orange“ bietet. Von Karsten Herrmann Shteyngarts Protagonist ist der 39-jährige Lenny Abramow, Sohn russisch-jüdischer Zuwanderer und PR-Manager für „Lebensfreunde (Ebene G) in der Abteilung posthumane Dienstleistungen derRead More

Posted On August 10, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Hédi Kaddour: Savoir-vivre

Roman mit Knalleffekt – Nach seinem grandiosen Monumentalwerk „Waltenberg“ legt der in Tunesien geborene und in Frankreich aufgewachsene Hédi Kaddour einen zunächst irritierenden und dann mit einem genialischen Knalleffekt überzeugenden Roman vor. Von Karsten Herrmann Auch in „Savoir-vivre“ begegnen uns mit dem Journalisten Max Goffard und der amerikanischen Sängerin Lena Hellström zwei alte Bekannte aus „Waltenberg“ wieder. 1930 sind sie zusammen in London: Sie probt mit einem jungen Pianisten, der zugleich ihr Liebhaber ist, für eine Konzertreihe mit Schumann-Liedern, er ist auf der Jagd nach einer guten Story. Nach einerRead More

Posted On August 3, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Ron Leshem: Der geheime Basar

Das zweite Gesicht des Iran – Mit der „Geheime Basar“ enthüllt uns der israelische Schriftsteller Ron Leshem ein verblüffendes zweites  Gesicht hinter dem streng verschleierten, von der islamistischen Diktatur bestimmten Leben in Irans Hauptstadt Teheran und zeigt dabei auch die weltenöffnende Macht der neuen Medien. Von Karsten Herrmann Voller Lebenshunger zieht Leshems Protagonist Kami aus der iranischen Provinz in den Moloch der Hauptstadt, um zu studieren. Er kommt bei seiner Tante Zahra unter, die einst ein gefeierter Filmstar war und deren strahlende Karriere mit Khomeinis islamischer Revolution ein abruptes EndeRead More

Posted On Juni 29, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Marc Schweska: Zur letzten Instanz

Nachrichten aus der Antipodenwelt – „Die andere Bibliothek“ des gerade um sein Überleben kämpfenden Eichborn-Verlages ist ein ambitioniertes und Genre übergreifendes Projekt: In liebevoller Aufmachung präsentieren sich hier exquisite, überraschende und auch durchaus exzentrische Werke an den Schnittstellen von Philosophie, Literatur und Dokumentation. Mit Marc Schweskas „Zur letzten Instanz“ gesellt sich nun erstmals ein eigenwilliges deutschsprachiges Roman-Debüt dazu. Von Karsten Herrmann Marc Schweska eröffnet in seinem Erstling den überraschenden Blick auf eine Ostberliner Subkultur, die zwischen grauem Einheitssozialismus und Stasispitzeln ungewöhnliche Blüten treibt. Sein Protagonist Lem ist ein „Kreuzberger Nachtschattengewächs“,Read More

Posted On Juni 15, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Colson Whitehead: Der letzte Sommer auf Long Island

Ein Meister des Sub- und Kontextes – „Der letzte Sommer auf Long Island“ des afroamerikanischen Schriftstellers Colson Whitehead ist ein an der Schwelle zwischen Kindheit und Adoleszenz angesiedelter, autobiografisch anmutender Roman, der in unerwartete Textlandschaften führt. Von Karsten Herrmann. Whiteheads Alter Ego Benji erzählt vom Sommer 1985, den er wie schon viele Sommer zuvor gemeinsam mit seinem Bruder Reggie und seinen Eltern im Ferienort Sag Harbor verbringt. In diesem Jahr kommen seine Eltern jedoch nur noch sporadisch aus Manhattan in das Ferienhaus, und so erlebt der 15-Jährige gemeinsam mit seinerRead More

Posted On Mai 18, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Michel Houellebecq: Karte und Gebiet

Der Schriftsteller Houellebecq ermordet sich selbst – Mit „Karte und Gebiet“ streift Michel Houellebecq das Etikett des Skandalautors ab und präsentiert sich als gereifter Romancier. Auf der Folie von Kunst und Kommerz bürstet er Zeit und Gesellschaft jedoch abermals gegen den Strich und beschwört als postmoderner Décadent die Vergänglichkeit und Vergeblichkeit aller Anstrengungen. Von Karsten Herrmann. Die Hauptfigur in Houellebecqs Roman ist der Künstler Jed, ein weitgehend eigenschaftsloser und vom Wirbel des Weltgeschehens unberührter Mann. Er begann seine Künstlerlaufbahn „mit dem ausschließlichen Ziel … eine objektive Beschreibung der Welt zuRead More

Posted On April 13, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Dave Eggers: Zeitoun

Erschütterndes Lehrstück – Mit „Zeitoun“ unternimmt der amerikanische Romancier, Verleger und Creative-Writing-Aktivist Dave Eggers einen Ausflug in das Genre der Doku-Fiction. Von Karsten Herrmann Die Folie des Buches bildet der Hurrikan Katrina, der 2005 die Stadt New Orleans auf unvorstellbare Weise verwüstete: „Eine Katastrophe, deren Größe und Schwere mythische Dimensionen hatte“ – und mit der alle bisherigen Gewissheiten und Sicherheiten plötzlich nichts mehr galten. Dave Eggers zeigt das am Beispiel der Familie Zeitoun. Der Vater Abdulrahman ist gebürtiger Syrer und gläubiger Moslem und hat den Ehrgeiz, seiner Frau Kathy undRead More

Posted On März 12, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Crimemag

Richard Price: Clockers

Unwiderstehlicher Sog – Nach dem hochgelobten New York-Roman „Cash“ von Richard Price hat der S. Fischer Verlag nun auch dessen schon 1992 erstmalig auf Deutsch erschienenen und lange vergriffenen Roman „Clockers“ wieder aufgelegt – eine grandiose (Wieder-) Entdeckung! Es schwärmt Karsten Herrmann. Richard Price, der sich insbesondere auch als Drehbuchautor von Filmen wie „Die Farbe des Geldes“, „Sea of Love“ oder „Kiss of Death“  und für einzelne Folgen der Kult-Serie „The Wire“ einen Namen gemacht hat, siedelt seinen Roman in der heruntergekommenen Roosevelt-Siedlung in Dempsy und damit vor den TorenRead More

Posted On März 2, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jonathan Lethem: Chronic City

Inszenierte Wirklichkeiten – Wie wirklich ist unsere Wirklichkeit noch und wer schreibt das Drehbuch unseres Lebens wirklich? Diesen Fragen spürt Jonathan Lethem in seinem neuen Roman „Chronic City“ nach und nimmt die Leser mit auf einen grenzüberschreitenden Trip durch die Kulissen Manhattans und seiner Schickeria aus Reichen, Schönen und subversiven Quertreibern. Von Karsten Herrmann Nach seinen großartigen Brooklyn-Hommagen „Motherless-Brooklyn„ und „Die Festung der Einsamkeit“ erweist sich der gebürtige New Yorker einmal mehr als avancierter Chronist seiner Heimatstadt: „In Manhattan zu leben bedeutet, ständig darüber zu staunen, wie viele Welten hierRead More