All posts by Karsten Herrmann

Posted On Mai 16, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Crimemag

Ricardo Piglia: Munk

Philosophie und Verbrechen – Sie kommen einfach nicht los von ihrem Borges-Paradigma, die Argentinier, Intertextualität und Selbstreferentialität allenthalben. Manche können’s nicht so gut, andere liefern trotzdem Spitzenromane. So wie Ricardo Piglia mit „Munk“. Eine Rezension von Karsten Herrmann. Der in seiner Heimat Argentinien schon längst als Klassiker geltende Schriftsteller Ricardo Piglia verbindet in seinen Romanen und Erzählungen immer wieder auf meisterliche Weise Elemente des Detektiv- und Kriminalromans mit philosophisch-existentiellen Themen. In seinem neuen Roman „Munk“ treibt er dieses hybride Spiel nun auf die Spitze und erfindet den amerikanischen Kriminalroman gleichsamRead More

Posted On April 29, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Ulrich Zieger: Durchzug eines Regenbandes

Literarisches Schneegestöber – Nach zwanzig Jahren legt der insbesondere als Dramatiker und Lyriker bekannte Ulrich Zieger einen neuen Roman vor, in dem er sich auf höchst eigenwillige Weise Märchen der Gebrüder Grimm anverwandelt und den Leser dabei vor eine große Herausforderung stellt. Von Karsten Herrmann „Durchzug eines Regenbandes“ gleicht einem Triptychon, dessen Teile von links nach rechts angeordnet sind: Im ersten Teil entführt Ulrich Zieger den Leser mit einer altertümlich wirkenden Prosa aus verschachtelten Sätzen voller Einschübe, Erläuterungen, Präzisierungen und Unterbrechungen in eine kafkaesk-surreale Welt. Hier sucht ein Migrant ausRead More

Posted On April 22, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Anne Philippi: Giraffen

Auf der Suche nach Grenzenlosigkeit – Die unbedingte Lebensgier und verzweifelte Suche nach dem letzten Kick der oberen Gesellschaftskreise in sinnentleerter Welt steht im Zentrum von Anne Philippis Debut-Roman „Giraffen.“ Von Karsten Herrmann Anne Philippis Ich-Erzählerin ist dank ihres reichen Freundes Henry aus dem Nichts der gesellschaftlichen Mitte in die Glamour-Welt und Boheme Berlins aufgestiegen. Auf der Suche nach Grenzenlosigkeit und dem ultimativen Kick sind sie und ihre Freunde schon längst über die rote Linie der Sucht getreten und bringen sich ab Nachmittags mit Weißwein und Weizen, später mit Wodka,Read More

Posted On April 15, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jan Brandt: Tod in Turin

Die Leiden des jungen Brandt Vor vier Jahren landete Jan Brandt mit seinem monströsen 900-Seiten-Debut „Gegen die Welt“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde danach in die Mühlen des Literaturbetriebs katapultiert. In „Tod in Turin“ erzählt er über diese „Zeit des permanenten Ausnahmezustandes“ mit sechzig Lesungen in acht Monaten und insbesondere über den Besuch der Turiner Buchmesse anlässlich der italienischen Übersetzung seines hier als „Gegen den Wind“ oder „Gegen den Witz“ ständig selbst verballhornten Erstlings. Mit sprühender Selbstironie und Witz gibt Jan Brandt in diesem Buch Einblicke inRead More

Posted On April 8, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Teju Cole: Jeder Tag gehört dem Dieb

Zwischen den Kulturen – Der 1975 in New York geborene und in Nigeria aufgewachsene Teju Cole hat sich mit dem avancierten New York-Roman „Open City“ in die erste Riege der jungen amerikanischen Literatur geschrieben. Er gehört wie Ngozi Adichie, Junot Diaz oder Mohsin Hamid zu einer neuen Generation von Kosmopoliten und „Weltliteraten“, die zwischen den Kulturen pendeln und daraus einen scharfen Blick für die Differenz schöpfen. Von Karsten Herrmann. In „Jeder Tag gehört dem Dieb“ kehrt Teju Coles namenloser Protagonist nach fünfzehn Jahren aus den USA zurück in seine (Zweit-)Read More

Posted On März 4, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Rachel Kushner: Flammenwerfer

Zwischen PS, Poetik und Revolution – Mit vielen Vorschusslorbeeren der amerikanischen Literaturkritik versehen und gelobt von Kollegen wie Jonathan Franzen oder Colum McCann, ist Rachel Kushners voluminöser Roman „Flammenwerfer“ jetzt auch auf Deutsch erschienen. Eines kann vorweg genommen werden: Er ist alles andere als ein typischer amerikanischer Roman nach den erprobten Erfolgsrezepten aus den Creative-Writing-Laboren. Von Karsten Herrmann. Die 1968 in Oregon geborene Rachel Kushner erzählt in ihrem Buch die Geschichte von Reno, die ebenfalls aus dem tiefen Westen und aus einer armen, „draufgängerischen, unsentimentalen Familie“ stammt. Ihre Passionen sindRead More

Posted On Februar 25, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

T.C. Boyle: Hart auf Hart

Das dunkle Herz Amerikas verfehlt – T.C. Boyle ist ein Meister des süffigen Schreibens voller Welt, Sinnlichkeit und schräger Charaktere. Die thematische Klaviatur des unermüdlichen Vielschreibers reicht dabei von aktuellen Umweltthemen über Hippie- und Aussteiger-Geschichten bis zu historischen Romanen – wie über den Verfasser des Kinsey-Reports oder zuletzt in „San Miguel“ über das Leben auf einer abgeschiedenen Insel zwischen Hölle und Paradies. In „Hart auf Hart“ kehrt er nun in die unmittelbare Gegenwart zurück und nimmt die Abgründe Amerikas ins Visier, in dem Verschwörungstheorien, Paranoia und Waffenwahnsinn brodeln. Und esRead More

Posted On Februar 18, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jonathan Evison: Umweg nach Hause

Von heldenhaften Verlierern – In seinem neuen Roman „Umweg nach Hause“ erzählt der Kalifornier Jonathan Evison die ebenso heitere wie tragische Geschichte von Menschen, die vom Leben schwer gebeutelt und voller Schwächen sind und die dennoch nicht ihren Mut verlieren. Von Karsten Herrmann Im Mittelpunkt des Romans stehen der 39jährige Ben und der 19jährige Trev. Ben hat einen schweren Schicksalsschlag hinter sich und trudelt durch sein Leben. Nach einem Lehrgang in Altenpflege nimmt er einen Job bei Trev an, der an einer schweren Muskeldystrophie leidet und früh sterben wird. ErRead More

Posted On Januar 28, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Michel Houellebecq: Unterwerfung

Schöne neue Welt –Um Michel Houellebecqs neuen Roman „Unterwerfung“, der die Islamisierung Frankreichs thematisiert, überschlugen sich die Ereignisse auf eine wohl noch nie dagewesen Art und Weise: Am Tage der Auslieferung der Originalausgabe machte „Charlie Hebdo“ mit einer Karikatur des Autors auf und lieferte im Innenteil eine begeisterte Kritik. Der Rezensent starb am gleichen Tage wie weitere zehn seiner Redaktionskollegen im Kugelhagel islamistischer Attentäter. Die Debatte um Michel Houellebeqcs Roman fokussierte sich in der Folge schnell auf die moralisch-politische Frage, ob er islamfeindlich sei – doch diese Frage erweist sichRead More

Posted On Januar 21, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand

Der Clown und der Staatsmann – Michael Köhlmeier, der zuletzt mit dem grandiosen „Die Abenteuer des Joel Spazierer“ aufhorchen ließ, erzählt in seinem neuen Roman von der wundersamen Freundschaft zwischen Charlie Chaplin und Winston Churchill. Von zwei Giganten der Weltgeschichte also, die politisch und weltanschaulich eigentlich so gut wie gar nichts zu verbinden scheint. Von Karsten Herrmann Charlie Chaplin und Winston Churchill treffen sich in diesem Roman das erste Mal bei einer mondänen Party in Santa Monica und begeben sich auf einen langen Strandspaziergang. Sofort haben sie gegenseitig ihr tiefeRead More

Posted On Dezember 17, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Yannick Haenel: Die Bleichen Füchse

Poesie der Revolte – Mit „Die Bleichen Füchse“ hat Yannick Haenel einen Roman der Revolte, des Aufstands gegen eine Gesellschaft geschrieben, in der sich das Soziale auflöst und in der das Heer der Pass-, Namen- und Heimatlosen anfängt eine kritische Masse zu bilden – bis sie nur noch einen Funken zum Ausbruch benötigt. Von Karsten Herrmann. Haenels Protagonist ist der 43jährige Jean Deichel, der seit ein paar Monaten „ziemlich von der Rolle ist“ und von seiner Vermieterin auf die Straße gesetzt wird: „Man braucht nicht mehr als ein paar Tage,Read More

Posted On November 26, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Christoph Brumme: Ein Gruß von Friedrich Nietzsche

Zwischen Morgenröte und Repression – Zum 25jährigen Jubiläum des Mauerfalls legt der 1962 in der ehemaligen DDR geborene Christoph Brumme einen Roman über die Endphase seines Heimatlandes vor und beleuchtet dabei ebenso die paranoide Logik der Macht als auch die sich im real existierenden Sozialismus eröffnenden Freiräume und Schlupfwinkel der Subkultur am Prenzlauer Berg. Von Karsten Herrmann Christoph Brumme erzählt in seinem dreiteiligen Roman von dem Trio „Bobby“ Fischer, Paul Hansen und Franz Schönlein, die in Berlin ein Leben abseits der eingefahrenen Bahnen und der angsterfüllten Anpassung leben. So schlägtRead More

Posted On November 5, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

David Cronenberg: Verzehrt

„Gerade krank genug, um gut zu sein“ –Mit 70 Jahren legt der mit Filmen wie „Die Fliege“ oder „Naked Lunch“ berühmt gewordene Regisseur David Cronenberg sein literarisches Debüt vor. Die spannende Frage dabei: Gelingt es ihm in der Schriftsprache wie in seiner Bildsprache eine suggestive Sogkraft zu entfalten und in magisch-dunkle Welten zu entführen? Von Karsten Herrmann. Diese Frage ist zunächst einmal mit „Jein“ zu beantworten. In abwechselnden Wellenbewegungen enttäuscht und packt der Roman, der ohne Zweifel gut geschrieben ist, aber vom Plot her ziemlich krude erscheint. Doch worum gehtRead More

Posted On Oktober 29, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Thomas Melle: 3000 Euro

Ausflug in die Unterschicht – Schon lange beklagt das deutsche Feuilleton, dass gerade auch in der jungen Literatur hierzulande das wirkliche Leben am sich vergrößernden Rande der Gesellschaft ausgeblendet bleibt und die mehr oder weniger vom Ennui geprägte Selbstbespiegelung bürgerlich-akademischer Mittelschichts-Töchter und –Söhne vorherrsche. Dankbar wurde daher Thomas Melles in der Welt der Discounter und der Pornos, der Tafeln und Obdachlosenasyle angesiedelte Roman „3000 Euro“ aufgenommen und prompt auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gehievt. Doch leider erweist sich Melles Ausflug in die Unterschicht beim näheren Lesen als Flop. ImRead More

Posted On Oktober 8, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Gerhard Roth: Grundriss eines Rätsels

Im Spiegelkabinett der Realitäten und Identitäten – Gerhard Roth ist ein Grenzgänger zwischen den literarischen Genres und hat sich nicht nur durch seine monumentalen Zyklen „Archive des Schweigens“ und „Orkus“ einen Namen gemacht, sondern auch durch zahlreiche Essays, Porträts, Stadt- und Kunsterkundungen oder auch seine Fotografien des Alltäglichen. Er ist ein Autor und Künstler, der sich und die Wirklichkeit nicht gerne festlegt, sondern alle Möglichkeiten offen lässt. Und so führt Roth den Leser auch in seinem neuen, aus den verschiedenen Perspektiven der Beteiligten erzählten Roman „Grundriss eines Rätsels“ in einRead More

Posted On September 24, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Tao Lin: Taipeh

Das wirkliche Leben als verblassende Randnotiz – Wie lebt und liebt es sich in Zeiten von Facebook, Twitter und MyFace abseits von digitaler Romantik und postmoderner Experimentierfreude? Diese Frage beantwortet der 1983 geborene Amerikaner Tao Lin in seinem autobiografisch grundierten Roman „Taipeh“ auf eine literarisch höchst wagemutige Art und Weise: Von Karsten Herrmann Tao Lin ist Galionsfigur einer schon bei David Foster Wallace anklingenden „New Sincerity“-Bewegung, die auf eine Literatur des radikalen Realismus und der Ehrlichkeit bis zur Selbstentblößung setzt. Hier wird nichts beschönigt, überhöht, dramatisiert, emotionalisiert, ironisiert oder zumRead More

Posted On August 20, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Said Sayrafiezadeh: Kurze Berührungen mit dem Feind

„Ich träumte von Größe und Ruhm“ – In acht stilistisch glanzvollen Kurzgeschichten gibt der 1968 in Brooklyn geborene Said Sayrafiezadeh ungeschönte Einblicke in den amerikanischen Albtraum der absoluten Durchschnittlichkeit. Von Karsten Herrmann Sayrafiezadehs Protagonisten sind ausgesprochene Durchschnittstypen mit Aushilfs- und Bürojobs, mit kleinen Bäuchlein und Haarausfall. Sie sind dort gelandet, wo sie nicht hinwollten, wo weit und breit kein Ausweg in Sicht ist und nur der plakative „Traum von Größe und Ruhm“ bleibt. Sie leben in einem Amerika der Depression, in einem Land, das zu Anfang des Buches kurz vorRead More

Posted On August 6, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Ruth Ozeki: Geschichte für einen Augenblick

Das Geheimnis von Zeit und Raum – In ihrem neuen Roman erzählt Ruth Ozeki die Geschichte zweier Familien aus Japan und Kanada, die durch eine Flaschenpost über die Kontinente hinweg verbunden werden. Die Autorin, Filmemacherin und Zen-Priesterin spürt dabei auch dem Rätsel der „Seins-Zeit“ und der Magie des Augenblicks nach. Karsten Herrmann weiß mehr. Ozekis Hauptfigur ist die 16-jährige Nao, die in Japan ein Tagebuch für einen imaginären Empfänger schreibt. Nao ist aus Amerika, wo ihr Vater nach dem Platzen der Dotcom-Blase seinen Job verlor, in ihr Heimatland zurückgekehrt undRead More

Posted On Juni 11, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Arthur Larrue: Wojna

Kühn, kultig, komisch – Zu seinem 50. Geburtstag hat der Wagenbach-Verlag fünf junge Autoren aus fünf Ländern in sein Programm genommen, die frische Prosa versprechen und einen frischen Blick auf ihre Welt werfen sollen. In seinem Kurzroman „Wojna“ erzählt der Franzose Arthur Larrue so von einem anarchistischen Künstlerkollektiv in Sankt Petersburg, über Repression und Rebellion im Russland unter Putin. Von Karsten Herrmann Der 1984 in Paris geborene Arthur Larrue unterrichtete vier Jahre lang an der Universität von Sankt Petersburg und verlor nach der Veröffentlichung seines auf eigenen Erlebnissen basierenden RomanRead More

Posted On Mai 28, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah

Interkulturelles Lehrstück – Die gebürtige Nigerianerin Chimamanda Ngozi Adichie gehört wie ihr Landsmann Teju Cole, der Dominikaner Junot Diaz oder der Pakistaner Mohsin Hamid zu einer neuen Generation von Kosmopoliten und „Weltliteraten“. Sie sind Grenzgänger zwischen den Ländern und Kulturen und schöpfen aus ihrer gebrochenen Identität und einem scharfen Blick für die Differenz einen enormen literarischen Mehrwert. Von Karsten Herrmann. In ihrem Roman „Americanah“, der vergangenes Jahr in die „Top Five“ der New York Times gewählt wurde, erzählt Ngozi Adichie über den Aufbruch in eine neue Welt, den Preis desRead More

Posted On Mai 14, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Javier Cercas: Outlaw

Der zerplatzte Mythos –In seinen Romanen und Essays wie „Die Soldaten von Salamis“ oder „Anatomie eines Augenblicks“ setzt sich Javier Cercas mit der von der Franko-Diktatur und Putschversuchen gezeichneten jüngeren Vergangenheit seines Heimatlandes Spanien auseinander. In „Outlaws“ zeichnet er nun ein Bild der spanischen Gesellschaft ab den späten Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts. Von Karsten Herrmann Franko ist zum Start der Erzählung schon drei Jahre tot, aber sein düsterer Schatten hängt noch immer über dem Land und der Schauplatz Girona ist „ein düsteres Kaff fest im Griff der Kirche“. Die StadtRead More

Posted On April 23, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Michael Chabon: Telegraph Avenue

Vollgasprosa und Jazz-Hommage –Mit „Telegraph Avenue“ legt Michael Chabon einen fulminanten Roman über einen kultigen Plattenladen und die Möglichkeit einer echten Freundschaft zwischen schwarz und weiß zu Beginn dieses Jahrtausends vor. Zugleich ist der Roman eine monumentale Huldigung an den Jazz, Soul und Funk, an die schwarze Seele der Musik in all ihren Schattierungen. Von Karsten Herrmann Die titelgebende „Telegraph Avenue“ liegt an der Grenze zwischen Berkeley und Oakland, also zwischen dem kalifornischen Hippie-Campus schlechthin und der schwarzen Arbeiterstadt. Hier betreiben der schwarze Archy Stallings, ehemaliger Elektriker und Golfkrieg-Veteran, undRead More

Posted On April 9, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Szczepan Twardoch: Morphin

Schicksal, Schuld und Sühne – Mit einem monumentalen Roman betritt der als herausragende Stimme seiner Generation geltende polnische Autor Szczepan Twardoch nun auch die internationale literarische Bühne: In „Morphin“ fängt er im besetzten Warschau die widersprüchliche Atmosphäre vor dem Zweiten Weltkrieg ein und stellt auf inhaltlich wie formal radikale Weise die Frage nach Identität, Nationalität, Treue und Verrat. Von Karsten Herrmann. Nach Mobilmachung, Belagerung und Kapitulation, findet sich der polnische Reserveoffizier Konstanty Willemann im September 1939 in seiner „vergewaltigten“ Heimatstadt Warschau wieder, in der die „Ordnung der Dinge zerläuft wieRead More

Posted On März 19, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jonathan Lethem: Der Garten der Dissidenten

Subversion und Differenz als Maxime – Jonathan Lethem hat sich mit seinen großen Romanen wie „Die Festung der Einsamkeit“ oder „Chronic City“ als bedeutender literarischer Kartograph und Chronist New York Citys etabliert. Nun erzählt er eine mit Europa und seinen Weltkriegsschlachtfeldern fest verbundene amerikanische Familiengeschichte.  Von Karsten Herrmann. Ob Brooklyn, Manhattan oder Queens wie jetzt im „Der Garten der Dissidenten“: Lethem zeigt die Metropole als brodelnden Kosmos voller Gegensätze und Vitalität. Seine Helden sind Exzentriker, Avantgardisten, Hippies und Hipster, die sich mit Rauschmitteln aller Art beflügeln. In einer von denRead More

Posted On Februar 5, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Paolo Giordano: Der menschliche Körper

Der Preis des Krieges – Was geschieht mit Menschen, die ihre heimischen Komfortzonen in Westeuropa verlassen und auf einem einsamen Vorposten im afghanischen Gulistan mit Krieg, Angst, Tod und der Frage nach Schuld konfrontiert werden? Dies zeigt der Italiener Paolo Giordano in seinem Antikriegs-Roman „Der menschliche Körper“ auf eindringliche und facettenreiche Weise. Von Karsten Herrmann. „Der menschliche Körper“ ist ein vielperspektivischer Roman, in dem rund ein Dutzend Protagonisten vor, während und nach ihrem Afghanistaneinsatz begleitet werden. Da sind zum Beispiel der Obergefreite Ietri, ein Muttersöhnchen und noch „Jungfrau“ und seinRead More

Posted On Januar 29, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Ham.Lit 2014: Roman Ehrlich: Das kalte Jahr

Am morgigen Donnerstag, dem 30.1., findet zum 5. Mal die „HAM.LIT – Lange Nacht junger Literatur & Musik“ im Hamburger Club Uebel & Gefährlich statt. Mit dabei ist auch Stefanie de Velasco, deren Debütroman Ihnen Karsten Herrmann vorstellt. Aus der Zeit gefallen – In seinem Romandebüt „Das kalte Jahr“ schickt Roman Ehrlich seinen Protagonisten auf einen (alb-)traumhaften Trip in eine landschaftliche und menschliche Einsamkeit voller Poesie, Sprachlosigkeit und Rätsel. Von Karsten Herrmann Unvermittelt bricht Ehrlichs Ich-Erzähler eines Tages aus einer Universitätsstadt im Norden auf und wandert durch eine tief verschneiteRead More