All posts by Gerhard Beckmann

Fakten zur großen Wirksamkeit von Buchhandlungen vor Ort  Gerhard Beckmann zu einer wichtigen Innsbrucker Pilotstudie In einer Kommune mit stationärem Buchhandel werden pro Kopf  signifikant mehr Bücher gekauft – und auch gelesen – als in Gemeinden ohne ein lokal ansässiges Sortiment. Eine Pilotstudie der Universität Innsbruck bietet Wegweisungen für die Buchbranche. Sie bringt schlagende neue Argumente für die Buchpreisbindung. Sie macht – mit ersten belastbaren Zahlen – klar, warum für das Überleben der Verlage neue Marketing- und Vertriebsstrategien in Ausrichtung auf die örtlich engagierten  Sortimentern zwingend sind. Sie belegt außerdem – erstmalsRead More

Posted On Juli 1, 2020By Gerhard BeckmannIn Crimemag, CrimeMag Juli 2020

Gerhard Beckmann: Gesetzgeber gefragt

Omerta bei den Großfilialisten Wenn die Buchpreisbindung nur auf dem Papier steht und das Barsortiment bedroht ist … Die Corona-Krise hat ganz konkret noch etwas noch notwendiger werden lassen: Eine Novellierung von Paragraph 6 des Buchpreisbindungs-Gesetzes, damit offenbar völlig aus dem Ruder laufende illegale Konditionen zwischen Großverlagen und Großfilialisten endlich unter Kontrolle kommen können. Gerhard Beckmann zeigt am Beispiel der Barsortimente, warum hier der Gesetzgeber gefragt ist.  „Liebe Buchhändlerinnen, Liebe Buchhändler, wir lieben Euch. Und weil wir Euch lieben, haben wir Euch eine Art Gedicht geschrieben. Es besteht aus 4.000 Zeilen. Denn, liebe Buchhändlerinnen, liebeRead More
Und die Zukunft des Buches kann nur mit der unersetzbaren Arbeit des stationären Sortiments gesichert werden. Manfred Keiper – „Die andere Buchhandlung“ in Rostock – erklärt, was seit dem Strukturwandel in der deutschen Buchbranche schief gelaufen ist und warum ein von Grund auf neues Marketing für Bücher entwickelt werden muss. BECKMANN:  Für die einen ist die  neue Technologie das Allheilmittel zum Kurieren von allem,  was sie an und in der Welt stört, für die andern ein Schreckgespenst, das den Nieder- und Untergang von allem heraufbeschwört, was wir gewohnt sind, wasRead More
Der 17. März 2020 – ein Dienstag – wird als ein Wendepunkt in die Geschichte der deutschen Buchbranche eingehen Angefangen hat es in der  ersten Woche einer ganz neuen Krise für die Branche: mit einem Schock für die Verlagsauslieferungen am Montag, dem 16. März. Da hatte der schlagartige Rückgang des Bestellvolumens durch Amazon begonnen.  Ohne Vorankündigung: Amazon listet Bücher aus „Wenn überhaupt, kommen wir gerade mal auf ein halbes Prozent der üblichen Menge – unangemeldet, ohne Vorankündigung“, wie Prolit-GF Jochen Mende berichtet und „die Rundmail von Amazon an die Verlagskunden kam dann erst am Dienstag“, also demRead More

Posted On März 1, 2020By Gerhard BeckmannIn Crimemag, CrimeMag März 2020

Beckmanns Große Bücher

Ein gewichtigerer deutscher Familien- und Gesellschaftsroman als die „Buddenbrooks“ Den besten, und  bedeutsamsten, deutschen Familien- und Gesellschaftsroman  seit der Publikation von Thomas Manns „Buddenbrooks“ (1901), nun können wir ihn endlich lesen, den Roman „Effingers“ von Gabriele Tergit – ein großes Glück, das wir der Herausgeberin Nicole Henneberg und dem Schöffling Verlag verdanken. Sie haben den Roman 2019 herausgebracht –  siebzig Jahre, nachdem Gabriele Tergit das Manuskript 1948 vollendete. Dass er dem deutschen Publikum so lang unzugänglich war, ist eines der traurigen Kapitel in der Geschichte der deutschen Nachkriegsliteratur. Es istRead More
Jeder Satz trifft ins Schwarze Über Giannrico Carofiglio „Drei Uhr morgens“ Wie ein erfolgreicher Anti-Mafia-Staatsanwalt, Richter und Krimi-Schriftsteller zu einem bedeutenden literarischen Autor geworden ist: Gianricos Carofiglios neues Buch Drei Uhr morgens handelt von einem Wissenschaftler, der in seinem hochfliegenden Ehrgeiz scheitert und den mitmenschlichen Kontakt verliert. Eine exemplarische Vater-Sohn-Geschichte. Ein subtiler moderner Familienroman. Ein Meisterwerk der italienischen Literatur. Gianrico Carofiglio ist der dritte prominente europäische Jurist  der Gegenwart – die anderen beiden sind Bernhard Schlink und Ferdinand von Schirach – , der in seinem Land zu einer öffentlichen Instanz undRead More
Wie Johannes Kepler in einem Hexenprozess seine Mutter verteidigt hat  Zu Ulinka Rublacks mit dem Deutschen Historikerpreis ausgezeichneten Buch Vor genau 400 Jahren begann in Leonberg bei Stuttgart der Gerichtsprozess gegen die wegen Hexerei angeklagte Witwe Katharina Kepler. Die Rolle des Verteidigers übernahm ihr Sohn Johannes Kepler, der seine Forschungsarbeiten deshalb für ein ganzes Jahr unterbrach. Für dieses sensationelle Buch ist die Autorin Ulinka Rublack im November 2019 mit dem Deutschen Historikerpreis ausgezeichnet worden. Im Januar 1620 kam die Vernehmung von 24 Zeugen in der Klage gegen Katharina Kepler in Leonberg zumRead More
Ein Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto Der erste Augenzeugenbericht über das Warschauer Ghetto. Geschrieben  von einem jüdischen Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Endlich  –  74 Jahre nach der Erstveröffentlichung in den USA – auch  in deutscher Übersetzung erschienen:  eines der wichtigsten Zeitzeugen-Dokumente zum Holocaust und zum Zweiten Weltkrieg. Eine bewegende, unvergessliche Lektüre. – Von Gerhard Beckmann „Am 14. März schälten sich bei Einbruch der Nacht allmählich die Umrisse der amerikanischen Küste aus dem Nebel. Die Passagiere gingen an Deck und säumten die Relings.  Ich musste an die biblische Geschichte von der Sintflut  und an die ArcheRead More
Swifts „Gullivers Reisen“ haben ihren Nachfolger „Fuck you very much“ ist ein Thriller, der Dashiell Hammetts „hardboiled crime novel“  auf  eine neuartige, für unsere Zeit relevante Fassung bringt. Er stellt eine bitterböse Bloßlegung der heute dominanten IT-Industrie dar. Er unterzieht die  Mentalität, die Geschäftspraktiken und die Ziele von Internet-Bossen einer Fundamentalkritik – mit der satirischen Scharfsicht, die  Jonathan Swift mit „Gullivers Reisen“ in die englische Literatur eingeführt hat. – Von Gerhard Beckmann. Niemand weiß, wer Aidan Truhen ist. „Aidan Truhen“ ist ein Pseudonym. Es kann sich meines Erachtens nur um das Pseudonym eines sehrRead More

Posted On Oktober 3, 2019By Gerhard BeckmannIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2019

Beckmanns Lektüren (3): Ross Thomas

Vormals wie Dreck behandelt Trauriges Jubiläum: Fünfzig Jahre nach Erscheinen der amerikanischen Originalausgabe ist „Der Fall in Singapur“ jetzt erstmals vollständig auf Deutsch erschienen Es ist der einzige Mafia-Roman von Ross Thomas. Und Ross Thomas ist der wohl bedeutendste politische Thriller-Autor aus Amerika und als literarischer Klassiker von bleibendem Wert. – Von Gerhard Beckmann. Der bundesdeutsche Krimi wäre in der Nachkriegszeit weniger schmalbrüstig und spießig gewesen, er wäre vielleicht heute noch eine lohnenswerte Lektüre – hätten da nicht in den 1950er, 60er und 70er Jahren sogar Top-Verlage wie Rowohlt und Ullstein selbstRead More
Ein böses Lustspiel von Leben, Dichtung und Wahrheit  „Der Stotterer“ von Charles Lewinski ist eine Gaunerkomödie – ein in der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart einzigartiges Meisterwerk komischer Erzählkunst. Es handelt von einem Ganoven, der sich „sein“ Publikum verschafft, indem er die reuige Offenlegung seiner kriminellen Laufbahn verspricht – um es damit in seine Zwecke einzubinden. Dieser Roman wird für die Leser zu einer unerschöpflichen Fundgrube des Lachens mit Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung.  Wie immer, wenn es in der Literatur echt komisch zu werden beginnt,  ist die Lage ernst, aberRead More