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LitMag-Weltlyrik: Adonis
Auf die Nacht der Bilder zu Als wir noch die gleichen Träume hatten Und die gleichen Segel Wie die Seefahrer der Liebe Als wir ihre Gestade entdeckten: Ebbe und Flut, wir erheben uns und wir sinken nieder Mein Leib reiste in einem Schiff Aus Sehnsucht, Und meine Gesänge in einem Schiff Aus Funken – Auf [...]
LitMag-Weltlyrik: Virgilio Giotti
Die Straße Ich seh‘ mir eine Straße meiner Stadt an, durch die ich tausend Male schon gegangen bin, und mir kommt vor, ich habe sie niemals angeschaut. Die blassgelben Fassaden, die Geschäfte, die Bar, Autos und das bisschen hin und Her. Gerade so wie unser Leben: gelebt, am Ende schon und doch so unvertraut. Aus [...]
LitMag-Weltlyrik: Judith Herzberg
Spätes Paar I. Will there be a fast weißgestrichen Tor between their two such different wilderness? Ein Tor, das quietschend aufgehn kann? Können ihre Lippen den Abstand mildern, Lippen aus so anderer Nahrung gewachsen, um solche andere Wörter geformt? Mund zu Mund, jeder seine Geschichte, mit Müh und Not Sprache. Fließt es zusammen, uneins, wie? [...]
LitMag-Weltlyrik: Olga Orozco
Die Tode Hier haben wir Tote, deren Gebeinen nicht der Regen bleichen wird, Grabsteine, auf denen niemals der stürmische Schlag der Echsenhaut erschallte, Inschriften, die niemand abschreiten wird im Licht einer entfachten Träne; Sand ohne Fußstapfen in allen Erinnerungen. Es sind die Toten ohne Blumen. Sie hinterließen uns keine Briefe, keine Ringe oder Fotos. Keine [...]
LitMag-Weltlyrik: Johannes Kühn
Der Preis Sie sind, die Spötter, über mir wie Vögel mich belästigend im Flug, bei mir gewesen viele Jahre. Nun bietet diese Ehrung ihren Schein, und wie trüber Spuk verschwänden sie. Vielleicht werd ich erlöst auch vom Ruf aus Fernen: Narr, noch immer schwebst du hin mit Versen, für uns belachenswerten. Ich hoffe es. Johannes [...]
LitMag-Weltlyrik: Philippe Jaccottet
So viele Jahre und wahrhaftig so dürftiges Wissen, so leicht versagendes Herz? Nicht die schäbigste Münze, den Fährmann zu entlohnen, wenn er herankommt? – Sieh meinen Vorrat: Gras und rasches Wasser, ich habe mich leicht erhalten, auf daß der Nachen weniger einsinkt. Übersetzung: Friedhelm Kemp Soll man Philippe Jaccottet (geboren 1925 in Moudon, Westschweiz, Kanton [...]
LitMag-Weltlyrik: Blanca Varela
Ein Fenster Wieder zähle ich meine Finger. (Die Eisblume, der unbekannte Kopf, der mir auflauert, sich löst und schreit.) Ich betrachte die Wände, ihre runden, flinken Früchte, ich überschlage, addiere Steine, Asche, Wolken und Bäume, die die Menschen verfolgen, und Perlen, bösartigen Teichen entrissen oder schwarzen Lungen im Grab, entsetzlich lebendig. Die Spinne, die im [...]
LitMag-Weltlyrik: Margherita Guidacci
Perdita di memoria Tutto quel che hai imparato si stacca da te come un petalo vizzo. Tu stessa sei la neve che ti cade d’intorno E non hai più bisogno d’alzare gli occhi al cielo grigio per capir quanto poco ti avanza del tuo giorno. Gedächtnisverlust Alles, was du gelernt hat, löst sich von dir [...]
Tuvia Tenenbom: Allein unter Deutschen
Kistenweise Bier und Deutschland-Fahnen – Ein amerikanischer Journalist reist einmal quer durch Deutschland. Notiert, was ihm während dieser Reise in diesem Land so an Merkwürdigkeiten auffällt, an den Gewohnheiten der Menschen, ihrem Verhältnis zur jüngeren Geschichte und gegenüber der Rolle Deutschlands in der Welt. Von Carl Wilhelm Macke. Tenenbom ist verwundert über viele Eigenarten der [...]
LitMag-Weltlyrik: Bei Dao
An einem Abzweig Vergangene Tage tadeln die Blüte des Augenblicks All die Nächte, die Frühlinge stolz machen rollen mit dem Gestein dahin Sie zerschlagen alles Glas im Traum Warum nur weile ich hier? Briefe aus der Lebensmitte verbreiten eine weite Wehmut Schuhe, die nie einen Zweifel kannten, wechseln Stümpfe oder ihre List Ohne jeden Plan [...]
Eveline Hasler: Mit dem letzten Schiff
Verzweifle nicht an dieser Welt – Ein Roman über gute Amerikaner und mutige Schweizer. Carl Wilhelm Macke hat ihn gelesen. „Die Amis“ – das wird im deutschen Alltagsverständnis immer noch mit einem leichten, manchmal auch unüberhörbar negativen Unterton gesagt, wenn von ‚den Amerikanern‘ die Rede ist. Entweder sind ‚die Amis‘ für alle möglichen politischen Schweinereien [...]
LitMag-Weltlyrik: William Wordsworth
Old Man Travelling Animal Tranquillity and Decay, a Sketch – The little hedge-row birds, That peck along the road, regard him not. He travels on, and in his face, his step, His gait, is one expression ; every limb, His look and bending figure, all bespeak A man who does not move with pain, but [...]
LitMag-Weltlyrik: Chirikuré Chirikuré
Orte der Fiktion jedem Gesicht stellte sich dieselbe Frage nach Orten an denen ich gewesen bin nur das Herz antwortet der Mund ist schwach, doch was im Herzen, ist füllt die Kornkammer mit verträumten Gesichtern und Ungläubigkeit stellen sie weitere verwunderte Fragen fragen noch einmal, wo ich schon überall war ich antworte prompt: ich war [...]
LitMag-Weltlyrik: Adam Zagajewski
Jetzt, da du das Gedächtnis verloren hast (meinem Vater) Jetzt, da du das Gedächtnis verloren hast und nur hilflos lächeln kannst, möchte ich Dir helfen – hast doch einst du, wie ein Demiurg, meine Phantasie geöffnet. Ich denke an unsere Ausflüge, Wolken aus Wolle, tief über dem feuchten Wald in den Bergen schwebend ( ihn [...]
LitMag-Weltlyrik: Charles Simic
21. Dezember Diese Kriege, die nur enden, um neu zu beginnen, wie der Friseur beim Haarschneiden, oder wie diese Winter mit den trüben Tagen, die bis zu Kain zurückreichen. Alles, was ich je getan habe, war – so scheint es –, mit einem Stock in Ruinen herumzustochern, bis mich Ruß und Asche bedeckten, die ich [...]
LitMag-Weltlyrik: Dagmar Nick
Früher Früher liebten wir uns über dem Abgrund, wo anderntags der Orientexpress von der Brücke sprengte; die Wüsten Arabiens durchrasten wir ohne Kompass und kamen doch auf den erkorenen Gipfel, betraten die Arche, die keine Planken mehr hatte, und kreuzten damit übers Meer; bei der Ankunft im Hafen der Albatrosse steckte der Frühling uns an, [...]
LitMag-Weltlyrik: Evelyn Schlag
In die Ferne Ich sah dich in dein Handy reden mit kleinen Verbeugungen und sofort fiel mir der Vater eines lieben Freundes ein – Forstverwalter im Dienst des Baron Rothschildschen Urwalds der von seinem Stuhl aufsprang und im Stehen telefonierte wenn die Herrschaft anrief und an den Stellen die ein Jawoll erforderten sich verbeugte verbeugte [...]
LitMag-Weltlyrik special
Kerzen verboten – Aus gegebenem Anlass: Zehn Gebote für das Rezitieren von Gedichten. Von Carl Wilhelm Macke. 1. Während der Lesung eines Gedichts ist aus feuerpolizeilichen und versicherungsrechtlichen Gründen das Anzünden von Kerzen strengstens untersagt. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe von mindestens 100,00 Euro/ Kerze bestraft, die an einen Gedichte edierenden Kleinverlag zu überweisen sind. [...]
David Albahari: Der Bruder
Mein Bruder? Filip, ein nicht gerade erfolgreicher serbischer Gelegenheitsschriftsteller, erhält eines Tages einen Brief. Er ist über diesen Brief so perplex und sprachlos, dass er es für längere Zeit überhaupt nicht wagt, den Brief zu öffnen. Über mehrere Seiten zieht sich das Zögern und Zagen hin, bis er schließlich doch den Briefumschlag öffnet. Es dürfte [...]
LitMag-Weltlyrik: David Maria Turoldo
Poesia è rifare il mondo, dopo il discorso devastore del mercadante. David Maria Turoldo Handelt es sich hier nun um ein Gedicht oder um eine Definition von Poesie oder ist es eine Art von Aphorismus? Um das zu entscheiden, muss man diese Zeilen zunächst einmal in die deutsche Sprache übersetzen. Es scheint sich dabei um [...]









