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Posted On September 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Elegie

1 Dem Großvater durfte man keine Fragen stellenEr wohnte im SchweigenDer Großvater kannte nur eine FrageWas gibt’s zum Essen?Der Großvater hatte keine VergangenheitNur Gegenwart Nur WirtschaftswunderEr kam zu allen Festen Ohne GeschenkeSchlug sich den Wanst vollDer Großvater hatte nur Hunger SonstHatte er nichts Vor allem keine Vergangenheit 2 Er ist der Größte, der größte der Allergrößten,Alles an ihm ist übergroß, er ist oben, so oben, dass alleUnten sind: Untertanen, Untertassen, Untermenschen.Konkurrenten werden gnadenlos ausgemerzt, ausradiert,Aussortiert. Und dabei hat er keine Schuld, oh nein,Es war ja alles formal korrekt. (Er istRead More

Posted On September 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer liest Ovid

Ovid – von der Liebe zu den Sternen:  Metamorphosen eines Dichters. Ein Essay von Markus Pohlmeyer Ovid (gestorben 18 n. Chr.?), ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Amores. Ovid, ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Ars amatoria:  eines Lehrgedichts gelingender Liebe für Mann und Frau.  Ovid, ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Metamorphosen. Ohne dieses Werk wäre europäische Kunst nicht denkbar und kaum verstehbar – das Kompendium antiker Mythologie schlechthin.  Ovid, ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Amores: Die Erotik dieser Liebeselegien liegt nicht nur im Inhalt, sondern auch in der verführerisch enthüllenden-verhüllten Sprache. Read More

Posted On September 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer schaut „Star Trek Enterprise“

„Dämmerung“ und „Ebenbild“. Eine Skizze Ein Essay von Markus Pohlmeyer. Mag sein, durch den Abstand der Jahre, begeistert mich die Serie Star Trek Enterprise (2001-2005) immer mehr – im Gegensatz zu den teilweise vernichtenden Kritiken, die ich gelesen habe. Nach nur vier Staffeln eingestellt (Ein ähnliches Schicksal traf die Originalserie.). Und zugegeben, ein leider dramaturgisch frontal vermasseltes Finale (bildlich: mit Warp 8 in ein klingonisches Schwert). In Kürze: Die Menschheit wagt unter der strengen Aufsicht der Vulkanier die ersten größeren Schritte in die Galaxie. Die Vulkanier treten als überstrenge, überbesorgte Über-Mentoren auf,Read More

Posted On Juli 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Orpheus und Euridike. Variationen

1 Photosynthese und QuantenphysikLicht, Leben … Ich … Wir verstehen kaum die Poesie des Lebens,Aus der sich unsere Texte und Geschichten weben. Eine Supernova … und wir wurden denkenderSternenstaub, dass wir uns erforschten. Wie viele Multiversen habenUnsere Gedichte schon gebaut? Galaxien über Galaxien:Wie funkelnde Diamanten, auf schwarzen Samt, Texte am WebstuhlDer Zeit und Gravitation. Relativitätstheorie und ein Sternenabend:Meine Zeitmaschinen. Ich reise zurück, Woher ich kam. Gut, einen BlickNach Hause zu erhaschen. 2 Der Baum ist nicht Hitler-Deutschland,Die Schwalbe nicht Putin-Rußland,Das Kind nicht der Dreißigjährige Krieg,Und jenes lachende Mädchen nicht einRead More

Posted On Juli 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer entdeckt „Jurassic World“

Jurassic World: Neue Abenteuer oder Glücklich unter Dinosauriern. Ein Essay Vor kurzem entdeckte ich Jurassic World: Neue Abenteuer. Staffel 1-3. Dinoskrassherdamit. Fing harmlos an. Eine Gruppe von Jugendlichen darf ein neues Camp in Jurassic World ausprobieren: Darius, absoluter Dino-Fan; Kenji, nervenzersägender VIP; Ben, der selbst Angst vor der Angst hat und auch diese mit Desinfektionsmittel bekämpfen würde; Sammy, Top-Spionin, um ihre Familie zu retten; Yaz, Mega-Sportlerin; Brooklynn, Influencerin, die von und mit ihrem Handy lebt. Und es gibt zudem eine Brücke zu den neueren Filmen dieser Reihe: denn der genetisch manipulierte Indominus Rex erklärt denRead More

Posted On Juni 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Wozu dichten (5): Markus Pohlmeyer über Horaz

Zur Einleitung: Zusammen mit unserem Essayisten Markus Pohlmeyer (seine Texte bei uns hier) haben wir die Idee zu einer neuen Reihe entwickelt. Hier seine Skizze: Hölderlins Frage: „… wozu Dichter in dürftiger Zeit?“ (aus „Brot und Wein“) behält für mich in tragischer Weise – zeitgebunden-zeitlos – ihre Berechtigung und ist zugleich auch schon ihre eigene Antwort. Gerade in dürftiger Zeit dichten, als Widerstand (gegen Krieg, Diktatoren, Massenmörder etc. ad infinitum) und als Erinnerung (an das Schöne, Tröstende, Geheimnisvolle, an das Humanum im Menschlichen). Ich erinnerte mich an meine ersten Begegnungen mit Sappho und Archilochos.Read More

Posted On Juni 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer über den Film „Reminiscence“

Reminiscence – ein neuer Orpheus, eine neue Eurydice Ein Essay von Markus Pohlmeyer I „Orpheus war der Mozart der antiken Welt. […] Hermes erfand die Lyra, Apollon verbesserte sie und Orpheus machte sie perfekt.“[1] Seine Sangeskunst soll Stein, Tier und Baum bewegt haben. Orpheus war mit Eurydice verheiratet, die tragisch ums Leben kam. Er reist in die Unterwelt, stimmt mit seiner Lyra die Totengötter um: Eurydice dürfe zurückkehren – aber nur unter folgender Bedingung, dass der Sänger sich auf dem Weg nach oben nicht umdrehe. Orpheus, zweifelnd, aus Liebe, dreht sich um:Read More

Posted On April 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Variationen zu Krieg und Frieden

– Ein Fragment. Die Profiteure Machen wir uns nichts vor. „So lange der Krieg als eine Möglichkeit überhaupt in Betracht kommt, d. h. also, so lange es Berufszweige gibt, die auf die Möglichkeit eines Krieges gestellt sind, ferner so lange es auch nur einen Menschen gibt, der durch den Krieg seinen Reichtum vergrößern oder solchen erwerben kann und der zu gleicher Zeit die Macht hat oder den Einfluß, einen Krieg herbeizuführen, genau so lange wird es Kriege geben.“[1] „Die Frühe Neuzeit kennt die Erfindung der kriegsentscheidenden Feuerwaffen, aber auch diejenigeRead More

Posted On April 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Cixin Liu „Supernova“

Vom Ende und Anfang der Welt Dargestellt in Spielszenen – Ein Essay. „Als es geschah, war die Erde ein Planet im Universum.“[1] Es? Und Planet im Universum? Was denn sonst? Banal … Oh nein. Denn „Supernova“ – die deutsche Übersetzung des ersten Romans von Cixin Liu (2003), dem Autor von ‚Trisolaris‘ – spielt ein erschreckendes Gedankenexperiment durch: Was wäre, wenn die Auswirkungen einer Supernova in unserer kosmischen Nachbarschaft die Erde erreichten und nicht nur das Klima veränderten,[2] sondern auch alle Menschen älter als 13 aufgrund der Strahlung zum Tode verdammten?Read More

Posted On April 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer – Gedichte: Tristia ex mari Baltico

Den Menschen, die ausUnd vor Russland fliehen I Ich war Einst Werde sein Einst Werde gewesen sein II Kierkegaard[1] Da spricht jemandIn seinem BuchVon einer Liebe,Die liebt mit demBewussten Risiko,Nie, nie erwidert werdenZu können, und dieNicht anders kann,Dass sie rein gar nichtsZurück will.So gibt es fürDas DuKeine größereFreiheit. III Vergil[2] Vergil, geleiteDu Meine SeeleDer du weinst mit Den ZerbrochenenUndDen Zerbrechenden Geleite du meine SeeleDurch die Tränen der WeltDurch Tränen um die Welt Mich IV Persius[3] Lehre mich diese Welt zerreißenMit Versen! Wer war denn so irre und gabIrren Atomwaffen, werRead More

Posted On März 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Das erste Mal Ich

Der Dichter Archilochos – Ein Essay Für Beate Fränzle I Fragmente Archilochos „[…] von Paros, griech. Lyriker, ca. 680-630 v. Chr. […] Es sind etwa 300 Fragmente erhalten. 1974 kam die sog. Kölner Epode (fr. 196a), die von sexuellem Erleben berichtet, hinzu.“[1] Und nun ein weiteres Zitat, von dem ich behaupten möchte, das fast alles von dem Folgenden ebenfalls auf Archilochos zutreffen kann: „Desorientierung, Auflösung des Geläufigen, eingebüßte Ordnung, Inkohärenz, Fragmentarismus, Umkehrbarkeit, Reihungsstil, entpoetisierte Poesie, Zerstörungsblitze, schneidende Bilder, brutale Plötzlichkeit, dislozieren, astigmatische Sehweise, Verfremdung …“[2] Worum geht es? Hugo Friedrich sucht in diesemRead More

Posted On März 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Das „Dune“-Universum

Erlösung und mehr? – Ein Essay „Kwisatz Haderach, der: Der ‚Verkürzer des Weges‘. Bezeichnung der Bene Gesserit für das ‚Unbekannte‘, für das sie eine genetische Lösung suchten: ein männlicher Bene Gesserit, dessen organisch-geistige Kräfte Raum und Zeit überbrücken sollten.“[1] „Die Religion stellt den Versuch des Erwachsenen dar, ein Kind zu bleiben. Sie ist das Sich-Einkapseln in die Glaubenswelt der Vergangenheit […]. Und immer wieder lautet ihr ultimativer, unausgesprochener Befehl: ‚Du sollst keine Fragen stellen.‘ Aber wir stellen Fragen […]. Denn die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, besteht darin, dieRead More

Posted On März 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Gedichte – Rückkehr III

Rückkehr nach Corona III 1 Alles Reden kommt hierAn eine Grenze: PhotographienDes Hubble-Teleskops.[1]Nimm und schau. Welcher WegVon dort nach hier,In meine kleine Stadt, inMein Zimmer für mich selbst?Copernicus und Einstein,Papyrus und Buchdruck.Eine Reise dorthinDurch das SonnensystemZu fernen Galaxien,Zu tiefer Zeit,Blicke zurück in eine Vergangenheit,Als noch kein Alphabet erfunden,Kein Computer, kein Mensch. Auf nur einer einzigen SeiteAll die Punkte:Sind GalaxienMit Milliarden von Sternen,Mit Milliarden Planeten:Welche GeheimnisseWürden auf uns warten,Wenn wir nicht … Sieh’ doch, dort, damalsGravitationssuiten und SphärenklängeAus unwirklichen Farben. SymphonischeMonumente der Schöpfung, wenn es dennEine solche gegeben hat. Oder vielerSchöpfungen.Read More

Posted On Februar 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Essay zu „Ich bin Dein Mensch“

Künstliche Intelligenz und Empathie Gedanken zu „Ich bin dein Mensch“[1] (2021, Regie: Maria Schrader) Alf Mayer zum Geburtstag gewidmet Es gibt in der Science Fiction eine Zeit für riesige Sandwürmer, finstere Aliens, gigantische Raumschiffe und sterbende Imperien. Und es gibt eine Science Fiction, die das alles nicht benötigt. Tom (von einem Menschen gespielt: Dan Stevens) ist ein Experiment, ist künstlich und noch verbesserungswürdig, wie sich bei der ersten Begegnung mit seiner Testperson, der Wissenschaftlerin Alma (Maren Eggert. Anmerkung: lat. alma mater = die gütige Mutter; auch eine Bezeichnung für Universität)Read More

Posted On Februar 1, 2022By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Spider-Man Vol. 1

Eine Rezension David Mandel, Ralph Macchio: Marvel Comics Library. Spider-Man. Vol. 1. 1962–1964. Famous First Edition: Nummerierte Erstauflage von 5.000 Exemplaren. Ausgabe: Englisch. Verlag Taschen, Köln 2021. Hardcover, Format 28 x 39,5 cm, 4,83 kg, 698 Seiten, 150 Euro. Verlagsinformationen hier. Dieses Riesenbuch ist ein kleines Schatzkästchen – vor allem mit dem Wunder der ersten Spider-Man-Story aus ‚Amazing Fantasy 15 Aug.‘: „Es ist eindeutig eine der besten Herkunftsgeschichten in der Historie der Comics, niedergeschrieben auf gerade einmal 11 Seiten.“[1] Doch was ist das Neue? Kurz, was unterscheidet Peter Parker-Spider-Man beispielsweis von Clark Kent-Superman? Es „[…]Read More

Posted On Dezember 31, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Variatio

Nach dem Hören von Beethovens Diabelli-Variationen, interpretiert von Igor Levit 1„Hänschen kleinGing alleinIn die weite Welt hinein“ 2Seltsam,Wie dies schierUnendliche AllSich so klein macht …Was?Ich bin nur einStadtmäuschenIn irgendeinem HinterhofDer Galaxis.Träume mich zu denSternen, meineSeele wird weit,Bricht auf.Neugierig, mutig,Ein wenig versöhnt.Stolz darauf,Nicht den SpeerAufgehoben zu haben,Sondern den Vers.Der mich fand,Als ich alleine war,All-eins. 3Oh weite, weite Welt:So wünschenswert?Wild, wüst undWahnsinnig du,Aber durchausNicht uninteressant. 4Alleine geh’nDurchDiese Corona-ZeitDie Nacht mitIhren kaltenSternen undVerstummten FernenDie weite Welt da untenSie istEng geworden 5AngstKriecht durch den Alltag Hinter die Masken: Kenne ich nochDein Gesicht? 6Zu vieleRead More

Posted On Dezember 1, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Gedichte

Rückkehr nach Corona 2 1 November. Allerseelen. Es dunkelt. Regen.Regennasse Blätter in wirbelnden WellenÜber eine dunkelnde Straße. Auf seinem FahrradEin Kind, das durch dieses Meer surft.Fliegende, dunkle Dokumente des Sterbens.Allerheiligen. Ich stehe alleine, schaue zu,Und bin noch hier, auch nachdem schon Kind undFahrrad, Tag und Gedicht verschwunden sind. 2 Früher hielt ich das BöseFür irgendeine brillante Dämonie,Heute meistens nur fürEinen seltsamen Mix ausNeid,Dummheit undInkompetenz. 3 Die Erde: ein feuriger Eisball,Pangäa zerbricht und die Hoffnung,Kometeneinschlag: bildgewaltige Resignation.Homo raptor hat den Homo sapiens … 4 Juhu, wieder daaa! (War nie weg.)Ach, IhrRead More

Posted On November 1, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: 11/21 (Gedichte)

Rückkehr nach Corona 1 Erinnerung Unsere Städte waren Lärm.Es kehrte zurück, wasWir draußen vernichtet hatten: Stille,Unterbrochen nur vomRauschen eines Blattes, vonDes Vogels Sang, vom:Und dem LichtDes Mondes. AllesSo Still. Jetzt kehren wir zurück,Lärmend. 2 Venedig, memoria Wir tanzten.Die Stadt standWie auf einem Spiegel.Als der Mond seineMelancholiaIn die WasserGleiten ließ: LichtperlenAn meinen schwarzen Händen. 3 Nachdenklich Selbst die Leere zwischenPlaneten, Sternen und Galaxien,Die Leere selbst in den AtomenIstVoller Geometrie 4 Haiku Sommerabend –Dieser Schwarm Dohlen:Wehende Blätter im Wind. Ich musste lernen,Dass Raum zeit istUnd Zeit raum. In Ellipsen kreisenDie Planeten geradeUmRead More

Posted On November 1, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: DUNE

Konsequente Reduktion Gedanken zu der Verfilmung von Denis Villeneuve Endlich wieder ins Kino können! Und ich habe es genossen: einen Film zu bewundern, für den jede noch so große Leinwand zu klein schien. Und der nach zweieinhalb Stunden immer noch viel zu kurz war. I Falls und wenn Sie DUNE (Der Wüstenplanet oder auch Arrakis) sehen: Entdecken Sie irgendwo Computer? Sehr merkwürdig für eine merkwürdige Gesellschaft der Zukunft, die eher mittelalterlich und feudal anmutet. II „Wenn du Poesie perfektionieren willst, musst du auch etwas zerstören.“[1] So Villeneuve, der eine konsequenteRead More

Posted On Oktober 1, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Jugendsprache und Latein

Einige Gedanken über sehr lebendige Sprachen  Anlässlich Matthias Heines Buch „Krass. 500 Jahre deutsche Jugendsprache“[1]. Die Darstellung ist stark deskriptiv, mit einem Schwerpunkt vor allem in Studentenmilieus, aber auch aktuell angelegt mit Blick auf die Gamer-Szene oder die Sozialen Netzwerke. Von „Wie Tumult, Alkohol und Bandenwesen eine ‚eigene Kraftsprache‘ schufen“ (beginnend im 16. Jh.) bis zu „Der Digga, der Babo und ihr mega Endgegner – das VSCO Girl“. Die starke Fokussierung auf Studentensprache wird wie folgt begründet: „Zudem war sie rund 300 Jahre lang die einzige Jugendsprache, die wir in Quellen zu fassen kriegen. […] JugendspracheRead More

Posted On Oktober 1, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer über eine Cixin Liu-Graphic Novel

Das Meer der (Alb)Träume „Meer der Träume“: diese Geschichte des chinesischen Science Fiction-Autors Cixin Liu war mir noch unbekannt. Und ließ mich nach der ersten Lektüre irritiert zurück. Nun gilt es, dieser Irritation nachzuspüren. Die dramatischen Bilder fangen gut eine Atmosphäre von Faszination, Entsetzen, Monumentalität, Katastrophe und Hoffnung ein. Wunderbar das 4-seitige Panorama, das nur als schön zu beschreiben wäre, wäre es nicht so fürchterlich in den Konsequenzen.  Yan Dong stellt abstrakte Eisskulpturen her, was plötzlich die Aufmerksamkeit eines gigantischen Alien-Niedertemperaturkünstlers hervorruft, der ein äußerst radikales ästhetisches Programm vertritt: „Kunst istRead More

Posted On Oktober 1, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer über Andy Weirs „Der Astronaut“

 Rocky and Roll im Weltall Andy Weir: Der Astronaut (The Project Hail Mary, 2021). Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski. Heyne Verlag, München 2021. Klappenbroschur, 560 Seiten, 16,99 Euro. Diese Geschichte wie eine Tragikomödie: Rein in die Katastrophe, raus ins Happyend. Die erste Hauptfigur wurde geschickt gewählt und gekonnt gestaltet. Ryland Grace, ein Lehrer (und ehemaliger Wissenschaftler), der in ein kosmisches Abenteuer stolpert. Aus seiner Perspektive wird erzählt – eine Perspektive, die über die Ich-Form mich, den Leser, leicht in das Geschehen verstrickt. Die zweite Hauptfigur ist Stratt, eine Art globale DiktatorinRead More

Posted On September 1, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer über Anna Hoffmanns „VLUST“

Anna Hoffmann: VLUST. Gedichte. Plus Audio-CD von Anna Hoffmann. Hybriden-Verlag, Berlin 2021. Verlagsinformationen hier. Eine Rezension. Gewiss werde ich nicht fragen, was uns Anna Hoffmann damit sagen wollte – das tat die Dichterin nämlich genau in ihren Gedichten und mit deren Form. Beschreiben möchte ich hier vielmehr, wie es mir mit diesem Buch ergangen ist. Da liegt auf meinen Küchentisch immer eine kleine Auswahl von Poesie (von der Antike bis heute). Natürlich fänden sich ‚heiligere‘ Stätten, um Gedichte in der eigenen Wohnung auszustellen …; anders gewendet: gute Lyrik ist für mich die, mit derRead More

Posted On September 1, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer über Salgados „Amazônia“

Ein Buch, das ich nur wenige Seiten durchblättern kann – um dann überwältigt innezuhalten: so viel zu staunen, so viel zu bewundern, so viel Unbekanntes zu entdecken. Gerade die Bilder vom Flugzeug aus sind atemberaubend, der blanke Wahnsinn, zum Niederknien und zum Demütig-Werden. Die Bilder der indigenen Völker fast minimalistische Studien, Dokumentationen gegen das Vergessen, bisweilen klassisch schön in der Stilisierung und zugleich Fest, Jagd, Alltag, Trauer, Freude und Familie – weit jenseits davon, naiv einen ‚edlen Wilden‘ zu konstruieren. Der Photograph ist bekannt: „In thematisch angelegten Langzeitprojekten hat SalgadoRead More
Corona I März 2020: Ich fing an, Corona-Gedichte während eines Krankenhausaufenthaltes zu schreiben. Der erste Tag dort war noch ‚normal‘. 24 Stunden später fühlte ich mich wie in einem postapokalyptischen Science Fiction. Masken, leere Gänge, eine unsichtbare Bedrohung. Im Fernsehen Bilder aus Italien. Als ich nach Flensburg zurückkam, gab es meine alte Welt nicht mehr. Wenn ich heute zurückschaue – gut 1 Jahr und 200 Gedichte später: II … ist der Versuch, eine poetische Antwort auf die Frage einer Kollegin zu finden, was für mich denn Einsamkeit bedeute. Einsamkeit sollteRead More

Posted On Juni 1, 2021By Markus Pohlmeyer

Markus Pohlmeyer: Corona 12

„Nun versteh ich den Menschen erst, da ich fern von ihmund in Einsamkeit lebe!“[1]Hölderlin 1 Marx – Kierkegaard – Freud: Personae Der Kierkegaard-Forscher K. Nordentoft habe sich, so eine seiner ehemaligen Schülerinnen, im Himmel eine Begegnung zwischen Freud, Marx und Kierkegaard gewünscht. Letztlich muss das der Liebe Gott arrangieren, aber hier unten wage ich folgenden Versuch – verschiedene Masken also, die ich anziehen werde: MarxWarum sind wir soÜberrascht? Es geht dochLetztlich nur um UnterdrückungUnd Ausbeutung. FreudEs variierenNur die Legitimationen wechselnderIdeologien, Religionen, KastenOder Egos. (So denken sich gewisseAffen immer neue MythenRead More